Christentum

Das 6. Sendschreiben an Philadelphia

 

Und dem Engel der Gemeinde zu Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich weiß deine Werke. Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde geben aus des Satans Synagoge, die da sagen, sie seinen Juden, und sind’s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 7-13).

  1. Das sechste Sendschreiben, das vorletzte, ist an den Vorsteher der Gemeinde zu Philadelphia = Filadeljia gerichtet. Philadelphia heißt „Bruderliebe“ und ist daher eine Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter: philos = jiloV (= Liebe) und adelphos = adeljoV (= Bruder). Philadelphia befand sich am oberen Ausgang eines weiten Tales, das über Sardes zum Meer in der Nähe von Smyrna führte. Heute trägt diese Stadt allerdings den Namen Alasehir (ausgesprochen: Alaschehir), früher Alashehr, was nun soviel bedeutet wie „Stadt Allahs“ = Stadt Gottes der Mohammedaner. Die Stadt liegt 120 km östlich von Izmir, dem früheren Smyrna, zwischen dem Nordfuß des Tmolusgebirges und dem Südufer des Kogamus, dem heutigen Fluß Alasehir, einem Zufluß des Gediz oder Sarabat, dem früheren Hermos oder Hermus.

Damals lag Philadelphia 45 km südöstlich von Sardes, ebenfalls in Lydien, am Wege nach Kolossä, heute führt von dort eine Eisenbahnstrecke an den Ruinen von Sardes vorbei. Die Stadt wurde durch Attalos II. Philadelphos, König von Pergamon, der von 159-138 v. Chr. herrschte, etwa im Jahre 154 v. Chr. gegründet und ist damit die jüngste der sieben kleinasiatischen Städte, die in der Offenbarung vorkommen. Da Attalos II. Philadelphos seinen Bruder Eumenes besonders lieb hatte, nannte man ihn mit dem griechischen Doppelwort: Phil-adelphos = Bruderliebe, so daß dann auch die neugegründete Stadt so nach ihm benannt wurde. Philadelphia wurde als griechisches Kulturzentrum gegründet, um als Ausgangspunkt für die friedliche Ausbreitung der griechischen Sprache, Literatur und Wissenschaft zu dienen und galt deshalb als „offene Tür“ des Hellenismus in Kleinasien.

Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., setzte 133 v. Chr. in seinem Testament die Römer als Erben des Königreiches Pergamon ein, unter der Bedingung, daß die Griechenstädte frei blieben. Dadurch fiel sein Reich und auch die Stadt Philadelphia an die Römer, die dann in den Jahren von 133-129 v. Chr. aus diesen Gebieten die römische Provinz Asia (= Kleinasien) bildeten.

Philadelphia wurde durch mehrere Erdbeben in den Jahren 17-30 n. Chr. völlig zerstört, aber durch die Großzügigkeit von Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar) (16.11.42 v. Chr. -16.3.37 n. Chr.), römischer Kaiser von 14-37 n. Chr., wurde sie, wie die Stadt Sardes, wieder aufgebaut. Durch Steuervergünstigungen und einer Hilfe zum Wiederaufbau ermöglichte er eine rasche Wiederherstellung der Stadt. Da die Bewohner von Philadelphia jedoch wegen der Erdbebengefahr in dauernder Panik lebten, daß sich das unheilvolle Beben der Erde zu jeder Zeit wiederholen könnte, wechselten sie oft ihren Wohnort, indem sie kamen und wieder gingen. Trotzdem war es doch immer eine aufstrebende Stadt in jeder Hinsicht. Philadelphia hat sich nicht nur im Kern bis auf den heutigen Tag erhalten, sondern hat auch im Laufe der Jahrhunderte oft Flüchtlingen aus anderen Städten eine Zufluchtsstätte sein können, so z. B. bei dem Erdbeben im Jahre 1856 n. Chr. und auch später noch.

Nach einer langen Zeit des Widerstandes war Philadelphia allerdings die letzte Stadt in Kleinasien, die im Jahre 1300 n. Chr. in die Hände der Osmanen oder Ottomanen (Türken) fiel. Im Jahre 1402 n. Chr. wurde die Stadt dann durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) erobert, jedoch augenscheinlich nicht zerstört. Als dieser damals mit seinen Horden brennend und mordend durch Kleinasien zog und überall furchtbare Blutbäder anrichtete und alle anderen Gemeinden wegfegte, sodann in Smyrna aus den Schädeln der Getöteten einen Turm errichtete oder anderswo zu Bergen anhäufte, da blieb Philadelphia wunderbar bewahrt.

Im Jahre 1922 n. Chr. wurde die Stadt durch die Griechen wohl weitgehend zerstört, und zwar beim neuen Vormarsch der Türken unter Mustafa Kemal Pascha (später: Atatürk = Vater der Türken), der die Griechen aus Kleinasien vertrieb. Trotzdem kamen noch Flüchtlinge von den großen und reichen Nachbarstädten und fanden hier Zuflucht. Die heutige moderne türkische Stadt Alasehir, die sich genau an der Stelle des antiken Philadelphia befindet, ist auch jetzt noch ein bedeutendes Zentrum in dieser Gegend und hat etwa 40 000 Einwohner.

Unter allen Stürmen der Osmanen, Mongolen und Türken und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, hat sich eine kleine Christengemeinde bis auf den heutigen Tag erhalten, als einsame Warte des Heiligtums mitten in der Wüste dieser Welt. Man hat vor einigen Jahren noch etwa 2 000 griechisch-orthodoxe Christen dort gezählt, die über mehrere Kirchen verteilt waren. Es ist daher auch anzunehmen, daß sich bestimmt etliche wahre Gläubige darunter befinden, da der Herr seine Verheißung sicherlich gehalten hat: Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren.

Philadelphia war auch ein berühmtes Wirtschaftszentrum. Obwohl die Stadt mehrmals zerstört wurde, hatte es nie lange gedauert, bis sie wieder aufgebaut werden konnte und zu neuer Blüte gelangte. Philadelphia betrieb den Handel zwischen dem großen Zentralplateau Kleinasiens und Smyrna und war auf Textil- und Lederproduktion spezialisiert. Vor allem aber war es einst der große Weinmarkt Lydiens, in einem ausgesprochenen Weinbaugebiet gelegen, dessen Weine Weltruhm besaßen. Die von der Stadt geprägten Goldmünzen trugen das Bild des Bakchos (= bakcoV) oder Bacchus (lat.) als Symbol des griechischen und römischen Weingottes.

Bei dieser Gottheit handelt es sich um Dionysos, den griechischen Gott der Fruchtbarkeit, später insbesondere des Weines, der auch Bakchos, lateinisch Bacchus, genannt wurde. Er galt als Symbol der Ausschweifung besonders in sexueller Hinsicht. Im Mittelpunkt des Kults stand eine phallische Prozession, wobei Orgien gefeiert wurden. Knaurs Rechtschreibung, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München/Zürich, erklärt: Orgiasmus, ausschweifendes Feiern der Orgien im altgriech. Dionysoskult; Orgie, mit wilder Trunkenheit gefeiertes kult. Fest.

