Christentum

Das 4. Sendschreiben an Thyatira

 

Und dem Engel der Gemeinde zu Thyatira schreibe: Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten. Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Und ich habe ihr Zeit gegen, daß sie sollte Buße tun, und sie will nicht von ihrer Unzucht lassen. Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken. Euch aber sage ich, den anderen zu Thyatira, die solche Lehre nicht haben und nicht erkannt haben die Tiefen des Satans – wie sie sagen -: Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last; doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie auch ich’s von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! (Offb. 2, 18-29).

  1. Der Name Thyatira = Quatira wird verschieden erklärt: a) Stadt oder Zitadelle von Tya, b) Thyatteira (= Juatteira) = von thyoo (= Juw) = „ich mache angenehmen Geruch“ oder: thyo (= Juo) = „ich opfere“; und teiro (= teiro) = „ich verderbe, plage, reibe, verzehre“; „ein verderbter Geruch“ oder „Opferplage“, „Opfertor“ oder „Opfernde“, oft auch mit „Weihrauchspenderin“ übersetzt. – Diese zweite Bedeutung entspricht dann eher dem Inhalt dieses Sendschreibens. Thyatira war im Altertum eine kleine, aber berühmte Handels- und Industriestadt in Lydien (Kleinasien), in einer lieblichen Gegend, in einem Tal am Fluß Lykos (= lukoV) oder Lycus, der in den Mäander mündet. Der Mäander oder Maiandros (= maiandroV), der heute Menderes heißt, ist ein Fluß, etwa 400 km lang, der in das Ägäische Meer mündet, und zwar südlich der Insel Samos.
     

 

Die Stadt lag ungefähr 60 km südöstlich von Pergamon und nördlich von Sardes, nahe der Grenze von Mysien, etwa 80 km nordöstlich von Smyrna, dem heutigen Izmir. Anstelle des damaligen Thyatira heißt die dortige Stadt jetzt Akhisar, was auf Deutsch etwa „Weißes Schloß“ oder auch „Weiße Stadt“ bedeutet, wohl so genannt nach den vielen Marmorbrüchen, die vom nicht allzu weiten Gebirge herüberglänzen. Soweit bekannt, dürfte die Stadt jetzt ungefähr 50 000 Einwohner haben. Wie alle anderen Städte in diesem westlichen Teil Kleinasiens liegt auch Thyatira oder Akhisar in der heutigen Türkei.

Thyatira war von Anfang an immer ein militärischer Stützpunkt wegen der strategischen Lage an einer großen Durchgangsstraße und galt als Einfallstor nach Pergamon, der späteren Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Deshalb war Thyatira dann auch eine römische Garnisonsstadt, in der eine Kohorte mazedonischer Truppen stationiert war, um so das nordöstlich liegende Pergamon zu schützen. Eine Kohorte (lateinisch: cohors, „Gefolge“ oder „Schlachthaufen“) war zunächst eine militärische Einheit der römischen Bundesgenossen, deren Fußvolk in Kohorten zu je 600 Mann an den Flanken der Legion aufgestellt war, später eine Abteilung einer römischen Legion. Eine Legion bestand damals aus 10 Kohorten = 30 Manipel = 60 Zenturien = 6 000 Mann.

Ungünstig war nur, daß Thyatira in einem offenen, leicht zugänglichen Tal lag und deshalb die dortigen Verteidiger gar nicht imstande waren, die Stadt längere Zeit zu halten. Es gab weder Höhen noch Hügel in unmittelbarer Nähe, die man hätte befestigen können. An der Durchgangsstraße von Pergamon nach Sardes gelegen, konnte man leicht entlang des Flusses Lykos nach Thyatira eindringen, denn das Gebirge war nur seitlich, in einiger Entfernung von der Stadt. So konnte man dort nur mit hinhaltendem Widerstand operieren, um so den Bewohnern von Pergamon etwas Zeit zu lassen, sich auf die Eindringlinge aus dieser Richtung (von Sardes kommend) kriegerisch vorzubereiten.

Überdies war die Stadt berühmt wegen ihrer Purpurfärbereien und auch bekannt durch ihre erstklassigen Handwerker. So wird uns in der Apostelgeschichte von einer Purpurkrämerin mit Namen Lydia berichtet, die ursprünglich aus Thyatira in Lydien (oder Lydia geschrieben) kam, wie ihr Name dann auch noch besagte. Als Paulus auf seiner zweiten Missionsreise etwa im Jahre 50 n. Chr. in Troas war, erhielt er durch eine göttliche Vision die Weisung, seine Reiseroute zu ändern, wobei ihn auch Silas, Timotheus und Lukas begleiteten. Deshalb kann uns auch Lukas, der Arzt, in seiner Apostelgeschichte einen genauen Augenzeugenbericht über den weiteren Verlauf geben:

Und dem Paulus erschien ein Gesicht bei der Nacht; das war ein Mann aus Mazedonien, der stand da und bat ihn und sprach: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns! Als er aber das Gesicht gesehen hatte, da trachteten wir alsbald, zu reisen nach Mazedonien, gewiß, daß uns Gott dahin berufen hätte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir aus von Troas; und geradeswegs kamen wir nach Samothrake, des andern Tages nach Neapolis und von da nach Philippi, welches ist die Hauptstadt dieses Teils von Mazedonien und eine römische Kolonie. Wir blieben aber in dieser Stadt etliche Tage. Am Tage des Sabbats gingen wir hinaus vor die Stadt an das Wasser, wo wir dachten, daß man pflegte zu beten, und setzten uns und redeten zu den Frauen, die da zusammenkamen. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; dieser tat der Herr das Herz auf, daß sie darauf achthatte, was von Paulus geredet ward. Als sie aber mit ihrem Hause getauft ward, bat sie uns und sprach: Wenn ihr mich achtet, daß ich gläubig bin an den Herrn, so kommt in mein Haus und bleibet allda. Und sie nötigte uns. (Apg. 16, 9-15). (Im Luthertext von 1914 heißt es: aus der Stadt der Thyatirer).

Lydia war eine Heidin, die sich zur jüdischen Gemeinde hielt, war offen für das Evangelium und kam zum Glauben an Jesus. Es war die erste Person auf europäischem Boden, die durch die frohe Botschaft erreicht wurde. Auch hier war die Taufe die Bestätigung der Aufnahme in die neue Heilsgemeinde. Ihre Bitte um Einkehr in ihr Haus entsprang jedoch nicht einfach der Gastfreundschaft, vielmehr wußte sie nun, daß seit Jesus Christus die Schranken zwischen Juden und Heiden nicht mehr bestehen.

Was die religiöse Bedeutung von Thyatira betrifft, so herrschte dort wohl der damals übliche Götter- und Kaiserkult, aber als religiöses Zentrum war die Stadt nicht so wichtig und berühmt wie andere Städte. An Kultstätten besaß Thyatira Tempel, die der Göttin Artemis (griechisch) oder Diana (römisch), dem Gott Apollon (lat. Apollo) und dem Stadt- und Heldengott Tyrimnos (lat. Tyrimnus) geweiht waren. Letzterer wurde als Schutzpatron verehrt, der mit dem Sonnengott Apollon (lat. Apollo) gleichgesetzt wurde. Dieser galt als Sohn des obersten Gottes Zeus (lat. Jupiter), wie auch der Kaiser als Sohn des Zeus angesehen wurde. Außerdem befand sich dort ein Heiligtum, in dem Wahrsagerei ausgeübt wurde. Den Vorsitz führte dabei ein weibliches Orakel mit Namen Sambathe.

Worin bestanden denn nun die Schwierigkeiten und Gefahren, in die sich die Gemeinde zu Thyatira verwickelt sah? Von allen in den Sendschreiben genannten sieben Städten in Kleinasien ist Thyatira diejenige, von der wir am wenigsten wissen. Es ist von daher auch sehr schwer, die damalige Situation genau wiederzugeben. Wir wissen allerdings, daß Thyatira ein bedeutender Handelsplatz war, an dem vor allem das Färbereiwesen und der Handel mit Wollwaren eine große Rolle spielten. Wie wir schon gesehen haben, stammte die Purpurkrämerin Lydia aus dieser Stadt.

Auch heute gibt es in dieser Gegend noch viele Schafzüchter und damit Wollhandel, jedoch hat dieser nicht mehr den Umfang wie damals. Ihre Bedeutung ganz verloren hat indes die damalige Durchgangsstraße, die jetzt geradezu eine kleine Landstraße von Izmir über Akhisar nach Bergama ist, da inzwischen eine wichtige Eisenbahnlinie weitgehend diese Transportaufgabe übernommen hat. In den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts war Akhisar außerdem wegen seines Opiumhandels berüchtigt, der heutzutage wohl auch noch abgewickelt wird, allerdings eher stillschweigend. In einer Antwort des Europäischen Rates vom 24. April 1997 heißt es jedoch wörtlich: Der Drogenhandel über die Türkei als Transitland sowie die dortige Drogenerzeugung geben allerdings in der Union Anlaß zur Besorgnis.

Erhalten gebliebene Berichte lassen allerdings erkennen, daß es in Thyatira eine ungewöhnlich große Zahl von Handwerkszünften gab, zu denen sich früher die Angehörigen bestimmter Berufe wohl zu ihrem eigenen Nutzen und Vorteil zusammengeschlossen hatten – zu einer Art Gewerkschaft. Bei den besonders feierlichen Anlässen, die Zunft betreffend, wurden dann Gemeinschaftsmahlzeiten von ihnen veranstaltet, wobei den Göttern im Rahmen religiöser Zeremonien gehuldigt und Götzenfleisch geopfert und gegessen wurde. Da aber diese Feiern gewöhnlich in Schwelgerei und Unzucht ausarteten, wurden sie damals von den Christen grundsätzlich gemieden, was ihnen sodann Haß und Verfolgung, sowie geschäftlichen Boykott einbrachte. Besonders hart traf das dann die christlichen Handwerker und Kaufleute.

  1. Obwohl Thyatira sicherlich die unbedeutendste der sieben Städte war, so richtet sich dennoch das längste Sendschreiben gerade an diesen Ort. Genaue Angaben darüber, wann und wie die Gemeinde in Thyatira entstanden ist oder sein könnte, sind uns nicht bekannt. Es ist allerdings kirchengeschichtlich durchaus nicht ausgeschlossen, daß die Entstehung auch dieser christlichen Gemeinde dort, zumindest indirekt auf Paulus zurückzuführen ist. Nach Apostelgeschichte 16, 11-15 ist sie auf jeden Fall auf die Purpurkrämerin Lydia aus Thyatira zurückzuverfolgen. Diese wiederum wurde durch die missionarische Tätigkeit des Apostels Paulus in Philippi gläubig, wie wir bereits feststellen durften. Da jedoch Lydien im Neuen Testament nicht erwähnt wird, ist eine Durchreise des Paulus eher unwahrscheinlich. Eine Gründung der Gemeinde durch ihn ist nicht festzustellen.
     

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Welche Kirche aber ist in der Geschichte auf die östliche, die sogenannte griechische oder orthodoxe Kirche, gefolgt und in den Vordergrund getreten? Es ist keine andere als die römisch-katholische Kirche, mit deren Entwicklung wir es hier zu tun haben. Sie ist eindeutig in diesem vierten Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira prophetisch vorgebildet. Wie bereits bei den vorhergehenden Briefen des Herrn die Namen der Empfänger schon einen Schlüssel zum Verständnis der zukünftigen Bedeutung der Gemeinde beinhalteten, so auch hier. Eingangs der Betrachtung dieses Sendschreibens haben wir gesehen, daß Thyatira auch die „Opfernde“ und die „Weihrauchspenderin“ bedeutet, wodurch schon allein darin ein wichtiger Hinweis auf die römisch-katholische Kirche gegeben ist.

Der Name entstand dadurch, daß in Ableitung von „holos“ (= hwloV), das „ganz“ bedeutet, das ursprünglich griechische „katholikos“ (= kaJwlikoV): „das Ganze, alle betreffend; allgemein“ verwendet wurde. Als erster gebrauchte Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der im Jahre 110 n. Chr. in Rom als Märtyrer starb, das Wort „katholisch“, um wesenhafte Merkmale der Kirche Jesu Christi auszusagen. Augustinus (eigentlich Aurelius Augustinus), geb. 13.11.354, gest. 28.8.430 n. Chr., Bischof von Hippo Regius (Nordafrika), übersetzte alsdann „katholisch“ mit „universalis“: Die katholische Kirche ist also seitdem eine „weltweite“ Kirche.

