Christentum

Das 5. Sendschreiben an Sardes

 

Und dem Engel der Gemeinde zu Sardes schreibe: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde wach und stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als völlig erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert. Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 3, 1-6).

  1. Sardes oder Sardis, griechisch: Sardeis (= Sarde·iV), hebräisch: Sarid, was „ein Übriggebliebener, Entkommener, Entronnener, ein Flüchtling, Flüchtiger, Fliehender“ bedeutet. Diese hier erwähnte Stadt liegt, oder besser lag, noch weiter landeinwärts südlich von Thyatira (heute: Akhisar), etwa 80 km östlich von Smyrna (heute: Izmir), in einer strategischen Lage im Tal des Flusses Hermos oder Hermus, der heute Gediz oder Sarabat heißt. Dieser Fluß ist etwa 300 km lang und entspringt im Gebirge südlich von Kütahya und fließt westlich bis er in den Golf von Izmir, dem früheren Smyrna, mündet. Heute ist die Stadt nur noch ein Ruinenfeld bei dem Dorf Sart, etwa 80 km östlich von Izmir oder Smyrna.

Dieses kleine Dorf bestand zu Beginn unseres Jahrhunderts aus einigen elenden Hütten, in denen vor vielen Jahrzehnten gar Gotthilf Heinrich Schubert auf seiner Reise dorthin noch zwei Christen fand. Ursprünglich war es eine der ältesten und berühmtesten Städte Kleinasiens, über deren Gründung uns leider keine geschichtlichen Angaben vorliegen. In römischer Zeit, also zur Zeit des Johannes, war Sardes trotz seines Wohlstandes eine glanzlose Provinzstadt. Dann erlangte sie in christlicher Zeit erneut eine gewisse Berühmtheit, und zwar durch den um das Jahr 175 n. Chr. verstorbenen Bischof Melito von Sardes. Als Bezeichnung der beiden Teile der Bibel sind die Worte „Altes Testament“ und „Neues Testament“ zuerst belegt bei Melito von Sardes.

Sardes war die Hauptstadt von Lydien, einer Landschaft im Westen Kleinasiens mit fruchtbaren Tälern (Hermos, Mäander) und wichtigen Karawanenstraßen nach dem Orient. Der Mäander oder Maiandros = maiandroV, der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der ebenfalls in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos. In der antiken Legende war er bekannt für seine Wanderungen. Damals floß er durch den Norden von Karien (seit 129 v. Chr. ebenfalls Teil der römischen Provinz Asia) und an oder bei seinem Ufer waren die antiken Städte Laodicea, Magnesia und Miletus oder Milet. Die damalige Mündung ist heute durch Sandanschwemmungen verlandet. Der Mündungslauf des Mäander ist sehr gewunden, daher der Name des Mäander-Ornaments. Hierbei handelt es sich um ein gebrochenes Ornamentband, das seit vorgeschichtlicher Zeit besonders als Gefäßzierrat verwendet wurde.

Der letzte König von Lydien war Krösus, griechisch Kroisos (= krwisoV), der von 560-546 v. Chr. herrschte. Der Reichtum der Lydier gründete sich auf ihre Rolle im Handel und auf Goldfunde. In der Zeit seiner Regierung ist Sardes zur höchsten Blüte emporgestiegen. Die Münzprägung wurde schon im 7. Jahrhundert v. Chr. in Sardes erfunden und die Geldwirtschaft im Lande unter Krösus erweitert, der zum Symbol des Reichtums wurde. Durch die Prägung der ersten Münzen im heutigen Sinne ist Sardes gewissermaßen als die Geburtsstätte des modernen Geldes anzusehen. Der Name Krösus wurde geradezu sprichwörtlich. Sein Reichtum (Goldschätze, Vermögen aus Steuern und Enteignungen) sowie Freigebigkeit (Stiftungen für Delphi) waren berühmt.

Im Jahre 17. n. Chr. wurde Sardes von einem Erdbeben völlig zerstört, aber wegen ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung ließ sie Tiberius (Tiberius Claudius Nero, nach seiner Adoption: Tiberius Iulius Caesar) (16.11.42 v. Chr. -16.3.37 n. Chr.), römischer Kaiser von 14-37 n. Chr., wieder aufbauen. Als Vergünstigung erließ er der Stadt für fünf Jahre die Steuern und schenkte ihr zum Wiederaufbau dazu eine große Summe Geld, so daß Sardes sehr bald seine alte Bedeutung zurückgewann. Im Jahre 30 n. Chr. wurde Sardes erneut von einem Erdbeben heimgesucht, jedoch nicht sonderlich zerstört. Allerdings scheint es sich nach diesen Erdbeben nicht mehr ganz erholt zu haben (Anmerkung in der Lutherbibel erklärt). Erst im Jahre 1402 n. Chr. wurde die Stadt dann durch die wilden Mongolenhorden des Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) niedergebrannt und verwüstet.

Auch zur Zeit des Apostels Johannes war Sardes ein berühmtes Handelszentrum und ein bedeutender Mittelpunkt der Wollindustrie in Kleinasien. Die Bewohner der Stadt waren dann auch im allgemeinen berüchtigt wegen ihres zügellosen Lebenswandels, ihrer Vergnügungssucht und ihrer Vorliebe für Luxus, die sie ein Opfer der Dekadenz (lat., Entartung, Verfall – auch frz.) werden ließ.

In Sardes wurde eine der frühesten Synagogen ausgegraben (2. Jahrhundert n. Chr.), die bislang außerhalb Israels entdeckt worden sind. Von den größtenteils zerstörten Bauten der Stadt ist der hellenistische Artemistempel, ein ionisches Pseudo-dipteros, hervorzuheben. Dipteros (griech.) ist eine Form des Tempels mit doppeltem Säulenring. Wird dabei der innere Ring fortgelassen, spricht man vom Pseudo-dipteros. Dipteros kommt von dem Wort Diptere und bedeutet Zweiflügler. Man kennt auch das Wort Diptychon (griech., = Doppelfalte), womit ein Zweiflügelaltar bezeichnet wird.

In Sardes befand sich auch das Zentrum der Kybele-Anbetung. Im Jerusalemer Bibellexikon heißt es: Mysterien-Religionen und heidnische Kulte wie die der Kybele blühten in Sardes. Der Kybele-Kult geht zurück auf den babylonischen Kult der göttlichen Verehrung des zuchtlosen Weibes Semiramis (= die Erhabene) und ihres Mannes Ninus (= Nimrod). Die Bibel berichtet uns: Dies ist das Geschlecht der Söhne Noahs: Sem, Ham und Japheth. Und es wurden ihnen Söhne geboren nach der Sintflut. … Die Söhne Hams sind diese: Kusch, Mizraim, Put und Kanaan. Und die Söhne des Kusch sind diese: Seba, Hewila, Sabta, Ragma und Sabtecha. Aber die Söhne Ragmas sind diese: Saba und Dedan. Kusch aber zeugte den Nimrod. Der war der erste, der Macht gewann auf Erden, und war ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn. Daher spricht man: Das ist ein gewaltiger Jäger vor dem Herrn wie Nimrod. Und der Anfang seines Reichs war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Lande Sinear. Von diesem Lande ist er nach Assur gekommen und baute Ninive und Rehoboth-Ir und Kelach, dazu Resen zwischen Ninive und Kelach. Das ist die große Stadt. (1. Mose 10, 1 + 6-12).