Philadelphia war ein bedeutendes Zentrum heidnischer Götterverehrung, wo sich jeder nach Belieben einen oder mehrere Götter zur Anbetung auswählen konnte. Neben dem Tempel des obersten Stadt- und Weingottes Dionysos oder Bacchus standen auch noch viele andere Heiligtümer, die der Stadt ein besonderes religiöses Gepräge gaben.

Außerdem war die Umgebung auch reich an Heilquellen, zu denen viele kranke Menschen aus aller Herren Länder kamen, um dort Heilung und Gesundheit zu finden.

  1. Über die Entstehung der christlichen Gemeinde zu Philadelphia liegen uns ebenfalls keine kirchengeschichtlichen Angaben vor. Es scheint zunächst, als ob sie recht klein gewesen sein mag, jedoch stieß sie offenbar auf den heftigen Widerstand der örtlichen Synagoge (Offb. 3, 9). Aber im Jahre 110 n. Chr. ist Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der die Römer gegen sich aufgebracht hatte und deshalb in Rom hingerichtet werden sollte, auf seiner letzten Reise hier durchgekommen. Wir wissen nicht, welche Strecke man wählte, nachdem er die Zilizischen Tore (griechisch: ciliciae pylae = ziliziae pulae), einen Paß im Taurus-Gebirge, buchstäblich passiert hatte. Bis nach Philadelphia nennt Ignatius keine Städte, an denen er vorbeigekommen ist. Von dort aus wurde er nach Smyrna und später nach Troas gebracht. Von Troas aus sandte er unter anderen der Gemeinde von Philadelphia einen Brief, in dem er diese Gemeinde ebenso rühmte, wie es der erhöhte Herr in unserem Sendschreiben tut.

Bei der Hinrichtung des Bischofs Polykarp und anderer Märtyrer von Smyrna am 23. Februar 155 n. Chr. waren auch elf Männer aus Philadelphia ihre Leidensgenossen. So sind die beiden Gemeinden von Smyrna und Philadelphia, denen der Herr in den Sendschreiben ausschließlich Lob zollt, tatsächlich auch beide dem Herrn auf seinem Kreuzeswege nachgefolgt.

Der geistliche Zustand der Gemeinde von Philadelphia allerdings lautet deshalb auch folgerichtig: Ohne Tadel.

Es fällt auf, daß der erhöhte Herr den beiden Gemeinden Smyrna, der zweiten vom Anfang, und Philadelphia, der zweiten vom Ende, keinerlei Tadel ausgesprochen hat. Bei den anderen fünf Gemeinden ist das allerdings leider der Fall, was seinen Grund in deren heilsgeschichtlichen Bestimmung und Entwicklung hat, wie bei allen Gemeinden.

Die Gemeinde zu Smyrna mußte durch zehn große Verfolgungen unter römischen Kaisern gehen, wodurch sie geläutert, bewährt und als tadellos in den Augen ihres Herrn erfunden wurde. Petrus erklärt dieses Leiden so: Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn; denn wer am Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde, daß er hinfort die noch übrige Zeit im Fleisch nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes lebe. (1. Petr. 4, 1-2).

Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn, ermutigt uns in seinem Brief: Meine lieben Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ohne Tadel und kein Mangel an euch sei. (Jak. 1, 2-4).

Dagegen war Philadelphia die von Gott erwählte und durch den Heiligen Geist erweckte Missions-Gemeinde, die sich aus Liebe zu Jesus Christus von aller Befleckung des Geistes reinigte und somit ebenfalls als tadellos in den Augen ihres Herrn erschien. Paulus wiederum erklärt: Weil wir nun solche Verheißungen haben, meine Lieben, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes. (2. Kor. 7, 1).

  1. Auch dieses Sendschreiben beginnt wieder mit dem Schreibbefehl des Herrn und ist auch an den Engel der Gemeinde gerichtet. Daran sehen wir, daß Jesus Christus sich wiederum zuerst an den Boten oder Leiter der Gemeinde wendet, um ihn über den geistlichen Zustand derselben zu informieren. Er ist vor Gott verantwortlich für die ihm anvertraute Gemeinde. Deshalb ermahnt auch der Apostel Petrus: Weidet die Herde Gottes, die euch befohlen ist, nach Gottes Willen, nicht gezwungen, sondern willig; nicht um schändlichen Gewinnes willen, sondern von Herzensgrund; nicht als die über die Gemeinden herrschen, sondern werdet Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unverwelkliche Krone der Ehren empfangen. (1. Petr. 5, 2-4). Dieser Erzhirte ist nicht etwa der Erzbischof, der vielleicht nur aus Höflichkeit einen Besuch abstattet, sondern der wiederkommende Herr, Jesus Christus persönlich. Der Sohn Gottes wird nun bald selbst kommen, um den Seinen sodann endlich den gerechten Lohn zu geben.

Das von Gott durch den Heiligen Geist diktierte und von heiligen Menschen niedergeschriebene Wort hat immer prophetischen Charakter. Petrus bezeugt in seinem zweiten Brief: Und das sollt ihr vor allem wissen, daß keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht; sondern von dem heiligen Geist getrieben haben Menschen im Namen Gottes geredet. (2. Petr. 1, 20-21).

Aus diesem Grunde sucht Jesus Christus alle sieben Sendschreiben in der Offenbarung mit dem Schreibbefehl einzuleiten, damit der Inhalt dieser geschriebenen Botschaft ungekürzt und unverändert der Nachwelt erhalten bleibt. Die Leiter der Gemeinden sind so auch verantwortlich für die Verkündigung der ganzen Botschaft, nach dem Willen Gottes. Jeder möge deshalb in seiner eigenen Gemeinde prüfen, welchen Stellenwert dort gerade die Offenbarung oder überhaupt das prophetische Wort hat.

Die Bibel ist von einzigartiger Würde und von höchster Bedeutung vor allen anderen Büchern der Weltliteratur, weil sie von Gott eingegeben, wörtlich „von Gottes Geist durchweht“ ist. Darum schreibt der Apostel Paulus auch: Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Aufdeckung der Schuld, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, daß ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt. (2. Tim. 3, 16-17). Die einzelnen Teile der Bibel haben, bei allen persönlich und geschichtlich bedingten Unterschieden, eines gemeinsam: Sie wollen den Menschen schaffen, der Gott gehört: Er ist versöhnt mit Gott und bereit zum Gehorsam. Das Wort trifft jeden in seiner Lage: Der Unwissende oder der Verwirrte wird belehrt, der Sünder wird überführt, der Reuige wird zur Besserung angehalten, der Träge wird zum Fortschritt im Guten erzogen.

