Antike Zeiten und Kulturen

Die Thermen

 Die Anlage großer Bäderkomplexe, die Möglichkeiten des gesellschaftlichen Umgangs eröffneten, sind eng an die Festigung des Kaisertums, an seine Entfaltung zum alleinigen Zentrum politischer Macht geknüpft.

Um ihre Popularität zu steigern, gewährten bereits in der späten Republik Mitglieder der Aristokratie dem einfachen Volk als gelegentliche Vergünstigung die kostenlose Benutzung öffentlich zugänglicher, teils von ihnen selbst gebauter Bäder.379 Nach einer von Agrippa 33 v.u.Z. veranlaßten Zählung existierten bereits vor der Einrichtung des Prinzipats 170 römische Bäder, 380 doch erscheinen diese vor dem Hintergrund von 856 bezeugten öffentlichen Bädern aus der Zeit Konstantins im 4.Jh. u.Z.381 erst der Anfang einer Entwicklung jenes ausgeprägten Badewesens

gewesen zu sein. Darüber hinaus entstehen die klassischen Orte römischer Badekultur, die Kaiserthermen, erst ab Mitte des 1. Jh. u.Z.mit der Erbauung der Thermen des Nero und des Titus. Mit dem Bau dieser, von Brödner als “kleiner Kaisertyp” klassifizierten Thermen setzt jedoch wiederum die Ausprägung kaiserlicher Bäder erst ein. Voll

entwickelt im “großen Kaisertyp” treten sie ab dem 3. Jh. u.Z. mit der Anlage der Caracallathermen auf; es folgen die im 4. Jh. u.Z. errichteten Diokletian- und Konstantinthermen.382 Da aber die großen Kaiserthermen

erst den spezifischen Charakter urbanen Lebens innerhalb der Bäder entfalten, läßt sich feststellen, daß in der Übergangszeit der römischen Republik zum Kaisertum die Badekultur als gesellschaftliches

Ereignis erst im Entstehen begriffen war. Im Jahre 410 u.Z., dem Jahr

der Plünderung Roms durch die Goten boten 11 große Kaiserthermen

und 926 Bäder der römischen Bevölkerung Gelegenheit zum Baden.383

Die Thermen sollten nicht nur als Bäder dienen, sondern „die Möglichkeiten

athletischen, gesellschaftlichen und intellektuellen Vergnügens,

wie sie insbesondere die prunkvollen öffentlichen Bauten des Marsfeldes

seit der augusteischen Zeit boten, in andere Stadtviertel übertragen.

Ihre Bibliotheken, Parks und Wettkampfstätten zielten auf körperliche

und intellektuelle Ertüchtigung , und damit selbstverständlich nicht in

erster Linie auf das ‚gemeine Volk’, sondern eher auf das mittlere und

gehobene Bürgertum als Publikum.“384 Gleichwohl „waren die Thermen,

wie jede andere öffentliche Einrichtung in Rom, für alle offen,

auch für Sklaven.“

Das antike Bad setzte sich als Wechselbad aus einer Reihe unterschiedlich

temperierter Räumlichkeiten zusammen, die neben Umkleideräumen

mindestens Frigidarium, Tepidarium und Caldarium umfaßte.

Das Frigidarium war ein Kaltbad, von dem aus der Besucher durch den

Übergangsraum mit mäßiger Temeratur, dem Tepidarium, ins heiße

Caldarium, dem Warmbad gelangte. In manchen Fällen war dieser

Raumfolge noch ein Laconium, ein Heißluftsaal, angegliedert. Der

Hauptzweck der Bäder erschließt sich aus ihrem ursprünglichen Namen.

Mit thermae war nicht allein das warme Wasser, sondern Wärme

schlechthin gemeint; die gesamte räumliche Durchwärmung und der

Aufenthalt in warmer, feuchter Luft machte den eigentlichen Charakter

des Badbesuches aus.386 Folgt man den Überlegungen Brödners, die den

Charakter römischer Thermen am türkischen Hamam orientiert, ähnelten

römische Bäder den heutigen Saunen. Während in Umkleideräumen

17°C herrschten, stieg die Temperatur im tempidarium wahrscheinlich

auf 23-25°C bei 90-95 %iger Luftfeuchtigkeit, um im Caldarium bei 32-

33°C und einer Luftfeuchtigkeit von 100% ihren Höhepunkt zu erreichen.

