St. Paul Kirche in Konya

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Assos
February 22, 2017

Biblischer Ursprung
Der hl. Paulus war schon auf seiner ersten Missionsreise dort – damals hieß der Ort Ikonion. Die Apostelgeschichte berichtet, wie Paulus von Ikonion vertrieben wurde und in Lystra Timotheos fand, den er dann als Begleiter mitnahm (vgl. Apg 14 bzw. Apg 16,1-3). Zwei in der Bibel noch vorhandene Briefe hat Paulus an Timotheos geschrieben.
Katholische Kirche St. Paul – Geschichte
Im Zentrum der modernen Stadt Konya, unmittelbar an dem Hügel, auf dem sich das alte Ikonion befand, steht die Kirche St. Paul, sie wurde 1910 vom Sultan für die zahlreichen katholischen Arbeiter an der anatolischen Eisenbahn erbaut und bis zum Jahr 1936 von den Assumptionisten betreut. Als fast alle Christen Konya verlassen hatten, gingen die Assumptionisten nach Ankara und kamen bis zum Jahr 2000 einmal im Monat nach Konya. Die Kirche wurde zwischendurch enteignet und sollte zur Turnhalle werden. Eine griechisch-orthodoxe Bürgerin in einflussreicher Stellung erwirkte schnell die Rückgabe an die Assumptionisten.
Eine armenische Familie leistete über zwei Generationen Hausmeister- und Sakristan-Dienste. In den 80er Jahren baute Kapuzinerpater Vincenzo ofm cap das heutige kleine Pfarrhaus im Blick auf den geplanten Einsatz der Kleinen Schwestern Jesu ab 1985, der bis 1995 dauerte.
Danach übernahmen Sr. Isabella und Sr. Serena vom Säkularinstitut „Gesü Risorto” (der Auferstandene), den Dienst. Ihre Gemeinschaft ist nach dem Zweiten Weltkrieg in Trient entstanden und sieht ihren Dienst in Konya als Zeichen des Dankes: drei Mönche aus Kappadokien hatten im vierten Jahrhundert in den Bergen um Trient den Glauben verkündet und sind damals Blutzeugen geworden.
Ungefähr mit ihrer Ankunft nahm die Zahl der Pilgerfahrten in die heutige Türkei, dem Heiligen Land der frühen Christenheit, zu. Im Paulusjahr 2008/2009 kam jeden Tag eine Pilgergruppe mit Priester, manchmal auch vier, in der Osterzeit sechs. Touristenbusse zu kurzer Besichtigung kamen noch häufiger, oft sechzehn an einem Tag. Seit zwei Jahren (mit dem Attentat an der Hagia Sophia in Istanbul 2015) hörten die Gruppenbesuche auf.
Muslimisches Umfeld
Aus der Blütezeit Konyas, der damaligen Hauptstadt der Seldschuken, gibt es Moscheen und Medresen mit vielen Kreuzen und bildlichen Darstellungen von Tieren und Menschen. Im Archäologischen Museum entdeckt man Steine mit christlichen Zeichen: Sonne, Kreuz, Fisch, Pelikan… überall ist das Wappen der Seldschuken zu sehen, der Doppeladler, der auch das Wappen der römischen / byzantinischen Kaiser war.
Die Stadt ist berühmt für ihre Sufitradition. Die Schwestern pflegen gute Kontakte zum Kloster der muslimischen Derwische: eine Nachfahrin des Gründers Mevlana lädt immer wieder zum Tee mit der Bruderschaft ein, wenn die Schwestern am Samstagabend die Sema (den „Tanz der Derwische”) besuchen.
Die Stadt liefert wie bei den Moscheen Strom und Wasser kostenlos, bietet ebenso die Reinigung der Kirche an und eine Wache zu Gottesdienstzeiten, letzteres nehmen die Schwestern aber selten in Anspruch. Die jungen Leute der Gemeinde putzen Kirche und Garten. Donnerstag und Freitag öffnen die Schwestern nachmittags die Kirche und stehen für Fragen der vielen – v.a. muslimischen — Besucher zur Verfügung.
Im dörflichen Ortsteil Sille ist eine orthodoxe Kirche mit zahlreichen Fresken als Museum restauriert worden, die Nachfahren der ehemaligen griechischen Bewohner haben auch Ikonen für die Ikonostase geschenkt. Dort lässt sich gut Katechese halten z.B. für die Firm-Vorbereitung – und für die zahlreichen Besucher.
Eine bunte Gemeinde vor Ort
In St. Paul existiert eine lebendige Gemeinde aus Erasmus-Studenten (Konya hat die größte Universität der Türkei mit ca. 85.000 Studierenden), Christinnen, die mit Muslimen verheiratet sind, Arbeitern und Angestellten, Flüchtlingen und Vertriebenen. Der Gottesdienst ist gewöhnlich am Sonntag um 15.00 Uhr; oft auch ohne Priester, v.a. nach dem Rückgang der Touristengruppen. Seitdem bitten die Schwestern, besonders bei Feiertagen, um einen Priester aus Ankara oder Istanbul. Auch Prälat Korten aus Antalya und P. Patrice SJ aus Trabzon haben schon ausgeholfen.
Nikolaus Wyrwoll und Gerda Willam

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