Die Selbstbezeichnung des Absenders dieses Briefes lautet diesmal: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf. Jesus hatte auf dem Laubhüttenfest im Tempel bereits etlichen aus Jerusalem geantwortet: Da rief Jesus im Tempel, lehrte und sprach: Ihr kennet mich und wisset, woher ich bin. Aber von mir selbst bin ich nicht gekommen, sondern es ist ein Wahrhaftiger, der mich gesandt hat, welchen ihr nicht kennet. Ich kenne ihn; denn ich bin von ihm, und er hat mich gesandt. (Joh. 7, 28-29). Wir werden hierbei ebenfalls an die Worte Jesu im hohenpriesterlichen Gebet erinnert: Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Gleichwie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, auf daß auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, auf daß sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; daß auch sie in uns seien, damit die Welt glaube, du habest mich gesandt. (Joh. 17, 17-21). Der Wahrhaftige heiligte sich selbst in der Wahrheit, damit auch alle seine Jünger in der Wahrheit seien.

Nur einmal hat Jesus seinen Willen gegenüber seinem himmlischen Vater geäußert, und zwar auch hier im hohenpriesterlichen Gebet: Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, auf daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe denn die Welt gegründet ward. (Joh. 17, 24). Dafür können wir nun unserem Herrn Jesus Christus nicht genug dankbar sein; deshalb sollen wir uns auch in jeder Hinsicht und in jeder Minute bewußt sein: Unsre Heimat aber ist im Himmel, von dannen wir auch warten des Heilandes Jesus Christus, des Herrn. (Phil. 3, 20).

Die Heiligkeit Gottes tritt uns am eindrucksvollsten entgegen in der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja, der den dreimal heiligen Ruf der Seraphim vernimmt: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! (Jes. 6, 3). Das hebräische Wort: „kadosch“ für „heilig“ hat den Sinn von Absondern, so daß das mit „heilig“ bezeichnet werden kann, was von der Welt abgesondert ist. Das entspricht unserer Erwählung, aber leben wir unserer Erwählung entsprechend? Es ist wert, einmal darüber nachzudenken, was in unserem Leben noch verbessert werden könnte, wo wir unseren Wandel noch weiter von der Welt abgrenzen sollten. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir die Welt gleich ganz verlassen müßten. Gott will uns da haben, wo er uns hingestellt hat, dort wird er uns segnen. Die Bitte Jesu an den Vater lautete: Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen (Joh. 17, 15).

In der Sprache der Propheten bedeutet „heilig“: fleckenlose Reinheit, Erhabenheit und Hoheit, vor deren Majestät alle, die mit ihr konfrontiert wurden, immer vor Ehrfurcht auf ihr Angesicht fielen. Wenn jemand auf den Rücken fällt, wie in unseren Tagen des öfteren berichtet wird, dann ist es nicht in Anbetracht der heiligen Gegenwart Gottes, sondern eines anderen Geistes, der das Gegenteil der göttlichen Ehrfurcht bewirkt. So ist auch der sogenannte Toronto-Segen für jeden Unerfahrenen leicht einzuordnen, von wo der kommt.

In der griechischen Sprache ist der Ausdruck: = hagios für „heilig“ mit einem Gegenstand der Ehrfurcht und Scheu vergleichbar und verwandt. Das ersehen wir auch aus dem Urtext des Neuen Testamentes, wo z. B. Petrus schreibt: Denn es steht geschrieben (3. Mose 19, 2): „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“. (1. Petr. 1, 16).

Der erhöhte Herr hat hier an der Gemeinde zu Philadelphia nichts zu tadeln; sie ist heilig, darum tritt er auch als „der Heilige“ vor sie hin und redet mit ihr. Heiligkeit und Wahrheit sind der Schmuck und die Kraft dieser Gemeinde, darin besteht ihr ganzes Zeugnis. Fallen diese hin, so fällt das Zeugnis hin! Das gilt auch für einen jeden von uns. Darum schreibt Paulus: Es trete ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. (2. Tim. 2, 19).

Die Wahrheitsfrage hat die Menschen zu allen Zeiten bewegt und beschäftigt, ja, sie ist sogar zur Kernfrage aller Fragen geworden. Denn durch Mißtrauen, Lüge und Betrug ist es dem Teufel als Mörder und Vater der Lüge in seiner elastisch-diabolischen Verdrehungskunst meisterhaft gelungen, die ganze Schöpfung ins Verderben zu stürzen und sie in seine Abhängigkeit zu bringen. Er herrscht als Gott dieser Welt in der Luft und hat zu dieser, seiner Zeit sein Werk in den Kindern des Unglaubens: … in welchen ihr vormals gewandelt seid nach dem Lauf dieser Welt, nach dem Mächtigen, der in der Luft herrscht, nämlich nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. (Eph. 2, 2).

Sie sind seine Medien und Befehlsempfänger, meistens unbewußt, die er durch seine alte Verführungsmethode – Zweifel, Mißtrauen, Lüge und Betrug – telepathisch steuert und diktiert, um sie dadurch zu den größten Verbrechen zu veranlassen. Darum ist es auch kein Wunder, wenn Menschen aus der Bedrängnis ihrer Ausweglosigkeit mit Pilatus resignierend und verlegen fragen: „Was ist Wahrheit?“ (Joh. 18, 38).

Karl (Heinrich) Marx, der Begründer des Marxismus (5.5.1818-14.3.1883), geb. in Trier, verstieg sich sogar in die Behauptung: „Es gibt keine absolute Wahrheit, es gibt keine absolute Moral.“. Demgegenüber tritt Jesus Christus auf und widerlegt diese Behauptung in seiner Botschaft an die Gemeinde zu Philadelphia mit den Worten: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige.Jesus Christus kann von sich sagen: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. (Joh. 14, 6). Und vor Pilatus bezeugte er: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Joh. 18, 37). Und zu den Juden, die an ihn glaubten, sprach er: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. (Joh. 8, 31-32). Also doch absolute Wahrheit!

Dazu die Worte eines Dichters:

Die Wahrheit ist ein bitt’rer Trank,
Doch wer ihn braut, hat selten Dank,
Denn der Menge schwacher Magen
Kann ihn nur verdünnt vertragen.

Wahrheit ist nicht leichte Speise,
Sondern bitt’re Arzenei,
Darum braucht sie tropfenweise,
Aber peinlich und genei. (genau)

Wir wollen nun sehen, was es mit der Amtsgewalt des Schlüsselträgers auf sich hat. Der Schlüssel Davids war das Symbol für das oberste Verwaltungsamt am Königshofe Davids auf dem Berge Zion. Nach Jesaja 22, 15-19 wurde dieses Amt von dem treulosen und habgierigen Schebna verwaltet, dem Gott durch den Propheten Jesaja wegen seiner unwürdigen Amtsführung seinen Sturz und seine Wegführung nach Assyrien ankündigen ließ. Dann heißt es weiter bei Jesaja: Und zu der Zeit will ich rufen meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkias, und will ihm dein Amtskleid anziehen und ihn mit deinem Gürtel gürten und deine Herrschaft in seine Hand geben, daß er Vater sei für die, die in Jerusalem wohnen, und für das Haus Juda. Und ich will die Schlüssel des Hauses Davids auf seine Schulter legen, daß er auftue und niemand zuschließe, daß er zuschließe und niemand auftue. (Jes. 22, 20-22).