Das Laconium dagegen wies wahrscheinlich ähnliche Merkmale

wie die heutige finnische Sauna auf.387 Eine solche räumliche Anlage läßt

darauf schließen, daß ein Badbesuch als Wandel durch die unterschiedlich

temperierten Räumlichkeiten gedacht werden muß, der immer

wieder durch Aufenthalt auf den Palästren, jenen großen offenen, sich

im Umkreis der Bäder befindlichen Plätzen für Spiel und Sport, unterbrochen

wurde.

Seit der zweiten Hälfte des 1. Jh. u.Z. gewann das Bad als gesellschaftliches

Ereignis an Bedeutung; zwei bis dreimal täglich, zwischen Mittag

und Sonnenuntergang389 badete man üblicherweise.390 Die starke Bedeutungszunahme

führte im 1. Jh. u.Z. zur Veränderung der alten, bis dahin üblichen hellenischen Reihenbäder, die ihren Namen einer achsialen Anlage der zum Wechselbad gehörigen Räume des Frigidarium, Tepidarium und Caldarium verdankten. Während der Besucher im

Reihenbad denselben Weg zum Betreten und Verlassen des Caldariums

nehmen mußte, eröffnete der seit Anfang des 1. Jh. u.Z. übliche “Ringtyp”,

der einzelne Komponenten des Wechselbades ringförmig gruppierte,

einen Rundgang.391 Durch Erweiterung dieses, in seiner räumlichen

Struktur ringförmig angelegten Bades, seiner räumlichen Ausdehnung

und Einfügung repräsentativer Hallen und Aufenthaltsräume, entstand

der Ort öffentlich-repräsentativer Zusammenkunft in den Kaiserthermen:

“Die Pflege des Körpers stellte nur eine der Funktionen dar, denen diese großen

Anlagen dienten. Im gleichen Maße erfüllten sie wichtige soziale und kommunikative

Aufgaben: als Einrichtungen für Sport aller Art, Erziehung, Kunstausstellungen und

Vorträge. Die Kaiserthermen wie die Trajans, die Caracalla-, die Diokletiansthermen

[…] waren Brennpunkte des gesellschaftlichen Lebens.”

Die offene Palästra verwandelte sich in eine, der architektonischen

Thermeneinheit zugefügte Sportanlage, die zum einen der körperlichen

und geistigen Pflege, aber auch Spielen oder anderen kulturellen Veranstaltungen

offenstand.393 Exedren, basilical gestaltete Sport- und Wandelhallen

verbanden die Umkleideräume (Apodyterium) mit den Kaltund

Warmbädern.394 Sie boten durch ihre Großzügigkeit Gelegenheit,

Kunstgegenstände auf- und auszustellen. Nirgendwo sind mehr Statuen

gefunden worden, als in den Ruinen der großen Kaiserthermen.395 Besonders

aber unterstreichen angeschlossene Bibliotheken, von denen

zwei allein in den Caracallathermen nachgewiesen werden konnten, die

Bedeutung, die die Thermen als Orte des gesellschaftlichen und kulturellen

Austausches innehatten.

Mehr und mehr wuchs die Bedeutung von Thermen als Zentren des

gesellschaftlichen Lebens, in denen sich neben dem gesellschaftlichkulturellen

Bereich auch alltagsöffentliche Dienstleistungsbeziehungen

ausbildeten:

“Verkaufsstände und Gasträume befanden sich wohl in erster Linie in den Umfassungsgebäuden.

In den Säulenhallen wimmelte es nach den Beschreibungen der

Zeitgenossen von Garköchen, Schankmädchen und Kupplern.“

Die soziale Struktur der Thermenbesucher war gemischt, in der Regel

hatten alle Stadtbewohner Roms Zugang zu den aus euergetistischen

Mitteln entstandenen öffentlichen Einrichtungen.397 Für ein geringes

Entgeld konnten sich auch arme Römer stundenlang in den kaiserlichen

Bädern aufhalten. Wie beliebt der Aufenthalt in den Thermen unter der

römischen Stadtbevölkerung war, verdeutlicht das Verbot Hadrians, die

Thermen vor der achten Stunde, d.h. vor der Mittagszeit zu betreten.

Um zu verhindern, daß sich schon morgens große Teile der Bevölkerung

in die Thermen zurückzogen, wurde deren Benutzung bis zum Mittag

einfach untersagt.398 Auf der anderen Seite beleuchtet das von Hadrian

erlassene Verbot aber auch die Situation der Plebs, die besonders im

Winter auf die Thermen als geheiztem Aufenthaltsort angewiesen waren.

