Istanbul

Lygos-Byzantion – Deutera Roma- Konstantinopolis

 Für unsere Betrachtungen   über  die   Zeugen  der byzantinischen Vergangenheit Istanbuls mag es von Interesse sein, einen Blick in die frühe Geschichte der Stadt zu werfen.

Plinius d. Ä. schreibt, daß der von Thrakiern besiedelte Ort am Eingang in die Meerenge des  Bosporus auf der europäischen Seite den Namen  Lygos getragen habe. Keramikfunde aus der Zeit um 600 v.Chr. bezeugen, daß dort, wo heute die Irenenkirche, steht sich eine Siedlung befand. Von den Geschicken dieser Siedlung gibt es bis jetzt keine historischen Zeugnisse. Herodot berichtet, daß um 702 auf der Saray – Spitze sich eine Megara – Kolonie entwickelt habe. Tacitus überlie­fert die Gründungslegende Byzantions : Byzas, einer der griechischen Kolonisten jener Frühzeit, habe nach Befragung des Orakels von Delphi für die Neugründung seiner Stadt einen Platz „gegen über der Stadt der Blinden“, das ist gegenüber von Chalkedon, deren Gründer den günstigeren Platz von Lygos – Byzantion nicht erkannt hatten, ge­wählt. Die historische Wahrheit dürfte aber sein, daß eine thrakische Siedlung von griechischen Kolonisten mehr und mehr unterwandert wurde. Und es ist noch nicht nachgewiesen, seit wann diese Siedlung den Namen Byzantion trug; sicher ist nur, daß es ein thrakischer Name ist. Kronik yazarı Eusebios’u dikkate alırsak, İstanbul (Byzantion) MÖ 660 yılında, yani günümüzden yaklaşık 2668 yıl önce kurulmuştu. Ancak Antik Çağ kolonilerinin ya da kent-devletlerinin kuru­luş tarihleri kesinlikten uzaktır. Yine de başka tarihsel ve arkeo­lojik veriler ile birlikte dikkate alındığında, Byzantion’un bir koloni olarak kuruluşunu MÖ 7. yüzyıl içine yerleştirmek yanlış olmayacaktır. Burada dikkat edilmesi gereken nokta, Byzantion’un bulunduğu yerde ilk iskânın ne zaman başlamış olduğu değil, koloni ya da öz­gün adlandırmasıyla apoikia olarak kuruluşunun anlaşılma­sı gerektiğidir. Aksi takdirde, Byzantion’un bulunduğu yerde ve çevresinde insanoğluna ait ilk izler çok daha öncesine, ta­rihöncesi çağlara kadar gitmek­tedir. Örneğin Yenikapı’daki Marmaray-Metro kurtarma kazılarında bulunan iskeletler ve seramik parçaları, yöredeki iskanın Neolitik Çağ’a kadar gittiğini göstermesi açısından önemlidir.

Byzantion

       

Bis zur Schlacht bei Platäa befand sich die Stadt unter persischer Herrschaft. Ab dieser für die Perser verlorenen Schlacht wurde Byzantion dem griechischen Einfluß unterworfen. Wegen der für Athen wichtigen Getreidezufuhr aus dem Schwarz-Meer – Gebiet spielte die Stadt im Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta eine bedeutsame Rolle. Vom Jahre 340 an kam Byzantion unter ma­kedonische Herrschaft und war dem Reich Philipps,  des Königs der Makedonier und Vater Alexander d. Gr. eingegliedert. Durch Xenophon und Cassius  haben wir wohl Nachrichten über Befestigung, Tempel, Plätze und verschiedene Bauten dieser hel­lenistischen Stadt, doch ist bis jetzt der archäologi­sche Befund darüber nicht gemacht worden. Klar­gestellt ist, daß die Akropolis mit ihren Tempeln auf dem Hügel stand, den heute das Saray ein­nimmt, der Hafen lag im Gebiet des heutigen Stadt­teils Sirkeci am Ausgang des Goldenen Horns ins Marmara – Meer. Die Befestigungsmauer dürfte vom Goldenen Horn ausgehend dort verlaufen sein, wo heute die Saray – Mauer steht. Zur Zeit der römischen Herrschaft verband sich Byzantion mit Pescennius Niger gegen den Kaiser Septimius Severus, wurde nach der verlorenen Schlacht vom Kaiser erobert und zerstört, auch Name und Stadtrecht wurden Byzantion aberkannt. Doch hat derselbe Kaiser später die Stadt wegen ihrer wichtigen geopolitischen Lage aufbauen lassen und gab ihr wieder. den alten Namen. Septimius Severus begann die Stadt über ihre frü­here Ausdehnung zu erweitern, stiftete‘ vor der Stadtmauer eine große Zirkusanlage, die unter seinem Sohn Caracalla zum späteren Hippodrom ausgebaut wurde. Thermenanlagen, eine Agora mit Säulenhallen und Tempel wurden errichtet. Caracalia hatte der von ihm erweiterten Stadt den Namen „Antoninia“ gegeben, der sich aber über seinen Tod hinaus nicht erhielt.