Das Tragen des Schlüssels auf der Schulter hat nach Jesaja eine messianische Bedeutung: Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf daß seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, daß er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth. (Jes. 9, 5-6).

Der Ausspruch: und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter, kommt von einem orientalischen Hochzeitsbrauch. Wenn eine Braut dem Bräutigam angetraut wurde, nahm sie ihren Schleier ab und legte ihn auf die Schultern des Bräutigams. Damit bezeugte sie, daß sie nicht nur unter seiner Herrschaft steht, sondern daß sie ihm damit auch ihre Rechte übertragen hat und daß er das Haupt ist, aber auch, daß er die volle Verantwortung für sie trägt, sie schützt und für sie sorgt.

Wenn nun Jesus Christus im Sendschreiben an die Gemeinde zu Philadelphia sich als Inhaber des Schlüssels Davids bezeichnet, so bedeutet das, daß er als der Sohn Davids gleichzeitig der einzig rechtmäßige Verwalter des Königreiches Davids ist. Als Sohn Gottes ist er der rechtmäßige Verwalter des Reiches Gottes. Seine Amtsgewalt und Königsherrschaft als Hofmeister Gottes hat er vor seiner Himmelfahrt vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt proklamiert mit den Worten: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. (Matth. 28, 18).

Bei der Betrachtung von Kapitel 1 (Offb. 1, 18) haben wir schon gesehen, daß diese Schlüsselgewalt Jesu Christi allumfassend ist und sich auch über das Totenreich erstreckt: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.Darum kann auch nur er den Eingang zum Reiche Gottes öffnen und gegebenenfalls genauso wieder zuschließen. Allerdings läßt er seine Jünger daran teilhaben, indem er ihnen durch den Heiligen Geist z. B. die Sündenvergebung eines Menschen bestätigt. So ist auch die Schlüsselgewalt des Petrus zu verstehen: Ich will dir des Himmelreichs Schlüssel geben, und alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein. (Matth. 16, 19). Diese Schlüsselgewalt hat Jesus schon sehr bald allen seinen Jüngern übertragen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. (Matth. 18, 18).

Das bedeutet, daß alle Jünger Jesu, auch heute noch, nur in völliger Abhängigkeit von ihm, und nur von ihm, handeln können, ganz gleich, was sie in seinem Namen verkündigen oder tun. So ist auch jeder missionarische Einsatz und jeder Dienst der Verkündigung, sowie jede Erweckung und Neubelebung in der Gemeinde, ein Gnadenwerk des Herrn und allein von seinem Auftun und Zuschließen abhängig, obwohl er seine Boten dazu gebrauchen will und auch gebraucht.

Wie in allen Sendschreiben, so erklärt der allwissende Herr auch der Gemeinde zu Philadelphia: Ich weiß deine Werke. Diese Aussage, daß der Herr sich um sie kümmert und um ihre Werke weiß, ist zunächst für die Gemeinde eine erfreuliche und beglückende Botschaft. Zum anderen ist es für sie, im Hinblick auf die drohenden Gefahren, tröstlich und ermutigend, daß der Herr die Ehre seines Namens mit dem Schicksal ihres Daseins verpfändet hat.

In Anbetracht seiner Schlüsselgewalt verkündet nun der Herr: Siehe, ich habe vor dir gegeben eine offene Tür, und niemand kann sie zuschließen. Mit der „offenen Tür“ meint der erhöhte Herr die großen Erweckungen und Missionsmöglichkeiten im Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia. In der Epoche der christlichen Kirche gab es zwei große, globale Erweckungen, die wie Steppenfeuer über die ganze Erde gingen. Die erste Erweckung fand von der zweiten Hälfte des ersten bis zum Ende des dritten Jahrhunderts und die zweite vom 18. bis zum 19. Jahrhundert n. Chr. statt.

Von einer dritten weltumfassenden Erweckung vor der Wiederkunft Jesu Christi wird uns im prophetischen Wort nichts gesagt. Das schließt aber keinesfalls aus, daß der treue Gott hier und da, im Laufe der Jahrhunderte nach Christus, zu diesen beiden großen, globalen Erweckungen auch noch einige kleinere, örtlich begrenzte Bußbewegungen geschenkt hat. Die Kirchen- und Missionsgeschichte bestätigen das durchaus. Es war und ist immer möglich, daß der Herr erweckliche Aufbrüche entstehen läßt, jedoch räumlich beschränkt, nicht weltweit. Vor einiger Zeit noch war das so der Fall z. B. in Indonesien oder in Korea, also in Ländern, die vorher nicht vom Evangelium erreicht worden sind.

Der Missionsbefehl Jesu gilt auch heute noch: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden. (Mark. 16, 15-16). Für das „christliche“ Abendland gelten jedoch andere Maßstäbe. Bei uns gibt es überall Kirchen, die jedoch von der „christlichen“ Bevölkerung kaum noch beachtet werden. Allerdings müssen wir hierbei bedenken, daß in diesem Zeitabschnitt vor seinem Kommen, also am Ende der Endzeit, die Gemeinde von Laodicea die vorherrschende oder die herausragende sein wird, denn sie ist die letzte Kirchenform, die in der Offenbarung beschrieben wird. Diesen Gemeindetypus werden wir beim nächsten und letzten Sendschreiben näher betrachten.

Was wir in den letzten Tagen unseres zu Ende gehenden Zeitalters erleben, ist der große Abfall mit Verstockung und Unbußfertigkeit, allerlei Irrtümern, Irrlehren, teuflischer Verführung, Okkultismus, Spiritismus, Teufelsanbetung und Teufelsmessen, die sich in geradezu erschreckender Weise überall ausbreiten. Das alles wird uns im Worte Gottes mit großer Deutlichkeit vorausgesagt.

Dagegen hieß es jedoch in „Charisma“ Nr. 58/1987, auf Seite 4:
Euro-Fire 87. Deutschland in der Morgendämmerung der Erweckung. Ein Auftakt. Eine Entdeckung. Ein Verlangen und ein Gebet. Und die Gewißheit: Das Feuer ist gefallen. Jetzt breitet es sich aus von Stadt zu Stadt und von Ort zu Ort. In fünf Jahren wird dieses Land ein völlig anderes sein.

Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn Deutschland sich damals in ein Gottesreich verwandelt hätte. Aber auch hier war der Wunsch der Vater des Gedankens. Diese Voraussage hat sich in negativer Weise erfüllt, denn Deutschland ist heute ein anderes. Die Ungerechtigkeit hat noch zugenommen, neue Gesetze haben die Abtreibung, Abartigkeit und wilde Ehen gefördert. Ähnlich hatte schon Hitler ahnend vorausgesagt: Gebt mir einige Jahre Zeit und ihr werdet Deutschland nicht wiedererkennen! Millionenfaches Elend und klägliche Trümmerhaufen waren das ganze stolze Vermächtnis dieses ärmlichen Führers. Heute kann man für Deutschland nur eine Prognose geben: Eine Nation, die ihre eigenen Kinder tötet, wird immer ein Land ohne Zukunft sein. Deshalb wird wohl eher ein massives Eingreifen Gottes erfolgen, als daß eine durchgreifende Umkehr in Deutschland stattfindet, die wirklich alle Volksschichten erfassen müßte.

Diese endzeitlichen Pseudo-Propheten verkündigen auch heute noch mit einer inbrünstigen Leidenschaft, mit der sie die göttliche Wahrheit ersetzen wollen, „Explosionen des Geistes“. Man fragt sich nur, aus welcher Quelle sie diese Informationen schöpfen – aus der Bibel jedenfalls nicht. Der fromme Größenwahn unserer Tage ist nur dazu angetan, einem oberflächlichen Endzeit-Christentum scheinbare Gnadengaben vorzutäuschen. Im heutigen religiösen Wirrwarr wird eine sensationslüsterne Schar durch falsche Zeichen und Wunder irregeführt und satanischen Bindungen ausgesetzt. Kein Wunder also, daß diese überaus armen, hilfsbedürftigen Betrogenen bei diesen wunderlich-begabten Schauspielern dann geradezu scharenweise kraftlos und ohnmächtig auf den Rücken fallen. Das ist ein Zeichen unserer Zeit, gemäß Jesu Warnung: Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so daß, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. (Matth. 24, 24).

So ist es deshalb inzwischen bei uns so, daß es diese „offene Tür“ der Gemeinde von Philadelphia leider nur noch in wenigen begrenzten Fällen gibt, anders als noch damals, zu Anfang dieses Jahrhunderts. Die Zeit der „offenen Tür“ war und ist immer eine Zeit, wo eine Tür offen ist für die Wirksamkeit eines fruchtbaren Dienstes für Jesus Christus. Philadelphia-Christen fragen immer: Wo kann ich etwas tun zur Verherrlichung meines Herrn, der soviel für mich getan hat?

Sie machen es, wie einst Oberstleutnant von Knobelsdorff, ein hoher und tüchtiger Offizier im Dienste Kaiser Wilhelm II., des Königs von Preußen. Der fand durch Gottes Gnade den Herrn Jesus. Doch, kaum bekehrt, schrieb er an seinen Pastor unter anderem etwa wie folgt:
„Wie ich meinem irdischen König treu gedient habe, so will ich auch meinem himmlischen König treu dienen. Bitte, Herr Pastor, geben Sie mir Arbeit!“

Der Pastor las und las immer wieder diesen Brief; denn solche hatte er bisher sehr wenige erhalten. Doch aus dem Brief erblickte er nicht nur den ganzen Offizier, sondern auch den ganzen Christen. Und er wies Von Knobelsdorff hin auf das große Feld der Trinker in Deutschland. Daraufhin nahm dann Von Knobelsdorff, mit dem Evangelium von Jesus Christus bewaffnet, diese Arbeit energisch in Angriff. So ist er dann vielen armen, gebundenen Trinkern ein Wegweiser zum Heiland geworden, durch den sie von ihrem Laster frei wurden.

Das vom Herrn der Gemeinde zu Philadelphia zuteil werdende Lob lautet: … denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort behalten und hast meinen Namen nicht verleugnet. Die damalige Gemeinde zu Philadelphia hatte deswegen „eine kleine Kraft“, weil sie in den Tagen der großen Versuchung rechtlos war, und sich niemand ihrer in dieser bedrängten Lage annahm. Ihr äußerer Einfluß war unbedeutend. Der Vorsteher der Gemeinde war wohl keine auffallende Erscheinung und darum auch wenig repräsentativ. Aber gerade dann, wenn man mit der eigenen Kraft zuschanden geworden ist, kann die Kraft Gottes einsetzen.

Von dieser allseits gesegneten Kraftlosigkeit weiß auch der Apostel Paulus schon zu berichten: Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung: nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Gewaltige, nicht viele Edle sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist. (1. Kor. 1, 26-27). Dann sagt er von sich selbst: Und er hat zu mir gesagt: Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf daß die Kraft Christi bei mir wohne. (2. Kor. 12, 9).

Als Anerkennung für ihre ungebrochene Treue zum Worte Gottes wird der Gemeinde zu Philadelphia hohes Lob von seiten ihres Herrn zuteil. Durch das Halten der Gebote Gottes hat sie ihre Liebe zu ihm unter Beweis gestellt. So spricht dann auch Jesus: Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. Spricht zu ihm Judas, nicht der Ischarioth: Herr, was ist’s, daß du dich uns willst offenbaren und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. (Joh. 14, 21-23).

Obwohl die Ungerechtigkeit, falsche Lehre und Irrgeister gerade auch in unseren Tagen überhandnehmen und die Liebe in vielen erkaltet, so steht die Gemeinde von Philadelphia doch treu zum Worte Gottes und bekundet damit ihre Liebe zu Jesus Christus. Und, aus dieser Gesinnung heraus, lehnt sie die teuflische, alles zerstörende Bibelkritik ab; denn sie weiß, daß schon das geringste Zugeständnis an den Zeitgeist den Irrlehren Tür und Tor öffnet. Sie macht auch keine Anleihe bei der sogenannten wissenschaftlichen, theologischen Forschung der allein vom Teufel inspirierten Geister, sondern für sie ist Gottes Wort die einzige Grundlage ihres Glaubens, die einzige Quelle ihrer Orientierung und Verkündigung, sowie der einzige Maßstab ihres Handelns.

Den Christen der Gemeinde von Philadelphia gilt das Wort des Apostels Paulus: Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christus Jesus. Denn wie viele von euch auf Christus getauft sind, die haben Christus angezogen. (Gal. 3, 26-27). Auf Grund dieser beiden Heilsvorgänge tragen sie fortan den Namen ihres Herrn und werden dadurch Christen genannt, das heißt: Gesalbte. Dieser Name verpflichtet sie zur Treue in der Nachfolge ihres Herrn und zu einem Gott ergebenen und heiligen Leben in der Welt.