Nimrod, der Name bedeutet „Sich empören“, war somit der erste Gewaltherrscher auf Erden, der Erbauer Babylons und Gründer des babylonischen Reiches (siehe auch 1. Chron. 1, 10). Der Prophet Micha schreibt: Wenn Assur in unser Land fällt und in unsere festen Häuser einbricht, so werden wir sieben Hirten und acht Fürsten dagegen aufstellen, die das Land Assur verderben mit dem Schwert und das Land Nimrods mit bloßen Waffen. So wird er uns von Assur erretten, wenn es in unser Land fallen und in unsere Grenzen einbrechen wird. (Micha 5, 4-5). Das ist vorhergesagt von dem Herrscher aus Davids Geschlecht und wird sich erfüllen, wenn Jesus sein Friedensreich aufrichten wird. Die hier erwähnten Länder sind das heutige Syrien und der Irak. Jedoch wird es dem Volk des kommenden Messias nicht an Führern fehlen, die mit ihm die Feinde vernichten werden.

Zur Zeit, da Nimrod und Semiramis herrschten, gründeten sie eine Mysterien-Religion, im Gegensatz zu dem von den Vätern überlieferten Glauben. Semiramis war eine berückend schöne, jedoch unmoralische Frau, eine Hure, die ihren Mann zu diesem Götzendienst verführte. Der Herr selbst wird jedoch bei seiner Wiederkunft diese teuflische Religion endgültig beseitigen: Und ich will die Zauberei bei dir ausrotten, daß keine Zeichendeuter bei dir bleiben sollen. Ich will deine Götzenbilder und Steinmale aus deiner Mitte ausrotten, daß du nicht mehr anbeten sollst deiner Hände Werk, und will deine Ascherabilder ausreißen aus deiner Mitte und deine Städte vertilgen. (Micha 5, 11-13). Die Lutherbibel erklärt bemerkt: statt Städte ist wohl „Götzen“ zu lesen. Den letzten Teil des Satzes übersetzt Hans Bruns mit: … aus deiner Mitte ausreißen und alle Götzenbilder vernichten.

Die Tradition berichtet, daß Nimrod eines gewaltsamen Todes starb. Nach seinem Tode lebte Semiramis noch 42 Jahre. Nach der chaldäischen Seelenwanderungslehre erschien Nimrod in der Person eines Sohnes wieder, der übernatürlich (!) geboren wurde, und zwar durch sein Weib Semiramis. Damit war die babylonische Dreieinigkeit geschaffen: Mutter, Vater und Sohn, drei in einer Person. Die große Hure Semiramis wurde nach ihrem Tode göttlich verehrt. Sie erhielt alle Macht ihres „menschgewordenen“ Gottessohnes. Als die göttlich verehrte Semiramis als Himmelskönigin mit ihrem Kinde in den Armen angebetet wurde, betrachtete man sie als das Weib, das der Welt den verheißenen Samen gegeben hatte. Von Babylon aus breitete sich die Anbetung der Mutter und des Kindes über die ganze Erde aus.

Nach derselben Ordnung babylonischer Gottesverehrung verlief auch der Kybele-Kult. Kybele war die kleinasiatische Fruchtbarkeitsgöttin der Erde. Sie wurde besonders in Wälder und auf Bergen mit Ausschweifungen und Orgien verehrt. Das Duden-Lexikon A-Z erklärt: Kybele, phrygische Muttergottheit, Vegetationsgöttin, die „Große Mutter“ („Magna Mater“) oder Mutter der Götter; von den Griechen und Römern übernommen. Phrygien wird mehrmals in der Apostelgeschichte erwähnt, so z. B.: Sie zogen aber durch Phrygien und das Land Galatien, da ihnen vom heiligen Geist gewehrt ward, zu reden das Wort in der Landschaft Asien. (Apg. 16, 6).

Das Lexikon der Antike (Heyne-Sachbuch) beschreibt diesen Kult so: Kybele (phrygisch), lat. Magna Mater, griech. Megale Meter, „Große Mutter“, kleinasiatische Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin, als Geliebte des Attis auch Agditis genannt, mit der römischen Rhea gleichgesetzt. Von dem ältesten Kulturzentrum in Pessinus (Oberphrygien) breitete sich ihr orgiastischer Kult mit seinen sich selbst verstümmelnden Priestern (Galli), enthusiastischen Tänzen zu Flöte, Klapper und Handpauke (griech. Tympanon) im Hellenismus aus (204 v. Chr. offiziell in Rom eingeführt; Fest vom 4. bis 10. 4.), besonders in der späteren Kaiserzeit. Der Kybele-Kult wurde in Verbindung mit Attis auch zu einer Mysterien-Religion (Taurobolium). Kybele wurde mit Tympanon, Löwen und Korybanten dargestellt. In diesem Lexikon wird auch erklärt: Korybanten: in der griechischen Religion dämonische Wesen, Diener der kleinasiatischen Göttin Kybele. Diese Beschreibung ist wörtlich aus dem Lexikon übernommen worden, enthält daher viele Einzelheiten, wodurch dieser Text nicht leicht zu lesen ist.

Außer in Sardes wurde auch im alten Rom der Deoius als Sohn Gottes und Rhea (= Kybele) als große Muttergöttin verehrt und angebetet. Auf diesem Wege ist auch der Marienkult nach heidnisch-babylonischem Brauch in den Gemeindezeitraum von Thyatira, der römisch-katholischen Kirche, eingedrungen, so daß nicht mehr Jesus Christus der Sohn Gottes, sondern Maria, seine Mutter, Vermittlerin des Heils wurde. Wie die sich selbst verstümmelnden Priester (Galli) des Kybele-Kults, müssen auch die Priester des Marienkults sich im Zölibat, der Ehelosigkeit, üben.

Von dem gleichen Hurengeist der Göttinnen Semiramis, Astarte oder Aschera, der Himmelskönigin, und Kybele ist auch der Gemeindezeitraum von Sardes, trotz der Reformation, sehr stark geprägt worden. Wir sehen das besonders in der Feministischen Theologie von heute, die darum so gefährlich ist, weil sie alle göttlichen Heilsbegriffe auf den Kopf stellt. Es ist gotteslästerlich und ekelhaft, wenn lesbische Pfarrerinnen der Landeskirche das Heilige Abendmahl als „Menstruationsfeier“ bezeichnen. Diese Feministinnen durchlaufen das historisch-kritische Theologie-Studium unserer Tage und werden dann als „Pfarrerin“ auf das Volk losgelassen, in Umkehrung der Bibel: Nur das Volk tut’s, das nichts vom Gesetz weiß: verflucht ist es! (Joh. 7, 49).

Darum werden auch die großen Huren Isebel (= die abgefallene römisch-katholische Kirche) und Kybele (= die abgefallene protestantische Kirche) mit all ihren Kindern, das heißt, ihren verweltlichten Gliederungen, Gemeinschaften und Sekten dermaleinst in den feurigen Pfuhl geworfen, wie die Hölle am Ende der Offenbarung beschrieben wird. Inzwischen wurde schon berichtet, daß eine Synode beschlossen hat, daß Schwule und Lesben in „ethisch verantworteten“ Lebensgemeinschaften gesegnet werden können – allerdings nur ausnahmsweise im Gottesdienst (idea-Spektrum Nr. 7/97). Es wird interessant zu beobachten sein, wie beide „Kirchen“ einen gemeinsamen Nenner finden werden, um sich in der kommenden Welteinheitskirche der Endzeit zusammenzuschließen.