Von Byzanz zur Stadt Konstantins

Rom hat aus der Barbarenwelt die Welt des Abendlandes gemacht. Warum hat Konstantin beschlossen, seine Hauptstadt von den Ufern des Tibers an die des Bosporus zu verlegen?

Wieso hat das römische Weltreich, von den Legionen mit dem Schwert erobert, durch das römische Recht und die Pax Romana zusammengehalten, durch die Arbeit seiner Bauern-Soldaten entwickelt, zu schrumpfen begonnen? Wieso hat es sich gespalten und ist schließlich zerfallen? Wie kam es, daß das Kreuz die Wölfin ersetzte und dem Zeitalter des Kriegers jenes des Priesters folgte? Wie hat der Homo Christianus den Homo Romanus verdrängt? Wie kam es, daß dieses größte Reich aller Zeiten eines Tages im Jahre 1453, nur noch aus einer einzigen ummauerten Stadt bestehend, unter den Türken und des siegreichen Islams zusammenbrach? Hier geht es nur darum, in groben Umrissen eine Geschichte zu skizzieren, von der man allzuwenig weiß, obgleich es doch die Geschichte einer Kultur ist, welche die Menschen des Abendlands bis zum heutigen Tag geprägt hat.

Das Kaiserreich von Byzanz war der Nachfolger des Kaiserreichs. Obwohl aber unter Konstantin eine neue Hauptstadt errichtet und eine neue Kulturepoche eingeleitet wurde, gab es keinen klaren Bruch zwischen den beiden Reichen. Der Übergang des römischen Erbes auf Byzanz – unter dem Druck der Barbareneinfälle – erstreckte sich über einen Zeitraum von dreihundert Jahren. Es begann schon unmittelbar nach der Herrschaft des Kaisers Antoninus (138-161), die eine Blütezeit der Pax Romana gewesen war, Ende des zweiten Jahrhunderts. Das Reich wurde von schweren Krisen erschüttert; die Kaiser wechselten in rascher Folge, sie waren abhängig von Prätorianem und Heerführern, die nach Gutdünken Herrscher ein- und absetzten. Denn das Reich litt seit seiner Gründung durch Augustus unter einem schweren Mangel: dem Fehlen einer geordneten Thronfolge. Diese Unsicherheit der politischen Autorität führte zu wachsendem Druck seitens der Barbaren, die Hadrians „Limes“ überrannten. Italien war bedroht, ja selbst Rom. Der  Handel kam zum Erliegen, es liefen keine Steuern mehr ein, die Bevölkerung floh aus den Dörfern. Die alte Religion, die ein mystisches Band zwischen den Bürgern bildete, geriet in Verfall. Die Menschen, die in einer anderen Welt einen Trost für ihr Elend zu finden hofften, wandten sich orientalischen Kulten zu. Man sagte sich los von der polytheistischen Naturreligion, und nach und nach drang das Christentum in alle Volksschichten ein.

