Christentum

Das 3. Sendschreiben an Pergamon

 

Und dem Engel der Gemeinde zu Pergamon schreibe: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist; und hältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, zu verführen die Kinder Israel, daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. So hast du auch solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten halten. Tue Buße; wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und will ihm geben einen weißen Stein; auf dem Stein aber steht ein neuer Name geschrieben, welchen niemand kennt, als der ihn empfängt. (Offb. 2, 12-17).

  1. Pergamon = Pergamon heißt nun wörtlich übersetzt: per (= per) = durch und gamos (= gamoV) = Heirat – durch Heirat. Pergamon wird ebenso als Burg oder Feste bezeichnet, manche übersetzen den Namen mit „Hochburg“, so denn auch Abraham Meister (Biblisches Namen-Lexikon). An anderer Stelle wird uns allerdings gesagt, Pergamon sei angeblich benannt nach Pergamos, einem Enkel des Achilleus oder Achilles. Der Überlieferung nach wurde dieser von seiner Mutter durch Feuer bis auf die Ferse unverwundbar gemacht, daher: Achillesferse = die empfindliche Stelle. Die Unterstadt von Pergamon lag an der Stelle des heutigen Bergama, das eine Kleinstadt von ungefähr 35 000 Einwohnern ist und ebenfalls in der Türkei liegt. Dort ist auch heute noch eine Goldmine in Betrieb, was allerdings sonst nirgendwo in der Geschichte der Stadt besonders erwähnt wurde.
     

 

Nach dem römischen Schriftsteller Secundus Plinius, dem Älteren (Gaius Plinius Secundus), Historiker (um 23-24.8.79 n. Chr.), hat König Eumenes II., der von 197-159 v. Chr. herrschte, daselbst die Herstellung des nach Pergamon benannten Pergaments gefördert. Es handelte sich dabei um geschlagene und geglättete Tierhaut als Beschreibstoff, griechisch: dijtera = diphtera, lateinisch: membrana = Häutchen genannt, das allerdings seinen Namen lediglich durch den Konkurrenzkampf der Bibliotheken von Pergamon und Alexandria bekam. Diese Rivalitäten waren dann wiederum eine Folge der sogenannten Diadochenkriege, in denen sich die Nachfolger Alexanders des Großen stritten, um einen möglichst großen Teil von dessen Erbe zu bekommen. Diese Wandlung eines Stadtnamens zur Sachbezeichnung ist geschichtlich durchaus bemerkenswert.

Die frühesten datierten Pergamentfunde stammen zwar aus Babylonien und gehören in den Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr., jedoch wurde die Pergament-Herstellung um das Jahr 180 v. Chr. in Pergamon erfunden und diente dort zunächst dem Eigenbedarf der pergamenischen Bibliothek. Mit diesem Produkt wurde erstmals die ägyptische Monopolstellung in der Papyros- oder Papyrus-Erzeugung gebrochen. Als die Ptolemäer in Ägypten, ein anderes Diadochenreich zu der Zeit, ein Papyrus-Embargo für Pergamon verhängten, besannen sich nun die pergamenischen Bibliothekare auf das Pergament, das sich dann auch als entschieden solider und dauerhafter erwies. Durch das Papyrus-Exportverbot sollte nämlich der Aufbau der pergamenischen Bibliothek behindert werden.

Das einfache Enthaaren der in Kalkwasser vorgeweichten Tierhaut, Abschaben des Bindegewebes bis zur Epidermis, Glätten und Trocknen ist die einfachste Lederkonservierung ohne chemischen Gerbvorgang. Die Haarseite blieb etwas rauh und wurde gelb, die Fleischseite war weiß und glatt; frische Schrift ist löschbar, alte nur mit Bimsstein abzureiben.

Damals wurden aus Pergament zunächst Schriftrollen hergestellt, sodann später von den Römern auch Seiten davon zu Büchern gebunden. Für Luxusausgaben verwendete man Pergament, für einfache Papyrus, bis zur Erfindung des Papiers. Die Pergament-Handschrift gestattete auch die Illustration, die sehr dauerhaft war. Das verbreitetste Schreibmaterial in neutestamentlicher Zeit war aber zweifellos Papyrus. Pergament wird in der Bibel nur einmal erwähnt, und zwar von Paulus in seinem zweiten Brief an Timotheus: Den Mantel, den ich zu Troas ließ bei Karpus, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, sonderlich die Pergamente. (2. Tim. 4, 13).