Auf Grund der Erklärung im Universallexikon, Band I, Seite 550, verstehen wir unter Feminismus die Gesamtheit aller Bestrebungen, die auf eine Stärkung des weiblichen Einflusses auf Staat, Gesellschaft und Kultur gerichtet und auf dem sozialistischen Grundsatz der Gleichberechtigung der Geschlechter aufgebaut ist. Das Heim, die Familie und der Mann haben für die moderne Frau keine Bedeutung mehr. Sie muß entweder herrschen oder verführen und zerstören. Müde der dauernden Fehde gibt der Mann entweder nach, oder die Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Deshalb werden heute so wenige Ehen geschlossen, man lebt verantwortungslos einfach ohne Trauschein zusammen, wobei man den Koffer zum Verlassen des anderen jederzeit bereithält.

 

  1. Über die Entstehung der Gemeinde von Sardes gibt uns leider weder die Bibel, noch die Kirchengeschichte, eine Auskunft. Da aber der größte Teil der Gemeindegründungen in Kleinasien auf den Apostel Paulus zurückzuführen ist, so besteht die Möglichkeit oder gar Wahrscheinlichkeit, daß auch diese Gemeinde wenigstens indirekt von ihm gegründet wurde. Sardes wird nur hier am Anfang der Offenbarung in der Bibel erwähnt, ansonsten wird nur der Edelstein Sarder genannt, durch den Johannes die Herrlichkeit Gottes gesehen hat (Offb. 4, 2), außerdem wird noch ein anderer Edelstein, ein Sardonyx erwähnt (Offb. 21, 20). Ob hier ein Zusammenhang mit Sardes besteht, ist mir nicht bekannt. Abraham Meister erklärt jedoch in seinem „Biblischen Namen-Lexikon“: Sarder – Es ist der von den Alten nach der Stadt „Sardes“ benannte und am meisten verwandte Carneol, die gleichmäßig, schön rot gefärbte Chalcedonart. Weiter sagt er: Sardonix (Offb. 21, 20) ist eine Varietät des Chalcedons. Somit haben beide Edelsteine eine gewisse Ähnlichkeit.

Pastor A. Fünning schreibt in seinem Buch: „Das feste, prophetische Wort“, auf Seite 97: Das fünfte Sendschreiben an Sardes (Edelstein) zeigt uns die Reformation, die den Edelstein des Wortes Gottes wiederfand, aber dennoch den Namen hat, daß sie lebe, aber tot ist (Offb. 3, 1).

Inzwischen hatte auch das Weib Isebel, das Papsttum, ihr blutrünstiges Werk begonnen und die wahren Gläubigen als Ketzer bereits scharenweise auf die Scheiterhaufen der Inquisition verbannt und verbrannt. Das geschah dazu noch unter dem äußerst scheinheiligen Vorwand: Weil die Kirche kein Blut vergießen darf, mußten die Verurteilten verbrannt werden.

  1. Wir wollen nun zu dem kommen, was der Herr der Gemeinde zu Sardes zu sagen hat. Das Sendschreiben ist wie alle an den Engel oder Boten der Gemeinde gerichtet. Der erhöhte Herr macht auch hier den Leiter der Gemeinde zu Sardes verantwortlich für die innere Entwicklung der Gemeinde. Ein Versammlung von Gotteskindern ist keine Privat-Domäne, die er nach eigenem Gutdünken verwalten kann. Sie ist auch keine kirchliche Institution, in der der Botschafter an Christi Statt als fromm-religiöser Bühnenkünstler das kirchlich-fromme Publikum mit Witzen und Späßen bei guter Laune hält, mit dem negativen Ergebnis: Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen (Matth. 11, 17, Luthertext von 1914).

Was eine Gemeinde braucht, sind keine Show-Master, die für lustige Unterhaltung sorgen, sondern vollmächtige Prediger des Wortes Gottes. Sie müssen den Menschen das sagen, was sie brauchen, nicht unbedingt das, was sie wollen. Es geht um die Erlösung des Menschen, nicht um angenehme, christliche Selbstverwirklichung. Die Hauptsache des Christseins ist das Heil in Christus. Der Herr hat für seine Gemeinde die Botschafter als Hirten und Wächter berufen, die die Gemeinde Gottes weiden sollen, nicht sich selbst. Daher die mahnende Anweisung des Apostels Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: Predige das Wort, stehe dazu, es sei zur Zeit oder zur Unzeit; weise zurecht, drohe, ermahne mit aller Geduld und Lehre. Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht leiden werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, wonach ihnen die Ohren jücken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu den Fabeln kehren. Du aber sei nüchtern allenthalben, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus. (2. Tim. 4, 2-5).

Das heißt, der Leiter einer Gemeinde soll überhaupt keinen Ersatz für die Verkündigung des Wortes Gottes suchen, seien es Podiumsdiskussionen, Tanzveranstaltungen, Pop-, Rock- und Jazzmusik, Kabarett, Pantomime, Puppentheater und anderer Mumpitz. Alle diese Vergnügungen können keinen auferbaulichen Gottesdienst und keine unterweisende Bibelstunde ersetzen. Die Versammlungen werden dadurch anstatt zu einer Behausung Gottes im Geiste dann einfach zu religösen Unterhaltungsstätten herabgesetzt, wie es heute vielfach geschieht. Erfüllt der Bote der Gemeinde allerdings die ihm von Gott aufgetragene Pflicht zur wahrheitsgemäßen Verkündigung der ganzen biblischen Botschaft nicht, so wird der Herr der Gemeinde ihn am Tage des Gerichtes wegen seiner groben Pflichtverletzung nach Hesekiel 3, 16-21 und 33, 1-9 zur Verantwortung ziehen.

Der Herr gibt auch hier einen Schreibbefehl, damit die wichtige Botschaft niedergeschrieben wird und nicht in Vergessenheit gerät. Sie soll nicht nur der Gemeinde von Sardes eine orientierende und korrigierende Hilfe für ihr geistliches Leben sein, sondern als Wort Gottes bleibt diese Schrift für alle Zeiten gültig.

Der erhöhte Herr beginnt als Absender des Briefes mit den Worten: Das sagt, der die sieben Geister Gottes hat und die sieben Sterne: Ich weiß deine Werke. Im Besitz der sieben Geister Gottes, als Symbol seiner Autorität, stellt sich der erhöhte Herr der Gemeinde zu Sardes vor. Die sieben Geister versinnbildlichen die sieben Grundformen der Menschwerdung Jesu Christi: … sondern (1) entäußerte sich selbst und (2) nahm Knechtsgestalt an, (3) ward gleich wie ein andrer Mensch und (4) an Gebärden als ein Mensch erfunden. (5) Er erniedrigte sich selbst und (6) ward gehorsam bis zum Tode, ja (7) zum Tode am Kreuz. (Phil. 2, 7 + 8).

Im Kolosser-Brief wird seine schöpferische Allmacht ebenfalls nach der siebenfachen Ordnung geschildert: Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das (1) Sichtbare und (2) Unsichtbare, es seien (3) Throne oder (4) Herrschaften oder (5) Reiche oder (6) Gewalten; es ist (7) alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (Kol. 1, 16).