Diokletian (284-305) versuchte, durch eine mutige, wohldurchdachte Reform den Niedergang des Reiches aufzuhalten. Er kämpfte gegen die Anarchie. Er bemühte sich, dem Volk eine neue Vorstellung vom Kaiser zu geben. Er ließ aus sich einen Halbgott machen und sich verehren wie ein orientalischer Despot, vor dem jedermann aufs Antlitz zu fallen hatte. Er schaffte den letzten Rest der republikanischen Formen ab, die seine Vorgänger, auch die tyrannischsten, noch respektiert hatten. Er gab dem Reich eine regelrechte monarchische Verfassung; dies hatte jedoch eine derartige Zentralisierung der Verwaltung zur Folge, daß es unmöglich wurde, die ungeheure Aufgabe, das Riesenreich zu regieren, in die Hände eines einzigen Mannes zu legen. Deshalb nahm Diokletian im Jahre 293 das Byzantinische Reich vorweg, indem er Maximian zum Mitregenten machte. Dieser trug gleichfalls den Beinamen Augustus und regierte über die Gebiete nördlich des Mittelmeeres, während Diokletian sich die Verwaltung des Südens vorbehielt. Das war bereits der Beginn der Reichsteilung, und bezeichnenderweise gewann der griechische Osten das Übergewicht über den lateinischen Westen.

Von da an regierten, wenn auch unter häufigem Wechsel, jeweils zwei Augusti das Römische Reich, und jeder hatte einen Caesar als Stellvertreter. Dies war der Keim der Zweiteilung des riesigen Staates.

Konstantin, Diokletians Nachfolger, hatte also, wie wir noch sehen werden, sehr gute Gründe, Rom zu verlassen und seine Residenz, sein Regierungs- und Verwaltungszentrum, nach Byzanz zu verlegen. Bald vergaß er, daß er nur der Augustus des Ostens war und daß ein anderer Kaiser, Licinius, das Reich mit ihm teilte. Beide hatten übrigens nur einen Gedanken im Kopf: Alleinherrscher über das ganze Reich zu werden. Ein Bürgerkrieg war daher unvermeidlich, und er brach beim ersten Anlaß im Jahre 324 aus. Licinius wurde bei Adrianopel (heute Edirne) und bei Chrysopolis (Üsküdar) geschlagen und mußte sich Konstantin ergeben; dieser brach seine Zusicherungen und ließ Licinius umbringen und kurz darauf sicherheitshalber auch dessen Sohn, Licinius den Jüngeren. So war nun Konstantin alleiniger Kaiser. Er hatte bereits seinen dritten Sohn, Constantius, zum Caesar (Mitregenten) ernannt und hatte nun freie Hand, das alte römische Reich von Grund auf umzumodeln.

Ein christliches Imperium

Einige Jahrzehnte später nahm das Christentum Konstantin und dessen Mutter Helena in die Reihe der Heiligen auf. Es geht die Sage, Konstantin habe inmitten der Schlacht gegen Maxentius an der Milvius-Brücke ein leuchtendes Kreuz am Himmel erblickt, über dem in flammenden Buchstaben geschrieben stand: „In hoc signo vinces“ – „Unter diesem Zeichen wirst du siegen“. Daraufhin habe er seinen Soldaten befohlen, das Kreuzzeichen auf ihre Schilde zu malen, und sei nach dem Sieg zum neuen Glauben übergetreten. Tatsächlich erscheint es glaubwürdiger, daß die einzige Vision, die Konstantin jemals hatte, in die Zeit um 310 fiel und sich in einem gallischen Tempel zu Trier ereignete. Der erhitzten Phantasie des nachmaligen Kaisers sei Apollo erschienen, mit einem Lorbeerkranz in der Hand, was Konstantin als Verheißung der höchsten Macht interpretiert habe.

Als er später Alleinherrscher über das Reich wurde, war er – es läßt sich nicht bestreiten – nach wie vor Heide, ein Anhänger des Sonnenkults. Die Münzen aus jener Zeit zeigen das Bild des Kaisers neben dem des Apoll. Der christliche Historiker Lactantius reduzierte die Vision Konstantins auf einen bloßen Traum, der den Kaiser veranlaßt habe, die Schilde seiner Truppen mit „dem Buchstaben X, oben mit einem gebogenen Querstrich gekreuzt“ kennzeichnen zu lassen – einem Zeichen, das bald zum Monogramm Konstantins werden sollte. Darin kann man, wenn man will, den griechischen Anfangsbuchstaben des Namens „Christus“ erblicken.