Wo sich arme Stadtbewohner aufhielten, badete auch die herrschende

Oberschicht Roms, sowohl wohlhabende Bürger als auch der Kaiser

selbst. In Begleitung ihrer Sklaven und Abhängigen entfalteten sie einen

ausgeprägten Repräsentationsrahmen, trafen befreundete Bürger und

wandelten allein oder im Gespräch mit anderen durch die Thermen.

Petron beschreibt seine Eindrücke vom Thermenbesuch eines römischen

Bürgers, dessen ausgefallene, sein aristokratisches Selbstverständnis

widerspiegelnde Selbstdarstellung geradezu komisch anmutet:

“Selbst begannen wir einstweilen, noch angezogen umherzuschlendern, richtiger

gesagt, Kurzweil zu treiben und uns Gruppen anzuschließen, als wir plötzlich einen

alten Kahlkopf erblickten, der in roter Tunica unter Burschen mit langem Haar Ball

spielte. Dabei hatten nicht so sehr die Burschen, obwohl es sich gelohnt hätte, unsere

Augen auf sich gezogen, als der Hausvorstand selbst, der in Sandalen mit grünen

Bällen übte. Und wenn einer davon den Boden berührt hatte, verwendete er ihn nicht

weiter, sondern ein Sklave hielt einen vollen Beutel bereit und versorgte die Spieler.

Weiter fiel uns als seltsam auf, daß zwei Eunuchen auf den entgegengesetzten Seiten

der Gruppe standen, von denen der eine einen silbernen Nachttopf in der Hand

hielt[…]. Menelaus sprach noch, als Trimalchio mit dem Finger schnippte, zum Zeichen

für den Eunuchen, ihm mitten im Spiel den Nachttopf unterzuhalten. Als er

seine Blase geleert hatte, ließ er sich Wasser für die Hände kommen und sich ein paar

Tropfen auf die Finger sprengen, die er dann an den Haaren des Burschen abtrocknete.”

Der gesellschaftliche Status wurde auf mannigfaltige Art und Weise

vorgeführt. Reiche römische Bürger wurden wohl immer von eigenen

Sklaven begleitet, die sich um Badewäsche, Garderobe und die benötigten

Utensilien wie Öl und Massage- sowie Hautschabgeräte (Strigilles)

kümmerten. Durch ihr Gefolge unterschieden sie sich deutlich von den

weniger vermögenden Bürgern, die innerhalb des Bades Öl kaufen

konnten, um sich selbst damit einzureiben.401 An der Spitze der

vorpolitischen Repräsentation stand der Kaiser, der häufig in den

öffentlichen Thermen unter dem Volk badete. Wie bei den Spielen hatte

er hier mit der Stadtbevölkerung Kontakt und konnte für eigene

Popularität sorgen. Über den Umgang mit den übrigen Stadtbewohnern

gibt es überwiegend positive Schilderungen des Kaisers, wie in einer

Episode von Cassius Dio:

“[Beim Bad bemerkte der Kaiser] einen Veteranen, den er von Feldzügen her kannte.

Dieser rieb sich den Rücken an der Marmorverkleidung der Caldariumwand. Als

Hadrian fragte, warum er das tue, antwortete der Alte, er sei zu arm, um einen Sklaven

zu .

Das Bad in den Thermen war demnach auch ein Ort, an dem man seine

Wünsche und Anliegen mit anderen besprechen konnte. Folgte ein Bürger

dem Ansinnen eines Bittstellers, vergrößerte dies gleichzeitig dessen

eigenes Ansehen. Die Thermen stellten so einen vorpolitischrepräsentativen

Rahmen dar. Darüber hinaus legt die Tatsache, daß die

Einwohner Roms nahezu den ganzen Nachmittag in den Thermen ver-

brachten, die Vermutung nahe, daß sie hier auch über andere Dinge

gesprochen wurde; daß sie womöglich, ähnlich wie beim gemeinsamen

Nachtmahl, über politische Themen diskutierten, Allianzen schlossen

und so politische Entscheidungen vorbereiteten.