Unter dessen unmittelbarem Nachfolger, dem König Eumenes II. Soter (= Heiland), der von 197-159 v. Chr. herrschte, erlebte Pergamon seine höchste Blüte in Wissenschaft (Medizin) und Kunst (pergamenischer Barock). Gerade zu dieser Zeit durfte die Stadt auch den Anspruch erheben, die Kultur der Griechen zu wahren und zu erneuern. Dieser König dehnte außerdem seinen Herrschaftsbereich bis an das Taurus-Gebirge aus und schmückte Pergamon mit großartigen Bauten. Hierzu zählen insbesondere die bereits oben erwähnte Bibliothek und das Asklepieion, der Tempel des Asklepios. Dadurch wurde die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes eine Hochburg der Medizin.

Pergamon wurde dann im Jahre 129 v. Chr. die Hauptstadt der römischen Provinz Asia (= Kleinasien) und erhielt damit bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. die Residenz des römischen Procurators (= Statthalter einer kleineren Provinz). Zur Zeit des Apostels Johannes, am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr., als er dieses Sendschreiben niederschrieb, was das demnach der Fall, wie wir noch bei der Betrachtung des 3. Punktes sehen werden.

Pergamon war auch das Zentrum der klassischen Bildung. Zu den Bildungsstätten zählte die Bibliothek, eine der größten der damaligen Welt, die sich durchaus mit der von Alexandria messen konnte, dann ein kolossales Theater, sowie eine Hochschule für Medizin, das Asklepieion. Von dem berühmten Bibliotheksbau, der bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. rund 200 000 Schriftrollen umfaßte, sind noch viele Reste erhalten. Die griechische Bildhauerkunst hatte dort ihre höchste Reife erreicht. Die Bauten von Pergamon gehören zu den wichtigsten Zeugnissen hellenistischer Kultur.

Pergamon war aber nicht nur das kulturelle, sondern auch das religiöse Zentrum Kleinasiens, ja, des ganzen Römischen Reiches überhaupt. Denn wie in Smyrna, so herrschte in gleicher Weise auch hier der Götter- und Kaiserkult. Die riesigen Kultstätten wurden auf dem 300 Meter hohen terrassierten Burgberg (griechisch: akrwpwliV = akropolis = Hochstadt) erbaut, so daß sich dort damals Tempel an Tempel reihte, deren Überreste teilweise heute noch zu sehen sind. Diese waren zudem allen möglichen babylonischen, griechischen, ägyptischen und römischen Gottheiten geweiht, so z. B. auch der Tempel des Kaisers Augustus, der im Jahre 29 v. Chr. an dieser Stelle errichtet wurde. Ganz oben auf dem Gipfel dieses erhabenen Berges, über allen anderen Tempeln, befand sich der Tempel des römischen Kaisers Traian oder Trajan, der von 53-117 n. Chr. lebte. Dieses gewaltige Heiligtum war der religiösen Würde des römischen Kaisers als „Pontifex Maximus“ (= „oberster Brückenbauer“ zu Gott) gewidmet, des obersten Priesters der ganzen Ökumene und über alle Religionen, der selbst göttliche Verehrung verlangte und genoß.

Daneben besaß die Stadt ein Heiligtum des Asklepios Soter, im Südwesten von Pergamon gelegen, das Asklepieion (seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.), zu dem eine heilige Straße führte. Für die damalige Kulturwelt hatte aber dieser Tempel eine ganz besondere Bedeutung. Äskulap (griechisch: asklepioV = asklepios) war antiker Gott der Heilkunst, der bei den Römern Aesculapius genannt wurde, daher stammt der bei uns geläufigere Name: Äskulap. Nach den überlieferten Schilderungen der Heiden soll er sogar eine Ähnlichkeit mit Jesus gehabt haben. Der Beiname „Soter“ bedeutet „Heiland“, was sehr interessant ist, wenn man diesen Titel anhand der Bibel prüft. Auch wie es zu diesem Äskulapkult kam, ist meist wenig bekannt und deshalb gewiß erwähnenswert. Der Apostel Johannes bestätigte erfahrungsgemäß in seinem ersten Brief: Und wir haben gesehen und bezeugen, daß der Vater den Sohn gesandt hat zum Heiland der Welt. Wer nun bekennt, daß Jesus Gottes Sohn ist, in dem bleibt Gott und er in Gott. (1. Joh. 4, 14-15).