Auf das Bekenntnis dieses Namens: „Ich bin ein Christ“ – haben sich die Märtyrer aller Zeiten berufen und sind dafür durch Schmach und Schande, Verfolgung und Folter in den Tod gegangen. Denn sie wußten um die Zusicherung ihres Herrn: Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. (Matth. 10, 28). Weiter spricht der Herr: Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater. (Matth. 10, 32-33).

Der Herr Jesus gibt eine verheißungsvolle Zusicherung: Siehe, ich werde geben aus des Satans Synagoge, die da sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu deinen Füßen und erkennen, daß ich dich geliebt habe. Dort in Philadelphia war eine verhältnismäßig starke Gruppe orthodoxer Juden ansässig, die dem Christentum gegenüber feindlich gesinnt und überaus böse eingestellt war. Jesus nennt sie Synagoge (= Versammlung) Satans, deren Vorsteher der Lügner und Mörder Satan selbst ist. Wie Jesus den Juden sagte, die ihn zu töten suchten: Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. (Joh. 8, 44).

Die erste Not, die der Herr der Gemeinde zu Philadelphia voraussagt, ist dieselbe wie die in Smyrna, die Verfolgung durch die Juden. Auch hier in Offb. 3, 9 werden sie wie in Offb. 2, 9: des Satans Synagoge genannt. Wie wir schon bei der Betrachtung von Kapitel 2 gesehen haben, lebte in der Provinz Asien eine einflußreiche, alteingesessene Judenschaft. Der überaus erstaunliche Erfolg der christlichen Mission in dieser Gegend führte zur Feindschaft der Juden gegen die Christen, so daß sie diese bei den dortigen Behörden verleumdeten. Immer wieder lesen wir in der Apostelgeschichte davon, wie die Juden die Obrigkeit gegen die Christen aufzuhetzen versuchten, die nur das Evangelium verkündigten, und zwar:
a) in Antiochien (Apg. 13, 50),
b) in Ikonien (Apg. 14, 2 + 5),
c) in Lystra (Apg. 14, 19),
d) in Thessalonich (Apg. 17, 5).

Die Verfolgungen durch die Juden waren anscheinend für die christlichen Gemeinden jener Zeit noch schwerwiegender als die durch die Heiden. Adolf Schlatter bemerkt dazu: Nichts hinderte das Wachstum der Christenheit so stark, wie die Verachtung, mit der die Juden Jesus und die Seinen behandelten. Das Christentum war in den Augen vieler dadurch widerlegt, daß sich nicht einmal die Juden, obwohl die Kirche von Jerusalem ausgegangen war, um Jesus kümmerten.

Dieser Gedanke wird für uns noch etwas deutlicher, wenn wir bedenken, was Johann Albrecht Bengel dazu sagt: Dergleichen Lügner sind auch, die sich Christen nennen und sind’s nicht. Wer noch die Kraft des Wortes im Glauben und in der Liebe bei sich eindringen und ausbrechen läßt, dem kommt die Christenheit auf den Hals … .

Im Blick auf diese Gefahr erhält die heidenchristliche Gemeinde zu Philadelphia die verheißungsvolle Zusicherung von ihrem Herrn, ihre Verfolger und Widersacher dazu zu bringen, daß sie kommen sollen und niederfallen zu ihren Füßen und erkennen, daß er sie geliebt hat. Auf diese Weise wurde ihre Verfolgung zunichte gemacht, so daß auch seitens der Obrigkeit nicht gegen die Gemeinde eingeschritten wurde.

Nun folgt eine besonders hoffnungsvolle Verheißung für diese Gemeinde von damals wie auch gerade von heute: Weil du bewahrt hast das Wort von meiner Geduld, will ich auch dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die da wohnen auf Erden. Es läßt sich menschlich nicht erklären, daß die Gemeinde zu Philadelphia zu jener Zeit von allen Verfolgungen verschont geblieben ist. Wir Gläubige wissen, daß der Herr Jesus sein Wort gehalten hat, damit diese kleine Herde wie durch ein Wunder bewahrt wurde. Darum gilt auch uns heute diese Verheißung: Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. (Luk. 12, 32).

Im Zeitraum der Gemeinde von Philadelphia wurden ebenfalls viele Gläubige auf wunderbare Art und Weise vor Verfolgungen bewahrt bzw. daraus errettet. In der Französischen Revolution kam es so zunächst zu Maßnahmen gegen die politisch und wirtschaftlich eng mit dem Ancien régime verflochtene römisch-katholische Kirche, dann zu Christenverfolgungen, die aus ideologischen und nationalistischen Gründen den christlichen Glauben zu liquidieren beabsichtigten, wie die Einsetzung eines „Kultes der Republik und nationalen Moral“. Für die Soldaten Napoleons war es dann unerklärlich, wieso sie eigentlich so vielen Christen nicht habhaft werden konnten, hingegen nur einige wenige unentwegte Kirchgänger erwischten. Der Mehrzahl der Leute war es eh egal, ob der Besuch von Gottesdiensten erlaubt war oder nicht. In unserer Zeit nun versuchen weiterhin sozialistische, gottlose Regierungen den Religionsunterricht durch diese Morale laïque zu ersetzen, wie das jetzt z. B. auch durch das Fach L.E.R. = Lebensgestaltung – Ethik – Religionskunde im Land Brandenburg bereits geschehen ist und neuerdings durch die atheistischen Grünen in Nordrhein-Westfalen angestrebt wird.

Für die Gläubigen von heute stellt dieses Schriftwort jedoch ein Zwiefaches fest:
Erstens, daß die zu der Zeit lebenden Philadelphia-Christen, also alle wahren Christen, zunächst in die Stunde der Versuchung (= Posaunengerichte, Offb., Kap. 8 + 9) hineinkommen, dann jedoch darin bewahrt bleiben und schlußendlich durch die verheißene Entrückung herausgerettet werden.
Zweitens, daß sie nicht in die große Trübsal der Zornesschalengerichte hineinkommen werden. Dieser Unterschied geht aus unserer Bibelstelle klar hervor. Wer noch nie etwas von diesen Dingen gehört hat, möge sich noch etwas gedulden. Genaue Einzelheiten dieser Ereignisse werden bei der Behandlung späterer Kapitel gegeben. Hier geht es jetzt nur um obiges Schriftwort. Übrigens wird „zwie“ oft in Zusammensetzungen benutzt und ist gleichbedeutend mit „zwei“.

Demzufolge wird die wachende und betende Gemeinde sogleich zu Beginn der letzten Jahrwoche, beim Schall der letzten Posaune, zur Entrückung kommen. Im griechischen Urtext heißt es nicht: pro = pro = vor, auch nicht: meta = meta = nach der Stunde der Versuchung, sondern: ek thV hwraV tou peirasmou = ek tés horas tou peirasmou, das bedeutet: aus der Stunde der Versuchung heraus. Der ganze Satz lautet: kago se thresw ek thV hwraV tou peirasmou = kago se téreso ek tés horas tou peirasmou = Ich will dich bewahren aus der Stunde der Versuchung heraus.
Wie? en atomw, en riph ojJalmou = en atomo, en ripé ophthalmou = in einem unteilbaren Wurf des Auges (= Augenblick).
Wann? en th escath salpiggi = en té eschaté salpiggi = in (= bei) der letzten Posaune (1. Kor. 15, 52; 1. Thess. 4, 16; Offb. 10, 7; Offb. 11, 15).

