IstanbulÖren Yerleri

Hagia Sophia

 

Wohl schon unter Kaiser Konstantinos I. /306-337) in Auftrag gegeben, wurde unter seinem Sohn Kaiser Konstantes (337-361) an derselben Stelle, an der heute   dieser wundervolle  Bau steht, eine erste Kirche errichtet und vom arianischen Bischof Eudoxios am 15. Februar 360 geweiht. Diese Kirche, die wahrscheinlich ein Langhausbau war, wurde mehrere Male durch Erdbeben und Brände in Mit­leidenschaft gezogen. Im Jahre 404 wird sie wäh­rend der Unruhen, die wegen der Absetzung des beliebten Patriarchen Johannes Chrysostomos (398-404)  ausgebrochen waren, in  Brand gesetzt und zerstört Kaiser Theodosios II. (408-450) ließ die Kirche als fünfschiffige Basilika neu erbauen; Patriarch Attikos (406-425) weihte sie am 10. Ok­tober 415.

Baugeschichte

Doch auch dieser Bau fiel einem Aufstand zum Opfer, dem Nika-aufstand, und brannte In der Nacht zum 14. Februar 532 nieder; Kaiser Justinianus I. (527 – 565) ließ die Ruinen der ausgebrannten Kirche abtragen und eine neue, weitaus größere und großartigere Kirche erbauen. Als Architekten berief er Anthemios von Tralles (dem heutigen Aydın in SW -Anatolien) und Isidoros von Milet, den letzten Leiter der altberühmten Akademie von Athen, Der zeitgenössische Historiker Prokopios schreibt: „Der Kaiser ließ bauen, ohne die .Kosten zu scheuen und zog aus allen Gebieten des Reiches geschickte Bauleute zusammen. In der erstaunlich kurzen Zeit von fünf Jahren und zehn Monaten konnte dieser große Bau vollendet werden. Die Weihe nahm Patriarch Menas am 27.12.537 in Anwesenheit des Kaisers vor. Als der Kaiser, um der Weihe beizu­wohnen, das Kaisertor des so rasch vollendeten Baues durchschritt sprach er die Worte: „Preis  und Ehre sei Gott, dem Allerhöchsten, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden! Salomo, Ich habe dich übertreffen.Da Anthemios vor Fertigstellung des Baues verstarb, führte Isidoros ihn allein zu Ende.

Die Pläne dieses bedeutendsten Sakralbau­werks der Christenheit im ersten Jahrtausend blie­ben für immer verschollen. Seit Hunderten von Jahren versuchen Fachleute zu ergründen, wie es den Wissenschaftlern und Künstlern im 6. Jahr­hundert gelungen ist, eine freischwebende, nahezu 56 Meter hohe Kuppel von 31 Metern Durchmes­ser auf nur vier Säulen zu errichten. Berücksichtigt man die in der Spätantike verfügbaren technischen Möglichkeiten, so gilt sie noch heute für viele Fachleute als eine der kühnsten Konstruktionen von Menschenhand.

„Das entscheidende Erlebnis beim Eintritt durch die Kaiserpforte in den Hauptraum, der sich so­gleich in voller Weite und Höhe bis zum Scheitel der riesigen Kuppel frei überschaubar darbietet, ist die Unmöglichkeit, ein eindeutiges Verhältnis zu den Dimensionen und eine gültige Bestimmung der Proportionen zu finden. Dieses von den Er­bauern beabsichtigte Phänomen ergibt sich aus der räumlichen Struktur, der scheinbaren Schwere­losigkeit der Kuppel, und der verwirrenden Fülle direkter und indirekter Lichtführung“, schrieb Marco Polo. Dank der Arbeit der Berner Kunst­historiker liegen nun die Erkenntnisse über diese Proportionen und ihre konsequente Anwendung durch die damaligen Architekten und Baumeister vor.