Der griechischen Sage nach wurde Äskulap von Zeus mit einem Blitz in die Unterwelt geschleudert, als er seine Wunderheilungen an Toten versuchte. Trotzdem, oder sogar gerade deswegen, schrieb man ihm wunderbare Heilungen zu. Das Heilssymbol des Äskulap war die Schlange, darum wurden in seinem Tempel auch lebendige Schlangen gehalten und diese dann selbstverständlich inbrünstig verehrt. Heute noch kommt in Kleinasien die Äskulapnatter vor, eine bis 2 m lange, nicht giftige Natter. Aus diesem Grunde pflegte man dann auch Äskulap meistens bärtig, mit einem Mantel bekleidet und mit dem von einer Schlange umwundenen Stab darzustellen, der zunächst Symbol des ärztlichen Standes, dann zum Sinnbild der Heilkunde insgesamt wurde, der sogenannte Äskulapstab.

Im Jahre 293 v. Chr. übernahmen auch die Römer anläßlich einer Seuche den Äskulapkult, der dann bis in die Spätantike hinein zu den beliebtesten Kulten gehörte. Dies erfolgte alsdann auf Grund der in den Sibyllinischen Büchern gegebenen Weissagungstexte, die nun Sibylle von Cumae, eine Wahrsagerin des Altertums, zugeschrieben wurden. Sobald jedoch diese Frau von einer Gottheit begeistert war, geriet sie sogleich in Ekstase und sagte spontan die zukünftigen Ereignisse (allerdings meist unheilvolle) voraus. Diese „Oracula Sibyllina“ bestanden aus insgesamt 14 Büchern mit orakelhaften Sprüchen, mit denen viel orientalisches Gedankengut nach Griechenland und später nach Rom gelangte.

Dieser Äskulapstab, der bis heute von Ärzten und Apothekern als Zeichen verwendet wird, versinnbildlicht die Schlange als Symbol Satans. Dieses Sinnbild ist eine Nachahmung durch den Teufel des von Gott dem Mose bei der Wüstenwanderung des Volkes Israel gegebenen Heilszeichens: Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. (4. Mose 21, 8). Jesus selbst bezeugt, daß dies ein Hinweis auf seinen Tod am Kreuze ist: Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh. 3, 14-15). Gerade an der Erfüllung dieser Bibelstelle erkennen wir sodann den wahren Heiland Jesus Christus, nicht die Nachahmung des Teufels in der Gestalt des Asklepios Soter.

Außerdem war Pergamon die Geburtsstadt und Heimat des griechischen Arztes Galenos = galenoV (etwa 129-199 n. Chr.), den die Römer aber dann Claudius Galenus nannten, bei uns einfach Galen. Er war der Sohn eines Mathematikers und Architekten, von 157-161 n. Chr. Gladiatorenarzt in Pergamon, daran anschließend praktizierte er mit kurzen Unterbrechungen in Rom. Seit 169 n. Chr. war er Leibarzt am römischen Kaiserhof, insbesondere des Kaisers Mark Aurel, der von 161-180 n. Chr. regierte. Galenos faßte das ärztliche Wissen seiner Zeit systematisch zusammen, daher war er neben Hippokrates der bedeutendste Arzt des Altertums. Seine Schriften erfreuten sich deshalb schnell einer außerordentlichen Wertschätzung und beeinflußten sodann über Jahrhunderte die Heilkunst.