Die christliche Tradition irrt, wenn sie behauptet, das Christentum sei unter Konstantin erstmals offiziell toleriert worden. In Wirklichkeit hatte schon Kaiser Galerus nach harten Christenverfolgungen in den Jahren 303/304 im April 311 das erste Toleranzedikt erlassen. Von da an hatten die Christen das Recht, sich zusammenzuschließen unter der Bedingung, daß sie die öffentliche Ordnung nicht störten und den Kaiser in ihre Gebete einschlössen. Woher die jähe Sinnesänderung des Galerus? Die Erklärung liegt vielleicht in der schweren Krankheit, die ihn niedergeworfen hatte und an der er bald darauf sterben sollte. Außerdem hatte die Bevölkerung zweifellos genug von den Christenverfolgungen, deren Wirkungslosigkeit offenkundig war.

Die christliche Tradition irrt auch, wenn sie das Edikt von Mailand aus dem Jahre 313 als formalen Beweis für die Bekehrung Konstantins hinstellt. Dieses Edikt, dessen Wortlaut von Lactantius (+317) und Eusebius, Bischof von Caesarea (265-339), überliefert wurde, gab dem christlichen Kult keinerlei Privileg. Es proklamierte nur die Gewissensfreiheit in religiösen Dingen und ordnete die Rückgabe beschlagnahmten christlichen Eigentums an. Außerdem war dieses Dokument kein Werk Konstantins, sondern stammte von Licinius aus der Zeit seines Kampfes gegen Maximinius Gaia. Es ist bekannt, daß 313 in Mailand Verhandlungen zwischen Konstantin und Licinius stattfanden, und es ist aus demselben Jahr ein Gebet erhalten, dessen Text von Laktanz überliefert wurde und das Licinius am Vorabend seines Zusammenstoßes mit Maximin Gaia verfaßt haben soll. Dieses Gebet enthält jedoch keinen Hinweis auf den christlichen Glauben; es ist einfach an ein höchstes Wesen gerichtet, das ebenso gut Mithra oder Jupiter wie Jahwe oder Jesus sein könnte. Aber es zeugt für eine neue Geisteshaltung, für eine neue Religionsauffassung. Konstantin hat diese beiden Texte sicherlich gekannt und gebilligt, aber es gibt keinerlei Beweis für seine Bekehrung. Vielmehr existiert ein goldenes Medaillon aus der kaiserlichen Werkstatt in Tarragona, und auf diesem Me daillon ist Konstantin neben Apollo abgebildet. Erst von 320 an neigte Konstantin dem Christentum zu, aber auch nach seinem Sieg über Licinius im Jahre 324 erhob er es nicht zur Staatsreligion. Vielmehr gab er jedermann das Recht, der Religion seiner Wahl anzuhängen. Während seiner ganzen Regierungszeit blieb er übrigens „Pontifex Maximus“, das heißt oberster Priester der klassischen römischen Religion, und übte selbst den Kult des Jupiter Capitolinus aus. Tatsächlich dürfte Konstantin, der stets mit dem Christentum sypathisierte, erst kurz vor seinem Tod aus der Hand eines arianischen Bischofs die Taufe empfangen haben. Doch gedieh unter seiner Herrschaft die christliche Gemeinde dank der Liberalität der Regierungsbehörden, und überall entstanden Kirchen. Man kann sagen, sie sprossten wild empor, denn jede wollte sich von der anderen unterscheiden, und es ist unmöglich, alle Häresien jener Zeit aufzuzählen. Hier lag der Ursprung des Byzantinismus. Niemals also hat Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erklärt. Aber während er es sich mit den Anhängern des alten Kults, dessen „Pontifex Maximus“ er war, nicht verderben wollte, ermöglichte er es dem Staat, die neue religiöse Organisation zu überwachen und zu kontrollieren und die Tätigkeit der Kirchen zu beeinflussen. Freilich war auch das Umgekehrte nicht zu vermeiden: ein gewisser Einfluß der Christen im Staat. Das war für den Kaiser manchmal recht unangenehm.