Wie Volker Hoffmann mit seinem Mitarbeiter Nikolaos Theocharis in einem vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Forschungsprojekt he­rausfand, beruht der gesamte Entwurf der Hagia

Sophia auf einem „Analemma“. Das ist ein bereits von Ptolemaios beschriebenes Projektionsverfah­ren, bei dem sich Quadrat und Kreis umfangen so­wie dreidimensional als Würfel und Kugel durch­dringen. Für die Hagia Sophia hatten Anthemios und Isidoros gemäß Volker Hoffmanns Erkennt­nissen ein verschränktes Doppelquadrat-Analem-ma als einheitliche Entwurfsfigur für den Grund­riss und den Aufriss der Kirche entwickelt. Nach 3-D-Lasermessungen mit einem „Leica“-Laser-

scanner und einem „Leica“-Hand-„Lasermeter“ in der Hagia Sophia entschlüsselten die beiden Wis­senschaftler mit dem Verfahren des sogenannten „Reversed Engineering“ nun rund 1.470 Jahre nach der Erbauung der Kathedrale einen „Mutter­riss“. Er beruht auf einem Seitenverhältnis von l zu 1,06 des kleinen Quadrates zum großen Quad­rat. In ihren bisherigen Untersuchungen kommen die Forscher zum Schluss, dass „in der Hagia So­phia wohl keine bauplanrelevanten Punkte und Li­nien zu finden sein dürften, die sich nicht mit geo­metrischer Logik aus diesem Mutterriss ableiten ließen“.

Dieses von Volker Hoffmann als „Mutterriss“ der Hagia Sophia bezeichnete Entwurfs- und Bau­prinzip ist genial. „Vereinfacht könnte man sagen: würde der Mutterriss mit Pflöcken und Schnüren auf dem Bauplatz abgesteckt, dann brauchte der Baumeister lediglich das Doppelquadrat einzumes­sen und schon ließen sich alle anderen Punkte (Pflöcke) und Linien (Schnüre bzw. Visierlinien) der gesamten Hagia-Sophia-Architekturelemente sehr genau übertragen“, sagt Prof. Hoffmann. Nächstes Jahr sollen nach Vervollständigung der Laserauswertungen und nach Rücksprache mit Museumsdirektor Mustafa Akkaya Resultate die­ser Forschungsarbeit für die Einwohner Istanbuls und für die zahlreichen touristischen Besucher der Hagia Sophia in einer Ausstellung präsentiert wer­den.  

 In den nun folgenden Jahren wurde die Kirche durch Erdbeben mehrmals erschüttert; 558 brachte ein schweres Beben die östliche Halbkuppel und einen Teil der Hauptkuppel zum Einsturz. Der Kaiser gab unverzüglich den Auftrag zum, Wiederaufbau der Kirche und berief Isidoros den Jüngeren als Archi­tekten. Dieser ließ die Kuppel um 7 Meter höher wölben als sein Onkel es getan hatte, um so den Gewichtsdruck der Baumassen der Kuppel mehr in die Senkrechte zu leiten. Und dadurch bekam der Bau größere Sicherheit bei Erschütterungen. Schon am 24.12.563 konnte die wiederhergestellte Kirche eingeweiht werden.