Schon im 3. Jahrhundert wurde in der westlichen Hälfte des Römischen Reiches ein Vorrang der Gemeinde von Rom erkennbar, der auf die Gründung derselben durch Petrus und Paulus zurückgeführt und legitimiert wurde. Als dann die germanischen Völker, z. B. die Goten, Langobarden, Franken, Angelsachsen und andere Stämme, das christliche Bekenntnis annahmen und dadurch in Verbindung mit der römisch-katholischen Kirche kamen, erlangte diese eine sehr hohe Bedeutung. Im Jahre 449 n. Chr. benutzte Leo I., der Große, Papst von 440-461 n. Chr., die politische Schwäche der westlichen Reichshälfte, um die päpstliche Vollgewalt und Lehrautorität (= Primat) auszubauen.

Die im Jahre 395 n. Chr. erfolgte endgültige Teilung des Römischen Reiches ermöglichte es Papst Leo I., die Einflußlosigkeit des weltlichen Herrschers nun für seine Zwecke auszunutzen. Der Machthaber im Westreich in Rom zu dieser Zeit war Valentinian III. (Flavius Placidius Valentinianus), römischer Kaiser (3.7.419 -16.3.455), der aber schon von 425 n. Chr. an regierte. Dieser wurde damals von Honorius zum Nachfolger ernannt, doch übten zunächst die Mutter Placidia und der Feldherr Aetius für ihn vorübergehend die Regentschaft aus. Von dessen Anhängern wurde Kaiser Valentinian III. hinterher im Jahre 455 n. Chr. ermordet.

Bedeutsam für das Verhältnis zwischen Kirche und Staat wurde zudem die von Gelasius I. (gest. 19.11.496 n. Chr.), Papst seit dem 1.3.492 n. Chr., formulierte Zweigewaltenlehre oder auch Zweischwertertheorie, die dem Papst damals die geistliche, dem Kaiser jedoch die weltliche Gewalt zusprach (auctoritas sacrata pontificium et regalis potestas). Für diesen Zweck bezog er sich fälschlicherweise auf ein Wort der Bibel: Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter. (Luk. 22, 38).

In der christlichen Kirche hießen ursprünglich alle Bischöfe zuerst Patriarchen (griech., Erzväter), seit dem 5. Jahrhundert dann nur noch die Metropoliten von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Konstantinopel nannte sich seit 587 n. Chr. Ökumenischer Patriarch und erhob sich damit zum Oberhaupt der orthodoxen Kirche des Ostens. Der Patriarch von Rom galt so für ihn fortan als Oberhaupt der Westkirche. Dagegen protestierte Gregor I., der Große (540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, der zudem im Jahre 602 n. Chr. auch den Titel Papst verweigerte, den ihm Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., verleihen wollte. Die entscheidende Tat Gregors I., auf dessen liturgische Reformen der Gebrauch des Gregorianischen Chorals zurückgeführt wird, war insbesondere das Ausgreifen nach England. – Angelsächsische Missionare begründeten auf dem Festland das Ansehen Roms und bereiteten so die weltliche Macht des Papstes durch das Bündnis zwischen der Kirche und dem Frankenreich vor, das einige Jahrhunderte später erfolgte.

Das Papsttum ist heidnischen Ursprungs. Der Titel Papst oder ebenfalls Weltbischof wurde dem Bischof von Rom zum ersten Mal offiziell verliehen von dem gottlosen Kaiser Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., nachdem dieser an der Spitze meuternder Truppen seinen Vorgänger beseitigt hatte. Auf diese Weise gelangte er an die Macht als Nachfolger von Maurikios I., byzantinischer Kaiser von 582-602 n. Chr., der so zum Opfer „der Grausamkeit des elendesten Menschen, den je eine Revolution auf den Thron gebracht hat“ wurde, wie man von Phokas sagte. Maurikios I. wurde nämlich durch einen Aufstand des Heeres unter Führung von Phokas nicht nur gestürzt, sondern zudem auch noch grausam ermordet. Dem Bischof Ciriacus von Konstantinopel zum Trotz wollte Phokas damals im Jahre 602 n. Chr. den Titel Papst zuerst Gregor I., dem Großen, verleihen, der ihn jedoch verweigerte und sich daher weiterhin nur Bischof von Rom nannte. Bischof Ciriacus von Konstantinopel hatte den Kaiser Phokas zuvor rechtmäßig in den Kirchenbann getan, wegen des an seinem Vorgänger, Kaiser Maurikios I., verübten Meuchelmordes. Einer der Nachfolger Gregor I., des Großen, war Bonifaz oder Bonifatius III., Papst im Jahre 607 n. Chr., der den Titel Papst dann allerdings bereitwillig annahm.

Dazu ist zu bemerken, daß Jesus selbst niemals Petrus zum Haupt der Apostel ernannte, sondern er verbot eine derartige Absicht. Der Evangelist Lukas, der Arzt, berichtete uns von einem Gespräch Jesu mit seinen Jüngern, die in dem Augenblick wohl etwas unzufrieden waren: Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Völker herrschen, und ihre Mächtigen heißet man gnädige Herren. Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist größer: der zu Tische sitzt oder der da dient? Ist’s nicht der, der zu Tische sitzt? Ich aber bin unter euch wie ein Diener. (Luk 22, 24-27). Die Mächtigen heißet man gnädige Herren. Der ehrende Beiname „Wohltäter“ (griech. Euergétés = euerghthV) war damals häufig und beliebt. (So heißt es nun in der Lutherbibel erklärt, was doch sicherlich eine interessante Erklärung dieses Beinamen ist.).

In der Bibel wird nirgendwo einwandfrei bezeugt, daß Petrus jemals in Rom war. Wir wissen lediglich aus Berichten der Gemeinde von Rom, daß Petrus sich einige Jahre dort aufgehalten habe, keinesfalls kann es jedoch länger als etwa 20 Jahre gewesen sein, also höchstens von 47 n. Chr. bis 67 n. Chr., was die längste Zeit wäre. Die römisch-katholische Kirche zählt Petrus als ersten Papst für die Zeit von 64-67 n. Chr., jedoch sagte schon Klemens I., Papst von 88-97 n. Chr., der dritte Nachfolger als Bischof von Rom, daß es keinen eigentlichen Beweis dafür gebe, daß Petrus sich je in Rom befand. Eine Bibelstelle am Ende des ersten Petrus-Briefes ist jedoch ein wichtiger Hinweis dafür: Es grüßen euch aus Babylon, die samt euch auserwählt sind, und mein Sohn Markus. (1. Petr. 5, 13). Die Anmerkung in der Lutherbibel erklärt dazu: Babylon ist wohl die verhüllende Umschreibung für Rom (Offb. 14, 8; 18, 2), wo der Brief geschrieben wurde. Das Lexikon zur Bibel sagt: Ebenso haben wir 1. Petr. 5, 13 unter Babylon wahrscheinlich Rom zu verstehen. Es ist zu bemerken, daß Babylon damals längst schon nicht mehr bestand, es deshalb auch keine Gemeinde im eigentlichen Babylon geben konnte.

Das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) bildete den Schauplatz unaufhörlicher Konflikte zwischen dem römischen Kaiser (= dem deutschen König) und dem Papst in Rom. Dieser andauernde Machtkampf währte sehr lange, bis dann schlußendlich die Herrschaft des Papstes einen Höhepunkt erreicht hatte. Im 12. Jahrhundert n. Chr. hatte Innozenz III., Papst von 1179-1180 n. Chr., der offiziell als Gegenpapst galt, absolute Macht über das ganze damalige Europa. Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. wurden die Päpste wiederholt von rivalisierenden Gruppen ernannt, abgesetzt, eingekerkert und ermordet. Später sprach man pauschalisierend vom „dunklen Jahrhundert“. Als letzter Gegenpapst gilt demnach Felix V. (1383-7.6.1451 n. Chr.), der vom 5.11.1439-7.4.1449 n. Chr. Papst war. Dieser wurde durch das Baseler Konzil, das im Jahre 1431 n. Chr. begonnen hatte, zum Papst gewählt, nach Absetzung Eugens IV., des Amtsinhabers.

Ein typisches Beispiel für die vielen Machtkämpfe unter den Päpsten und mit dem Kaiser ist Gregor VII. (etwa 1020-25.5.1085 n. Chr.), ehedem der Mönch Hildebrand, Papst seit dem 22.4.1073, davor Archidiakon. Er wurde im Jahre 1073 n. Chr. unter tumultartigen Umständen zum Papst gewählt und begann dann bald darauf, seine Kirchenreform zu verwirklichen. Einen Teil des Klerus (griech. kleros = Erbbesitz, von Gott zum Besitz erwählt, Priesterschaft) brachte er nun durch die strenge Durchsetzung des Zölibats gegen sich auf. Sein Hauptdokument dieser Reformzeit war das „Dictatus Papae“, in dem er unumwunden die Unterwerfung der weltlichen Macht unter die geistliche forderte. Einer seiner Vorgänger, Nikolaus II. (gest. 27.7.1061 n. Chr.), Papst seit dem 24.1.1059, hatte schon die Minderjährigkeit des damaligen Königs Heinrich IV. (11.11. 1050-7.8.1106), König seit 1056 n. Chr., dazu benutzt, das Papsttum von der kaiserlichen Bevormundung zu befreien. Dessen Dekret aus dem Jahre 1059 n. Chr., das die Papstwahl zum Vorrecht des Kardinalkollegiums machte, eröffnete den großen Kampf zwischen Kaiser- und Papsttum. Heinrich IV. beharrte jedoch gegenüber Gregor VII. auch nicht minder schroff auf sein königliches Recht.

Demnach hatten die Päpste schon seit langer Zeit die Oberhoheit über Welt und Menschheit für sich beansprucht. Gregor XI., Papst von 1370-1378 n. Chr., forderte folglich im Jahre 1372 n. Chr. in seiner Bulle (lat.: bulla = Kapsel, später Urkunde mit Siegel): In coena Domini die päpstliche Herrschaft über die gesamte christliche Welt in säkularer (= weltlicher) und in religiöser Hinsicht und ex-kommunizierte alle, die den Päpsten nach wie vor keinen Gehoram zollten und ihnen keine Steuern zahlten. Diese Bulle wurde von den nachfolgenden Päpsten bekräftigt, und im Jahre 1568 n. Chr. schwor sogar Papst Pius V. (17.1.1504-1.5. 1572), Papst seit dem 7.1.1566 n.Chr., diese müsse ein ewiges Gesetz bleiben.

Papst Alexander VI. (wahrscheinlich 1.1.1431/1432?-18.8.1503), Papst seit dem 10.8.1492, verlangte zudem sogar, daß ihm alle noch unentdeckten Länder gehören müßten und er dann im Namen Jesu Christi darüber verfügen könne, so wie es ihm als sein Stellvertreter gerade gefällt. Dieser Papst führte zugleich ein ausschweifendes Leben und seine Politik war so von dem Ziel beherrscht, seine Familie, besonders seine Kinder (v. a. Lucrezia und Cesare Borgia) zu bereichern.

  1. Wie alle Sendschreiben beginnt auch dieses mit dem Schreibbefehl des erhöhten Herrn. Da es sich um eine einmalige, ewige Botschaft handelt, die nicht wiederholt werden kann, soll der Apostel Johannes diese als Mahnung und Warnung für die Gemeinde Jesu aller Zeiten niederschreiben. Jesus Christus wendet sich nicht an irgendwen, sondern richtet seine Botschaft ausschließlich an den Boten der Gemeinde und macht ihn für die geistliche Entwicklung und die innere Prägung derselben verantwortlich.
       

Das sagt der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz. Mit diesen besonders feierlichen Worten stellt sich Jesus Christus als der Sohn Gottes in seiner ganzen göttlichen Autorität der Gemeinde in Thyatira vor und läßt es sie dadurch wissen, mit wem sie es zu tun hat. Es ist dies die einzige Stelle in der Offenbarung, wo diese Bezeichnung steht. Daran erkennt man, wie präzise und tiefsinnig das Wort Gottes ist. In Thyatira wurde ja bekanntlich der Stadt- und Heldengott Tyrimnos (lat. Tyrimnus) als Schutzpatron verehrt, dem ein besonderer Tempel geweiht war. Dieser war mit dem Sonnengott Apollon (lat. Apollo) gleichgesetzt, der als Sohn des obersten Gottes Zeus (lat. Jupiter) galt, wie auch der Kaiser als Sohn des Zeus angesehen wurde. Dem strahlenden Apollon (lat. Apollo), Sohn des obersten Gottes, stellt sich hier Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Augen hat wie Feuerflammen und Füße gleichwie goldenes Erz, entgegen.