Pergamon war das geistige Zentrum der damaligen Ökumene, die das Römische Reich in religiöser und auch politischer Hinsicht darstellte, unter dem „Pontifex Maximus“, dem Kaiser von Rom. Das Wort Ökumene (griechisch: oikoumenh = oikoumené) bedeutet: Welt- oder (bewohnter) Erdkreis. Neben dieser mehr neutral-geographischen Bedeutung kennt das Griechische allerdings auch noch eine kulturelle und politische, der zufolge die Ökumene sich deckt mit dem Geltungs- und Einflußbereich der hellenistischen Zivilisation. Der so verdeckte Imperialismus dieser Seh- und Denkweise tritt im römischen Sprachgebrauch offen zutage: „orbis terrarum“, die lateinische Übersetzung von Ökumene, meint schlichtweg das Imperium Romanum, das Römische Reich. Das heißt jedoch im politischen Klartext: Der Vorzug, ein Bürger des römischen Staates und damit „Weltbürger“ zu sein, fordert als Preis von jedem Nichtrömer die freiwillige oder gegebenenfalls durch Waffengewalt erzwungene Unterwerfung unter diese imperiale Ordnung Roms.

Die genaue, heutige Bedeutung, auch, wie und in welchem Zusammenhang es dazu kam, bedarf allerdings noch einiger Erläuterung. Wichtig ist vor allem zuerst die Feststellung, daß dieses Wort ursprünglich durchaus keine „christliche“ Bedeutung hatte, wie sie ihm jedoch heute beigemessen wird, sondern eine Anleihe aus dem heidnisch-babylonischen Bereich ist.

Im griechischen Grundtext des Neuen Testamentes kommt das Wort Ökumene (= Welt- oder Erdkreis) fünfzehn (= 3 x 5 !) Mal vor (Matthäus 24, 14; Lukas 2, 1; 4, 5; 21, 26; Apostelgeschichte 11, 28; 17, 6; 17, 31; 19, 27; 24, 5; Römer 10, 18; Hebräer 1, 6; 2, 5; Offenbarung 3, 10; 12, 9; 16, 14). Wenn wir diesen Stellen nachgehen, dann entdecken wir eine klare heils- und kirchengeschichtliche Linie.

Das Wort Ökumene (= Welt- oder Erdkreis) wurde zunächst im Weltreich des Alexander des Großen gebraucht zur Bezeichnung der Einheit der Religionen unter dem Reichsherrscher als dem religiösen Oberhaupt und Oberpriester. – Dieser seinerzeitige Brauch, daß der Kaiser bzw. König nicht nur weltlicher Machthaber, sondern gleichzeitig auch oberster eingeweihter Priester über alle Religionen in seinem Reiche war, stammt aus Babylon.

Vom 2. Jahrhundert n. Chr. an, so etwa bei Irenäus, Bischof von Lyon (140-202 n. Chr.), oder auch bei Origines, Kirchenlehrer und Schriftsteller in Alexandria, später Presbyter in Cäsarea (185-254 n. Chr.) und dann Eusebius oder Eusebios, Bischof von Cäsarea (260-340 n. Chr.) bezeichnete das Wort Ökumene immer häufiger den Ausdehnungsbereich der Kirche und schließlich die Kirche selbst in ihrer Gesamtheit: so etwa im Osten erstmals bei Basileios oder Basilius dem Großen, Kirchenvater (330-379 n. Chr.) und bei Athanasius oder Athanasios, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.), desgleichen im lateinischen Westen bei Ambrosius (Aurelius Ambrosius), Bischof von Mailand (339-4.4.397 n. Chr.), der ein hoher Staatsbeamter aus einer Trierer Patrizierfamilie war, bevor seine Ernennung zum Bischof erfolgte, und ebenfalls bei Augustinus (Aurelius Augustinus) geb. 13.11.354, gest. 28.8.430 n. Chr., Bischof von Hippo Regius (Nordafrika), früher Bône, jetzt Annaba in Algerien. Am Ende lautete nun die Gleichung einfach: „Ökumene“ = „die ganze Kirche“ = „die ganze christliche Welt“. Origines war es dann allerdings, der als erster die Einheit aller christlichen Kirchen als Ökumene bezeichnete, auch wenn Unterschiede im Glauben bestanden. Er selbst hielt sich für rechtgläubig, doch wurde seine Orthodoxie öffentlich bezweifelt, bis später das Konzil von 553 n. Chr. Origines endgültig verurteilte.