So erließ Konstantin vor dem Konzil von Nikäa ein Verbot der Gladiatorenkämpfe. Der Erlaß war sehr unpopulär, denn die Bevölkerung liebte die Zirkusspiele. Der Kaiser verbot auch den Generälen und anderen Offizieren, von der Bevölkerung Lebensmittel und Geld einzuheben. Diese Reformen waren wohl nach dem Sinn der Christen, nicht aber nach dem der Militärs. Familiäre Sorgen kamen hinzu. Konstantins zweite Frau, Fausta, beschuldigte Crispus, den älteren Sohn des Kaisers, sie belästigt zu haben. Konstantin ließ den Frevler hinrichten. Ein wenig zu voreilig, denn er mußte bald erfahren, daß die Kaiserin gelogen hatte. Nun wurde sie hingerichtet, und da Konstantin seinen Sohn nicht wieder lebendig machen konnte, ließ er ihm ein Denkmal errichten, den Körper aus Silber, den Kopf aus Gold, mit folgender Inschrift: „Dies ist mein unschuldig verurteilter Sohn.“ Dieser Irrtum erregte allgemeines Mißfallen. Konstantin hatte sich als ein zu heftiger, zu wenig barmherziger Herrscher gezeigt. Die Römer nahmen die Bluttat zum Anlaß, um ihrem Zorn gegen einen Kaiser, der ihnen die geliebten Zirkusspiele genommen hatte, freien Lauf zu lassen. Konstantin wurde in den Straßen Roms ausgepfiffen und beschimpft. Das verletzte ihn zutiefst, doch ergriff er entgegen dem Rat seiner Vertrauten keine Repressalien. Erbeschloß, mit der Stadt, die Wiege und Zentrum des Kaiserreichs war, zu brechen und Rom zu verlassen. Und er kam nie wieder zurück.

In Byzanz legte er 328 den Grundstein zu einer neuen Hauptstadt, die seinen Namen tragen sollte: Konstantinopel.

Deutera Roma – Konstantinopolis

Nachdem Konstantinos I. (306-337) sich gegen seine Mitkaiser in siegreichen Schlachten durch­gesetzt hatte, ging er daran, dem römischen Reich eine neue Hauptstadt zu geben. Der Grund für die Verlegung der Hauptstadt des Reiches nach Osten war, daß sich dort das politische, militärische, wirt­schaftliche und kulturelle Schwergewicht gebildet hatte. Manche Historiker meinen, daß schon Cäsar sich mit dem Gedanken trug, die Hauptstadt nach Osten zu verlegen, allerdings hatte er Troja im Auge. Konstantin soll zunächst mehrere Städte als neue Hauptstadt ins Auge gefaßt haben: Sardika (Sofia), Saloniki, Nikomedien (Izmit), Troja. Wegen der in jeder Hinsicht günstigeren Lage entschied sich der Kaiser dann für Byzantion. Die Stadt Konstantins hatte eine glänzende Lage, war leicht zu vertei­digen, lag günstig für den Handel, sie beherrschte den Seeweg von Norden nach Süden, lag an der Stelle, wo sich dem Landweg von Europa nach Kleinasien die kürzeste Seepassage bot.

Auf dem Seeweg brachten Schiffe aus den südlichen   Häfen   Russlands   und   aus   dem   Donau gebiet Korn, Pelze, Kaviar, Salz und Honig-, Gold Wachs  und   Sklaven  durch  den   Bosporus  in die neue Reichshauptstadt. Hingegen kamen aus den“ Süden,   aus  den   reichen   Gärten  Anatoliens   und den Kornkammern Ägyptens Nahrungsmittel für di[ schnell  wachsende  Bevölkerung  der Reichshauptstadt.