Mit ihrem Alltagstreiben in den Garküchen und Läden der Nebengebäude,

den vorpolitisch-repräsentativen Selbstdarstellungen der Römer

und Gelegenheiten zu politischen Debatten bildeten Thermen durch die

Verbindung der drei Sphären antiker Stadtöffentlichkeit städtisches

Leben und Treiben, urbane Kultur im kleinen ab. Vor allem in Zeiten,

in denen Witterungsverhältnisse das Stadtleben außerhalb von Gebäuden

unmöglich machten, konnte es sich in den Thermen ausbreiten:

“Die Badeanlagen gaben den Römern der späteren Kaiserzeit die Möglichkeit eines

vom Wetter unabhängigen gesellschaftlichen Lebens. Auch die Stadt ist ja ihrem

Wesen nach ein von der Natur abgegrenzter, menschlichen Lebensbedingungen

unterworfener Bezirk. Die fora mit ihren Säulengängen, die vor Regen und Wind

schützten; die überdachten Hallen, Basilicen und Exedren im römischen Städtebau

entsprechen den Fußgängervierteln der modernen Stadt. Mit den Thermen wird eine

Stadt in der Stadt geschaffen, um den Bewohnern auch bei schlechtem Wetter und bei

Kälte einen ausgedehnten gesellschaftlichen Kontakt zu ermöglichen.”403

Zeitweilig, besonders zur Sommerzeit, in der die Thermen als alternativer

Ort antiker Stadtöffentlichkeit weniger bedeutsam waren, wurden

die auf der Mittelachse liegenden repräsentativen Bereiche der Kaiserthermen

geschlossen. Die zu beiden Seiten der betroffenen Räume befindlichen

Baderäume wurden in diesem Fall von Männern und Frauen

separat benutzt, als seien sie zwei vollständig voneinander getrennte

Einrichtungen.

 

  Roma Hamamı

       Bir soyunma odası, zeminin altındaki ya da duvarlardaki sıcak hava olukları tarafından ısıtılan bir terleme odası, orta ısılarda ısıtılmış büyük tonozlu bir salon, tavanı kısmen açık, soğuk banyolu ısıtılmamış bir frigidarium ve öğleden sonraları güneş ışığını almak üzere tepesi delik, buharla ısıtılmış bir kubbe. Ayrıca bir de yüzme havuzları da vardı. Yakınlarında da gezinme, sohbet etme, güneşlenme, spor, çeşitli el topu türleri, çember çevirme ve güreşe ayrılmış bölümler bulunurdu. Hamam bitişiğinde konser salonları, kitaplık ve bahçeler olurdu.

      Büyük hamamlar halk sanatı ve çağdaş sanat müzeleriydiler. Elimizdeki en iyi Yunan heykeli kopyalarını ve Roma heykeli hazinelerini bu hamamlara borçluyuz.

     Bu, insanların her işlevini toplumsal hale getirmeyi amaçlayan bir kamu mimarisiydi. Hamamlardaki tuvaletler, insanların birbirleriyle ahbaplık edebilmeleri için, kenarında oturma yerleri olan açık bir oda şeklinde düzenlenmişti. Sosyal tuvalet halk hamamlarında her zaman görülen bir uygulamaydı. Eğer yıkanmak zevkli bir sosyal olay olabiliyorsa, tuvalete gitmek neden olmasındı?

      Çok sonraları batı toplumlarında hamamlar Roma’nın çürümüşlüğünün bir simgesi olmuştu. Roma devrinde de hamamlar ahlakçıların ve burnu havada olanların hedefiydi.

     Cumhuriyetin ilk yıllarında bir erkeğin oğlunun yanında banyo almasının uygun olmadığı düşünülürdü.

     İmparatorluğun başlangıcında ise çıplaklığa ve karşı cinslerin bir arada olmasına karşı hoşgörü gittikçe artmış ve karışık hamamlara resmi bir yasaklama getirilmemiştir. Buna karşı çıkan kadınlar içinse özel hamamlar bulunuyor, ya da belirli saatler ayrılıyordu.

    Eninde sonunda hamamlardaki utanç verici olaylara karşı toplumun tepkisi artınca Hadrianus iki cinsi ayıran bir yasa yayınlamak zorunda kaldı. Hamamlar imparatorluğun her yerinde son derece popülerdiler ve tüm özgür Romalılar temsili bir ücret karşılığı bu hamamları kullanabiliyorlardı.