Nach dieser gewiß notwendigen Erläuterung der einstigen Bedeutung des Wortes Ökumene und dessen Entwicklung im Laufe der Jahrhunderte, wollen wir nun weitergehen mit der Betrachtung der geschichtlichen Entfaltung der Stadt Pergamon und ihres eigentlichen Stellenwertes für die damalige Kulturwelt.

Die sogenannte Konstantinische Schenkung, eine angeblich von Konstantin I., dem Großen (27.2.280? -22.5.337), dem Papst Silvester I., regierte vom 31.1. 314-31.12.335 n. Chr., gemachte Schenkung des Weströmischen Reiches. Dieses auf den 30. März 315 n. Chr. datierte Dokument diente später zur Stützung der weltlichen Ansprüche des Papsttums. Der Legende nach soll Konstantin I. von Silvester I. vom Aussatz befreit und getauft worden sein. Jedoch nach gewiß zuverlässigeren Quellen soll Kaiser Konstantin noch kurz vor seinem Tode in der Kaiservilla in der Nähe von Nikomedia oder Nikomedien (dem heutigen Izmit in der Türkei) durch den Arianer Eusebios von Nikomedien getauft worden sein. Demzufolge ist es durchaus möglich, daß diese Taufe vielleicht erst auf dem Sterbebett erfolgte, unter Umständen sogar noch nach seinem Tode! – Dieser Eusebios von Nikomedien erwarb sich jedenfalls bei Konstantin I. eine Vertrauensstellung wegen seiner dem Kaiser genehmen theologischen Haltung und seines großen Einflusses auf die gesamte Kirche. Allerdings ging im Jahre 378 n. Chr. schließlich auf Grund dieser sogenannten Konstantinischen Schenkung ebenfalls der Titel „Pontifex Maximus“ endgültig vom römischen Kaiser an den römischen Bischof über, damals Damasus I., der dieses Amt von 366-384 n. Chr. innehatte. Er gilt seitdem als erster Papst nach dieser neuen Ordnung. – Kaiser war zu der Zeit Gratian (Flavius Gratianus), ein Sohn Valentinians I. (359 -25.8.383 n. Chr.), römischer Kaiser (ab 367 n. Chr.), ab 375 n. Chr. Nachfolger seines Vaters im Westreich. Seitdem als Förderer des Christentums angesehen.

Die Konstantinische Schenkung beruht hingegen lediglich auf einer zwecks Begründung entsprechender päpstlicher Forderungen gefälschten Urkunde aus der Zeit um 750-850 n. Chr., die der Humanist Lorenzo Valla 1440 n. Chr. erstmals als solche ausgewiesen hat. Den Tatbestand der Fälschung hat er aufgedeckt, so daß heute wirklich kein Zweifel mehr daran besteht. Ulrich von Hutten, Reichsritter (21.4.1488-29.8.1523), war seit 1519 n. Chr. ein treuer Anhänger Luthers im Kampf gegen Rom, den er ebenfalls mit unerbittlicher Schärfe und Kompromißlosigkeit führte, so z. B. durch Herausgabe der Schrift Vallas „De donatione Constantini“, auf Deutsch: „Von der Schenkung Konstantins“. Durch diese Veröffentlichung wurde damals für alle Welt der unbestreitbare Nachweis erbracht, daß die sogenannte Konstantinische Schenkung sich allein auf eine gefälschte Urkunde gründet, die gewiß der Nutznießer derselben in Auftrag gegeben hatte.

  1. Über die Entstehung der christlichen Gemeinde in Pergamon gibt es leider keine geschichtlichen Anhaltspunkte. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß auch sie durch die missionarische Tätigkeit des Apostel Paulus in Kleinasien entstanden ist. Pergamon war damals eine wichtige Stadt in Mysien und dieser Landstrich wird in der Apostelgeschichte erwähnt: Als sie aber kamen bis nach Mysien, versuchten sie, nach Bithynien zu reisen; und der Geist Jesu ließ es ihnen nicht zu. Da zogen sie an Mysien vorüber und kamen hinab nach Troas. (Apg. 16, 7-8). Jedenfalls hat Pergamon zur Zeit des Johannes den in der Offenbarung beschriebenen Zustand gehabt. Es liegt deshalb nahe, daß es keine Neugründung war, sondern eine seit längerem bestehende Gemeinde. Im Sendschreiben stellt sie die orthodoxe Kirche dar, die im Zeitraum von 313-604 n. Chr. in ihrer Art vorherrschend war. Den geistlichen Zustand der Gemeinde kann man dann zusammenfassend so einfach mit diesen Worten beschreiben: Sie duldet die Lehre Bileams und der Nikolaiten, sowie Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben.
     