Diese sieben Geister mit ihren schöpferischen Eigenschaften weisen ferner auf die prophetische Zeitordnung der sieben Schöpfungs- und Gottestage hin, so daß jeder Schöpfungs- und Gottestag die schöpferische Eigenschaft des jeweiligen Geistes nach den Worten des Propheten Jesaja trägt: Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen. Auf ihm wird ruhen der (1) Geist des Herrn, der Geist der (2) Weisheit und des (3) Verstandes,der Geist des (4) Rates und der (5) Stärke,der Geist der (6) Erkenntnis und der (7) Furcht des Herrn. (Jes. 11, 1 + 2). Weiter schreibt er von dem kommenden Gesalbten Gottes (Gesalbter = griech. Christos, in Großbuchstaben: CRISTOS, sonst: cristoV= lat. Christus = hebr. Messias/Maschiach): Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, (1) den Elenden gute Botschaft zu bringen, (2) die zerbrochenen Herzen zu verbinden, (3) zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, (4) den Gebundenen, daß sie frei und ledig sein sollen; (5) zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und (6) einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, (7) zu trösten alle Trauernden. (Jes. 61, 1-2).

In sechs Tagen hat Gott durch seinen Sohn Jesus Christus alles Sichtbare und Unsichtbare geschaffen, und am siebenten Tage ruhte er von allen seinen Werken. Nach derselben Ordnung verläuft auch die Welt- und Heilsgeschichte, nur in größeren Zeiträumen, als Gottestage von tausend Jahren, wie wir auch schon am Anfang von Kapitel 2 gesehen haben.

Der Herr stellt sich der Gemeinde zu Sardes in ähnlicher Weise vor, wie bei der ersten Gemeinde zu Ephesus: Das sagt, der da hält die sieben Sterne in seiner Rechten. (Offb. 2, 1). Hier sagt der Herr nicht, daß er sie noch in seiner Rechten hält. Im Psalm heißt es: Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. (Psalm 98,1). Nach Offb. 1, 20 sind die sieben Sterne die sieben Engel oder Boten der sieben Gemeinden in der Landschaft Asien. Diesen Vorstehern der dortigen Versammlungen gilt, wie den Leitern der Gemeinden von heute, und allen anderen Lehrern der Kinder Gottes, wenn sie bewährt sind, die Verheißung des Herrn an den Propheten Daniel: Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. (Dan. 12, 3).

Wer die sieben Sterne hat, der hat die Autorität über sie. In Ephesus hat er sie in seiner Rechten gehalten, hier übt er diese Macht aus, um Heil für seine Gemeinde oder Kirche zu erwirken. Die sieben Sterne sind nach Offb. 1, 20 sieben Engel oder Boten, die als Model das Urbild der Gemeinde Jesu Christi während der ganzen Heils- und Gnadenzeit repräsentieren, also das gesamte Zeitalter der Gemeinde Jesu Christi von Pfingsten bis zur Entrückung. Auch das haben wir schon am Ende von Kapitel 1 betrachtet.

Ich weiß deine Werke: Du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Der, der die sieben Geister hat, sagt: Ich weiß deine Werke. Bei der Betrachtung von Offb. 1, 4 haben wir gesehen, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, von dem Gott sagt: mein Knecht, „der Sproß“, das Reis oder Ros‘ (aus dem Weihnachtslied: Es ist ein Ros‘ entsprungen) aus dem Stamm Isais, der Zweig aus seiner Wurzel, der hat die sieben Augen, die alle Lande durchziehen: Von den sieben Geistern, die da sind vor seinem Thron (Offb. 1, 4), heißt es etwas später: Und von dem Thron gingen aus Blitze, Stimmen und Donner; und sieben Fackeln mit Feuer brannten vor dem Thron, welches sind die sieben Geister Gottes. (Offb. 4, 5).

So hat nun der allwissende Herr alles durchforscht und fordert Rechenschaft von dem Engel oder Boten der Gemeinde zu Sardes: Du hast den Namen du lebest, und bist tot. Mit anderen Worten: Dein Zeugnis ist lügenhaft, du gibst vor zu leben und bist in Wirklichkeit tot. Nur dem Namen nach lebst du, du bist lebendig tot! Für die Urgemeinde von Sardes war das sicherlich eine erschütternde und vorwurfsvolle Diagnose von seiten ihres Herrn, die jedoch zum Heil (Offb. 3, 1), zur Heilung (Offb. 3, 2) und zur Heiligung (Offb. 3, 3) dienen soll. Schlimmer konnte das Urteil über die Gemeinde nicht ausfallen.

Sardes war einmal eine blühende und lebendige Gemeinde, in der sich das geistliche Leben segensreich entfaltete. Dann aber kam die Zeit der Bewährung, in der sie sich gegen die weltlichen Einflüsse und satanischen Verführungskünste zu verteidigen hatte, dazu aber versagte ihre Kraft und ihre Vitalität war entschwunden. Das Leben aus Gott begann immer mehr zu stagnieren, bis dann schließlich und endlich, als Folge dieser negativen Entwicklung, der geistliche Tod eintrat.

Diese tote und erstarrte Gemeinde zur Zeit des Apostels Johannes entwickelte sich, mit der Mehrzahl der anderen Versammlungen, durch die Jahrhunderte hindurch unter dem Einfluß einer klerikalen Papst- und Priesterherrschaft zu einer religiösen Institution mit volkskirchlichem Charakter. Um aber dieses religiöse Scheingebilde kirchlicher Organisation existentiell zu sichern, hat man es mit einer Vielzahl fromm-religiöser Anstriche versehen, als da sind: Dogmen, Tradition, Marien- und Heiligenverehrung und -anbetung, Säuglingsbesprengung anstatt Glaubenstaufe, Sakramente mit magischen Vorgaben und vieles andere mehr.

Das alles führte zur religiösen Versklavung in der Werksgerechtigkeit, von der man niemals wußte, ob man genug geleistet hat. Wie wir ja schon bei der Betrachtung der Gemeinde von Thyatira gesehen haben, war das die Situation der offiziellen Kirche bis zum Ende des Mittelalters. Damit war von dem Urbild der Gemeinde von Sardes leider nichts mehr übriggeblieben, als nur ein klägliches Zerr- und Spottbild. Veranlaßt durch diese verworrene und entartete Entwicklung der christlichen Kirche, war die Reformation die unausbleibliche Folge davon.

Mit dem Anschlag der 95 Thesen durch Dr. Martin Luther an die Türe der Schloßkirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 und mit dem Verbrennen der gegen ihn gerichteten päpstlichen Bannbulle am 10. Dezember 1520 in Wittenberg hat die Reformation ihren Anfang genommen. Damit hat auch gleichzeitig der fünfte Zeitabschnitt der christlichen Kirche begonnen, der Zeitraum der Gemeinde von Sardes.

Martin Luther, der große Zeuge von der Rechtfertigung durch den Glauben, hat eine Zeitlang unbeirrbar an seinen reformatorischen Grundsätzen festgehalten, und zwar:
„sola scriptura“ = „allein die Schrift“,
„sola fide“ = „allein durch Glauben“,
„sola gratia“ = „allein aus Gnaden“.