In der Zeit des ßilderstreites wurde die Kirche unter dem Patriarchen Niketas! (766-780) eines Teiles der Mosaiken beraubt, andere wurden über­malt oder durch darübergemalte Kreuze ersetzt. Erst nach Beendigung des Bilderstreites 843 begann man unter Kaiser Michael III. (842-867) und dem Patriarchen Methodios I. (843-847) an die Neuaus­stattung der Kirche mit Mosaiken und Ikonen zu gehen. Die folgenden Kaiser Basileios I. (867-886), Leo VI. (866-912), und Alexandras (912-913) un­terstützten die Fortsetzung dieser Arbeiten. Nach einem Erdbeben im Jahre 869 wurden die Strebe­pfeiler vor dem äußeren Narthex an der Westseite angesetzt, um die Sicherheit des Gebäudes zu verstärken. Trotzdem brachte das Erdbeben von 989 die westliche Halbkuppel, den anschließenden Teil der Hauptkuppel zum Einsturz, beschädigte durch die herabfallenden Mauertrümmer den Altar, die Ikonostase und den Ambo. Kaiser Basileios II. der Makedonier (976 -1025) ließ die Restaurierungs­arbeiten unverzüglich in Angriff nehmen und ver­traute diese Arbeit dem armenischen Architekten Trdat an. 994 erfolgte die Weihe der Kirche. Kaiser Romanos III. (1028-1034) läßt die Innenausstattung der Kirche ergänzen, die Kapitelle  mit Gold   und Silber schmücken; seine Gattin Zoe auf der Empore ein Stiftermosaik anbringen.

Im Jahre 1166 wird in der Hagia Sophia unter Vorsitz des Kaisers Manuelos I. (1143 -1180) ein Konzil ab­gehalten, dessen Beschlüsse auf vier großen Mar­mortafeln festgehalten sind, die 1567 in der Türbe Sultan Süleymans I. zur Abdeckung des Säulen­umgangs eingemauert wurden, ursprünglich aber in der äußeren Vorhalle der Hagia Sophia aufgestellt waren; Jetzt befinden sich dort nur die Gipsabgüsse davon.

Nach der Eroberung der Stadt 1204 durch die Ritter des 4. Kreuzzuges wurde die Kirche von diesen geplündert und ausgeraubt und darnach dem Gottesdienst der Lateiner zugewiesen. Graf Balduin von Flandern ließ sich hier 1205 zum lateinischen Kaiser krönen. Von 1205 -1261 war die Hagia Sophia Sitz des lateinischen Patriarchen von Konstantinopel.

Nachdem dieses fränkische Zwischenspiel 1261 durch die Rückeroberung der .Stadt durch die Byzantiner ein Ende gefunden hatte, wurde die Kirche unter Patriarch Arsenioa wieder der ortho­doxen Liturgie zugeführt und dafür ausgestattet. In dieser Zeit wurde auf der Südempore das herrliche Deesis – Mosaik angebracht. Kaiser Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) läßt zum Schutz der Kuppel an den beiden Längsseiten mächtige Stütz­pfeiler anbauen. Dennoch stürzte am 19.5.1346 durch ein Erdbeben ein Drittel der Hauptkuppel ein. Erst 1353 konnten- die Restaurierungsarbeiten abge­schlossen werden. Von da an blieb der herrliche Bau von einer weiteren Katastrophe verschont. Bei dieser Restaurierung wurde auch das Mosaikdekor erneuert, in der Hauptkuppel ein Christus – Pantokrator Mosaik und in den Pandentifs der Kuppel die Cherub – Mosaiken  angebracht. Als nach der Eroberung Konstantinopels durch Sultan Mehmet II. Fatih (1451 -1481), am Dienstag den 29. Mai 1453. die Hagia Sophia zur Moschee erklärt worden war, erfährt die mehr als tausend­jährige Geschichte dieser Patriarchatskirche der Orthodoxie ihr Ende. Die Ausstattung für den orthodoxen Gottesdienst wird entfernt, die Mosaiken und Ikonen entweder auch entfernt oder mit Putz überdeckt. Der Mosche wird zunächst ein hölzernes Minarett angefügt. Erst unter Selim ll. (1566-1574) wurden bei der Reno* vierung des ganzen Baues durch Sinan an der NW-und SO – Ecke der ehemaligen Kirche steinerne Minarette angebaut. Und Sultan Murat III. (1574-1603) ließ die beiden anderen Minarette setzen. Das Baptisterium wird um diese Zeit zur Sultanstürbe umgebaut; die Baureste des Patriarchenpalastes werden abgetragen und an ihrer Stelle Grabmäler für die Sultansfamilie angelegt.