Der erste Jünger, der Jesus den Christus, des lebendigen Gottes Sohn nannte, war der Apostel Petrus. Der Evangelist Matthäus, ebenfalls ein Apostel aus dem Kreis der zwölf Jünger, berichtet uns dieses Bekenntnis des Petrus mit den Worten: Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß des Menschen Sohn sei? Sie sprachen: Etliche sagen, du seiest Johannes der Täufer; andere, du seiest Elia; wieder andere, du seiest Jeremia oder der Propheten einer. Er sprach zu ihnen: Wer saget denn ihr, daß ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. (Matth. 16, 13-18).

Der Apostel Paulus bestätigt die Zusammenhänge mit dem Alten Testament: Ich will euch aber, liebe Brüder, nicht im Unwissenheit darüber lassen, daß unsre Väter sind alle unter der Wolke gewesen und sind alle durchs Meer gegangen und sind alle auf Mose getauft mit der Wolke und mit dem Meer und haben alle einerlei geistliche Speise gegessen und haben alle einerlei geistlichen Trank getrunken; sie tranken aber von dem geistlichen Fels, der mitfolgte, welcher war Christus. (1. Kor. 10, 1-4). Jesus Christus ist der Fels von dem aus die Gemeinde durch den Heiligen Geist mit Taufe und Abendmahl gebaut wird. Alle Kirchen-Konzilien von Nicäa im vierten Jahrhundert bis Konstanz im fünfzehnten waren sich darin völlig einig, daß Jesus Christus das einzige Fundament der Kirche ist.

Bezeichnenderweise stellte sich Jesus Christus gerade dieser Gemeinde zu Thyatira als der Sohn Gottes vor, was auch für den Zeitraum dieser Gemeinde im Hinblick auf die kommenden Verhältnisse eine tiefgründige und prophetische Bedeutung hat, wie bei den anderen Sendschreiben. In der Stadt Thyatira wurde der Sohn des obersten Gottes verehrt, dieser war der Sonnengott Apollon (lat. Apollo), der Sohn des Zeus (lat. Jupiter). In der Kirchenform dieses Gemeindezeitraumes, der römisch-katholischen Kirche mit dem Papsttum, ist der Sohn Gottes nicht der Mittelpunkt, sondern sein sogenannter Stellvertreter, der Vicarius filii dei, lateinisch: Stellvertreter des Sohnes Gottes. Das Haupt ist nicht Christus, sondern ein Nachfolger des Petrus. Dort ist Jesus nicht der Fels auf und von dem seine Gemeinde gebaut wird, die nicht überwältigt werden kann.

Weiter sagt Jesus von sich selbst: der Augen hat wie Feuerflammen, und seine Füße sind gleichwie goldnes Erz. Die Erscheinung des erhöhten Herrn, die Johannes selbst sah, war ähnlich: Sein Haupt aber und sein Haar war weiß wie weiße Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme, und seine Füße gleichwie goldenes Erz, das im Ofen glüht … (Offb. 1. 14-15). Bei der Betrachtung von Kapitel 1 haben wir bereits festgestellt, daß die Beschreibung von Jesu Gesicht dem von Gott, dem Vater, gleicht, wie ihn Daniel gesehen hat: Ich sah, wie Throne aufgestellt wurden, und einer, der uralt war, setzte sich. Sein Kleid war weiß wie Schnee und das Haar auf seinem Haupt rein wie Wolle; Feuerflammen waren sein Thron und dessen Räder loderndes Feuer. (Dan. 7, 9). Im zweiten Chronikbuch heißt es dazu: Denn des Herrn Augen schauen alle Lande, daß er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind. (2. Chron. 16, 9). Der Herr sucht so gerade in der Gemeinde von Thyatira diejenigen zu stärken, die mit ganzem Herzen bei ihm sind, auch heute noch.

Dazu lesen wir im Hebräer-Brief: Und keine Kreatur ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor Gottes Augen, dem wir Rechenschaft geben müssen. (Hebr. 4, 13). Vor Gottes Augen ist nichts verborgen, er durchforscht alles. In seinen göttlichen, alles durchdringenden Flammenaugen sind selbst die tiefsten Tiefen bloß und aufgedeckt. Der Herr sprach zu Daniel: Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werden’s nicht verstehen, aber die Verständigen werden’s verstehen. (Dan. 12, 10). Mit solchen läuternden Füßen durchschreitet er alle Zeitalter in einem heiligen und reinen Wandel als gerechter Richter über alles Sündhafte und Unreine.

Im Hebräer-Brief heißt es außerdem: Dann aber sprach er: „Siehe, ich komme, zu tun, Gott, deinen Willen.“ Da hebt er das erste auf, damit er das andre einsetze. In diesem Willen sind wir geheiligt ein für allemal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi. Und ein jeglicher Priester ist eingesetzt, daß er alle Tage seinen Dienst tue und oftmals die gleichen Opfer bringe, welche doch nimmermehr können die Sünden wegnehmen. Dieser aber hat ein Opfer für die Sünden geopfert, sitzt nun für immer zur Rechten Gottes und wartet hinfort, bis daß seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Denn mit einem Opfer hat er für immer vollendet, die geheiligt werden. (Hebr. 10, 9-14). (siehe auch Psalm 110, 1 und 1. Kor. 15, 25).

Thyatira ist die „Opfernde“, die „Weihrauchspenderin“, wie wir schon gesehen haben. Dieser Name ist sehr bezeichnend für die römisch-katholische Kirche, auf deren „Altären“ das ein für allemal vollgültige und ewig vollkommene Opfer des Sohnes Gottes vorgeblich „wiederholt“ wird. Tausende und abertausende Male täglich wird es nach ihrer Lehre unblutig immer und immer wieder erneuert, und zwar für Tote wie für Lebendige. Viele Millionen werden dadurch in einen Zauberbann gezogen, der über die Jahrhunderte die ungeheure Macht und gewaltige Größe dieser Kirche bewirkt hat. Dies alles aber steht im vollen Widerspruch zu den Zeugnissen der Heiligen Schrift. Paulus schreibt: Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch Evangelium predigt anders, als ihr es empfangen habt, der sei verflucht. (Gal. 1, 9).

Weiterhin steigen aus zahllosen Weihrauchfässern in der römisch-katholischen Kirche immerzu die „Opfer des Dankes“ auf, die man darbringt, statt der geistlichen Opfer des Dankes und Lobes, die Gott jetzt sucht und allein annimmt. Im Johannes-Evangelium sagt Jesus: Aber es kommt die Zeit und ist schon jetzt, daß die wahrhaftigen Anbeter werden den Vater anbeten im Geist und in der Wahrheit; denn der Vater will haben, die ihn also anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. (Joh. 4, 23-24). Das Neue Testament für heute (Hänssler-Verlag) gibt diese Verse dann so wieder: Aber es kommt die Stunde, und sie ist jetzt da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden. Denn der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Der Apostel Petrus schrieb: Und bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesus Christus. (1. Petr. 2, 5). Im Hebräer-Brief heißt es auch noch: So lasset uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer bringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. (Hebr. 13, 15). Sein Name ist nur der Name Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden. (Apg. 4, 12).

Weiter heißt es in unserem Text: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Glauben und deinen Dienst und deine Geduld, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten. Der Luthertext von 1914 lautet: Ich weiß deine Werke und deine Liebe und deinen Dienst und deinen Glauben und deine Geduld, und daß du je länger je mehr tust. In der Elberfelder-Übersetzung heißt es in Vers 19: Daß deiner letzten Werke mehr sind als der ersten. Das Konkordante Neue Testament übersetzt dann genau: Ich weiß um deine Werke, deine Liebe und deinen Glauben, deinen Dienst und deine Ausdauer, und daß deine letzten Werke mehr sind als die ersten.

Damit gibt der allwissende Herr zu erkennen, daß er über die geistliche Struktur und über den Eifer und Fleiß der Gemeinde im Bilde ist. Dieser erhöhte Herr sucht hier fünf göttliche Tugenden im Leben der Gemeinde Thyatira lobend zu erwähnen und zwar:

a) Zunächst kennt er ihre Werke. Das will sagen, daß Jesus Christus nicht interessiert ist an unseren frommen Gedanken, Worten, Ideen und Vorsätzen. Er hat auch kein Interesse an unserer Seelen beruhigenden Religiosität oder an unserer humanistischen Lebenseinstellung, sondern seine Flammenaugen sind vielmehr auf unsere Werke gerichtet, daß heißt auf unsere gelebte Glaubenswirklichkeit. Oft gibt es viel Aktivität, aber kommt diese immer aus dem Glauben? Auch zu wenig ist nicht gut, denn der Glaube ohne Werke ist tot. Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn, bekräftigte deshalb in seinem Brief: So auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er tot in sich selber. Denn gleichwie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot. (Jak. 2, 17 + 26).

b) Zum anderen ihre ungeheuchelte Liebe, die immer die Triebkraft und Seele des Glaubens ist. Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. (Gal. 5, 22). … denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. (Röm. 5, 5). Wer jetzt noch unsicher ist, sollte unbedingt auch noch im 1. Korinther-Brief das Kapitel 13 lesen.

c) Ferner ihr weltüberwindender Glaube, der Berge versetzt. Paulus schrieb sodann weiter: Und wenn ich weissagen könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. (1. Kor. 13, 2). Johannes bezeugte: … denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh. 5, 4). Im Hebräer-Brief wird außerdem erklärt: Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht des, das man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht. Aber ohne Glauben ist’s unmöglich, Gott zu gefallen; denn wer zu Gott kommen will, der muß glauben, daß er sei und denen, die ihn suchen, ein Vergelter sein werde. (Hebr. 11, 1 + 6).

d) Alsdann ihr treuer und selbstloser Dienst für den Herrn. Jesus spricht: Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren. (Joh. 12, 26). Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s erhalten. Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, ob er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst? (Luk 9. 23-25).

e) Und nicht zuletzt ihre langmütige und ausharrende Geduld. So steht nun im Brief des Paulus an die Römer: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, weil wir wissen, daß Trübsal Geduld bringt; Geduld aber bringt Bewährung; Bewährung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber läßt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. (Röm. 5, 3-5). Zudem im Hebräer-Brief heißt es nun: Darum werfet euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber ist euch not, auf daß ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfanget. (Hebr. 10, 35-36). Jakobus ermutigte uns dann auch noch mit den Worten: Meine lieben Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallet, und wisset, daß euer Glaube, wenn er bewährt ist, Geduld wirkt. Die Geduld aber soll ihr Werk tun bis ans Ende, auf daß ihr seid vollkommen und ohne Tadel und kein Mangel an euch sei. (Jak. 1, 2-4).

Das alles hatte die Gemeinde zu Thyatira an göttlichen Tugenden aufzuweisen und doch konnte sie vor den Flammenaugen des Sohnes Gottes nicht bestehen, der da spricht: Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Der Luthertext von 1914 lautet noch genauer: Aber ich habe wider dich, daß du lässest das Weib Isebel. So ähnlich übersetzt Schlachter: … daß du sie gewähren lässest. Das ist demnach mehr als nur dulden, sie darf ihr schändliches Tun ungehindert ausüben. Das Konkordante Neue Testament ist hierin noch klarer:Doch ich habe vieles gegen dich, weil du deine Frau, Isabel, gewähren läßt, wenn sie vorgibt, selbst eine Prophetin zu sein. Die Zentralfigur in der krisenhaften und so gefährlichen Situation der Gemeinde zu Thyatira war eine Frau mit Namen Isebel (= Isabel). Der Name „Isebel“ bedeutet die „Unberührte“, „Keusche“. Ein schönes, hohes Bekenntnis liegt in diesem Namen. Aber wer war Isebel ursprünglich, von der diese Frau aus Thyatira nicht nur den Namen bekommen, sondern auch noch deren Charaktereigenschaften übernommen, ja sogar die Gesinnung derselben angenommen hatte?

