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Die Tulpe

Busbecq
Stammt nicht aus Amsterdam, wie es ein beliebtes Volkslied besingt, sondern aus Anatolien. Ein Botschafter des Deutschen Kaisers Ferdinand I Ogier Ghiselin de Busbecq entdeckte die Tulpen am Hofe des Sultans Suleyman in Konstantinopel und schickte dann eine Ladung Zwiebeln an den Wiener Hof. So wuchsen Ende des 16. Jahrhunderts die ersten Tulpen in Europa und gelangten von Wien auch nach Holland. Im Universitätsgarten von Leiden entstanden die ersten Kreuzungen.
Nach einem Diebstahl dieser ersten neuen Lieblingsblumen aus dem Morgenland stieg der Wert ins unermeßliche. Zeitweilig waren Tulpenzwiebeln so wertvoll, daß man sie in Gold aufwog und eine Zwiebel dem Geldwert eines großen Hauses mit Garten entsprach. 10 Mal so viel wie ein Holländischer Handwerker im Jahr verdiente, kostete eine Tulpenzwiebel zum Höhepunkt der Tulpenmanie 1636
Damals waren Tulpenzwiebeln echte Spekulationsobjekte. Nach einem Börsenkrach 1637 gab es dann doch plötzlich mehr Zwiebeln als Nachfrage. Der Goldrausch der Tulpenzwiebeln war gebrochen. Sie erreichten das Preisniveau normaler Küchenzwiebeln und wurden auch kulinarisch verwendet.

Name
Sie war die Wappenblume der Osmanen, und da ihre Blütenform an die hochgewickelten Turbane der Moslimen erinnert, wurde ihr Name von Tulipan, dem Turban, abgeleitet. Eine Pflanze die einen turbanartigen Blütenkelch besitzt.

Geschichtliches
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Schon in den Erzählungen von “ 1001 „, etwa 1255 n. Chr., kommen Tulpen vor. Sie waren im Mittelalter in der Türkei sehr beliebt und sind in vielen alten türkischen Werken erwähnt. Sultan Selim II soll 1574 allein 50000 Tulpenzwiebeln bestellt haben und im 16. Jahrhundert gab es bereits über 1300 verschiedene Formen. In Europa wurde die Tulpe durch den belgischen Diplomaten Busbeck bekannt, der 1544 Samen der Pflanze nach Wien schickte. Sie verbreitet sich von dort aus nach England und Holland. In den Jahren 1634 – 1637 gab es in Holland eine richtige Tulpenmanie. Den Weg nach Europa fand die Tulpe über die Türkei. Die Sultane schätzten und ehrten ihre Schönheit ganz besonders. Über 500.000 Tulpen blühten in den Gärten des Serails. In jedem Frühjahr wurden, während der Vollmond am Himmel stand, rauschende Tulpenfeste gefeiert. Hunderte kostbarer Vasen dekorierte man mit den schönsten Tulpenvarietäten. Die Damen des Hofes waren aufgefordert, sich mit ihrer edlen Garderobe aus Samt, Seide und Brokat den Farben der Tulpen anzupassen.

Blühendes Geschäft mit Blütenträumen
Vor 400 Jahren sprossen Hollands erste Tulpen / Vor Zeiten wurde die begehrte Blumenzwiebel mit Gold aufgewogen:
Der Name Carolus Clusius hatte in den Fachkreisen der Pflanzenkunden einen guten Klang. Der kaiserliche Hofbotanicus zu Wien galt als exzellenter Naturforscher und leidenschaftlicher Sammler exotischer Pflanzen. Er hätte den Niederlanden keinen besseren Gefallen tun können: im Frühjahr 1694 blühten in Holland die ersten Tulpen!

