Islam

Die Frauen Mohammeds

Im Westen wird sehr schnell auf die Frauenfrage verwiesen, wenn es um eine Beurteilung des Islams geht. Mohammed selber hat mit seiner Beziehung zu Frauen dem Islam Vieles und Unterschiedliches vorgegeben.

Im Koran selber wird deutlich, dass Frauen vor Gott gleich viel Wert sind wie die Männer: „Wer aber Rechts tut, sei es Mann oder Weib, und er ist gläubig – jene sollen eingehen ins Paradies und sollen nicht um ein Keimgrübchen im Dattelkern Unrecht erleiden.“ (Sure 4,124). Dennoch gibt es wie im Christentum große gesellschaftliche Unterschiede in der tatsächlichen Gleichberechti­gung der Frauen.

Der Islam selber besserte die Stellung der Frau gegenüber der vorislamischen Gesellschaft, in der das Töten von weiblichen Neugeborenen erlaubt war, in dem er auf die erwähnte Gleichwertigkeit hinwies.

Aus der Stammeskultur, in der die Großfamilie geschützt werden musste, lässt sich am ehesten erklären, warum Frauen aber im konkreten Erbrecht des Islams benachteiligt sind.

Mohammed selber hatte harmonische Beziehungen zu seinen Frauen. Auffällig ist auch, dass nur Ayşe Jungfrau war, die anderen Frauen waren alle Witwen, denen er viel Zuneigung ent­gegenbrachte. Auch wenn das klassische islami­sche Frauenbild auf die Frau- und Mutterrolle zugeschnitten ist, zeigen die Frauen Mohammeds sehr große Eigenständigkeit. Von den 14 Frauen Mohammeds waren 5 Sklavinnen. Manche der Frauen wurden zu deren Versorgung geheiratet wie die Kriegerwitwen, andere auch aus politischen Gründen.

Khadidja (türkisch: Hatice) 545-619

Sie war eine reiche Kaufmannswitwe, die der 25jährige arme Karawanenführer als seine erste Frau im Jahre 595 n. Chr. heiratete, die selber um seine Hand angehalten hatte. Trotz des großen Altersunterschiedes von 15 Jahren hatte Mohammed während dieser Ehe keine zweite Frau. Mit Khadidja hatte er zwar wahrscheinlich sieben Kinder, doch von diesen fünf Mädchen und zwei Buben wurde nur Fatima, die dann später den nach sunnitischer Zählung vierten Kalifen Ali hei­ratete, erwachsen. Damit war Khadidja auch die Frau, die ihn in den schwierigen Anfangsjahren als erste Anhängerin begleitete und unterstützte.

Sawda

Sie war Witwe eines der frühen Muslime, die er 620 heiratete.

Aischa (türkisch: Ayşe) 614-678

Sie ist die Tochter des ersten „rechtgeleiteten“ Kalifen, Abu Bakr, des Freundes und Schülers von Mohammed. Sie war die einzige Frau, die vor ihrer Heirat mit Mohammed 623 unverheiratet war und wurde seine Lieblingsfrau. Besonders nach dem Tod Mohammeds griff Ayşe in die Nachfolge ein.

Als sehr politische Frau stand sie im Konflikt mit dem vierten Kalifen Ali, was besonders in der Kamelschlacht 656 deutlich wurde. Sie wurde dabei gefangen genommen, aber als „Mutter der Gläubigen“ wieder frei gelassen.

Hafsa 605-665

Sie war im Gegensatz zu Ayşe eine unauffällige Frau und die Tochter des zweiten rechtgeleiteten Kalifen Omar, der ursprünglich ein Gegner Mohammeds war. Nachdem dieser aber zum Islam übergetreten war, folgte er ihm nach Medina und organisierte dort die islamische Gemeinde mit.

Umm Salama

Sie war eine Witwe eines Muslims aus dem aristo­kratischen Stamm der Quraisch, der gefallen war, die auch unbequeme Fragen stellte und ein hohes Urteilsvermögen hatte.

Zainab (türkisch: Zeynep)

Sie war wiederum eine Witwe eines Muslims, die bald nach der Hochzeit 626 verstarb.

Dschuwairiya

Als Tochter eines Stammesführers war sie gefan­gen genommen worden und wurde nach ihrer Konversion freigelassen.

Zainab (türkisch: Zeynep) 590-640

Die Geschichte der zweiten Frau dieses Namens ist umstritten. Sie soll von Mohammed für einen ehe­maligen Sklaven Khadidjas, Zaid, erworben wor­den sein. Da sie aber nur widerwillig in dieser Ehe war, soll sie von Zaid für Mohammed frei gegeben worden sein. Sie wurde die zweite Lieblingsfrau Mohammeds.

Ruhaina

Diese Sklavin wird immer wieder angeführt, um zu zeigen, dass eine von Mohammeds Frauen Jüdin war.

Maria

Der ägyptische Statthalter schenkte Mohammed die koptische Christin als Sklavin. Auch sie wird als Beispiel dafür angeführt, dass unter den Frauen Mohammeds eine Christin war.

Umm Habiba

Die Tochter eines Führers der mekkanischen Aristokratie gehörte zu den Heiratspartnerinnen, die politische Verbindungen festigen sollten (628). Ihr Vater Abu Sufyan war ursprünglich ein Gegner Mohammeds und Unterhändler im Grabenkrieg 627 für Mekka, trat dann aber zum Islam über und wurde Statthalter in Nadschran und Hidschaz. Ihr Bruder Muawiya war der erste Omaijadenkalif.

Safiyah

Diese zweite Jüdin unter den Frauen wurde ursprünglich gefangen genommen und dann frei­gelassen.

Beduinin

Von dieser Beduinin kennt man nicht einmal mehr den Namen. Sie war eine Sklavin.

Maimuna b. Harith

Sie war 27 oder 41 Jahre alt, als Mohammed sie heiratete. Sie war mit Mohammed über seinen Cousin Abbas verschwägert und stammte aus einer Sippe, in der Frauen erbrechtlich eine starke Position hatten. Daher hatte sie eine stärkere Position als sonst eine Verwandte. Mohammed hat sie wahrscheinlich auch aus politischen Gründen geheiratet, da sie die Tante von Chalid ibn al-Walid war, der wiederum einer der besten Heerführer der Mekkaner war. So konnte dieser leichter zum Islam übertreten.

Vielleicht tut es uns gut, diese vierzehn sehr ver­schiedenen Frauen, die sich zum Großteil unter den Schutz Mohammeds gestellt hatten, uns kurz vor Augen zu stellen. Der Blick in die Geschichte Israels, wie er in dieser Nummer des St. Georgs-Blattes auf Seite 2 erfolgt, kann das noch ergänzen. Das alles könnte uns helfen, manche vorschnellen Urteile über eine frühere Zeit und eine andere Religion zu vermeiden.

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