Diese Isebel hatte eine Namens- und Gesinnungsschwester im Alten Testament. Im ersten Buch der Könige wird uns von ihr berichtet: Im achtunddreißigsten Jahr Asas, des Königs von Juda, wurde Ahab, der Sohn Omris, König über Israel und regierte über Israel zu Samaria zweiundzwanzig Jahre und tat, was dem Herrn mißfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren. Es war noch das Geringste, daß er wandelte in der Sünde Jerobeams, des Sohnes Nebats; er nahm sogar Isebel, die Tochter Ethbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau und ging hin und diente Baal und betete ihn an und richtete ihm einen Altar auf im Tempel Baals, den er ihm zu Samaria baute, und machte ein Bild der Aschera, so daß Ahab mehr tat, den Herrn, den Gott Israels, zu erzürnen, als alle Könige von Israel, die vor ihm gewesen waren. (1. Kön. 16, 29-33). Isebel war keine Israelitin, sondern eine Heidin, die in Tyrus, der alten phönizischen Hafenstadt, aufgewachsen war. Sie war die Tochter Ethbaals, dessen Name bedeutet: mit Baal, das ist, von ihm begünstigt; griechisch: Ithobalos (= iJwbaloV), das heißt: Mit ihm ist Baal. Er war König der Tyrer und Sidonier, nach dem jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus (37-100 n. Chr.) wirkte Ethbaal auch als Priester der Astarte und opferte dem Baal.

Die Phönizier, ein seefahrendes Volk, handelten damals mit Purpur, Edelholz, Gold und kostbaren Steinen. Sie wohnten in mehreren blühenden Städten rund um das Mittelmeer. Der Name des Volkes ist höchst wahrscheinlich abgeleitet von dem griechischen Wort: phoinos (= joinoV), das mit „purpurfarben“ übersetzt werden kann. Die Griechen bezeichneten das Land und Volk nach seiner wichtigsten Handelsware; bei Homer werden sie daher Phoinikes genannt, was Purpurhändler oder -krämer bedeutet. Herstellung und Handel mit Purpur war im Altertum auf Phönizien beschränkt. Die Purpurschnecken kommen ja auch noch bis heute an der dortigen Küste vor (z. B. bei Sidon). Zur Zeit des Neuen Testamentes war nun einmal die Stadt Thyatira durch ihren erfolgreichen Purpurhandel ausgesprochen berühmt, wie wir bereits am Anfang gesehen haben. Eigenartigerweise gab es in der dortigen Gemeinde eine Frau, deren Name eng mit dem Purpur verbunden war. Wir kennen außerdem die Purpurträger, die in der römisch-katholischen Kirche die höchsten Ämter bekleiden, die Kardinäle. Ihre Wichtigkeit ist durchaus mit der hier in diesem Sendschreiben genannten Isebel vergleichbar, denn der erhöhte Herr macht besonders auf sie aufmerksam.

Durch seine Heirat mit der phönizischen Isebel hoffte der israelische König Ahab, sich die Freundschaft der stärksten Handelsmacht gesichert zu haben. Aber Isebel wurde ihm zum Verhängnis. In 2. Mose 34, 16 und 5. Mose 7, 3-4 hat Gott es seinem Volk ausdrücklich verboten, eheliche Verbindungen mit heidnischen Völkern einzugehen. Doch Ahab, der König von Israel, mißachtete die göttliche Warnung und heiratete trotzdem die heidnische Prinzessin Isebel, die Tochter Ethbaals, des Königs zu Sidon. In der Völkertafel in 1. Mose, Kap. 10 steht bei den Nachkommen Hams: Kanaan aber zeugte Sidon, seinen ersten Sohn … (1. Mose 10, 15) oder im ersten Chronikbuch: Kanaan aber zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen … (1. Chron. 1, 13). So waren die Sidonier kein semitisches Volk, sondern Kanaaniter, Nachfahren Hams.

Da sie heidnischer Abstammung war, hätte dieses gottlose Weib des Königs Ahab nie auf den Thron Israels kommen dürfen, auf den sie dadurch den Fluch der Kanaaniter brachte. Das Unheil machte noch nicht einmal halt in Israel, sondern drang auch bis in das Reich Juda hinein, denn Isebels Tochter Athalja wurde dem König Joram von Juda angetraut, und so wurde auch dieser verderbt (2. Kön. 8, 16-18). Deren Tochter Joscheba nahm ihren Enkel Joas und stahl ihn aus der Mitte der Söhne des Königs, sonst wäre das ganze königliche Geschlecht Davids, aus dem der Messias kommen sollte, von Isebels Tochter Athalja ausgerottet worden, was Gott natürlich zu verhindern wußte (2. Kön., Kap. 11). Durch Isebel kam also Tod und Verderben über Israel und Juda, alles nur wegen einer unerlaubten Heirat.

Deshalb hat der Prophet Maleachi zum Volke Israel damals diese ernsten Worte geredet: Haben wir nicht alle einen Vater? Hat uns nicht ein Gott geschaffen? Warum verachten wir denn einer den andern und entheiligen den Bund mit unsern Vätern? Juda ist treulos geworden, und in Israel und in Jerusalem geschehen Greuel. Denn Juda entheiligt, was dem Herrn heilig ist und was er lieb hat, und freit eines fremden Gottes Tochter. Aber der Herr wird den, der solches tut, ausrotten aus den Zelten Jakobs mit seinem ganzen Geschlecht, auch wenn er noch dem Herrn Zebaoth Opfer bringt. (Mal. 2, 10-12). Dazu wird uns dann in der Lutherbibel erklärt gesagt: Aus dieser Erkenntnis (Jes. 63, 16; Hiob 31, 15; Eph. 3, 15) wurde das Recht abgeleitet, auch heidnische Frauen heiraten zu dürfen. Doch das Wissen um Gottes Liebe gibt nicht das Recht zum Ungehorsam gegen Gottes Gebot (5. Mose 7, 7 ff.). Die Ehe mit einem Ungläubigen bringt die Gefahr des Abfalls, der inneren Entfremdung von Gott, mit sich (Esra 9, 2; Spr. 2, 16).

Die Bibel berichtet uns auch von Abraham, wie dieser eine Frau für seinen Sohn Isaak suchte: Abraham war alt und hochbetagt, und der Herr hatte ihn gesegnet allenthalben. Und er sprach zu dem ältesten Knecht seines Hauses, der allen seinen Gütern vorstand: Lege deine Hand unter meine Hüfte und schwöre mir bei dem Herrn, dem Gott des Himmels und der Erde, daß du meinem Sohn keine Frau nehmest von den Töchtern der Kanaaniter, unter denen ich wohne, sondern daß du ziehest in mein Vaterland und zu meiner Verwandtschaft und nehmest meinem Sohn Isaak dort eine Frau. (1. Mose 24, 1-4).

Diese Anweisung gilt ausnahmslos auch heute noch, so heißt es doch im Neuen Testament: Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit zu schaffen mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus mit Belial (hebr.: heillos = Inbegriff für den Teufel)? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? (2. Kor. 6, 14-15). Sorgen wir mit unseren Möglichkeiten dafür, daß sich unsere Jugend dieses Gebot zu ihrem Besten ehrlich zu Herzen nimmt!

Nach ihrer Verheiratung mit Ahab führte Isebel den Baalsdienst in Israel ein, indem sie dem Fruchtbarkeitsgott Baal (hebräisch: Herr, Mächtiger oder Hauptgott; assyrisch: Bel, auch in Belsazar, Dan. 5, 1; 7, 1; 8, 1; griechisch: Belos) einen Tempel in Samaria mit einem obszönen Ascherabild der Fruchtbarkeitsgöttin errichten ließ (hebräisch: Aschera = babylonisch: Ischtar = assyrisch: Astarte oder Aschtarte = griechisch: Artemis = lateinisch: Diana oder Venus = auf Deutsch: Himmelskönigin!). Alle diese Namen bezeichnen ein und dieselbe Fruchtbarkeitsgöttin, die als Symbol der Tempelprostitution galt und ein gutgehendes Geschäft für die Tempelpriester und Tempeldirnen war.

Hierzu lesen wir im Geschichtslexikon von Cornelsen: Ischtar als die herausragende Göttin der babylonischen Götterwelt erschien in einer Doppelrolle: als Kriegsgöttin und als Göttin der geschlechtlichen Liebe und der Fruchtbarkeit. Als göttliche Geliebte schlechthin besaß sie mehrere Gatten, galt aber zugleich als Jungfrau. Sie war auch die Göttin des Himmels, symbolisiert im Planeten Venus. … Ihr Kult verbreitete sich im gesamten Vorderen Orient und gelangte zu den Griechen.

Isebels Absicht war, den damaligen Gottesdienst des Herrn (hebr.: Jahweh = JaHWeH) durch den Baal-Götzendienst mit seiner Hurerei und Naturanbetung zu verdrängen. Wie tief der Baalsdienst durch die Isebel in Israel eingedrungen war, zeigt der schwere Kampf des Propheten Elia, der allein dastand gegen eine gewaltige Übermacht falscher Propheten: Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir ganz Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertundfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen. (1. Kön. 18, 19). Mehrmals wird uns berichtet: Da sprach Elia zum Volk: Ich bin allein übriggeblieben als Prophet des Herrn, aber die Propheten Baals sind vierhundertundfünfzig Mann. (1. Kön. 18, 22). Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, daß keiner von ihnen entrinne! Und sie ergriffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und tötete sie daselbst. (1. Kön. 18, 40). … und ich bin allein übriggeblieben … (1. Kön. 19, 10 + 14, auch Röm. 11, 3). Elia war als einziger Prophet des Herrn übriggeblieben, alle anderen hatte Isebel fanatisch verfolgt und umgebracht. Außer Elia blieben noch siebentausend in Israel übrig, alle Knie, die sich nicht gebeugt haben vor Baal (1. Kön. 19, 18 und Röm. 11, 4). Am besten liest man 1. Könige, Kap. 17-21 ganz.

Etwa 150 Jahre später unter dem König Josia befand sich das Reich Juda wieder im finstersten Götzendienst, aber nachdem das Gesetzbuch wiedergefunden wurde, taten der König und alles Volk in Jerusalem Buße und wollten den Tempel wieder reinigen: Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkia und dem zweitobersten Priester und den Hütern der Schwelle, daß sie aus dem Tempel der Herrn hinaustun sollten alle Geräte, die dem Baal und der Aschera und allem Heer des Himmels gemacht waren. (2. Kön. 23, 4). Und Josia entfernte alle greulichen Götzen aus allen Gebieten Israels und brachte es dahin, daß alle in Israel dem Herrn, ihrem Gott, dienten. Solange Josia lebte, wichen sie nicht von dem Herrn, dem Gott ihrer Väter. (2. Chron. 34, 33).

Kurze Zeit nach dem Tode des Königs Josia war des Volk Israel durch die ägyptischen Feinde verunsichert und diente wieder der Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar oder Aschera: Die Kinder lesen Holz, die Väter zünden das Feuer an und die Frauen kneten den Teig, daß sie der Himmelskönigin Kuchen backen, und fremden Göttern spenden sie Trankopfer mir zum Verdruß. (Jeremia 7, 18). Die Anmerkung dazu in der Lutherbibel erklärt lautet: Aber es gibt eine Grenze der göttlichen Geduld. Diese ist hier erreicht, weil sich das Gottesvolk familienweise voll Eifer dem Kult der Fruchtbarkeitsgöttin Ischtar hingibt (18; siehe 1. Kön. 11, 1 ff).

Weiter heißt es im Buch des Propheten Jeremia: Den Worten, die du im Namen des Herrn uns sagst, wollen wir nicht gehorchen, sondern wir wollen all die Worte halten, die aus unserm eigenen Munde gekommen sind, und wollen der Himmelskönigin opfern und ihr Trankopfer darbringen, wie wir und unsere Väter, unsere Könige und Oberen getan haben in den Städten Judas und auf den Gassen Jerusalems. Da hatten wir auch Brot genug, und es ging uns gut, und wir sahen kein Unglück. (Jer. 44, 16-17). Der Name Himmelskönigin steht noch mehrmals im selben Kapitel, so in Vers 18, 19, 23 und 25.