Vor allem aber lag es nicht in seiner Absicht, eine neue Volkskirche nach reformatorischem Muster zu gründen, sondern sein Anliegen war vielmehr die Gemeinde nach der Lehre des Neuen Testamentes zu verwirklichen. Diesen Gedanken suchte er anfänglich auch stark voranzutreiben, aber unter dem Druck der damaligen politischen und religiösen Verhältnisse mußte er ihn zurückstecken und sich für die Volkskirche entscheiden.

Außerdem hat Luther auch am Anfang der Reformation eine positive Haltung der neutestamentlichen Glaubenstaufe gegenüber eingenommen und die Säuglingsbesprengung als unbiblisch abgelehnt. In seiner Kirchenpostille in der Predigt zum 3. Sonntag nach Epiphanias über Matthäus 8, 1 ff. heißt es unter anderem:
Wo wir nun nicht können beweisen, daß die jungen Kinder selbst glauben und eigenen Glauben haben, da ist es mein treuer Rat und Urteil, daß man stracks davon absehe, je eher, je besser, und taufe nimmermehr kein Kind, daß wir nicht die hochgelobte Majestät Gottes mit solchen Alfanzen (= Schwindel) und Gaukelwerk, da nichts hinter ist, spotten und lästern.

Leider hat Luther später seine Überzeugung über die Glaubenstaufe grundlegend geändert und den Standpunkt vertreten, daß auch Säuglinge Glauben halten. Damit verwarf er die zuvor von ihm als allein richtig anerkannte Glaubenstaufe.

Dazu zitieren wir nun wörtlich aus dem Buch: „Die Wahrheit bei den Täufern“ Seite 31, alte Ausgabe, oder „Die wahre Taufe“, Seite 57-58, neue Ausgabe, von Friedrich Sondheimer, Dynamis-Verlag, CH-5400 Baden, Rathausgasse 8:

1527 vollzogen Luther und Melanchthon (1497-1560) den verhängnisvollen Schritt zur Bildung staatskirchlicher Verbände. 1529 beschlossen Protestanten und Katholiken auf dem Reichstag zu Speyer gemeinsam, alle „Wiedertäufer“ auszurotten. So wie Luther sich in seiner Auffassung über die Taufe verschieden geäußert hat, so auch über die Duldsamkeit Andersgläubigen gegenüber. Nachdem er aber Landeskirchen gegründet hatte, fiel er zurück in die Art katholischer Unduldsamkeit.
In der von Melanchthon verfaßten Confessio Augustana (also dem Augsburger Bekenntnis, Anm.), dem Glaubensbekenntnis der Lutherischen Kirche, heißt es fünfmal in den Artikeln 5, 9, 12, 16 und 17 „die Wiedertäufer sind zu verdammen“.
Durch ein Gutachten Melanchthons vom Jahre 1531, in dem die „Wiedertäufer“ als Gotteslästerer und Aufrührer bezeichnet werden und das Luther mit seinem „placet mihi Martino Luthero“, das heißt: „Ich bin damit einverstanden, M. L.“ unterschrieb, kam es zu einer schweren Verfolgung der Täufer.
Mit Luthers und Melanchthons Zustimmung wurden auch bald Hinrichtungen an den Täufern vollzogen. Ein weiteres Gutachten der Wittenberger Theologen vom Jahre 1536 befürwortete die Hinrichtung der Täufer. Da ist es nicht zu verwundern, wenn die Landesfürsten und die Schüler der Reformatoren dann in demselben Geist weiterhin handelten.

Bald darauf setzten dann die Nachwehen der Reformation ein. Zunächst war es der große Bauernkrieg von Ende 1524 bis Mitte 1525 n. Chr. bei dem die „Münsterschen Schwärmer“ eine entscheidende Rolle spielten. Unter der Führung der Zwickauer Propheten, von Thomas Müntzer (1489-27.5.1525 n. Chr.), der zuerst Prediger in Zwickau war, und des Tuchmachers Storch wurden von diesen immer mehr Schlösser und Klöster überfallen und geplündert, nachdem Müntzer die Fürsten nicht für seine Ideen gewinnen konnte. Luther sagte: „Müntzer und die Bauern haben das Evangelium so verwüstet und die Papisten in ihrer Geisteshaltung so bestärkt, daß man offensichtlich wieder von vorne anfangen muß.“.

Im selben Jahre 1529 n. Chr. fand das Marburger Religionsgespräch statt zwischen Martin Luther und Ulrich Zwingli, das auf Veranlassung von Philipp I., dem Großmütigen, Landgraf von Hessen (1504-1567 n. Chr.), zustande kam. Dieser versuchte aus politischen Gründen die reformatorischen Bekenntnisse zu vereinigen, allerdings konnte der Zwiespalt auch bei diesem Gespräch nicht ganz überwunden werden. Insbesondere der entscheidende Punkt der Abendmahlslehre („das ist Christi Leib und Blut – das bedeutet Christi Leib und Blut“) trennte sodann weiterhin Lutheraner und Reformierte.

Im Jahre 1531 n. Chr. wurde in Schmalkalden, einer kleinen Kreisstadt in Thüringen, von protestantischen Fürsten und Reichsstädten der Schmalkaldische Bund gegen Kaiser Karl V. und die römisch-katholischen Stände geschlossen. Durch den Nürnberger Religionsfrieden, einem am 23. Juli 1532 unterzeichneten Vertrag, wurde den protestantischen Reichsständen bis zum nächsten Konzil bzw. Reichstag freie Religionsausübung gewährt, wogegen diese dem Kaiser Unterstützung gegen die Türken zusagten.

Durch den Augsburger Religionsfrieden wurde im Jahre 1555 n. Chr. die Glaubensspaltung in Deutschland besiegelt. Es wurde dort die Religionsfreiheit für die Reichsstände (fürstliche und städtische Obrigkeiten) beschlossen, nach dem Prinzip: „Cuius regio, eius religio“ (= wes die Herrschaft, des der Glaube, oder: wer herrscht, der bestimmt die Konfession der Untertanen).

Nach dem Weckruf folgt der Auftrag zur treuen Pflichterfüllung und Seelsorge: … und stärke das andre, das sterben will. Nach den erwecklichen Aufbrüchen der Vergangenheit hat der erhöhte Herr der zu neuem Leben erweckten Gemeinde auch gleichzeitig einen sowohl missionarischen, wie auch seelsorgerlichen Befehl erteilt. In der Nichtbeachtung und Vernachlässigung dieses hohen Auftrages sind alle Erweckungen der Vergangenheit im Sande verlaufen und gescheitert. Darum ist der vollmächtige Lehrdienst auch heute mehr denn je gefragt. Da sie keine missionarisch verantwortlichen Hirten und Seelsorger finden, wenden sich die Hilfesuchenden in ihrer Not an die Geistheiler, Okkultisten, Wahrsager, Spiritisten und Scharlatane. Dadurch werden sie schuldig und können unter einen dämonisch-satanischen Bann kommen.

Die Gemeinde von Sardes hat einmal einen verheißungsvollen Anfang gemacht, in der das geistliche Leben hoffnungsvolle Ansätze für eine lebendige Gemeinde zeitigte. Darum hat ihr auch der erhöhte Herr durch die Reformation ein großes Erbe geschenkt und ihr damit den Wächterdienst in der Nacht des Unglaubens und des Abfalles anvertraut: Stärke das andre, das sterben will.

