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Verschiedene Sichten zu Gottesdiensten in ehemaligen Kirchen der Türkei

Türkisches Religionsamt für Öffnung der Pauluskirche in Tarsus

Das türkische staatliche Religionsamt (Diyanet İşleri Başkanlığı) hat sich dafür ausgesprochen, die Pauluskirche in Tarsus wieder als Gotteshaus zu öffnen. Diese Auffassung habe seine Behörde auch den zuständigen staatlichen Stellen übermittelt, sagte DIB-Leiter Prof. Ali Bardakoglu laut türki­schen Medienberichten im Jänner.

 

Die Kirche in Tar­sus war während des vergangenen Paulusjahres vor­übergehend für Gottesdienste ge­öffnet. Sie dient seit­dem aber wieder als Museum. Kurienkardinäle und Bischöfe aus zahlreichen Ländern haben die Türkei mehrmals aufgerufen, die Kirche im Geburtsort des Apostels Paulus wieder für Gottesdienste zu öffnen.

Bardakoglu sagte den Berichten zufolge, in der Türkei wie in der ganzen Welt habe die religiöse Toleranz möglicherweise nachgelassen. Sein Land müsse aber die Religionsfreiheit achten und etwai­ge Defizite beseitigen. „Wenn es an einem Ort eine christliche Gemeinde gibt und wenn diese eine Kirche einrichten will, dann müssen wir helfen“, sagte der Leiter des Religionsamtes. Das gelte auch für die Pauluskirche.

Das Problem des seit den 1970er Jahren geschlos­senen orthodoxen Priesterseminars auf der Insel Heybeli könne ebenfalls im Rahmen der Religionsfreiheit gelöst werden, sagte Bardakoglu. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan machte unterdessen die Öffnung des Seminars von Verbesserungen der Lage für die tür­kische Minderheit in Griechenland abhängig.

Keine Gottesdienste in Kathedrale von Akthamar

Die türkische Regierung gestattet der armenischen Kirche keine Gottesdienste in der restaurierten

Heilig-Kreuz-Kathedrale auf der Insel Akhtamar im Van-See. Mit einer entsprechenden Klarstel­lung beendete Kulturminister Ertugrul Günay eine seit Jahren dauernde Diskussion um die Nutzung der historisch und symbolisch bedeutsamen Kirche im früher armenisch besiedelten Osten der Türkei.

Die weltberühmte Heilig-Kreuz-Kathedrale auf Akhtamar, die seit 1915 in Verfall geraten war, wurde in den vergangenen Jahren im Auftrag der türkischen Regierung restauriert. Bei der Fertigstellung vor drei Jahren verweigerte die Regierung dem türkisch-armenischen Architekten allerdings die Genehmigung, ein Kreuz auf die Kuppel zu setzen, obwohl er mit historischen Bildern beweisen konnte, dass es früher dort war.

 

Zur Einweihung im Frühjahr 2007 hatte die Regie­rung unter anderen den inzwischen schwer erkrankten armenischen Patri­archen der Türkei, Mesrob II., eingeladen. Er bat in seiner Rede öffentlich darum, zumindest einmal im Jahr eine Liturgie dort zelebrieren zu dürfen. Seither hoffte die Gemeinde auf eine entsprechende Genehmi­gung der Regierung. Zuletzt hatte der Gouverneur von Van angekündigt, dass es 2010 so weit sein werde und dass sogar Geistliche aus dem Nach­barland Armenien zum ersten Gottesdienst einge­laden würden.

Diesen Hoffnungen machte der Kulturminister jetzt ein Ende. „Dieses historische Bauwerk steht nicht auf der Liste jener Orte, die im Rahmen des Religionstourismus für christliche Gottesdienste, Gebete oder religiöse Veranstaltungen geöffnet werden“, erklärte Günay: „Es gibt keinerlei Pläne, diesem Kulturdenkmal ein Kreuz aufzusetzen und die Genehmigung für Gottesdienste darin zu erteilen“.

Ankara, 04.01.2010 und 11.01.2010

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