    Yalnızca cinsel ahlaksızlık değil, başka aşırılıklar da Romalılarda kaygı uyandırmıştı. Sütunlu verandalarda her iki cinsten seks tellallarının yanı sıra, saldırgan yiyecek içecek satıcıları da bulunuyordu. Anlaşıldığına göre bazı Romalılar hamamlardan yalnızca “susamak” için ya da iştahlarının açılması için yararlanıyorlardı. Juvenal (60-140?) “Eğer giysilerini çıkarıp dolu mideyle içindeki tavuskuşunu sindirmeden hamama sokarsan, bunun bedelini çok geçmeden ödersin, dostum” diye uyarmıştı.  

     Günün büyük kısmını hamamlarda geçirmek çok çekiciydi. Kendini tanrı Herkül olarak hayal eden imparator Commodus(161-192) günde sekiz kez banyo yapıyor ve gladyatör yarışmalarında gücünü sergiliyordu. Çileden çıkan danışmanları sonunda onu şampiyon bir güreşçiye boğdurttular. Bu tür aşırılıkları önleme çabaları ise açılış ve kapanış saatlerinin düzenlenmesine yol açtı.

 

Die Hamamtradition

Das Hamam- der Tempel für Körper und Seele

Wasser ist nicht nur zum Waschen da – im Hamam wird nicht nur der Körper sauber, auch die Seele und der Geist erfahren eine gewisse Klarheit…

Eine unbeschreibliche schöne Erfahrung, die man unbedingt am eigenen Lieb erfahren muss, um sie zu verstehen, ist ein Tag in einem Hamam. Im türkischen Bad benötigt man keine Badekleidung. Der Besucher lässt sich in der Umkleidekabine mit dem -pestemal-, einem Badetuch umhüllen, das aus Baumwolle oder Seide gewebt ist. Nur mit dem Pestemal um die Hüften geht man in den -sicaklik-, den (Warm)-Baderaum. Hier öffnet sich die Tür zur Entspannung mit Wasser, Dampf und Seife. Alltagssorgen, Stress und Hektik haben keine Chance sich durch den Dampf hier hinzuschleichen. Bei endlos fliessenden warmen Wasser an der -Kurna-, einem kleinen Marmorbecken, taucht man in ein Meer der seelischen und körperlichen Entspannung ein. Ständig wird der Körper mit einem -Tas-, einer kupfernen Schale, mit Wasser begossen, so dass man zu schwitzen beginnt. Wenn die Haut ganz weich und aufgequollen ist, legt man sich auf den -Göbektasi-, den Nabelstein, der sich Mitte des Bades befindet und eine große warme Marmorflaeche ist. Hier reibt der -Tellak-, Bediensteter, mit einer -Kese-, einem harten, grobgewebten Tuch den ganzen Körper ab, so dass die Haut regelrecht abgerubbelt und gut durchblutet wird. Danach kommt eine Seifenwaschung mit einer harten Massage und man fühlt sich wie neu geboren.

Das Hamam hat in der türkischen Kultur einen ganz besonderen Platz. Selbst in der türkischen Sprache gibt es Sprichwörter wie -Hamama giren terler- (Wer in ein Hamam geht, schwitzt) oder -Kadinlar hamamina dönmek- (wie ein Frauenhamam, für sehr lauten Klatsch) oder auch -Hamam gibi-, was soviel heisst, dass es so heiß ist wie in einem Hamam. Früher war ein Hamambesuch zu jeder Jahreszeit, besonders für die Frau, ein ganz besonderes Ereignis. Es war eine Gelegenheit dem Alltag zu entfliehen, man unterhielt sich und hatte viel Spaß. Schon in den frühen Morgenstunden des Tages fing der Hamambesuch an, nachdem man sich mit Bekannten und Nachbarn verabredet hatte. Erst bei Sonnenuntergang kam man wieder nach Hause. Essen wurde natürlich mitgebracht. Speziell einige Tage zuvor vorbereitete -Zeytinyagli Dolma- eine in Weinblaetter gewickelte Reisfülung, die in Olivenöl gekocht wird, -Tursu-, eingelegtes Gemüse und -Börek-, Geback aus dünnen Teigschichten, wurden gegessen und dazu wurde -Serbet-, selbstgemachter Fruchtsaft, getrunken. Das Schönste an einem Hamambesuch war natürlich immer der Klatsch.

Oft haben Hamams zwei getrennte Trakte, den Frauentrakt mit dem Eingang zu einer Seitenstrasse, und den Maennertrakt mit dem Eingang zur Hauptstrasse. Manche Hamams werden auch von Männern und Frauen abwechselnd benutzt. Farbige Tücher am Eingang kennzeichnen, ob Maenner-oder Frauentag im Hamam ist.