Murat IV. (1623-1640) läßt die Wände der Hagia Sophia mit Koransprüchen schmücken und vom Kalligraphen Teknecizade Ibrahim Efendi den Namen Gottes und des Propheten, die Namen der vier ersten Kalifen und der ersten Imame auf riesige runde Tafeln malen und in der Moschee anbringen. Unter Ahmet III. (1703-1730) wurde der Innenputz erneuert, dabei auch die meisten noch sichtbaren byzantinischen Mosaiken übermalt. Unter Mahmut I. (1730 -1754) wurde an der Südseite des Innen­raumes eine Bibliothek eingebaut und im Vorhof der wunderschöne Şadirvan (Brunnen). In den Jahren 1847-1849 ließ Abdülmecit I. (1839-1861) durch die Schweizer Architekten Gaspare und Giu­seppe Fossati eine Generalrestaurierung des Baues vornehmen. Zu dieser Zeit wurde das Christus Panto-krator Mosaik in der Kuppel unter Verputz gelegt an seine Stelle ein Ornament mit Koransprüchen gemalt. Ab 1932 hat das Byzantine Institute of America mit Erlaubnis der türkischen Regierung Teile der Mosaiken freigelegt und restauriert. 1934 wird die Hagia Sophia auf Weisung des Staatspräsiden­ten Mustafa Kemal Atatürk zum Museum erklärt

Baubeschreibung

„Einen höchst prachtvollen Anblick bietet die Kirche dar, außer Vergleich für alle, die sie erblicken, und ganz und gar unglaublich für jene, die von ihr sagen hören. Sie ragt fürwahr in den Himmel auf und steht weit über den Häusern ihrer Nachbar­schaft… und so erscheint sie als Schmuckstück über der Stadt, der sie zugehört… Sie ist ausge­zeichnet durch eine aller Beschreibung spottende Schönheit, überragend in Ihrer Größe wie in der Harmonie ihrer Maße…“ So schreibt im 6. Jahr­hundert der Historiker Prokopios über diesen herr­lichen Bau.

Mit der Hagia Sophia schufen die beiden Archi­tekten Anthemios und Isidoros einen Kirchenbau von sowohl überwältigender Schönheit und Majestät als auch einen Bau ganz neuer Art in der Verbindung eines basilikalen Langhauses mit einem zentralen Kuppelbau. Diese einmalige geniale Konstruktion blieb in der ganzen byzantinischen Bauperiode ohne Nachfolge; erst türkische Baumeister, unter ihnen insbesondere Sinan, begannen sich mit der Archi­tektur dieses Baues auseinanderzusetzen; und Sinan wollte ihn mit der Süleymans Moschee übertreffen.

Im Grundriß zeigt die Hagia Sophia ein Rechteck mit den Maßen: 74,80 x 69,70 m, das im Osten in die 6,10 m tiefe Apsis übergeht Die Kirchenhalle hat in basilikaler Art ein „Mittelschiff und zwei „Sei­tenschiffe“; ihr sind das Atrium mit dem Brunnen, der äußere und innere Narthex vorgelagert. Aus dem Atrium, das längst abgetragen ist, trat man durch fünf Türen in die äußere Vorhalle. Diese ist jetzt schmucklos, weil die Marmorinkrustation ab­geschlagen ist. Doch stehen in ihr das Wasch­becken aus dem Atrium, das „Schlangenbecken“, dann die Gipsabgüsse der Marmortafeln mit den Beschlüssen des Konzils von 1166.

Der innere Narthex besitzt noch die schöne Marmorinkrustation und im Gewölbe die Goldgrund-mosaiken. Über der Kaisertür, der mittleren Tür von der inneren Vorhalle in das Kirchenschiff, sieht man ein Mosaik, -das den Kaiser Leo VI., niedergeworfen vor Christus, darstellt, rechts und links über seinem Thron Maria und der Erzengel Gabriel in einem Medaillon.