Da aber die Reformation durch falsche Rücksichtnahmen und Konzessionen an die Welt den Weg des geringsten Widerstandes gegangen ist, ist sie auf dem Wege der Tradition in Formalismus, Sakamentalismus und in der toten Rechtgläubigkeit unvollendet steckengeblieben. Mit anderen Worten: Sie hat ihr göttliches Soll nicht erfüllt. Darum auch der berechtigte Tadel: denn ich habe deine Werke nicht als völlig (= vollendet)erfunden vor meinem Gott. Das besagt doch, daß die Gemeinde und ihre Glieder nach ihren Werken durch Jesus Christus in der Gegenwart Gottes, seines Vaters, beurteilt und gerichtet werden. Leider hat Sardes es bis jetzt nicht völlig geschafft.

Darum spricht der Herr: So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und halte es und tue Buße. Die Gemeinde von Sardes soll sich daran erinnern, wie sie empfangen und gehört hat, nämlich Gottes Gnade war ihr zuteil geworden und die Wahrheit war ihr verkündet worden. Im Evangelium bezeugt Johannes: Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben, die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. (Joh. 1, 17). Daran sollte sie denken und dann Buße tun, weil sie sich nicht daran gehalten hat. Der Weg zur Umkehr beginnt immer mit der Einkehr und Besinnung. Das sehen wir an dem Verhalten des verlorenen Sohnes: Da schlug er in sich und sprach … Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. (Luk. 15, 17-18).

Er gedachte an die glücklichen und sorglosen Tage im Vaterhaus, aber auch an das Leid, das er seinem Vater und sich selbst zugefügt hatte. Dieses Gedenken und Besinnen führte bei ihm zur Reue, Umkehr und Buße. Die gleichen Gedanken sind auch für die Gemeinde von Sardes in unseren Tagen die einzige Möglichkeit, wieder in den Besitz der verlorengegangenen Glückseligkeit zu gelangen. Darum gedenke daran, wie einmal durch die Reformation das unveräußerliche Gut des Wortes Gottes wieder auf den Leuchter gestellt wurde, und wie du seinerzeit die Botschaft der Gnade und Barmherzigkeit Gottes verspürt hast.

Die geistliche Lage der Sardes-Kirche von heute könnte sich nur dann ändern, wenn sie bereit wäre, eine gründliche Sinnesänderung vorzunehmen und eine entschiedene Hinwendung zu vollziehen zu der einst anvertrauten, zur ganzen Wahrheit. Die Gnade Gottes müßte wieder die einzige Quelle ihrer Kraft und das Wort Gottes die alleinige Autorität ihres Lebens werden. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. (Joh. 1, 16). Denn Entscheidendes ist immer im Leben der Kirche geschehen, wenn sie Gottes Wort gehört und die empfangene Gnade mit Dankbarkeit festgehalten hat.

Nachdem der erhöhte Herr seinen mahnenden Weckruf zur Wachsamkeit und treuen Pflichterfüllung an die geistlich schlafende Gemeinde zu Sardes hat ergehen lassen, macht er sie auf die Folgen aufmerksam, wenn seine Warnung in den Wind geschlagen wird: Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde. Sieben Mal, mit Einschluß dieser Stelle, lesen wir im Neuen Testament, daß der Herr über die Welt kommen werde wie ein Dieb, das heißt, ganz unerwartet und in der Nacht. Das gilt jedoch nur für die, die nicht wachen, wie uns dieses Wort Jesu deutlich sagt. In insgesamt sieben Bibelstellen wird dieses Bild von der Wiederkunft Jesu gebraucht, man merke diese Zahl: Matth. 24, 42-44; Luk. 12, 39-40; 1. Thess. 5, 2; 1. Thess. 5, 4; 2. Petr. 3, 10; Offb. 3, 3 und Offb. 16, 15).

Nur für die, die nicht wachen, wird der Herr wie ein Dieb kommen, wie uns auch der Apostel Paulus bestätigt: Von den Zeiten aber und Stunden, liebe Brüder, ist nicht not euch zu schreiben; denn ihr selbst wisset genau, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, dann wird sie das Verderben schnell überfallen gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, daß der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein. (1. Thess. 5, 1-6).

Warum dieses Bild von der Wiederkunft Jesu?
1. Der Dieb kommt in der dunkelsten Stunde der Nacht.
2. Der Dieb kommt unangemeldet und überraschend, wenn alle ahnungslos sind.
3. Der Dieb kommt leise und unbemerkt, wenn alles schläft.
4. Wenn der Dieb dagewesen ist, dann erst merken es die Menschen.
5. Der Dieb kommt mit der Absicht, etwas zu stehlen.
6. Der Dieb kommt, um das Wertvollste mitzunehmen.
7. Der Dieb läßt das Haus verarmt zurück, nachdem er sich selbst bereichert hat.

So wird es auch sein am Tage des Herrn Jesu Christi. Wenn die Menschheit in der Sünde und Gottesferne dahinlebt, wenn alle gleichgültig sind und sich sicher dünken, wenn die Gemeinde Jesu das ihr gegebene prophetische Wort mißachtet und die Zeichen der Zeit verschläft.

Im alten Sardes war es so: In den nahegelegenen Bergen lagerten und lauerten Diebe und Räuber. Nur wenn der Wächter schlief, gelang es ihnen sehr oft, in die Stadt einzudringen und den Bewohnern großen Schaden zuzufügen. Dafür wurde dann der Wächter zur Verantwortung gezogen. Wenn dieser ein römischer Soldat war, stand darauf die Todesstrafe.

Was aber wird Gott mit denen machen, die er zu geistlichen Hirten und Wächtern über seine Gemeinde gestellt hat, die im Zeitraum der Gemeinde von Sardes in ihrem Wächteramt versagt haben? Darauf gibt Gott uns eine Antwort durch den Propheten Hesekiel, und zwar Hes. 3, 17-21 und 33, 1-9.

In der Gesamtbeurteilung der Gemeinde zu Sardes von seiten ihres erhöhten Herrn folgt nun nach dem Tadel und der Warnung eine erfreuliche Feststellung: Aber du hast etliche zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben; die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert. Der Luthertext von 1914 besagt hier: Aber du hast etliche Namen zu Sardes. So auch das Konkordante Neue Testament: Aber du hast einige wenige Namen in Sardes.

Wladimir Marzinkowskij, ein russischer Gottesmann, hat es mit diesen Worten ausgedrückt:
Am Tage unserer Erlösung empfingen wir volle Vergebung von Gott und zogen ein weißes Kleid an. Von uns hängt es ab, es fleckenlos zu bewahren.
„Siehe ich komme wie ein Dieb! Selig ist, der wach bleibt und auf seine Kleider achtet.“.

Die Mitgliederzahlen allein haben schon immer über den wahren Stand in den Gemeinden hinweggetäuscht. Es ist mehr als traurig und beschämend, daß der erhöhte Herr den Vorsteher der Gemeinde erst aufmerksam machen muß auf jene getreuen Gemeindeglieder, die ihre Kleider nicht besudelt haben. Hat er es denn nicht gewußt, welche Qualitäten er in der Gemeinde hat? Jesus muß es ihm sagen: Du hast etliche Namen! Der Name bedeutet nach der Lehre des Neuen Testamentes mehr als nur Schall und Rauch. Der Name bezeichnet die Art und das Wesen einer Person, ja den ganzen Charakter derselben. Anstatt diese meist wenigen Getreuen anzuerkennen und Gott zu danken, daß solche Säulen in der Gemeinde vorhanden sind, wurden sie mit allerlei Schmähungen bedacht.