Auf  dem   Seeweg   von  Osten   kamen  von   Indien Ceylon,   China   Elfenbein,  Ambra,  Porzellan,  Edelsteine, Seide und Damast, Aloe und Balsam, Zink und   Zucker,   Muskat   und   Ingwer,   sowie   andere Gewürze und Medikamente. Zudem bildete die geographische   Lage   der  neuen   Hauptstadt  für  dl Verteidigung   die   günstigsten    Bedingungen.   A| Marmara – Meer gelegen bringt die 6 km ins Landhineinreichende  Bucht des Goldenen Horns ein« Schild für die Verteidigung des Zentrums der Stadt Auch  war das  Goldene   Horn   mit  seinem   wind geschützten   ruhigen   Gewässer   für  die   Handel Schifffahrt von größter Bedeutung.

Konstantin der Städtebauer

Er begann mit einer beträchtlichen Erweiterung der Stadtmauern. Wenn man sich über die unglaublichen Ausmaße verwunderte, antwortete er der christlichen Überlieferung zufolge: „Ich werde weitergehen, bis der unsichtbare Gott, der mir voranschreitet, es für gut befindet, mir Halt zu gebieten.“ Ob er nun diesem oder jenem Gott gehorchte, er beschenkte die Stadt mit großartigen Bauwerken. Einmal ließ er vierzigtausend Goten als Erdarbeiter anwerben. Es war offenbar seine Absicht, den Glanz Roms in den Schatten zu stellen. Er selbst entwarf die Pläne für die künftige Stadt, die fünfmal so groß werden sollte wie die alte. Wie Rom sollte Konstantinopel sich über sieben Hügel erstrecken und vierzehn Bezirke umfassen. Wie Rom sollte sie ein Kapitol haben. Zwei Prachtge bäude waren für den Senat bestimmt, auf einem riesigen Platz, umgeben mit Säulen und Statuen aus allen Städten des Reiches (denn Konstantin schreckte auch vor Plünderungen nicht zurück); der Komplex wurde Augusteon genannt. Die Statue der Fürstin Helena, der Mutter des Kaisers, stand auf einer Säule aus Porphyr gegenüber der ihres Sohnes. Auf einem anderen, kreisförmigen Platz im Stadtzentrum, dem Konstantinsplatz, stand in der Mitte ein Denkmal des Kaisers. Diese Statue hatte ursprünglich den Apollo von llion dargestellt. Man begnügte sich damit, den Kopf auszuwechseln, und mauerte in den Sockel ein Stück vom Kreuz ein. Eine sehr breite Straße, die Mesea (Mittelstraße), beginnt am Augusteon und verbindet die vier Hauptplätze miteinander. Sie ist gesäumt von Säulen und den Terrassen der Senatorenpaläste; an ihrem Anfang steht der goldene Meilenstein, auf dem die Entfernungen zu den wichtigsten Städten des Reiches verzeichnet sind. Der Kaiserpalast lag am Meeresufer, und die Terrassen boten Aussicht auf Europa und Asien. Es war ein recht heterogener Gebäudekomplex, der zwei Quadratkilometer bedeckte, das ganze Plateau oberhalb des Bosporus. Im Inneren befanden sich nicht weniger als acht Höfe und eine große Anzahl der verschiedensten Lokalitäten, darunter auch sechs Gefängnisse! Der Haupteingang führte zum Augusteon, durch ein riesiges Bronzetor, die Chalea. Überall Marmor, Porphyr, Mosaiken, Säulen.

Das Herz des Palastes aber war der Thronsaal, ein Raum von unglaublicher Pracht. Der Thron selbst stand auf einem in sechs Stufen aufsteigenden Podium in einer Nische, umgeben von goldenen Palmen, Löwen und Greifen. Ein scharfsinniger Mechanismus ermöglichte es, an Empfangstagen diese Gegenstände zu bewegen. Ein anderer diente dazu, den Thronsitz zu heben und eine Krone auf die Stirn des Kaisers herabzusenken. Das machte einen tiefen Eindruck auf die anwesende Menge.