Hierbei ist noch zu beachten, daß das griechische Wörtchen: „ek“ (= ek) immer im Sinne von „aus – heraus – im Verlaufe von“ gebraucht wird. Dazu zunächst ein Beispiel aus dem hohenpriesterlichen Gebet Jesu: Ich bitte nicht, daß du sie von der Welt nehmest, sondern daß du sie bewahrest vor dem Bösen. (Joh. 17, 15.). Die konkordante Übersetzung lautet: Ich ersuche Dich nicht, daß Du sie aus (ek) der Welt nimmst, sondern daß Du sie vor (aus, heraus) (ek) dem Bösen (dem Übel, Luthertext von 1914) bewahrest.

Ein anderes Beispiel lautet: … und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, welchen er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zukünftigen Zorn errettet. (1. Thess. 1, 10). Die konkordante Übersetzung dazu: … und auf Seinen Sohn aus den Himmeln zu harren, den Er aus (ek) den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns aus (ek) des Zornes Kommen birgt.

In der Heiligen Schrift wird uns berichtet, daß die Kinder Gottes bei jeder hereinbrechenden Gerichtskatastrophe bewahrt worden sind, indem Gott sie zur rechten Zeit herausrufen ließ. Das sehen wir an folgenden Beispielen:
a) Die Bewahrung Noahs (1. Mose 7, 1 ff; Lukas 17, 26-27).
b) Die Bewahrung Lots (1. Mose 19, 15 ff; Lukas 17, 28-29).
c) Die Bewahrung Israels durch das Passahblut (2. Mose 11, 1 ff; 2. Mose 12, 10-13).
d) Die Bewahrung der Hure Rahab (Josua 6, 22-25; Hebräer 11, 31).
e) Die Bewahrung der ersten Christen während der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. (Matth. 24, 16).

Im Jahre 314 n. Chr. wurde Eusebius oder Eusebios, griechischer Kirchenlehrer (260-340 n. Chr.), der Verfasser der ersten Kirchengeschichte, zum Bischof von Cäsarea ernannt. Er berichtete, daß sich die christliche Gemeinde in Jerusalem, gerade rechtzeitig vor der Belagerung ihrer Stadt durch die Römer, in Sicherheit bringen konnte. Das geschah auf Grund einer göttlichen Offenbarung, die ihnen die dringende Anweisung gab, auf die Berge nach Pella zu fliehen. Diese Stadt nahm am jüdischen Aufstand 66-70 n. Chr. nicht teil, daher konnte die damalige Gemeinde aus Jerusalem hier Zuflucht finden, als der Untergang der Hauptstadt drohte. Pella lag, von Jerusalem aus gesehen, jenseits des Jordans in nördlicher Richtung, etwa 12 km südöstlich von Beth-Sean. Heute heißt der Ort: Tabqat fahl und gehört zu Jordanien.

Die Warnung Jesu an seine Jünger gilt deshalb auch uns allen: Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit Sorgen der Nahrung und dieser Tag nicht schnell über euch komme wie ein Fallstrick; denn er wird unversehens hereinbrechen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wach allezeit und betet, daß ihr stark werden möget, zu entfliehen diesem allem, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. (Luk. 34-36).

Deshalb ergeht auch ein Aufruf zur Wachsamkeit und Treue an die Gemeinde von Philadelphia: Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, daß niemand deine Krone nehme! Siehe bedeutet immer: Achtung, aufgepaßt, jetzt kommt etwas Wichtiges. Dann die Ankündigung: Ich komme bald. In den Evangelien sagt Jesus zu seinen Jüngern nur, daß er wiederkommen werde; auch in den Episteln, den Briefen der Apostel, fehlt das Wörtchen: bald. Das ist wieder ein deutlicher Hinweis darauf, daß die Offenbarung wichtige Ergänzungen zu den anderen Büchern der Bibel enthält, die vorher nicht bekannt waren. Erst nach seiner Himmelfahrt zum Throne Gottes gibt Jesus weitere Einzelheiten, die er seinen Jüngern zunächst nicht gesagt hatte. Hier bedeutet es aber, daß er nach Gottes Maßstab in Kürze kommen wird, gleichzeitig jedoch auch ganz plötzlich.

Darum sollten wir auch dieses Wort Jesu beherzigen: Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und erhebet eure Häupter, darum daß sich eure Erlösung naht. (Luk. 21, 28). Deshalb sollten wir auch die Mahnung beachten: Halte, was du hast! Daraus geht hervor, daß die Gemeinde von Philadelphia schon hier und heute auf Erden Werte besitzt, die einmalig sind und durch nichts ersetzt werden können, weder in dieser, noch in der zukünftigen Welt. So bezeugte der Apostel Paulus: In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade. (Eph. 1, 7).

Im Hebräer-Brief heißt es zur Bekräftigung dann weiter dazu: Darum hat Gott, da er wollte den Erben der Verheißung überschwenglich beweisen, daß sein Ratschluß nicht wanke, sich noch mit einem Eid verbürgt. So sollten wir durch zwei Stücke, die nicht wanken – denn es ist unmöglich, daß Gott lügt -, einen starken Trost haben, die wir unsre Zuflucht dazu genommen haben, festzuhalten an der angebotenen Hoffnung. An ihr haben wir einen sichern und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht bis in das Innere hinter dem Vorhang. (Hebr. 6, 17-19).

Damit verbunden ist auch eine Warnung: Daß niemand deine Krone nehme! Dieses läßt erkennen, daß der Herr seiner Gemeinde als höchste Auszeichnung ihres königlichen Adels eine Krone im Himmel bereitgelegt und aufbewahrt hat, die ihr der gerechte Richter als Anerkennung der Treue überreichen wird: Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. (1. Kor. 3, 14). Deshalb möge von heute an unsere feste Losung sein: Um einen ew’gen Kranz, dies arme Leben ganz!

Zusätzlich wird den Überwindern noch ein dreifacher Lohn in Aussicht gestellt: Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Der Pfeiler ist das Bild der Kraft, der Stärke und der Zierde und trägt das ganze Gebäude, dessen Teil er ist, an einem entscheidenden und mit Hilfe der Statik berechneten Punkt. Im salomonischen Tempel befanden sich zwei Hauptpfeiler, auf denen die ganze Last des Tempels ruhte. Und er richtete die Säulen auf vor der Vorhalle des Tempels; die er zur rechten Hand setzte, nannte er Jachin, und die er zur linken Hand setzte, nannte er Boas. (1. Kön. 7, 21). … und richtete die Säulen auf vor dem Tempel, eine zur Rechten und die andere zur Linken, und nannte die zur Rechten Jachin und die zur Linken Boas. (2. Chron. 3, 17).