In der inneren Vorhalle führt von Süden der Eingang in die Kirche durch die „schöne Tür“, die mit messingbeschlagenen Türflügeln und reichem Or­namentschmuck noch immer einen tiefen Eindruck ihrer Schönheit vermittelt. Über der „schönen Tür“ ein Mosaik, das die mit dem Jesuskind thronende Muttergottes und ihr zur rechten den Stifter der Kirche Kaiser Justinianus, ihr zur linken den Stadt­gründer Kaiser Konstantinos darstellt. Dieses Mo­saik dürfte nach Stil und Farbgebung aus dem 10. Jahrhundert stammen.

Vom inneren Narthex führen neun Türen in das Kirchenschiff. Die mittlere Tür war dem Kaiser vorbehalten. Betritt man durch sie das Kirchenschiff, hat man die erhabene Schönheit dieses Raumes vor sich. Es zieht einem den Blick, der durch den Raum zur Apsis schweift, unvermittelt über die Halbkuppel zur lichtdurchfluteten Kuppel hinauf, Die Kuppel, beherrschende Mitte der Hagia Sophia hat eine lichte Höhe von 56,20 m und einen Durchmesser von 31,90 zu 30,87 m. Mit ihren 40 Rippen und dazwischen 40 Fenstern ist sie das beherrschende Element dieses herrlichen Raumes. Seit dem 14. Jahrhundert zierte sie ein Christus Pantokrator Mosaik mit einem Durchmesser von 11 m, das heute leider zugeputzt ist.

Getragen wird die Kuppel von vier mächtigen Pfeilern, zwischen die an der Nord- und Südseite im Unter- und Obergeschoß Säulenarkaden einge­stellt sind, welche die Tragefunktion der Pfeiler verstecken. Durch die wohldurchdachte Setzung der Fenster wird erreicht, daß nur die Kuppeln, die Gewölbezonen und die Apsis direktes Licht er­halten, die gesamte untere innere Raumzone aber im milden indirekten Licht steht. Die Wände des Kirchenschiffes und des inneren Narthex sind mit verschiedenfarbigen polierten Marmorplatten verkleidet (Marmorinkrustation). Die Wahl der Farbe für die Marmorsäulen im Kirchen­schiff trägt dazu bei, den Raum in seiner lebendigen Schönheit zu erleben. Das Grün des Verde antico wechselt mit dem Rot des Porphyr. Die Legende will wissen, daß die einen Säulen aus dem Arthemision in Ephesus, die anderen aus dem Zeus­tempel in Baalbeck genommen wurden. Die Proportionen ihrer Maße weisen aber daraufhin, daß sie eigens für die Hagia Sophia angefertigt wurden. Die Ausstattung der Kirche mit Mosaiken war sparsam, und mußte deshalb dem Kirchenraum eine majestätische Wirkung gegeben haben. Goldmosaik und Gliederung sowie Rahmung durch Ornament­bänder, Kreuze in den großen Feldern, die wenigen figürlichen Mosaiken gaben dem Raum einen weihe­vollen Anblick. Erst nach Beendigung des Bilder­streites, ließen die Kaiser an den Schildwänden der Nord- und Südseite, in der Hauptkuppel, an den Wänden der Emporen, in der Apsis und in der südlichen Eingangshalle Mosaiken anbringen: Christus Pantokrator, Maria mit dem Jesuskind, Engelsfiguren, Kirchenlehrer und Patriarchen, Stif­termosaiken, Kaiserbilder. Das herrlichste Mosaik ist die Deesis an der Wand der Südempore, ent­standen  bald nach 1261. Am  28. Mai 1453,  also vor  nunmehr 533 Jahren, wurde zum letzten Mal in der Hagia Sophia christlicher Gottesdienst gefeiert, an dem Kaiser Konstantin XI.Dragases Palaiologos teilnahm, bevor er im Kampf in der Verteidigung seiner Stadt den Tod fand. Am Abend des 29. Mai 1453 ritt Sultan Mehmet II. Fatih, der Eroberer Konstantinopels, vor die Hagia Sophia, stieg vom Pferd, beugte sich zur Erde, nahm eine Handvoll Erde, streute sie sich über den Turban als Geste dankbarer Demut vor Gott, und betrat die Kirche zum Gebet. Damit war die Hagia Sophia zur Moschee geworden, die ab nun Hagia Sophia heißen sollte; und hatte aufgehört, Hauptkirche des orthodoxen  Patriarchen zu sein.