Die falsche Prophetie, die bereits im Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon als Lehre Bileams bezeichnet wurde, erscheint hier in noch deutlicheren Auswüchsen und zuchtloserer Gestalt unter dem Namen Isebel. Bileam stand als fremder Irrgeist außerhalb des Volkes Israel. Dagegen aber hat die heidnische Zauberin und Hure Isebel (2. Kön. 9, 22) als Weib des charakterschwachen Ahab die Herrschaft in Israel an sich gerissen und ihre angemaßte Macht mißbraucht, um Israel den Heiden gleichzumachen.

Aus diesen in der Geschichte Israels beispiellosen Abfall von Gott und seinen Geboten war die unausbleibliche Folge das göttliche Strafgericht. Das sehen wir an dem tragischen Untergang des Königs Ahab (2. Chron. 18, 1-34) und seiner gottlosen Frau Isebel (2. Kön. 9, 1-37). Denselben verhängnisvollen Fehler haben auch die beiden gottgeweihten Männer – der Richter Simson (Richt., Kap. 14-16) und der König Salomo (1. Kön. 11, 1 ff) – begangen. Sie alle sind wie erloschene Glanzsterne am Gnadenhimmel Gottes ruhmlos untergegangen, die Zeit hat ihren Ruhm zu Grabe getragen.

Der verwerfliche Kult der Baalspriester dieser Isebel, der von Babylon herrührte, hat seine Fortsetzung in der römisch-katholischen Kirche gefunden. Als Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., der letzte König und Priester von Pergamon, im Jahre 133 v. Chr. starb, vermachte er die Führung der babylonischen Priesterschaft an Rom. Die Etrusker hatten schon einen Pontifex, der das Haupt der Priesterschaft war. Diesen Pontifex erkannten die Römer später als ihren zivilen Herrscher an. Julius Cäsar (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), römischer Feldherr und Staatsführer, wurde im Jahre 63 v. Chr. zum ersten Pontifex Maximus nach der „Babylonischen Ordnung“ ernannt. Die Kaiser von Rom setzten die Ausübung des Pontifex Maximus fort bis zum Jahre 376 n. Chr., als Gratian (Flavius Gratianus Augustus), röm. Kaiser (359-25.8.383 n. Chr.), Kaiser seit 367 n. Chr., wegen christlicher (!) Gründe diesen Titel ablehnte.

Daraufhin wurde durch den Einfluß der Mönche des Berges Karmel, ein Kollegium babylonischer Religion, das ursprünglich von den Priestern der Isebel gegründet worden war, im Jahre 378 n. Chr. der Titel „Pontifex Maximus“ mit allen Rechten und Pflichten dem Bischof von Rom übertragen. Dieser war damals Damasus I., Papst von 366-384 n. Chr., der sich dabei ausdrücklich auf die Konstantinische Schenkung berief. So wurde im Jahre 378 n. Chr. der Herrscher der römisch-katholischen Kirche zum Haupt dieser Kirche, allerdings jetzt nach der „Babylonischen Ordnung“! Auf diese Weise wurde ebenfalls der Thron Satans von Pergamon jetzt endgültig nach Rom verlegt, der „Heilige Stuhl“, der Rom und Babylon von da an zunehmend vereinigte zu einem ökumenischen System, das sich in dieser Endzeit zu einer Welteinheitskirche weiterentwickeln wird.

Zu dieser „Babylonischen Ordnung“ gehört auch der Kybele-Kult, der zurückgeht auf den babylonischen Kult der göttlichen Verehrung des zuchtlosen Weibes Semiramis (= die Erhabene) und ihres Mannes Ninus (= Nimrod). Nimrod (= Sich empören) war der Sohn von Kusch und der Enkel von Ham, einem Sohn Noahs. Er war laut der Bibel der erste Gewaltherrscher auf Erden, der Erbauer Babylons und Gründer des babylonischen Reiches (1. Mose 10, 6-10; 1. Chron. 1, 10). In Micha 5, 5 wird das Land Nimrods erwähnt; das ist eine Bezeichnung für Babylonien. Zur der Zeit, da Nimrod und Semiramis herrschten, gründeten sie eine Mysterien-Religion, im Gegensatz zu dem von den Vätern überlieferten Glauben. Semiramis war eine berückend schöne, jedoch unmoralische Frau, eine Hure, die ihren Mann zu diesem Götzendienst verführte.

Als Schutzpatronin und Symbol für die babylonischen Mysterien wurde die große Lehrmeisterin Semiramis mit dem Becher in der Hand dargestellt. Wer in diese Mysterien eingeführt werden wollte, mußte von diesem Becher trinken, dessen Inhalt den Verstand benebelte. Nach diesen babylonischen Mysterien feiert die römisch-katholische Kirche ihre „Heilige Messe“, die dabei mit den entsprechenden Spruchformeln einen heidnischen Zaubertrank herstellt, und dadurch für die unwissenden Kirchgänger das Heilige Abendmahl mißbraucht. Im Jahre 1414 n. Chr. verbot die römisch-katholische Kirche den „Abendmahlskelch“ für die uneingeweihten Laien, indem sie auf dem Konzil von Konstanz eine abgeänderte Form des „Abendmahls“ einsetzte. Auf diesem Konzil wurde übrigens auch Jan Hus oder Johannes Huss, böhmischer Reformator (1369-6.7.1415 n. Chr.), der gegen Zusicherung freien Geleits vorgeladen worden war, im darauffolgenden Jahre als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Bedeutsam ist die Tatsache, daß Leo XII., Papst von 1823-1829 n. Chr., im Jahre 1825 n. Chr. ein Medaillon prägen ließ. Auf der einen Seite trägt es sein Bildnis und auf der anderen Seite wird die Kirche Roms als ein sitzendes Weib symbolisiert, das in der linken Hand einen Kreuzesstab hält und in der rechten einen Becher. Rund um das Medaillon stehen die Worte: „Sedet super universum“, das heißt: Die ganze Welt oder das ganze Universum ist ihr Sitz“. Darum ist es auch kein Wunder, wenn die römisch-katholische Kirche zu fast 90 Prozent aus Elementen der babylonischen Mysterien besteht (nach Albert Lüscher: Babylon).

Wir kommen nun zurück zur Isebel des Neuen Testamentes und ihrem verwerflichen Treiben. In dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira wird uns berichtet, daß eine Namens- und Gesinnungsschwester der Isebel des Alten Testamentes in der Gemeinde als Verführungskünstlerin ihr Unwesen treiben konnte. Darum auch der berechtigte Tadel des Herrn: Aber ich habe wider dich, daß du das Weib Isebel duldest, die da spricht, sie sei eine Prophetin, und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen.

In einigen Handschriften heißt es nicht „das“, sondern „dein“ Weib Isebel; wie wir schon gesehen haben, lautet auch die Übersetzung des Konkordanten Neuen Testamentes so: Doch ich habe vieles gegen dich, weil du deine Frau, Isabel, gewähren läßt, wenn sie vorgibt, selbst eine Prophetin zu sein. Hierbei müssen wir berücksichtigen, daß das Sendschreiben an den Engel oder Bischof der Gemeinde gerichtet ist. Demnach soll nach Ansicht mehrerer Ausleger (Grotius, Klifoth u. a.) mit „deinem Weib Isebel“ die Ehefrau des Bischofs der Gemeinde zu Thyatira gemeint sein, die mit verschiedenen Männern Ehebruch begangen und von diesen gezeugte Kinder geboren habe.

Jedenfalls steht fest, daß es eine attraktive, lüsterne und verführerische Frau war, die es wild getrieben hatte und deren Herrschsucht und Rücksichtslosigkeit wohl keine Grenzen kannte. Durch ihre dämonisch-raffinierte Frauenlist ist es ihr meisterhaft gelungen, die Führung der Gemeinde an sich zu reißen. Um sich jedoch Geltung und Autorität in der Gemeinde zu verschaffen, bediente sie sich in ihrer zersetzenden Tätigkeit einiger raffinierter, aber umso wirksamerer Mittel, wobei sie die eindeutige Charakterschwäche ihres Mannes dann schamlos auszunutzen verstand.

Zunächst gab sie sich als Prophetin aus:die da spricht, sie sei eine Prophetin. Als Prophetin schöpfte sie ihre Informationen aus dem Dämonen- und Geisterreich, die sie sodann als Gesichte, Träume und Pseudo-Offenbarungen der eingeschüchterten Gemeinde weitergab, mit den Worten: „So spricht der Herr!“. Es fragt sich nur, welcher Herr dann gesprochen hat. Sicherlich war es doch wohl der Fürst dieser Welt, den Jesus besiegt hat, bald nachdem er zu seinen Jüngern gesagt hatte: Ich werde nicht mehr viel mit euch reden, denn es kommt der Fürst der Welt. (Joh. 14, 30). Mit dieser sich anmaßenden Pseudo-Autorität suchte sie sogar die stärksten Gemüter, darunter auch die Ältesten der Gemeinde, abgesehen von ihrem Mann, suggerierend in die Knie zu zwingen. Denn wenn nun der „Herr“ spricht, wer sollte da nicht hören. Oh, welch ein Reinfall, welch ein Betrug!

Richard Kraemer hat hierzu ergänzend in seiner „Offenbarung des Johannes in überzeitlicher Deutung“ gesagt: Wo der besonders und enthusiastisch erhobene Anspruch auf den Besitz des Geistes auftritt, da ist die Verführung zu sinnlicher und sexueller Verirrung nicht ferne … . Religiös feminine Genialität arbeitet auch heute verführerisch mit den Mitteln der feinsten erotischen Stimmung bis sie im gröbsten Sinnenerguß endet und verendet. Dafür gibt es in unseren Tagen unzählige Beispiele in nah und fern.

Der Name Isebel war zu allen Zeiten das Symbol für Emanzipation, Dekadenz und Verführung sowie des Abfalls von Gott gewesen. Es ist geschichtlich und auch biblisch nachgewiesen, daß jede Kulturepoche, die auch einem Weltjahr entspricht (also rund 2000 Jahre), immer mit der Emanzipation, sowie mit dem Zerfall der Ethik und Moral endete, worauf Gott immer mit Gericht antwortete. Das war der Fall zur Zeit Noahs und zur Zeit Lots (1. Mose 7, 7-23 und 1. Mose 19, 1-38). Das gleiche war auch der Fall zur Zeit des Propheten Jesaja (Jesaja 3, 12-15). Jesus selbst hat gesagt: Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird’s auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte sie alle um. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird’s auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn wird offenbar werden. (Luk. 17, 26-30). Die Weltjahre wurden bereits am Anfang dieses Kapitels eingehend erklärt.

Die Emanzipation in unseren Tagen ist eine Ausgeburt des Sozialismus und Liberalismus, die in der Zeit der Aufklärung vom 18. bis 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen hat und heute eine erschreckende Wirklichkeit geworden ist. Das sehen wir an der feministischen Frauenbewegung, dem Zerfall der Ethik und Moral, sowie an dem Vordringen der Frau in alle Ämter des öffentlichen Lebens, bis hin zur Staatsführung, nach dem Modus: „Frauen sind doch bessere Diplomaten“. Damit ist keineswegs gesagt, daß der Frau ihre ihr von Gott geschenkten Rechte eingeschränkt werden sollen, um sie zu einem Sklaven- und Schattendasein zu verurteilen.

Das Gegenteil ist der Fall: Gott hat in seiner weisen Schöpferordnung der Frau hohe Aufgaben zugewiesen, daß sie Erzieherin ihrer Kinder, Trägerin der Kultur, Hüterin der Ethik und Moral sein soll. Ebenso hat Gott auch dem Mann seine Aufgaben zugewiesen (1. Mose 3, 16-19; 1. Kor. 11, 3-16; Eph. 5, 22-23; 1. Tim. 2, 9-11). Darum kennt auch die Bibel keine Gleichberechtigung, sondern eine Gleichwertigkeit: Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus. (Gal. 3, 38).

Die Emanzipation brachte der Frau nicht das erhoffte Glück, sondern die größte Erniedrigung aller Zeiten, und zwar durch die Freigabe der Pornoliteratur, Pornokinos, Pornovideos, Sex-Shops, Abtreibung, Kinderverführung, Kinderschändung und Entblößung. Denn wo die Hüllen fallen, da fällt auch die Scham und somit der Schutz. Hinter der Neigung niedergehender Kulturen zum Entblößen und zum Zurschaustellen des menschlichen Körpers, ganz besonders des weiblichen, steht die unbewußte Tendenz, Sünde und Gericht zu verharmlosen und die Rückgewinnung verlorener paradiesischer Unschuld zu erschleichen. Dazu sei noch bemerkt, das griechische Wort für Scham oder Schamhaftigkeit lautet: aidwV = aidoos, so im Urtext bei 1. Tim. 2, 9. Zufällig ganz ähnlich wie: Aids!

