Ören Yerleri

Zauberland Kappadokien

Deutsche im Herzen der Türkei
Die Hochebene Kappadokiens in der Türkei ist eine Vulkanlandschaft mit bizarren Tuffsteingebilden. Die Attraktion des nur 25 Quadratkilometer großen Kerngebiets sind die zahllosen Höhlenwohnungen, die mehr als 1000 frühchristlichen Höhlenkirchen und die unterirdischen Städte, in denen die frühen Christen Zuflucht vor Verfolgung suchten. Der Film stellt Kappadokiens Geschichte und Gegenwart vor.
Kappadokien – das ist die historische Bezeichnung für eine Landschaft in Zentralanatolien, die vor allem die fünf Provinzen Nevsehir, Nigde, Kirsehir, Kayseri und Aksaray südwestlich von Ankara umfasst. Kappadokien ist aus geografischer und kulturhistorischer Sicht ein Superlativ. Auf einer Hochebene entstand vor rund drei Millionen Jahren eine der eigentümlichsten Landschaften dieser Erde, mit surrealen Steinformationen, gewaltigen Bergen und tiefen Schluchten. Die vielfältigen Naturwunder machen Kappadokien zu einem der interessantesten Reiseziele der Türkei.
Felsen wurden „salonfähig“ gemacht
Der Name Kappadokien ist wahrscheinlich persischen Ursprungs und soll „Land der schönen Pferde“ bedeuten. Obwohl Kappadokien früher als andere Regionen touristisch erschlossen wurde und viele Tagestouren aus den umliegenden Großstädten hierher führen, ist den meisten Türkei-Reisenden dieses Gebiet noch weitgehend unbekannt.
Die einzigartige Landschaft Kappadokiens verdankt ihren Ursprung vulkanischer Aktivität. Man weiß heute von drei Vulkanen, deren Eruptionen das Land einst mit einer dicken Schicht aus Lava und Asche bedeckten. In den weichen Tuff gruben Wind und Wetter im Laufe von Jahrmillionen Höhlen, modellierten steinerne Pilze, nadelspitze oder kegelförmige Gebilde, teils durchlöchert wie ein Schweizer Käse – die weltberühmten Feenkamine.
Angenehmes Wohnklima im Vulkangestein
Sehr früh siedelten Menschen in dieser Region, denn die berühmte Seidenstraße führte durch Kappadokien. Seit dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend schwappten Migrationswellen ins Land, und alle Einwanderer hinterließen Spuren, die teilweise bis heute erhalten geblieben sind: Die natürlichen Grotten boten Unterschlupf, wurden erweitert und architektonisch „salonfähig“ gemacht. Schon vor der Zeitenwende entstanden unterirdische Städte mit Gassen und Häusern. Die Gänge konnten zum Schutz vor Eindringlingen mit großen mühlsteinartigen Steinen versperrt werden.
Das Wohnen in Tuffgestein war nicht nur als Schutz vor Feinden sehr zweckdienlich, es bot auch einen großen Vorteil bezüglich der Witterung: Im Sommer bleiben die Temperaturen darin angenehm kühl, im Winter speichert das Gestein dagegen eine gewisse Wärme. Die Wohnanlagen wurden zum Teil bis zu zehn Stockwerke tief in das Gestein gearbeitet und sind häufig auch untereinander verbunden. Insgesamt gab es bis zu 100 solcher Anlagen. „Derinkuyu“, die größte der heute touristisch erschlossenen Anlagen, beherbergte einst die stattliche Anzahl von etwa 10.000 Menschen.
Die einzigen Ausländer
Auch Ursula und Hajo Pfaffendorf aus dem Schwarzwald haben sich in die Region verliebt. In ihrer zweiten Heimat haben sie vor 15 Jahren in dem kleinen Dorf Nar bei Nevsehir ein altes Höhlenhaus gekauft. Dort wohnen sie jedes Jahr mehrere Wochen im Frühling und Herbst, den schönsten Jahreszeiten in Kappadokien. Obwohl sie die einzigen Ausländer sind, wurde das Ehepaar schnell in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.
Vor fünf Jahren haben sie sich mit Berrin und Murat in Ortahisar angefreundet. Das junge, unverheiratete Paar stammt aus Ankara, beide arbeiteten erfolgreich in der Computerbranche. Kappadokien und seine einmalige Landschaft haben sie so fasziniert, dass sie die Großstadt Ankara mit dem ländlichen Leben eintauschten. Heute betreiben sie erfolgreich ein großes Restaurant.

Mit Material von ZDF/3sat

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