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Türkeistämmigen gefällt es in Deutschland besser als angenommen
Die BAMF-Autoren werteten für ihren Bericht die Daten zwischen den Jahren 2007 und 2012 aus. Demnach wanderten jährlich zwischen 14.000 und 17.000 türkische Staatsangehörige in die Türkei aus. Im gleichen Zeitraum zogen 4.000 bis 5.500 Deutsche jährlich in die Türkei.
In Deutschland leben ungefähr drei Millionen Türkeistämmige. Im Vergleich zu dieser Zahl überraschen die Abwanderungszahlen, das sie sehr niedrig sind. Rund 20 Prozent der Fortgezogenen mit türkischer Staatsangehörigkeit sind in Deutschland geboren oder aufgewachsen und gehören somit der zweiten bzw. dritten Generation an. Am häufigsten wandern diejenigen ab, die sich nur kurz- bzw. mittelfristig – bis zu sechs Jahre – in Deutschland aufgehalten haben.
Die Autoren stellten eine hohe Abwanderungstendenz bei den Türken im Alter ab 65 fest. Jedoch sei ihre Zahl seit 2009 rückläufig. Im Jahr 2012 zogen gerade einmal 1,3 Prozent der türkischen Staatsangehörigen im Alter ab 65 Jahren aus Deutschland fort. Dem Bericht zufolge könne man daraus schließen, dass immer mehr türkische Bürger, ihren Ruhestand in Deutschland verbringen wollten.
Eine Analyse der amtlichen Datenquellen zeige zudem, dass nicht mehr als 0,5 Prozent der in Deutschland geborenen Türken pro Jahr aus Deutschland auswanderten. Bei den Deutschen liege die Abwanderungsquote bei 0,2 Prozent – und weiche somit nur geringfügig von dem der Türken ab.
Auch über die Abwanderungsbereitschaft der Türkeistämmigen macht der Bericht eine Aussage. Demzufolge wollten zwischen sechs und 36 Prozent der Befragten aus Deutschland fortziehen. Die tatsächlichen Zahlen liegen jedoch weitaus darunter.
In Deutschland geborene Türkinnen ziehen häufiger im Alter von bis zu 24 Jahren aus Deutschland fort. Bei den Männern steigt die Wanderungshäufigkeit ab dem 35. Lebensjahr kontinuierlich. Die Gründe hierfür sind geschlechterspezifisch.
Für die Abwanderung gaben die Gruppen verschiedene Gründe an. 40 bis 60 Prozent nannten ein „fehlendes Heimatgefühl“. Bei einer tatsächlich erfolgten Auswanderung spielte dieser Aspekt jedoch keine zentrale Rolle. Ausschlaggebender seien familiäre und partnerschaftliche Gründe. Diskriminierungserfahrungen hingegen seien nicht entscheidend. Dieses Ergebnis steht dem der türkisch-deutschen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (TAVAK) entgegen. Sie behaupteten, dass die häufigsten Gründe für eine Abwanderung Arbeitslosigkeit und Diskriminierung seien .
Das Ergebnis des Berichts überrascht insofern, als man bislang von einer anderen Annahme über die Auswanderung ausgegangen ist. Die Zahl der gut ausgebildeten Auswanderer in die Türkei ist viel geringer als ursprünglich angenommen.

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