„Wappenblume“
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Damit begann der sagenhafte Aufstieg der Tulpe als niederländische „Wappenblume“, deren segens- und profitreiche Wirkung Holland bis heute im Blumentaumel gefangen hält. Die Tulpenhysterie des 17. Jahrhunderts gehört zwar der Vergangenheit an, doch der Blumenhandel ist Hollands bedeutendster Wirtschaftsfaktor geblieben. Die buntgefärbte „Tulipan“ verhilft der niederländischen Wirtschaft seit Clusius‘ Zeiten auf die Sprünge – damals als noch gehandelte, kostbare botanische Rarität, heute als Massenartikel und Exportschlager. Pünktlich zum Muttertag dürfte die Tulpe als hübsch gebundenes Sträußchen wieder in vielen Haushalten anzutreffen sein.
Ihre große Popularität verdankt die aus Zentralasien stammende Blume nicht allein der Geschäftstüchtigkeit der Niederländer, sondern auch ihrer leichten Züchtbarkeit. Schon Clusius begann mit ersten Zuchtversuchen und war erstaunt über die außergewöhnliche Erscheinungsvielfalt der Tulpe, deren kleine, wild wachsende Stammmutter er von, Busbeck dem Wiener Gesandten am Hof des Osmanenherrschers Suleiman dem Prächtigen, erhalten hatte.

Modehit der Reichen
Was aus wissenschaftlichem Ehrgeiz begann, löste in Holland bald eine wahre Massenhysterie aus. Die Blume mit dem ständig wechselnden Gesicht entwickelte sich als Moderenner in den Kreisen der Reichen. Wer etwas auf sich hielt, pflanzte in seinem Garten verschiedene Tulpensorten an. „Er reißt die Augen auf“, beschrieb ein Zeitgenosse des 17. Jahrhunderts einen von der „Tulpomanie“ Ergriffenen, „er reibt sich die Hände, er bückt sich tief, er betrachtet die Blume recht in der Nähe, nie war sie so schön, seine Tulpe!“
Das neue Statussymbol ließ man sich auch etwas kosten. Für eine Zwiebel der „Semper Augustus“ wurde 1637 die immense Summe von 10 000 Gulden bezahlt – das entsprach dem Wert eines Hauses in Amsterdams bestem Viertel. Die Tulpenzwiebeln wurden nämlich nicht nach Stück, sondern nach Gewicht verkauft und mit Gold aufgewogen. Die ständig steigenden Preise machten die Blume zum geeigneten Spekulationsobjekt an der Börse. Das „Tulpenfieber“, das sich ab 1634 immer mehr hochzuschaukeln begann, erfaßte alle Bevölkerungsschichten. Selbst das gemeine Volk versuchte, in zu Tulpenbörsen umfunktionierten Landgasthöfen eine Tulpe als Kapitalanlage zu erstehen. Wo das Geld für eine ganze Zwiebel nicht reichte, erwarb man eben nur einen geringen Anteil daran. Der Bauer war auch auf eine Achtel-Zwiebel stolz.
Tulpomanie
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Den Auswüchsen des Tulpenbooms setzte der Staat 1637 mit einem Spekulationsverbot für Tulpenzwiebeln ein wenig rühmliches Ende. Der Crash an der Tulpenbörse stürzte Tausende ins Unglück.

Symbol der Schönheit
Der Beliebtheit der Tulpe hat dies keinen Abbruch getan. Die niederländischen Maler hielten sie in beschaulich schönen Stillleben fest, die Dichter des Barocks verherrlichten sie in Gedichten, das Kunstgewerbe brachte sie auf Fayencen und Textilien – die rasch verblühende Tulpe war ein Symbol der Vergänglichkeit, der Schönheit und der Eitelkeit. „Die Zier der Tulipan und Nelken muß oft vor abends noch verwelken, wie schön sie uns auch angelacht“, dichtete Simon Dach. Goethe dagegen erinnerte der „eitlen Tulpen Pracht“ an nichtige Eigenschaften wie Gefalls- und Repräsentationssucht.
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Im Osmanenreich jedoch widmete man der Tulpe, als dem Sinnbild der lauteren Schönheit, noch im 18. Jahrhundert eigene Festlichkeiten. Die Zeit von 1717 bis 1730 bezeichnete die türkische Geschichtsschreibung gar als „Tulpenzeit“. Heute sind die „Tulpen aus Amsterdam“ zum Markenzeichen der Niederlande geworden und in aller Welt berühmt.
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Jedes Jahr im April findet in Istanbul das Tulpenfest stat.2015 wurden dafür 30 Millionen Tulpenzwiebeln gesetzt. Der Blumenteppich, der alle zwei Jahre den’’ Grote Markt’’ in Brüssel schmückt, hat nur eine Million Blumen.

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