Auch das -Hamambohcasi-, das Bündel, in dem die Sachen zum Hamam mitgenommen wurden, gehört zur Hamamtradition. Folgende Sachen hatten darin ihren Platz: saubere Wäsche, Pestemal, Kamm, Seife, Schmuckkasten, Handtücher, Tas, Henna, Rastık (Augenbrauenschminke), Sürme (Augenliderschminke), Rosenduft und Nalin (Badeschuhe), das sind hohe Sandalen, oft aus Holz, die den Träger vor Bodennaesse schützen.

Das Hamam hat auch bei einigen wichtigen Traditionen eine zentrale Bedeutung: Es wurde z.B. das Gelin Hamami (Brautbad) veranstaltet, wo auch alle Bekannten des Brautpaares eingeladen waren. Es wurde gesungen und gefeiert. Die Braut wurde gewaschen und dreimal um den Göbektasi herumgeführt. In das Marmorbecken wurden Diamanten, Gold,  Geld und Schwarzkümmel geworfen.  Mit diesem Wasser wurde die Braut dreimal begossen und um sie herum Kleingeld gestreut. Man glaubte, dass diese Zeremonie Glück bringt. Die anderen jungen Mädchen sammelten das Kleingeld auf, damit es ihnen auch für ihre eigene Zukunft Glück bringe.

Das Wochenbett-Hamam wurde am 40. Tag nach der Geburt in dem Basar-Hamam veranstaltet. Die Zeremonie war ähnlich der des Brautbades. Das Baby wurde mit frischem Entenei bestrichen und der Mutter ein ganz breiter Gürtel um den Bauch gebunden, der die Rückbildung der Gebärmutter fördern sollte.

Noch heute gibt es eine Sitte in Anatolien: wenn ein Gelübde oder ein Versprechen, das mit einem wichtigen Wunsch verbunden ist, sich erfüllt, wird eine Feier im Hamam arrangiert und von der Person bezahlt, deren Gelübde erfüllt worden ist. In der türkischen Gastfreundschaft kennt man auch die Sitte, den Gast ins Hamam einzuladen.

Nach dem die Türken Istanbul im Jahre 1453 erobert hatten, bauten sie viele Hamams. Im 17. Jahrhundert gab es in Istanbul 168 zentrale Hamams. Heute zählen das Galatasaray Hamami, das im Jahre 1741 erbaute Cagaloglu Hamami und das Cemberlitas Hamami zu den bekanntesten. Das Cemberlitas Hamami wurde im Jahre 1584 von der Stiftung der Nur-u Banu Sultan, der Mutter Sultan Murat III. und Gattin des Sultan Selim II. erbaut. Das Cemberlitas-Bad ist 365 Tage im Jahr geöffnet, und zwar von den frühen orgenstunden bis Mitternacht (6:00-24:00) und hat einen Maenner-und einen Frauentakt. Das Bad, das nach Plänen des legendären türkischen Architekten Sinan erbaut wurde, ist eines der bedeutendsten Beispiele osmanischer Architektur des 16. Jahrhunderts.

Nach dem Hamambesuch werden Sie sich in der Badewanne zu Hause niemals so rein und sauber fühlen wie Sie es im Hamam erlebt haben.

 

Im Hamam

 

Die Tür ist eine Haustüre wie jede an­dere, nur daß >Hamam< darüber steht. Dahinter ein dunkler Flur, ein Kassenhäuschen. Ein älterer Mann mit Brille reißt sich vom Fernseher los und sagt: »Sechstausend«.

Dampf dringt aus ein paar Tü­ren.   Ein  Mann  im  Pullover nimmt mich in Empfang und schiebt mich in eine Umkleidekabine. »Klappt ja prima«, denke ich, »drei­tausend Jahre Dampfbad, das schafft Routine, da kommt man auch sprach­los klar.«

Meine Sachen lasse ich in der Ka­bine, hülle mich in ein Stück Stoff, folge dem Zeigefinger des Pullover­trägers bis zu einer Tür mit der Auf­schrift »Banyo«. Ich betrete ein was­servernebeltes, marmorverkleidetes Gewölbe mit einem Podest in der Mitte. An den Rändern Waschzellen,

in denen es tropft und platscht. Wasch- und Markttag in einem, denke ich mit Blick auf die Männer, die sich reinigen, Tee trinken, reden und gesti­kulieren.