Hans Eschelbach sagte: „Vor jedem Paradies der Unschuld steht ein Engel mit gezücktem Schwert, die Scham“. Und wo die verlorengeht, da geht auch die Menschenwürde verloren. Die Geschichte des Reiches Gottes weist nach, daß die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, zu allen Zeiten über eine gottlose Frau in das Paradies eingedrungen ist und es verwüstet hat. Die Frauenwelt von heute verliert mit jeder Generation immer mehr von ihrer gottgegebenen Weiblichkeit und strebt unaufhaltsam der Sitten- und Zuchtlosigkeit entgegen. Die Schauspielerinnen, Leinwandhelden und Filmidole geben dafür den Ton an und machen die Mode. Eine Nation steht und fällt mit der Tugend der Frau!

Zum anderen bediente sich das Weib Isebel in ihrer verführerischen Tätigkeit in der Gemeinde zu Thyatira der falschen Lehre: … und lehrt und verführt meine Knechte, Unzucht zu treiben und Götzenopfer zu essen. Im Luthertext von 1914 heißt es hier deutlicher: lehren und verführen meine Knechte, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen.

Wenn Isebel als Prophetin in der Gemeinde auftrat und nun auf diese Weise die Leitung der Versammlung übernahm, hatte niemand den Mut und die Autorität, gegen diese bestimmt hysterische und geltungssüchtige Frau vorzugehen. Selbst der Vorsteher der Gemeinde, ihr Mann, hat dann nichts dagegen unternommen. Darum macht der Herr ihn auch besonders für den Mißstand in der Gemeinde verantwortlich. Isebel kannte die Psyche ihrer Zuhörer sowie die Wirkung ihrer seelischen Predigt, wenn sie kunstvoll mit rhetorischer Eleganz unter Berufung auf die höchste göttliche Autorität vorgetragen wurde. Sie wußte auch, daß die Lehre Erkenntnis vermittelt, und die Erkenntnis verpflichtet und formt sowohl die Gesinnung wie auch die Lebenshaltung. Darum ist es auch nicht egal, unter welcher Kanzel wir sitzen und gelehrt werden, denn von dort wird ohne den geringsten Zweifel die Gesinnung der Zuhörer geprägt, entweder zum Guten oder zum Bösen. Gerade deshalb warnt der Herr Jesus in Markus 4, 24: Sehet zu, was ihr höret! In Lukas 8, 18 heißt es zudem: So sehet nun darauf, wie ihr zuhöret.

Es gibt keinen Zweifel daran, daß die Hurerei Isebels sowohl wörtlich wie auch symbolisch zu verstehen ist. Im Alten Testament wird die Treulosigkeit und der Treuebruch Gott gegenüber ebenfalls mit Hurerei und Ehebruch bezeichnet, wie z. B. Jeremia schreibt: Und der Herr sprach zu mir zur Zeit des Königs Josia: Hast du gesehen, was Israel, die Abtrünnige, tat? Sie ging hin auf alle hohen Berge und unter alle grünen Bäume und trieb dort Hurerei. (Jer. 3, 6). Dennoch auf Grund ihres ehebrecherischen Verhaltens in der Gemeinde zu Thyatira ragt ihr übler Ruf über die Zeit ihres Lebens hinaus und ist als Symbol der Unkeuschheit und Verführung in die Geschichte der christlichen Kirche eingegangen und ragt in gesteigertem Maße sogar in unsere Zeit hinein.

Thyatira ist, prophetisch gesehen, die dunkelste Periode der Kirchengeschichte. Es ist die Zeit der römisch-katholischen Kirche des Mittelalters, eine sehr lange Zeit von ungefähr 900 Jahren, in der sie den hier beschriebenen Charakter der Gemeinde von Thyatira annahm, der sich bis zur Wiederkunft Jesu Christi noch verstärkt entwickeln wird. Diese Zeit begann eindeutig nach Gregor I., dem Großen (540-12.3.604 n. Chr.), Papst von 590-604 n. Chr., der durch das Ausgreifen nach England das Ansehen Roms durch die angelsächsischen Missionare auf dem Festland begründete. In Pergamon genoß die Gemeinde als Staatskirche den Schutz der weltlichen Macht, hier in Thyatira aber ist es das genaue Gegenteil. Dieser Zustand blieb erkennbar bis etwa zum Jahre 1517 n. Chr. bestehen, als die Reformation ihren Anfang nahm.

Etwa 300 Jahre nach dem Ende des Römischen Reiches durch den Einfluß der Germanen als Folge der Völkerwanderung entstand unter Mitwirkung der päpstlichen Kirche das Frankenreich der Karolinger. Folgenreich war die sogenannte Pippinsche Schenkung, durch die gegen die päpstliche Anerkennung des Königs der königliche Schutz des Papsttums erfolgte. Durch die Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahre 800 n. Chr. erfolgte die Erneuerung der römischen Kaiserwürde (translatio imperii) und damit verbunden die Schutzherrschaft über die römisch-katholische Christenheit. Nach den Reichsteilungen machte Otto I., der Große, die geistlichen Fürsten zu Stützen der Reichseinheit und gewann durch seine Unterstützung des damaligen Papstes Johannes XII. maßgeblichen Einfluß auf das Papsttum. Durch seine Krönung zum römischen Kaiser im Jahre 962 n. Chr. wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation begründet. Dieses Reich bildete wenig später den Schauplatz unaufhörlicher Konflikte zwischen dem Kaiser und dem Papst.

Papst Nikolaus I. nütze die Schwäche der kaiserlichen Macht aus zur Stärkung der Rechtsstellung der Kirche gegenüber der weltlichen Gewalt und des Papstes gegenüber dem Episkopat (= alle Bischöfe) durch die Pseudo-isidorischen Dekretalien. Diese vermutlich um 850 n. Chr. in der Reimser Kirchenprovinz zusammengestellte Sammlung von echten und gefälschten konziliaren und päpstlichen Rechtsentscheidungen wurde durch ihn zur Rechtsgrundlage erhoben und im 11. Jahrhundert erfolgte die Übernahme in den CIC: Codex Iuris Canonici (= kanonisch-kirchliche Rechtssammlung), dem verbindlichen Kirchenrecht der römisch-katholischen Kirche. Die Unechtheit der Dekretalien wurde bereits im Spätmittelalter erkannt, u. a. von Nicolaus Cusanus, besser bekannt als Nikolaus von Kues (1401-1464 n. Chr.).

Durch diese Stärkung der Macht des Papstes brach im 9., 10. und 11. Jahrhundert eine besonders dunkle und böse Zeit in der Kirchengeschichte an. Damals wurden die himmlische Stellung und die himmlischen Ziele der wahren Kirche völlig verleugnet. Im 12. Jahrhundert hatte Papst Innozenz III., Papst von 1198-1216 n. Chr., absolute Macht über ganz Europa und damit einen Höhepunkt in der Herrschaft des Papsttums über die Welt erreicht. Römischer Kaiser war zu der Zeit Friedrich II., der unter der Vormundschaft von Papst Innozenz III. aufgewachsen war (1194-1250 n. Chr.). Auf dem 4. Laterankonzil in Rom im Jahre 1215 n. Chr. wurden durch Papst Innozenz III. die Inquisition und die Ketzergerichte eingeführt, um so die wahren Gläubigen durch Folter und Tod auf dem Scheiterhaufen zum Schweigen zu bringen. Dann blieb die Macht über die Welt erhalten. Jesus hatte gesagt: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18, 36).

So wurde Isebel zu einem treffenden Bild für das, zu dem sich bald die römisch-katholische Kirche entwickelte, indem ein System entstand, das nur noch wenig Ähnlichkeit mit der wahren Gemeinde Jesu Christi hatte. Das Papsttum verfolgte, so wie Isebel, in dieser Zeit und bis heute die wahren Zeugen, allerdings nun auf eine andere, spitzfindigere Art und Weise, indem sie jetzt mundtot gemacht werden. In unseren Tagen hat wohl die römisch-katholische Kirche durch die veränderten politischen Verhältnisse ihre Taktik geändert, aber ihre Gesinnung hat sie beibehalten. Im Calwer Kirchen-Lexikon heißt es unter „Inquisition“: Keine ihrer Bestimmungen ist je zurückgenommen worden. Sie liegt letzten Endes in der Konsequenz der römisch-katholischen Kirche als des hierarchischen alleinseligmachenden Rechtsinstituts. Und der römisch-katholische Theologe Hans Küng, Tübingen, machte in einer Stellungnahme zudem deutlich: Jedenfalls sage niemand, man hätte in Rom oder anderswo die Inquisition abgeschafft, nur weil der Name des „Sanctum Officium Santissime Inquisitionis“ in „Heilige Kongregation für die Glaubenslehre“ umgeändert, und die physische Verbrennung durch die psychologisch-moralische ersetzt wurde … (nach: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom 27. Oktober 1983).

Der derzeitige Präfekt der „Heiligen Kongregation für die Glaubenslehre“, der Kardinal Joseph Ratzinger nannte in einer Fernseh-Sendung die Bezeichnung „Großinquisitor“ für sein Amt eine „historische Einordnung“, in deren Kontinuität die Glaubenskongregation stehe. Ratzinger räumte ein, daß damalige Methoden zum Teil durchaus „kritisierbar“ seien. Heute werde allerdings versucht, aus „unserem Rechtsbewußtsein“ heraus zu handeln. Dennoch sei die Inquisition auch ein Fortschritt gewesen, da nicht verurteilt werden durfte ohne vorherige Untersuchung. (Anm.: Dabei wurde untersucht, inwieweit der Beschuldigte vom wahren Glauben abzubringen sei, oder ob man ihn nur durch den Tod auf dem Scheiterhaufen zum Schweigen bringen könnte.) (nach: „Luxemburger Wort“ vom 22. April 1997).

Die römisch-katholische Kirche hat alsdann im Laufe der Jahrhunderte die folgenden Irrlehren eingeführt und sie teilweise als Dogmen (das sind Glaubens- oder Lehrsätze) erklärt, die von jedem Menschen als unbedingt heilsnotwendig zu glauben sind:

a) Im Jahre 431 n. Chr. hat man auf dem 3. Ökumenischen Konzil von Ephesus Maria, der Mutter Jesu, offiziell den Titel: „Theotokos“ (= JhwtwkoV) verliehen, was „Gottesmutter“ oder genauer „Gottesgebärerin“ heißt, und sie wurde gleichzeitig zur „Immerwährenden Jungfrau“ erklärt. Dabei ging allerdings die Verehrung der Diana von Ephesus (Apg., Kap. 19) endgültig auf Maria über, jedoch nicht auf die Mutter Jesu, die völlig andere Eigenschaften hatte. Einzig der Name hatte sich wieder einmal geändert, dennoch war es weiterhin die bekannte Himmelskönigin des Alten Testamentes (Jeremia, Kap. 7 + 44), der so ununterbrochen diese göttliche Ehre zuteil wurde, die bis heute unverändert ist. Seitdem trat die Bildverehrung der „Madonna“ immer offener zutage. Das Ringen einer geistlichen Minderheit um Reinerhaltung des Glaubensverständnisses geriet immer mehr ins Hintertreffen. Ein Bilderverbot der Synode von Elvira, die dieses bereits im Jahre 306 n. Chr. verkündet hatte, wurde nicht wirksam.

b) Im Jahre 593 n. Chr. wurde durch Gregor I., dem Großen (um 540-12.3.604 n. Chr.), Papst seit dem 3.9.590, erstmalig die Lehre vom Fegefeuer festgelegt. Nach Ansicht der römisch-katholischen Kirche ist dies ein Ort der Reinigung, weder Himmel noch Hölle, sondern ein besonderer Ort. Für sie ist es dort, wo alle Menschen gereinigt werden müssen, bevor sie in den Himmel kommen. Daher ist die Heiligung eines Menschen bei seinem Tode, selbst wenn er im Glauben gestorben ist, noch nicht abgeschlossen. Die daraus resultierenden Totenmessen entwickelten sich bis heute zu einer vorzüglichen Einnahmequelle.