Evliya Çelebi, osmanischer Reiseschriftsteller, schreibt:

„Sultan Mehmet, als er die Kirche Hagia Sophia näher in Augenschein nahm, staunte über die Festigkeit ihres Baues, die Mächtigkeit ihrer Fundamente, die Höhe ihrer Kuppel und das Geschick ihres Erbauers. Er befahl, alle Bildwerke zu entfernen und dos Innere vom Blut der Erschlagenen zu säubern, und indem er die Stirnen der siegreichen Muselmanen mit dem Duft von Ambra und Läwenaloe erfrischte, ging er zur selben Stunde daran, aus der Kirche eine  Moschee zu machen.“

Und in seinem Seyahatname (Reisebeschreibungen) beschreibt  Evliya  Celebi   im  17. Jahrhundert  die Hagia Sophia so: „Diese Moschee, so ihresgleichen nicht auf Erden findet, kann nur dem Schrein des siebten    Himmels   verglichen   werden,    und    ihre Kuppel dem Gewölbe des neunten. Wer immer sie auch sieht, verliert sich im Anschauen ihrer Schön­heit. Hier ist der Ort, wo des Himmels  Eingebung sich in die Gemüter der Frommen herabsenkt; ein Vorgeschmack  des  Gartens  Eden wird  ihnen  hienieden zuteil. …Allnächtlich während des Fastenmo­nats verströmen an die zweitausend dort entzündete Lampen und die Ampeln mit den Wachslichtern, so durch Kampfer wohlduftend gemacht ein Meer von Licht. Und inmitten der Kuppel sind Lampen ringsum aufgehängt, daß sie Buchstaben gleichen, so fein, ‚ als hätte Yakut Musta’sime sie niedergeschrieben, woraus die Worte des Korans zu lesen sind: Allah ist das Licht der Himmel und der Erde.“ Tausend Jahre hat die Hagia Sophia als Kirche den Christen gedient, fünfhundert Jahre war sie  Ge­betsort der Moslem.   Evliya  Celebi  schrieb  über sie, was für beide  Zeitalter gelten   könnte: „Die Hagia Sophia ist ganz und gar Gottes Stätte. Stets ist sie voll heiligmäßiger Männer, die den Tag mit Fasten, die Nacht aber Im Gebet zubringen. Sieb­zigmal wird dort am Tag, Gott gefällig, der Koran gelesen, auf daß er denen, so sie Religion studieren, eine Schürfgrube des   Wissens   sei,   und niemals verebbt der tägliche Strom der Besucher.

Hagia Sofia-Legenden

Viele Jahrhunderte lang erstaunte die Hagia Sophia, das aufwendigste Gebäude der Welt, alle Besucher Konstantinopels. Im Jahr 987 beschloss der mächtige Großfürst Wladimir von Russland, das Heidentum seiner Vorväter mit seinen herzhaften Menschenopfern auf zugeben und eine der Religionen der Nachbarländer anzunehmen. Daher schickte er Botschafter aus, die erkunden sollten, wie sich die Anhänger des römischen griechischen, islamischen und jüdischen Glaubens verhielten. Die Botschafter berichteten, dass die islamischen Bulgaren eine triste und schmutzige Gesellschaft seien; die römisch-katholischen Kirchen in Deutschland fanden sie hässlich. Doch in Konstantinopel begrüßten die Vertreter der orthodoxen Kirche sie in der Hagia Sophia und liefen den vollen Glanz des griechischen Rituals auf lhn wirken. Die faszinierten Botschafter erzahlten Wladimir: »Wir wussten nicht mehr, ob wir im Himmel oder auf der Erde waren. « Dank dem Charme der Hagia Sophia nahm der schreckliche Slawe den griechisch-orthodoxen Glauben an, schickte seine 800 Konkubinen fort und widmete den Rest seines Lebens guten Werken.