Und ich? Kein Zeigefinger mehr! Da­für kommt eine Hand aus dem Nebel und packt mich an der Schulter. Sie gehört einem riesigen Dicken, der ebenso halbnackt ist wie wir alle. Seine Mehr-Pranke-Als-Hand schiebt mich in eine der Waschzellen. Ich soll mich mal anständig mit Wasser begießen, grunzt der Dicke, offensichtlich der Badewärter (Telak). Was sonst könnte er wohl gesagt haben? Ein zwei­ter Grunzer heißt wohl: »Sei nicht so zimperlich, hier wird nicht am falschen Ende gespart.« Jedenfalls entwindet er mir die Schüssel und klatscht nun war­mes Wasser höchstpersönlich über meinen Schädel.

Danach lenkt mich der Telak wieder von Hand, rechts aus der Zelle, Vier­tel-Volte nach links, Badeschlappen anziehen, im Schritt geradeaus, halbe Drehung rechts, Druck auf den Kopf: hinsetzen. Ich spüre Seife über mei­nem Kopf kreisen. Die Haare werden gewalkt, als gelte es, ein Fell zu reini­gen. Dann Arme und Schultern. Als es ihm mißlingt, mich durch die Mar­morbank zu stampfen, schickt mich der Dicke zum Weichmachen in den Schwitzraum.

Nach einer knappen halben Stunde ist seine Hand schon wieder an mir, diesmal mit dem Daumen Muskel­stränge pressend.

Ächz! Seufz! Stöhn! Schluchz! – Bis Seife und Wasser Schmerz und Selbstmitleid hinwegspülen und über­leiten zu einem ersten Zwischenhoch an Körperwonnen.

Penibel achtet der Dicke darauf, daß mein inzwischen mehrfach gewasche­nes Lendentuch die nach Hamam-Etikette höchstzulässige Entblößung nicht überschreitet. Auf dem Mittel­podest beginnt nun eine Massage, die man treffender als Körperoberflä­chenentsorgung bezeichnen könnte: Mit einem Hanf-Handschuh (Kese) schrubbt der Dicke meine Haut in häßlichen kleinen Würstchen ab. Je­der Quadratzentimeter muß spen­den. Danach: Seife, Wasser, warme Muskeln, Wohlbehagen. – Das zweite Zwischenhoch stellt sich ein. Leider zu kurz, denn schon hat mich der Dicke auf den Rücken gedrückt und walkt meine Schultern. Sein Mords­bauch hängt direkt über mir, ich sehe die Schweißperlen auf seiner Stirn. Hat er nicht einen sadistischen Zug um die Augen? Kaum gedacht, faltet mir der Telak die Arme kreuzweise über die Brust und wuchtet seine 150 Kilogramm Körpergewicht darauf. Es kracht in meiner Wirbelsäule. »Das war’s dann«, denke ich, »aus! Doch ein Sadist!« Aber dann, auf den Bauch ge­rollt, weht das dritte, und nun endgültige Hoch heran, dies­mal gepaart mit seelischer Entspan­nung Zum Schluß gibt’s noch einen Schon-Waschgang und Gottseidank kein Trockenschleudern. Stattdessen be­ikomme ich ein frisches Handtuch, werde aus dem Dunst des Banjos hinausgedeutet und erwische irgendwo den Zeigefinger des Pullover-manns. Der spendiert weitere Handtücher und sichert sich damit ein Bakschisch. Am Kassenhäuschen hat der

Mann mit Brille den Fernseher ausge­schaltet. Der Dicke, in trockenem Schurz, steht neben ihm. Zum letz­tenmal berührt mich seine Hand, und als sie sich zurückzieht, sind die Geld­scheine darin verschwunden, als hätte ich sie nie hineingesteckt. »Tesekkür ederim«, grunzt er und »Sihhatlar olsun«. – »Danke, gute Gesundheit«, übersetzt der Brillen­mann.

Draußen vor der Tür ist die Luft wie neu: Zuvor habe ich sie nur geatmet, jetzt schmecke ich sie auch. Meine Haut ist glatt geschliffen wie polier­tes Holz und eines ist schon jetzt klar: Sobald sie erneut Profil zeigt, bin ich wieder im Hamam.

 

 

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Comments (1)

  1. I read this paragraph completely about the resemblance of most up-to-date and earlier technologies, it’s
    remarkable article.

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