c) Im Jahre 607 n. Chr. wurde dem damaligen Bischof von Rom, Bonifaz oder Bonifatius III., zum erstenmal offiziell der Titel Papst oder Weltbischof verliehen, was von dem gottlosen Kaiser Phokas, byzantinischer Kaiser von 602-610 n. Chr., dem Bischof Ciriacus von Konstantinopel zum Trotz erfolgte. Phokas hatte den Titel Papst allerdings zuerst Gregor I., dem Großen (540-12.3.604 n. Chr.), verleihen wollen, der ihn jedoch verweigerte. Dennoch wird dessenungeachtet Gregor I., der Große, als Papst für die Zeit von 590-604 n. Chr. gezählt. Sein Nachfolger war Sabinianus von 604-606 n. Chr. und Bonifaz oder Bonifatius III. im Jahre 607 n. Chr., der den Titel Papst alsdann bereitwillig annahm. Das Papsttum ist heidnischen Ursprungs. Anmerkung: Bonifaz oder Bonifatius war der Name von bisher neun Päpsten, beide Schreibweisen sind bekannt.

d) Im Jahre 995 n. Chr. wurde erstmals die Heiligsprechung toter Menschen als „erwiesene“ Heilige durch Johannes XV., Papst von 985-996 n. Chr. ausgeübt.

e) Im Jahre 1075 n. Chr. bestätigte Gregor VII., vorher Mönch Hildebrand (um 1020-25.5.1085 n. Chr.), Papst seit dem 22.4.1073, das Zölibat, damit also die Ehelosigkeit der Priester, brachte jedoch wegen der strengen Durchsetzung derselben einen Teil des Klerus gegen sich auf. Jesus führte kein derartiges Gesetz ein und auch keiner der Apostel. Im Gegenteil, denn schon Petrus war ein verheirateter Mann, wie Matthäus berichtet: Und Jesus kam in des Petrus Haus und sah, daß dessen Schwiegermutter lag und hatte das Fieber. Da ergriff er ihre Hand, und das Fieber verließ sie. Und sie stand auf und diente ihm. (Matth. 8, 14-15). Paulus schreibt an seinen Mitarbeiter Timotheus: Darum soll ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, geschickt zur Lehre, nicht dem Wein ergeben, nicht händelsüchtig, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geldgierig, der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der seine Kinder im Gehorsam halte mit aller Ehrbarkeit; denn wenn jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen? (1. Tim. 3, 2-5).

f) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde auf dem 4. Laterankonzil in Rom durch Papst Innozenz III. (etwa 1160-16.7.1216 n. Chr.), Papst seit dem 8.1.1198, nun die Inquisition durch päpstliche Sonderbeauftragte eingeführt. Vorher waren die Verfolgung der wahren Gläubigen und die Ketzergerichte noch in Händen der Bischöfe. Nach der Himmelfahrt Jesu wollten damals die Obersten der Juden die Apostel auch schon mundtot machen: Und sie brachten sie und stellten sie vor den Hohen Rat. Und der Hohepriester fragte sie und sprach: Wir haben euch doch mit Ernst geboten, daß ihr nicht solltet lehren in diesem Namen. Und sehet, ihr habt Jerusalem erfüllt mit eurer Lehre und wollt dieses Menschen Blut über uns bringen. Petrus aber und die Apostel antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unsrer Väter hat Jesus auferweckt, welchen ihr an das Holz gehängt und getötet habt. (Apg. 5, 27-30).

g) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde gleichzeitig auch durch Papst Innozenz III. die Lehre von der Transsubstantiation verordnet. Mit dieser Lehre gibt der Priester weiterhin vor, er vollbringe täglich ein Wunder, indem er nun Brot in den Leib Christi verwandle. Er behauptet weiter, diesen Leib Christi während der Messe in Gegenwart und zusammen mit seiner Gemeinde lebendig zu essen. Das heilige Abendmahl ist ein reines Gedächtnismahl des Opfers Jesu. Paulus schrieb im 1. Korinther-Brief: Denn sooft ihr von diesem Brot esset und von diesem Kelch trinket, verkündigt ihr des Herrn Tod, bis daß er kommt. (1. Kor. 11, 26).

h) Im Jahre 1215 n. Chr. wurde ebenfalls auf dem Konzil durch Papst Innozenz III. die Beichte der Sünden dem Priester gegenüber mindestens einmal im Jahr angeordnet, der dann kraft seines Amtes den Beichtenden davon losspricht. Die Bibel kennt keine Ohrenbeichte in dieser Form, sondern Johannes bezeugte: Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend. (1. Joh. 1, 8-9).

i) Im Jahre 1439 n. Chr. erfolgte auf dem Konzil von Florenz unter Eugen IV., Papst von 1431-1447 n. Chr., die Festlegung als Dogma (= Lehrsatz) der von Gregor I., dem Großen, eingeführten Idee eines Fegefeuers, eines frei erfundenen Ortes der Reinigung für die Seelen der Toten. Eine solche Lehre gibt es in der Bibel nicht, denn dort wird deutlich gesagt: Und wie den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht: so ist Christus einmal geopfert, wegzunehmen vieler Sünden; zum andern Mal wird er nicht um der Sünde willen erscheinen, sondern denen, die auf ihn warten, zum Heil. (Hebr. 9, 27-28).

j) Im Jahre 1517 n. Chr. wurde durch die falsche Ablaßlehre der Kirche von damals die Reformation ausgelöst, die Leo X. (11.12.1475-1.12.1521), Papst seit dem 11.3.1513, dann zunächst als „Mönchsgezänk“ abtat. Unter Ablaß versteht man die Sündenvergebung durch bloße Werke, die aber zu jener Zeit durch den Verkauf von Ablaßzetteln durchweg als Erlaubnis zur Sünde angesehen wurde. Sogar heute noch kann ein Ablaß unter bestimmten Auflagen für Lebende und überdies für Tote erworben werden. Der Apostel Paulus schrieb jedoch: Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf daß ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse. (2. Kor. 5, 10). Die Bibel bestätigt, daß nur Jesus allein die Sünden vergeben kann.

k) Im Jahre 1545 n. Chr. wurde auf dem Konzil von Trient durch Paul III. (1468-10.11.1549 n. Chr.), Papst seit dem 13.10.1534, ausdrücklich erklärt, daß die Traditionen und Überlieferungen der Kirche gleiche Gültigkeit besitzen wie die Bibel. Das sind aber alles menschliche Lehren, durch die Gottes Gebote außer Kraft gesetzt werden. Man lese dazu im Evangelium nach Markus, Kapitel 7, insbesondere die Verse 1-13. Seit diesem Konzil von Trient verkündet auch die römisch-katholische Kirche: Verflucht sei, der da sagt, er sei seines Heils gewiß! Damit werden automatisch alle durch Gott von neuem geborene Christen von dieser Kirche ausgeschlossen. Dieser Papst, ein Gegenspieler Martin Luthers, starb bezeichnenderweise am Martinstag. Auch das kann man als Zufall sehen.

l) Im Jahre 1854 n. Chr. wurde durch Pius IX. (13.5.1792-7.2.1878), Papst seit dem 16.6.1846, die Lehre von der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria definiert als: Freiheit von der Erbsünde vom Moment ihrer Zeugung an, und zum Dogma (= Lehrsatz der römisch-katholischen Kirche) erklärt. Maria selbst aber bezeugte, daß sie einen Heiland brauchte: Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes. (Luk. 1, 46-47).

m) Im Jahre 1870 n. Chr. verkündete ebenfalls Pius IX. das Dogma (= Lehrsatz) von der Unfehlbarkeit des Papstes. Dadurch erreichten die Spannungen auf dem 1. Vatikanischen Konzil (Vaticanum I) von 1869/70 ihren Höhepunkt. Gott hatte schon Mose eindeutig geboten: Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, daß er redet in meinem Namen, was ich ihm nicht geboten habe, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben. (5. Mose 18, 20).

n) Im Jahre 1907 n. Chr. verdammte Pius X. (2.6.1835-20.8.1914), Papst seit dem 4.8.1903, hinfort alle Entdeckungen der modernen Wissenschaft, die von der Kirche nicht gebilligt werden. Dies führte zu großer Behinderung wissenschaftlich-theologischer Arbeit.

o) Im Jahre 1930 n. Chr. verdammte Pius XI. (31.5.1857-10.2.1939), Papst seit dem 6.2.1922, die öffentlichen Schulen.

p) Im Jahre 1950 n. Chr. wurde am 1. November von Pius XII. (2.3.1876-9.10. 1958), Papst seit dem 2.3.1939, das einstweilen letzte Dogma (= Lehrsatz), die Himmelfahrt der Jungfrau Maria, verkündet. Jesus hatte gesagt: Und niemand fährt gen Himmel, denn der vom Himmel herniedergekommen ist, nämlich des Menschen Sohn. (Joh. 3, 13).

Durch das 3. Ökumenische Konzil von Ephesus im Jahre 431 n. Chr. ging damals die Verehrung der „Himmelskönigin“ des Alten Testamentes (Jeremia, Kap. 7 + 44) über die „Artemis“ oder „Diana“ von Ephesus des Neuen Testamentes (Apg., Kap. 19) dann endgültig auf die Maria der römisch-katholischen Kirche über, die dort nun offiziell den Titel: „Theotokos“ (= JhwtwkoV), also „Gottesmutter“ oder genauer „Gottesgebärerin“ erhielt. Siehe hierzu ebenfalls unter Punkt a) oben.

Zusammenfassend ergibt das Gesagte über die Gemeinde zu Thyatira folgende Gleichungen:
a) Isebel des A.T. = Isebel des N.T. = Papsttum (die Unfehlbarkeit = die Prophetin),
b) Phönizier (wo Isebel des A.T. herkommt) = Purpurhändler aus Thyatira (wo Isebel des N.T. herkommt) = Purpurträger der Kirche (= Kardinäle, wo der Papst herkommt) (Es sei jedoch noch ausdrücklich vermerkt, daß die Purpurkrämerin Lydia von Apg. 16, 14 nichts mit dem unheiligen Wandel zu tun hat, sondern nur ein wichtiger Hinweis ist auf die Bedeutung des Purpurs in Thyatira. Diese Erwähnung von Thyatira ist die einzige im Neuen Testament außerhalb der Offenbarung, deshalb auch so bedeutsam.),
c) Himmelskönigin (Götzendienst im A.T.) = Artemis oder Diana (Götzendienst im N.T.) = Maria, die Gottesmutter (Götzendienst in der Kirche).

Wir wollen nun mit dem Text der Offenbarung fortfahren, wo der Bußaufruf Jesu steht: Und ich habe ihr Zeit gegeben, daß sie sollte Buße tun, und sie will nicht von ihrer Unzucht lassen. Oder: Und ich gab ihr Zeit, auf daß sie Buße täte, und sie will nicht Buße tun von ihrer Hurerei. (Elbf.). Gott gab im Laufe der Jahrhunderte der römisch-katholischen Kirche reichlich Gelegenheit, Buße zu tun und umzukehren von ihren Machtgelüsten und ihrem Götzendienst. Zunächst riefen Katharer und Waldenser zur Umkehr zu den biblischen Tugenden auf, später noch viele andere. Kirchengeschichtlich gesehen, umfaßt die der verführerischen Isebel-Kirche vom Herrn geschenkte Gnadenfrist bis in unsere Zeit mehr als tausend Jahre. In dieser Zeitspanne entwickelte sich die römisch-katholische Kirche zu einem gewaltigen Machtfaktor in Religion und Politik. Und sie will nicht Buße tun von ihrer Hurerei. Sie hat sogar Gefallen daran, ihre Herrschaft noch auszuweiten, indem sie mit allen anderen Religionen unheilige Allianzen eingeht, wie z. B. beim Friedensgebet von Assisi am 27. Oktober 1986. Auf Einladung des Papstes waren dort alle Kulte dieser Welt vertreten, mit dem Ziel, eine Welteinheitskirche zu schaffen.