Hinter diesen wenigen Namen stehen Menschen, die durch Jesus Christus herausgerufen wurden aus dieser argen Welt, wie Petrus am Anfang seines ersten Briefes geschrieben hat: Petrus, ein Apostel Jesu Christi, den Fremdlingen in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadozien, der Landschaft Asien und Bithynien, die erwählt sind nach der Vorsehung Gottes, des Vaters, in der Heiligung durch den Geist, zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden! Gelobt sei Gott, der Vater unsers Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das behalten wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, welche bereit ist, daß sie offenbar werde zu der letzten Zeit. Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1,1-7). Leider sind es nur „etliche“, die so leben.

Denen zu Sardes, die ihre Kleider nicht besudelt haben, also keine Verbindung mit der Welt eingegangen sind, denen gilt die Verheißung des Herrn: die werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind’s wert. Das ist der verheißene Lohn für die wenigen Namen in der Sardes-Gemeinde von einst, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Lehre Bileams (Offb. 2, 14), noch durch den Hurengeist der Isebel (Offb. 2, 20), also weder durch Religion noch Erotik, sondern die den Glauben an Jesus Christus und sein vollkommenes Erlösungswerk bewahrt haben.

Dieselbe Verheißung gilt auch den etlichen Namen in der abgefallenen Sardes-Kirche in unseren Tagen, die ihre Kleider nicht besudelt haben, weder durch die Irrlehre einer abgefallenen Theologie, noch durch eine weltanschauliche Idee, weder durch unnüchterne Schwarmgeisterei, noch durch Zuchtlosigkeit und okkultes Vergehen in dieser Endzeit. Kleider sind in der Heiligen Schrift ein Bild von unseren Lebensgewohnheiten, sie zeigen daher die Reinheit unserer Seele.

Schon rein natürlich gesehen ist es möglich, gewisse Schlüsse von der Kleidung auf den Charakter und die Gesinnung eines Menschen zu ziehen, darum heißt es auch im Volksmund: Kleider machen Leute! Oder man stellte damals noch fest: Wie man kommt gegangen, so wird man empfangen! Es ist durchaus nicht so, wie es manche sogenannten Christen von heute behaupten und uns weismachen wollen, wenn sie in verwaschenen und zerfetzten Jeanshosen zum Gottesdienst kommen: Gott schaut nicht auf das Äußere, sondern vielmehr auf das Innere. Wie mag es da wohl aussehen, ordentlich oder unordentlich? Zudem sagt ihnen dieses Gebot Gottes nichts mehr: Eine Frau soll nicht Männersachen tragen … . (5. Mose 22, 5). Gehören Hosen nun zu den Männersachen oder nicht? Darüber geht man heute hinweg, obwohl es doch auch eine Folge der Emanzipation ist.

Wer so spricht, ist bereits schon ein Opfer satanischer Verführungskunst geworden und sündigt wider besseres Wissen und Gewissen. Oft ist man dann dazu geneigt, noch einen Schritt weiter zu gehen: Man kommt allmählich zu der trügerischen Überzeugung, daß die äußere Erscheinung überhaupt keinen Einfluß auf das Christsein habe und, indem wir uns der Welt anpaßten, wir sie so dann besser für Jesus Christus gewinnen könnten. Wer diese raffinierte Lüge Satans nicht beizeiten erkennt, braucht sich später nicht zu wundern, wenn er letztendlich selber Teil der Welt geworden ist.

Denn gerade das Gegenteil ist der Fall: Das Wort Gottes lehrt uns, daß bei einem Gotteskind, bei welchem das Innere in Ordnung ist, das Äußere auch stimmen muß. Was der Mensch innerlich besitzt, das bringt er auch nach außen hin zum Ausdruck, sei es im Benehmen, Sprechen oder auch in der Kleidung. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber darauf hatte Jesus Christus auch besonders aufmerksam gemacht: Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz. (Matth. 12, 35). Oder ebenfalls: Was aber zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. (Matth. 15, 18-19).

Lange, weiße Kleider sind immer das Symbol der Reinheit, Unschuld und Gerechtigkeit. So drückte es der Prophet Jesaja aus: Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt. (Jes. 61, 10). Darin sollen einmal alle diejenigen mit Jesus Christus wandeln, die das ihnen geschenkte Seelenkleid im Erdendasein nicht besudelt haben, denn sie sind’s wert, Bürger des himmlischen Hofstaates zu sein.

Im einem bekannten, schönen Lied drückten es Dichter so aus, wobei die erste Strophe von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (26.5.1700-9.5.1760) ist:

Christi Blut und Gerechtigkeit,
Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid,
Damit will ich vor Gott besteh’n,
Wenn ich zum Himmel werd‘ eingeh’n.

D’rum soll auch dieses Blut allein
Mein Trost und meine Hoffnung sein.
Ich bau‘ im Leben und im Tod
Allein auf Jesu Wunden rot.

Solang‘ ich noch hienieden bin,
So ist und bleibet das mein Sinn:
Ich will die Gnad‘ in Jesu Blut
Bezeugen mit gestrostem Mut.

Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden, und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. Mit der unpersönlichen Aufforderung: Wer überwindet, ist keine Elite besonderer Heiliger gemeint, sondern Menschen, die allen Winden und Stürmen ihres Lebens mit Jesu Kraft standgehalten haben. Was immer diese Gläubigen innerhalb des toten weltlichen Bekenntnisses an Verachtung und Verleumdung erfahren haben mögen, der Herr wird sie belohnen mit dem Ehrenkleid der Gerechtigkeit.

Was diese wenigen Namen in Sardes zu überwinden haben, ist ihre große Vereinsamung und Verkennung in der Endzeit, weil sie es wagen, im Alleingang gegen den Strom einer fromm-religiös getarnten Verführung und gegen das Hurensystem einer Welteinheitskirche zu schwimmen. Diesen Überwindern, die allen Greueln dieser Zeit widerstanden haben, gilt die Verheißung ihres Herrn, sie mit der Einheitstracht aller vollendeten Gläubigen auszustatten.

Weiter bestätigt der erhöhte Herr: und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens. Nach den Aussagen des Neuen Testamentes ist das Buch des Lebens und das Buch des Lammes ein und dasselbe Buch, das im Himmel ausgelegt ist. Im Lebensbuch des Lammes stehen nach der Offenbarung (Offb. 13, 8 und Offb. 17, 8) seit Grundlegung der Welt alle Namen der Erwählten als Erben der himmlichen Heimat eingeschrieben. Dieser Gedanke deckt sich genau mit der Aussage des Paulus: Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, daß wir sollten heilig und unsträflich sein vor ihm. (Eph. 1, 4).

Das ist jedoch so zu verstehen: Der Mensch besteht aus Leib, Seele und Geist. Der Leib ist unser fleischlicher Körper, die Seele unsere Gefühle, unsere ganze Persönlichkeit, und unser Geist ist unser Willen, das Sinnen und Trachten unseres Herzens. Der Geist eines jeden physisch in diese Welt geborenen neuen Menschen ist für Gott grundsätzlich tot. Er hat keine Verbindung zu Gott und versteht daher nichts von göttlichen Dingen. Deshalb schreibt Paulus auch: Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich verstanden sein. (1. Kor. 2, 14).