Das Biblische Namen-Lexikon erklärt: Jachin = Er befestigt, gründet. Nach der Wurzel: Kun, bedeutet das hebräische Wort: Jakun = Er gründet fest. Boas wird erklärt: Hier wird oft nach „bo az“ = „in Ihm ist Stärke“ übersetzt. Das hebräische Wort: Be’os bedeutet: In Ihm ist Kraft. Wahrscheinlich sollten diese Namen an die Kraft Gottes erinnern, die den ganzen Tempel trägt. Paulus beschreibt das so: … erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinandergefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn. (Eph. 2, 20-21).

In der Stadt Philadelphia gab es eine schöne Sitte. Wenn jemand dem Staat als Beamter, als öffentlicher Wohltäter oder als Priester treu gedient hatte, dem ließ die Stadt nach seinem Tode zu seinem Gedächtnis eine Tempelsäule errichten, die seinen Namen trug. So ehrte Philadelphia seine hervorragenden Söhne, indem es ihre Namen auf die Säulen der Tempel schrieb, so daß alle, die zum Gottesdienst kamen, sie sehen und ihrer gedenken konnten. Das gleiche spricht auch der auferstandene Herr Jesus Christus demjenigen zu, der überwindet.

Wie bereits eingangs erwähnt, lag die Stadt Philadelphia am Rande eines vulkanischen Gebietes, darum mußten ihre Einwohner bei drohender Erdbebengefahr flüchten. Auf diese so schreckliche Flucht der Bewohner der Stadt Philadelphia vor einem möglichen Erdbeben sucht der auferstandene Herr hier anzuspielen, indem er sagt: Und er soll nicht mehr hinausgehen. Das bedeutet ganz einfach, wer nun durch diese Verheißungen in die himmlische Stadt Gottes und in deren Tempel gelangt, der wird nicht mehr in ständiger Angst sein Dasein fristen. Der Gedanke wird ihm fremd sein, gegebenenfalls versuchen zu müssen, sein Leben durch eine notwendige Flucht in Sicherheit zu bringen. Deshalb heißt es auch im Hebräer-Brief zum Troste der noch auf Erden wandelnden Bewohner von Philadelphia: So ist also noch eine Ruhe vorhanden dem Volke Gottes. (Hebr. 4, 9). Außerdem bekundet David die Verheißung des guten Hirten, des Herrn: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. (Psalm 23, 6).

Der Überwinder soll als Pfeiler im Tempel seines Gottes auch Träger eines dreifachen Namens sein. Vor allem soll er den Namen Gottes tragen. Der Name ist die höchste Bezeichnung des innersten Wesens einer Sache oder Person. Darum, wer seinen Namen durch eine Unterschrift hergibt, der gibt sich selbst mit seinem ganzen Sein und Wesen und haftet für die eingegangene Verpflichtung.

Der Name kann aber auch als Zeichen einer Eigentumserklärung benutzt werden. Wenn ein König im Altertum seine Herrschaft antrat, dann war es eine seiner ersten Amtshandlungen, daß er Münzen prägen ließ, die sein Bild und seinen Namen trugen, als Zeichen seiner Autorität und Würde, sowie seines Besitzrechtes. Solch einer gewöhnlichen Münze gleicht auch der Christ, dem Gott selbst sein Bild und seinen Namen aufgeprägt hat. Hierbei kann man noch berücksichtigen, daß der Wert eines Geldstückes nicht von dessen Zustand abhängig ist, sondern allein vom Herausgeber bestimmt wird. So sind auch alle Menschen zunächst vor Gott gleich wertvoll, ob mit viel oder wenig Schuld beladen, abgegriffen oder nicht. Paulus schreibt: Nun aber spiegelt sich bei uns allen die Herrlichkeit des Herrn in unserm aufgedeckten Angesicht, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist. (2. Kor. 3, 18).

Ähnlich trug auch der Hohepriester im Alten Testament eine Art Diadem, eine goldene Platte an seiner Stirn, mit der eingravierten Schrift: „Heilig dem Herrn“. (2. Mose 28, 36). Damit brachte der Hohepriester zweierlei in seinem Amt zum Ausdruck:
Erstens, daß er Gottes Eigentum und Untertan war.
Zweitens, daß er Gottes Gesinnung teilte und vertrat.

Das teuflische Gegenstück dieser doch großartigen Auszeichnung wird zur Zeit des Antichristen, des letzten Weltherrschers, eine traurige Wirklichkeit werden. Dieser wird dann an alle Menschen die Aufforderung ergehen lassen, sich an ihrer rechten Hand oder an ihrer Stirn mit der Zahl 6 6 6 (oder der Zahl seines Namens) kennzeichnen zu lassen. Unter Todesandrohung sollen sie dieses verführerische Zeichen annehmen, als Beweis ihrer Anhängerschaft. Mehr darüber jedoch später, bei der eingehenden Betrachtung von Kapitel 13.

Der Überwinder soll aber auch den Namen des neuen Jerusalem tragen, der Stadt seines Gottes, die vom Himmel herniederkommt, zu einem Zeichen dafür, daß er darin ewiges Bürgerrecht hat.

Ebenso soll auch der Überwinder in der Vollendung den neuen Namen Jesu Christi tragen, als Erkennungszeichen dafür, daß er Teil hat am Sieg und Triumph seines geliebten Herrn. Dieser Name ist zunächst nur Jesus Christus selbst bekannt: und er trug einen Namen geschrieben, den niemand wußte als er selbst. (Offb. 19, 12). Wie der Name Jesu sich auf Erden in menschlicher Niedrigkeit und Verachtung kundtat, so ist die Natur des Menschensohnes jetzt göttlich verklärt und wie seine Natur auch sein Name, der dem Überwinder wesenhaft zuteil wird.

Der Gottesmann Chr. Ludwig Steinhofer hat diese verschiedenen Herrlichkeitsstufen in folgende Worte gefaßt:

Droben soll in Salems Höhen,
Wo der Tempel Gottes prangt,
Als ein Grund und Pfeiler stehen,
Wer den Siegeskranz erlangt.
Wessen Streiter er gewesen,
Dessen Namen wird man ihm
Selbst an seiner Stirne lesen:
Christus, Gott, Jerusalem.

Zum Schluß dieses Sendschreibens spricht die Stimme des Geistes wiederum: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Das Schlüsselwort: Durch die dir gegebene Tür brich herfür!

Die Dauer der Gemeinde zu Philadelphia (Zeitraum): ungefähr von 1750-1906 n. Chr., also etwa 156 Jahre.

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