Unbußfertigkeit war und ist zu allen Zeiten die Tragik der meisten Menschen gewesen. Weil sich aber Gott nur durch Buße gnädig stimmen und versöhnen läßt, darum ergeht allen Menschen an allen Enden der Aufruf: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht. (Hebr. 4, 7). Unbußfertigkeit führt zur Verstockung und Verstockung führt zur Verzweiflung. Verzweiflung wiederum führt zur Ausweglosigkeit und Ausweglosigkeit führt zu Kurzschlußhandlungen. Dafür sprechen folgende Beispiele: Esau fand keinen Raum zur Buße (1. Mose 27, 30-38; Hebr. 12, 15-17). Judas fand ebenfalls keinen Raum zur Buße (Matth. 27, 5). Unbußfertigkeit ist ein alarmierendes Zeichen der Endzeit, worauf gerade in unseren Tagen besonders geachtet werden sollte.

Auf die Unbußfertigkeit antwortet der erhöhte Herr mit einer ernstzunehmenden Gerichtsandrohung: Siehe, ich werfe sie auf ihr Bett und werfe in große Trübsal, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wenn sie nicht lassen von des Weibes Werken, und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen. In der Bibel steht des öfteren: Siehe! Dann heißt das: Gib acht! Dann heißt das, merke dir, das ist wichtig! Im Luthertext von 1914 hieß es noch einfach „ein“ Bett, hier jedoch ganz deutlich „ihr“ Bett, also das Bett, auf dem Isebel die Hurerei getrieben hatte. Es wird ein hartes Bett der Züchtigung sein, mit anderen Worten: vom Hurenbett aufs Kranken- und Leidensbett, ja vielleicht sogar zum Sterbelager. Denn wo Gottes Güte den Sünder nicht mehr zur Buße leiten kann, da muß Gott mitunter Krankheit als Zucht- und Erziehungsmittel anwenden: … denn wer am Fleisch gelitten hat, der hat aufgehört mit der Sünde. (1. Petr. 4, 1).

Es ist hier ersichtlich, daß der Ehebruch, zu dem die falsche Prophetin Isebel die Knechte des Herrn verführt hat, nicht nur geistlich, sondern zuerst einmal buchstäblich zu verstehen ist. Denn Ehebruch kann nur immer dort erfolgen, wo bereits eine Ehe besteht, und das war bei Isebel der Fall, wie wir gesehen haben durch die Worte: dein Weib. Darum sollen auch alle, die mit ihr die Ehe gebrochen haben, wegen ihrer Sünde mit großer Trübsal heimgesucht werden, wenn sie nicht Buße tun für ihre Werke. Allerdings ist das auch prophetisch zu verstehen, indem die Liebhaber der Isebel-Kirche in die große Trübsal geworfen werden, die später in der Offenbarung erwähnt wird, insbesondere ab Kapitel 16.

Mit den Worten: … und ihre Kinder will ich zu Tode schlagen, sind zunächst Isebels eigene Kinder gemeint, die aus ehebrecherischen Verbindungen hervorgegangen sind. Die entsprechende Übersetzung im Konkordanten Neuen Testament lautet: Und ihre Kinder werde Ich mitdem Tod töten. Das deutet eher auf eine tödliche Infektionskrankheit hin. In der Septuaginta (= LXX) wird „töten mit Tod“ mehrmals mit Pesttod oder schwarzem Tod umschrieben. (Siehe Hes. 14, 21; 33, 27; 2. Sam. 12, 14).

Und alle Gemeinden sollen erkennen, daß ich es bin, der die Nieren und Herzen erforscht, und ich werde geben einem jeglichen unter euch nach euren Werken. Die Gemeinden, die vielleicht durch die eindrucksvollen Werke und infolge der gewährten langen Bußfrist verunsichert waren, sollen jetzt erkennen, daß Gott immer gerecht richtet. Der Herr schweigt nicht zu allem, was in seiner Gemeinde an Schuld und Sünde geschieht, sondern wenn die Zeit gekommen ist, dann redet und handelt er. Vor allem aber sollen es alle Gemeinden wissen, daß Gott oft Gerichte und Heimsuchungen über Menschen und Völker kommen läßt, um andere zu warnen. Das zeigt uns das warnende Beispiel Israels, das der Apostel Paulus im 1. Korinther-Brief beschreibt (1. Kor. 10, 1-13). Der Herr, der die Nieren und Herzen erforscht, läßt sich auch nicht durch Glanz oder durch Größe, weder durch Tradition noch durch große Mitgliederzahlen blenden, sondern wonach er sein richterliches Urteil fällt sind, sind die einzig und allein die Werke.

Euch aber sage ich, den anderen zu Thyatira, die solche Lehre nicht haben und nicht erkannt haben die Tiefen des Satans – wie sie sagen – : Ich will nicht auf euch werfen eine andere Last; doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Diese Anrede: Euch aber sage ich ist nur an die treuen Glieder der Gemeinde zu Thyatira gerichtet, wie auch in der Isebel-Kirche, die sich von der teuflischen Lehre Isebels distanzierten und auch die Tiefen Satans nicht erkannt haben. Es gab und es gibt zu allen Zeiten, von damals bis auf den heutigen Tag, auch in der römisch-katholischen Kirche, so abtrünnig sie ist, erlöste Seelen, die der Herr als die Seinen liebt und anerkennt. Gewiß ist es für ihn schmerzlich, daß sie in einem solchen Umfeld ihm dienen, deshalb ist es tröstlich zu wissen: Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen. (2. Tim. 2, 19).

Mit den „Tiefen Satans“ ist nicht nur die praktische Anwendung der teuflischen Lehre Isebels, die in der Liberalisierung der Moral und im religiös getarnten Okkultismus fortbesteht, sondern auch die teuflische Verfolgung der „Ketzer“ bis in unsere Tage gemeint. Die sich hiervon distanzieren, hängen heilsverlangend an der Person und dem Werk des Herrn und Heilandes, und in Christus allein, dem Gekreuzigten, suchen sie zu finden, was ihr Herz begehrt: Vergebung der Sünden und Barmherzigkeit und Trost auf dem Weg zur Ewigkeit. Wenn man ihnen manche Dinge und Geschehnisse sagen würde, so hielten sie es in ihrer Herzenseinfalt nicht für möglich, was alles durch ihre Kirche im Namen Jesu Christi an Leid angerichtet worden ist. Die schon genug zu ertragen haben, wegen ihrer entschiedenen Haltung und treuen Nachfolge, denen will der Herr keine andere Last auferlegen.

Die Getreuen der Gemeinde zu Thyatira werden ermuntert und ermutigt mit dem Zuspruch: doch was ihr habt, das haltet, bis daß ich komme. Sie sollen das, was sie an geistlichen Werten besitzen, festhalten bis Jesus kommt. Damit ist auch gleichzeitig gesagt, daß Thyatira als kirchliches System bis zur Wiederkunft Jesu Christi fortbestehen wird. Dieses führt unaufhaltsam zur kommenden Welteinheitskirche der Endzeit, die sodann nach der Entrückung der Gläubigen (1. Thess. 4, 13-18) allein übrigbleiben wird. Nach meiner Erkenntnis könnte sie auch unter der Führung des Papstes weiterhin die wahren Zeugen aufs bitterste verfolgen. Darüber aber später mehr, wenn diese Kirche näher betrachtet wird.

Sodann: Und wer da überwindet und hält meine Werke bis ans Ende, dem will ich Macht geben über die Heiden, und er soll sie weiden mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäße soll er sie zerschmeißen, wie auch ich’s von meinem Vater empfangen habe; und ich will ihm geben den Morgenstern. Die Erfüllung dieser Verheißungen ist an zwei Bedingungen geknüpft, die der Herr als Voraussetzung macht. Erstens, überwinden, das heißt doch: wer allen Anfechtungen und Versuchungen, sowie allen sündhaften und verführerischen Einflüssen, zu widerstehen vermag. Zweitens, nun die Werke Jesu bis ans Ende halten. Demnach geht es in der Nachfolge Jesus Christi nicht nur um ein fromm-religiöses Bekenntnis, sondern es geht vielmehr um die Kraft der Werke Jesu, die als Frucht durch den Heiligen Geist gewirkt werden: Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude , Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. (Gal. 5, 22). Diese Werke hat Jesus jedoch allen denen verheißen, die an seinen Namen glauben: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, denn ich gehe zum Vater. (Joh. 14, 12).

Der verheißene Lohn ist die Herrschaft mit Jesus Christus, wie es schon im ersten messianischen Psalm für den Sohn Gottes vorausgesagt wurde: Kundtun will ich den Ratschluß des Herrn. Er hat zu mir gesagt: „Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt. Bitte mich, so will ich dir Völker zum Erbe geben und der Welt Enden zum Eigentum. Du sollst sie mit einem eisernen Zepter zerschlagen, wie Töpfe sollst du sie zerschmeißen.“. (Psalm 2, 7-9). Mit den Worten: wie auch ich’s von meinem Vater empfangen habe, wird noch einmal bestätigt, daß Jesus Christus, der Sohn Gottes, hier in der Offenbarung zu Johannes und zu den Gemeinden redet. Ein Zepter ist ein Herrscherstab, ein Symbol von dessen Macht; hier erkennt man in dem eisernen Zepter eine strenge Herrschaft.

… und ich will ihm geben den Morgenstern. In Thyatira wurde durch das Weib Isebel der Himmelskönigin des Alten Testamentes göttliche Verehrung zuteil. Diese Göttin wurde bei den Babyloniern Ischtar oder Venus und bei den Römern Diana oder Venus genannt. Die falsche Lehre der Isebel entspringt einem Irrgeist, durch den sich auch die Venus oder Himmelskönigin der Kirche von Thyatira erweist als ein Irrlicht. Sie ist nicht das wahre Licht der Welt. Am Sternenhimmel ist die Venus der Abend- und Morgenstern. Nach 2. Petrus 1, 19 ist Jesus der wahre Morgenstern, der den kommenden Heilstag einleitet, bis er als Sonne der Gerechtigkeit für Israel aufgeht (Mal. 3, 20). Hierbei ist noch zu beachten, daß in 2. Petr. 1, 19 ein anderes Wort für „Morgenstern“ gebraucht wird, das eigentlich „Lichtträger“ bedeutet. Hier in Offb. 2, 28 steht jedoch wörtlich „Morgenstern“, wodurch das Gesagte noch klarer wird. In „Das Buch der Offenbarung“ bemerkt W. J. Ouweneel: Manche Ausleger haben an das ewige Leben gedacht (vgl. Dan. 11, 35) oder sogar an Luzifer (vgl. Jes. 14, 12), oder nota bene an den Planeten Venus. Dadurch wird obige Auslegung nur bestätigt.

Diesen Vorgang sehen wir in der Naturordnung vorgebildet. Während es im Westen noch dunkel und schwarz ist, zeigt sich im Osten das erste Zeichen des anbrechenden Tages, und hinter dem purpurroten Lichtschein lugen die Wimpern der Morgenröte hervor, und in diesem Augenblick geht der Morgenstern am östlichen Himmel auf und kündet den neuen Tag an. Erst danach geht die Sonne mit ihrer versengenden Glut hervor wie ein Bräutigam aus seiner Kammer, so hat es David beschrieben: Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht; sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer und freut sich wie ein Held, zu laufen ihre Bahn. Sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft um bis wieder an sein Ende, und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen. (Psalm 19, 5-7).

Nach derselben Ordnung verläuft auch der letzte Akt im Heilsplan Gottes für Israel. Zuerst kommt Jesus Christus als Morgenstern, um seine wartende Gemeinde zu entrücken, was den Beginn des Heilstages für Israel einleitet. Danach kommt Jesus als Sonne der Gerechtigkeit und als Bräutigam den klugen Jungfrauen aus Israel entgegen (Matth. 25, 1-13), um so dem Volk, das im Finstern wandelt, ein großes Licht zu sein, das hell scheint (Jes. 9, 1).

Wieder endet auch dieses Sendschreiben mit der dringenden Aufforderung des Herrn: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Bemerkenswert ist, daß diese Aufforderung zum Hören in den drei ersten Sendschreiben vor der Verheißung an die Überwinder, hier jedoch in dem Sendschreiben an Thyatira erstmals ganz am Schluß steht, wie auch in den drei darauffolgenden. August Dächsel knüpft daran an, daß die Gemeinde von Thyatira in der Tat eine Kirche versinnbildlicht, die mit ihrem Bestehen in die Zeit der Wiederkunft Jesu Christi hineinreicht.

Das Schlüsselwort: Prüfe gründlich jeden Geist!

Die Dauer der Gemeinde zu Thyatira (Zeitraum): etwa von 604-1517 n. Chr., also etwa 913 Jahre.

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