DER SCHUTZENGEL DER HAGIA SOPHIA

In der riesigen Kuppel der Hagia Sophia thronen in Goldverzierten Mosaiken die vier Erzengel Gabriel, Raphael, Uriel und Michael und halten Wache über dem Gottes-Haus. Engel beschützen die Kirche, ein Engel auch hatte im Traumgesicht dem Kaiser Justinian den Plan dazu gezeigt und Engel behüteten sie wahrend des Baues. Eines Tages, um die Mittagszeit, hatten Meister und Gesellen die Arbeitsstätte verlassen und nur ein 14 jähriger Knabe blieb allein auf dem Gerüst und schaute sinnend auf die gewaltigen Saulen. Da trat plötzlich ein Jüngling zu ihm in weißem Gewand, wie es die Eunuchen zu tragen pflegten, und frug ihn wo die Meister und Gesellen seien, warum sie nicht arbeiteten, damit das Werk vorankomme?

,,Hole sie°, befahl er, und als der Knabe ein wenig zauderte, sprach der vermeintliche Eunuch: “Geh, ich werde hier einstweilen für dich wachen und ich schwöre dir. Ich werde nicht eher weggehen bis du wieder zurück bist.“ Da lief der Knabe so schnell als ihn die Füße trugen zu seinem Vater, einem der Meister, und dieser, in der Annahme der Kaiser habe etwas neues anordnen lassen, begab sich sofort in den Palast. Aber der Kaiser wusste von nichts und als der Knabe keinen aus den zusammengerufenen Eunuchen als den erkannte, mit dem er gesprochen hatte, erfasste Jüngling gewesen und was seine Worte bedeuteten. Er sandte den Knaben sogleich aus Konstantinopel fort, beschenkte ihn reichlich, ließ ihn in der Ferne erziehen, doch unter dem Versprechen, nie mehr in die Hauptstadt zu kommen. Da der Knabe nie wieder nach Konstantinopel und auf den Bau zurückgekehrt ist, so wacht der Engel seitdem über der Kirche, wie er geschworen hatte.

W1E KAISER JUSTINIAN ZU GELD KAM

Über 100 Meister und an die 10000 Handwerker arbeiteten Tag für Tag an dem Bau der großen Hagia Sophia, der Kirche zur hl.Weisheit. Jeden Abend wurde ihnen der wohlverdiente Lohn aus der kaiserlichen Kasse ausbezahlt. Als aber langsam die Kuppel sich über den Saulen wölbte, begann das Geld in der Schatzkammer zu versiegen. Sorgenvoll stand der große Kaiser auf dem hohen Gerüst — jeden Tag war er dahin gegangen, um den Bau zu verfolgen und die Arbeit voranzutreiben — da stand plötzlich vor ihm ein Jüngling in weißem Gewand, wie es die Eunuchen zu tragen pflegten, und sagte zu ihm: Warum sorgst du dich so um das Geld? Gib mir morgen ein paar deiner Beamten und Diener mit, denen will ich Geld geben für deinen Bau.’’