Hinter dem Souverän standen Vitrinen, in denen an Festtagen der gesamte Kronschatz ausgestellt wurde. In der Mitte des Saales war an der Kuppel ein riesiges, mit Edelsteinen verziertes Kreuz befestigt. Der Raum war geschmückt mit Statuen des pythischen Apollo und der Musen von Helikon und mit Dreifüßen aus Delphi, die man aus dem dortigen Tempel hergebracht hatte. Von diesem Palast ist nichts übriggeblieben. Er hat das Schicksal des Reiches geteilt. In der Zeit des Verfalls haben die letzten Kaiser nicht nur die Instandhaltung vernachlässigt, sondern sogar die Schätze verkauft und die Möbel verheizen lassen!

Stadt des Volkes

Nach dem Vorbild Roms wurde eine Kanalisation angelegt; sie führte ins Meer. Zahlreiche Aquädukte brachten Wasser heran. Auf Schritt und Tritt fand man öffentliche Bäder. Doch die Lieblingsstätte des Volkes war das Hippodrom. Dort war das Volk zu Hause. Das Hippodrom wurde errichtet unter Septimuis Severus,

120 Jahre vor Konstantin, und war eine Nachbildung des Circus Maximus in Rom. Die Gesamtlänge betrug 525 Meter, die Arena war 450 Meter lang und 80 Meter breit. Im Rund erhoben sich etwa vierzig marmorne Ränge, und ein Turm über dem Eingang beherrschte das ganz Bauwerk. Auf der Spitze des Turms stand die berühmte bronzene Quadriga, deren Geschichte bekannt ist. Theodosius I. ließ sie von der Insel Chios bringen, 1204 nahmen die Venezianer sie in die Lagunenstadt mit. Napoleon ließ sie nach Paris schaffen, doch kehrte sie 1814 nach Venedig zurück. Unter den Rängen befanden sich Stallungen, die nur vor Rennen benützt wurden. Ein großer Wandelgang führte rund um das Hippodrom herum. Zur Linken war die Kaiserloge, die durch einen gedeckten Gang mit dem Palast verbunden war.

Konstantins Gründe

Unter den Gründen, die Konstantin bewogen, Rom um die Würde der Hauptstadt zu bringen, sollte man seine „antirömischen“ Sentiments nicht überschätzen. Konstantin handelte aus strategischen, wirtschaftlichen und politischen Motiven.

Goten und Perser stellten eine permanente Bedrohung des Reiches dar, und Rom war zu fern, um als Abwehrbasis dienen zu können. Außerdem war Rom selbst unmittelbar von Germanenhorden bedroht, während Konstantinopel, gegen Invasionen gut geschützt, ein vorzüglicher strategischer Punkt war, von dem aus Feldzüge gegen die Feinde im Norden und im Osten unternommen werden konnten. Auch beherrschte Konstantinopel die Meerengen und sicherte daher die Freiheit des Handelsverkehrs zwischen Europa und Asien, dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer.

Und schließlich erschien der Orient mit seiner Kultur und seinem Reichtum im Vergleich zu Rom, das in seiner alten, von Tag zu Tag verfallenden Zivilisation erstarrt war, als das Tor zur Zukunft. Tatsächlich war Rom schon seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr Kaiserresidenz; eine Zeit lang wurde es von Mailand verdrängt; Konstantin residierte in Trier, in Sirmium, in) Sofia, in Nikomedia, aber nie in Rom. So war es eben: Das Reich brauchte eine neue Hauptstadt. Rom verdämmerte in der Erinnerung an vergangene Zeiten und an seine verklungene Herrlichkeit… Offiziell entstand das Byzantinische Reich erst 395, als das römische Imperium in zwei selbständige Staaten geteilt wurde. In dem Maß, wie das Westreich sich! auflöste, gewann das Ostreich an Bedeutung. Diese‘ Verdoppelung der Bedeutung läßt sich mit dem Jahre 476 datieren: Damals übersandte Odoaker dem oströmischen Kaiser Zeno die kaiserlichen Insignien. Aber Byzanz hatte schon längst seinen Adelsbrief. „Auf Münzen aus dem Jahre 330“ schreibt L. Brehier, „sind zwei Städte symbolisch abgebildet, beide in Gestalt lorbeerbekränzter und behelmter Statuen, bedeckt mit dem Kaisermantel. Aber Konstantinopel trägt das Zepter.“

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