Durch den Sündenfall Adams ist jeder Nachkomme von ihm durch die Sünde von Gott getrennt und geistlich tot. Paulus schreibt dazu: Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung zum Leben für alle Menschen gekommen. (Röm. 5, 18). Nun muß man aber bedenken, daß im himmlichen Lebensbuch keine Totgeburten eingetragen werden. Im vierten Bußpsalm bittet David: Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist. (Psalm 51, 12).

Diesen neuen Geist empfängt der Mensch durch Bekehrung und Wiedergeburt. Jesus sprach zu Nikodemus: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. (Joh. 3, 3). Das ist der Augenblick, in dem sein Name im Lebensbuch eingetragen wird. Es finden sich im Lebensbuch also nur lebendige Menschen, das heißt Menschen, deren Geist für Gott lebendig ist und die in Gemeinschaft mit ihm leben. 

Der im Buch des Lebens eingeschriebene Name kann jedoch durch Sünde, wie z. B. Untreue und Götzendienst, getilgt werden. Das sehen wir schon im Alten Testament an den beiden Stämmen Ephraim und Dan: Sie aber nahmen, was Micha gemacht hatte, und den Priester, den er hatte, und fielen über Lajisch her, über ein Volk, das ruhig und sicher wohnte, und schlugen es mit der Schärfe des Schwerts und verbrannten die Stadt mit Feuer. Und es war niemand, der sie errettet hätte; denn die Stadt lag fern von Sidon, und sie hatten mit den Aramäern nichts zu schaffen; und die Stadt lag in der Ebene bei Beth-Rehob. Dann bauten sie die Stadt wieder auf und wohnten darin und nannten sie Dan nach dem Namen ihres Vaters Dan, der dem Israel geboren war. Vorzeiten aber hieß die Stadt Lajisch. Und die Daniter richteten für sich das Schnitzbild auf. Und Jonathan, der Sohn Gerschoms, des Sohnes des Mose (des Sohnes Manasses), und seine Söhne waren Priester im Stamm der Daniter bis auf die Zeit, da sie aus dem Lande gefangen weggeführt wurden. So stellten sie das Schnitzbild, das Micha gemacht hatte, bei sich auf, solange das Haus Gottes in Silo stand. (Richt. 18, 27-31).

Ebenso im ersten Buch der Könige: Jerobeam aber baute Sichem auf dem Gebirge Ephraim aus und wohnte darin und zog von da fort und baute Pnuël aus. Und Jerobeam dachte in seinem Herzen: Das Königtum wird nun wieder an das Haus David fallen. Wenn dies Volk hinaufgeht, um Opfer darzubringen im Hause des Herrn zu Jerusalem, so wird sich das Herz dieses Volks wenden zu ihrem Herrn Rehabeam, dem König von Juda, und sie werden mich umbringen und wieder Rehabeam, dem König von Juda, zufallen. Und der König hielt einen Rat und machte zwei goldene Kälber und sprach zum Volk: Es ist zu viel für euch, daß ihr hinauf nach Jerusalem geht; siehe, da ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat. Und er stellte eins in Bethel auf, und das andere tat er nach Dan. Und das geriet zur Sünde, denn das Volk ging hin vor das eine in Bethel und das andre in Dan. (1. Kön. 12, 25-30). Weiter heißt es: Ephraim hat sich zu den Götzen gesellt; so laß es hinfahren. (Hosea 4, 17).

Darum fehlen auch bei der Aufzählung der Geschlechter Israels in der Offenbarung (Offb. 7, 4-8) die beiden Geschlechter Dan und Ephraim, deren Erbteil wurde demzufolge Manasse gegeben, einem Sohn Josephs und einem Bruder Ephraims. Im Neuen Testament ist es Judas, dessen Name im Buch des Lebens ebenfalls ausgetilgt wurde. Bei der Wahl des Matthias heißt es in der Apostelgeschichte: Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Ps. 69, 26; 109, 8): Seine Behausung müsse wüste werden, und sei niemand, der darin wohne, und: Sein Amt empfange ein anderer. (Apg. 1, 20). (Der Luthertext von 1964 des Alten Testamentes lautet: Ihre Wohnstatt soll verwüstet werden, und niemand wohne in ihren Zelten. Bzw.: … und sein Amt soll ein andrer empfangen.).

Daran sehen wir, daß die Möglichkeit besteht, daß unser Name im Lebensbuch des Lammes ausgetilgt werden kann. Hans Bruns gab dann dazu diese einfache Erklärung: … denn sie sind im Buch des Lebens eingeschrieben (das Gegenteil ist unausdenkbar schrecklich: Gott könnte auch durchstreichen!). Demnach sollte man sich nicht selbst täuschen: Es besteht durchaus die Gefahr für einen, der wiedergeboren ist, daß sein Name im Lebensbuch ausgelöscht wird. Deshalb ist Heilssicherheit eine falsche Sicherheit und eine große Gefahr für das Seelenheil.

Das wird außerdem bestätigt durch das Wort des Herrn, das zu dem Propheten Hesekiel geschah: Und wenn sich ein Gerechter von seiner Gerechtigkeit abwendet und Unrecht tut, so werde ich ihn zu Fall bringen, und er muß sterben. Denn weil du ihn nicht gewarnt hast, wird er um seiner Sünde willen sterben müssen, und seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht angesehen werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern. (Hes. 3, 20). Deshalb sei auch jeder Mensch hierdurch gewarnt, nicht zu sündigen, denn sonst muß er sterben.

Jesus Christus will im Preisgericht die Namen der Überwinder vor seinem Vater und seinen Engeln bekennen und sie vor ihnen lobend herausstellen, in dem Sinne: Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten. (Joh. 17, 6). Welch eine Ehre! Wer will’s wagen, wer will’s sagen, was für ein seliger Augenblick das sein wird, wenn Jesus Christus all die Namen der Überwinder vor dem Vater und seinen Engeln aufzählen und bekennen wird. Unser Wortschatz ist zu arm und unsere Phantasie zu farblos und beschränkt, um auch nur annähernd diesen Vorgang schildern zu können.

Wer sich aber selbst in der von Gott gelösten Welt einen Namen machen will und ihn bei jeder Gelegenheit gerne nennen hört, dessen Name wird wie Schall und Rauch vergehen, wie beim Turmbau zu Babel: und sprachen: Wohlauf, laßt uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. (1. Mose 11, 4). Wem aber der Name Jesu über alle Namen geworden ist, dessen Name wird in alle Ewigkeit bleiben und bestehen: Und ich will dich zum großen Volk machen, und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. (1. Mose 12, 2).

Auch am Schluß dieses Sendschreibens ertönt wieder die Stimme des Geistes: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Das ist der letzte Appell oder der endgültige Aufruf des erhöhten Herrn, der an die Führer der geistlich toten Sardes-Kirche gerichtet ist. Darum, ihr Hirten, Seelsorger, Verkündiger und Lehrer, wer von euch noch ein Ohr für die Stimme des Geistes hat, dem sei es mit brennender Verantwortung auf die Seele gebunden: Wer Ohren hat, der höre!

Das Schlüsselwort: Sei nicht wie die andern tot!

Die Dauer der Gemeinde zu Sardes (Zeitraum): etwa von 1517-1750 n. Chr., also 233 Jahre.

Comments (1)

  1. What a information of un-ambiguity and preserveness
    of precious knowledge regarding unpredicted emotions.

Comment here