Am nächsten Morgen trat auf dem Gerüst derselbe junge Mann dem Kaiser abermals entgegen. und bat ihn noch einmal um Leute, mit denen er aufbrechen wolle, um Geld zu holen. Justinian gab Befehl, dass vier Würdenträger mit Dienern und Maultieren dem vermeintlichen Eunuchen folgen sollten. Dieser führte sie vor die Tore von Konstantintinopel hinaus, in ein prächtiges Schloss. Die Tore öffneten sich von selbst. Der Jüngling lud die Beamten und Diener ein ihm zu folgen und führte sie in einen Saal, der von oben bis unten mit Goldstücken angefühlt war. Mit eigener Hand schaufelte er das kostbare Gut in die bereitgelegten Sacke. In maßlosem Erstaunen sahen die Beamten, wie hunderte von Sacken mit schwerem Golde gefüllt und auf die Maultiere geladen wurden.

Als der Kaiser das viele Gold sah, konnte er sich kaum fassen vor Staunen und Entzücken; er ließ sofort nach dem Jüngling forschen, aber dieser war nicht mehr zu finden und das Schloss vor den Toren der Stadt war verschwunden

Da dankte Justinian mit lauter Stimme dem gnädigen Gott. So konnte die Hagia Sophia in aller Schönheit vollendet werden.

ROMANOS DER SANGER

Im 6. Jahrhundert war an der Hagia Sophia ein Diakon mit Namen Romanos, ein begnadeter Dichter. Wegen  seiner herrlichen Hymnen  wurde  er vom Patriardien bewundert und war sein Liebling. Das erregte den Neid der anderen Diakone, die nur auf eine Gelegenheit warteten, um ihn lächerlich zu machen. An einem Weihnachts-vorabend schoben sie ihn beim Gottesdienst in der Kathedrale auf den Ambo, damit Romanos die Weihnachtskontakien singe. Die anderen Kleriker wussten, dass er keine Begabung zum Singen hatte und hofften, der bevorzugte Kathedraldiakon werde versagen und vor seinem Gönner und allem Volk beschämt dastehen. So geschah es auch. Er versuchte zu singen, stotterte, versuchte es noch einmal. Schließlich kamen ihm die Tränen und er eilte aus dem Gotteshaus. In der Nacht fand er lange keinen Schlaf. Als er endlich einschlief, hatte er ein Traumgesicht. Es erschien ihm die Gottesmutter und gab ihm eine Schriftrolle zu schlucken. Andern Tags, am Weihnachtsmorgen, erwachte er schweißgebadet, zog sich schnell an und eilte zur Hagia Sophia, denn der feierliche Weihnachtsgottesdienst begann in aller Frühe. Schon waren in der Kirche alle Kleriker versammelt, wie auch die kaiserlichen Beamten, die Militärs, alles was Rang und Namen hatte. Das große Portal öffnete sich und der Kaiser mit der Kaiserin und  dem  gesamten Hofstaat betraten  die Kathedrale. Als  die Einzugs-Zeremonien vorüber waren und die Liturgie begonnen hatte, mussten wieder die Kontakten gesungen werden. Nochmals wiederholte sich das grausame Spiel der missgünstigen Diakone des Romanos, wieder zerrten sie ihn zum Ambo. Der Schweiß brach ihm aus und mit Tranen in den Augen versuchte er zu singen. Nach anfänglichem Stocken aber geschah das Wunder. Er sang so glockenrein und klar, so überirdisch schön,  dass  jegliches  Geräusch  in  dem  riesigen  Gotteshaus verstummte und  alles andächtig dem Kontakion vom „Weihnachtsfeste lauschte:“ Heute gebiert die Jungfrau den Überwesentlichen. . .“ Spontan gab das gläubige Volk dem jungen Diakon den Namen: Gottbegnadeter Sänger. Seit dieser Zeit heißt er Romanos Melodos, Roman der Sänger.

Nicht Vergessen:

8 grüne saulen;hafengymnasium v.ephesus

8 rote saulen :porphyrsaulen aus Baalbeck

Kuppel höhe 55,6 bzw.13.8 m. 40 fenster 40 rippen halten die Schale.Extrem leichte Ziegeln von Rhodos.Kalligrofi:Gott ist das Licht desHimmels und der Erde.

Comment here