 

An dieser Stelle ist es zum besseren Verständnis der orthodoxen Kirche gewiß erforderlich, einmal auch deren geschichtlichen Werdegang kurz zu betrachten. Im 2. Jahrhundert n. Chr. verlagerte sich dann allmählich der Schwerpunkt des Römischen Reiches in die östliche Hälfte. Kriege mit den Parthern und gegen die Germanen an der Donau verlangten die häufige Anwesenheit des Kaisers im Osten. Da sich Kleinasien, Syrien und Ägypten außerdem wirtschaftlich stärker als die anderen Teile des Reiches entwickelten, verlegte daraufhin Kaiser Konstantin I. (27.2.280? -22.5.337) im Jahre 326 n. Chr. seine Residenz in die Stadt Byzantion = Buzantion, auf Deutsch: Byzanz, am Bosporus gelegen, die indessen schon ein Jahrtausend zuvor als griechische Kolonie gegründet worden war.

Mit einem großen Bauprogramm verwandelte Konstantin diese alsdann in eine Weltstadt, verlegte demzufolge die Hauptstadt des Römischen Reiches dorthin und nannte sie fortan ebenso nach seinem Namen: Constantinopolis oder Konstantinopel, die Stadt Konstantins, seine Stadt. Nach seinem Tode wurde er sogleich nach jenem Ort überführt und in der dortigen Apostelkirche beigesetzt.

Unter den Nachfolgern Konstantins wurde die Herrschaft über das Reich öfter geteilt, aber stets blieb Konstantinopel die Hauptstadt des Ostreiches, zu dem der Balkan, Kleinasien, der Nahe Osten, Ägypten und Libyen gehörten. Theodosius I., der Große, (Flavius Theodosius), der letzte Kaiser des Gesamtreiches (11.1.347-17.1.395), war Mitregent des Kaisers Gratian seit 379 n. Chr. und seit 394 n. Chr., nach dessen Tode, für ein Jahr letzter alleiniger Herrscher über das gesamte Römische Reich. Nach dem Tode des Theodosius erfolgte sodann die endgültige Reichsteilung unter seinen beiden Söhnen Arcadius (Ostreich) und Honorius (Westreich). Für die Hauptstadt des Ostens setzte sich dann im Laufe der Zeit wieder der Name Byzanz durch, und nach ihr nannte man später den gesamten Ostteil des ehemaligen Römischen Reiches das Byzantinische Reich.

In der christlichen Kirche wurden zwar anfangs alle Bischöfe grundsätzlich als Patriarchen (griech., Erzväter) bezeichnet, dann seit dem 5. Jahrhundert jedoch einzig und allein noch die Metropoliten von Rom, Konstantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusalem. Der Patriarch von Konstantinopel nannte sich zudem seit 587 n. Chr. Ökumenischer Patriarch und erhob sich damit zum Oberhaupt der orthodoxen Kirche des Ostens. Der Patriarch von Rom galt so für ihn fortan als Oberhaupt der Westkirche. Im Jahre 1054 n. Chr. brach das abendländische Patriarchat von Rom nun endgültig mit der orthodoxen Kirche, die damals die Primatansprüche des Papstes, als ihrem Traditionsverständnis widersprechend, nicht akzeptieren konnte. Diese Trennung besteht bis heute fort, trotz vermehrter Annäherungsversuche des Papstes, die in den letzten Jahrzehnten erfolgten.

Im Jahre 1589 n. Chr. wurde das Patriarchat von Rußland in Moskau begründet und behielt seinen Sitz dort auch nach der Verlegung der Hauptstadt durch Zar Peter den Großen nach St. Petersburg. Als sämtliche altkirchlichen Patriarchate und die Balkankirchen während etlichen Jahrhunderten unter der osmanischen Herrschaft standen, hatte erlangte dann die orthodoxe Kirche von Rußland eine gewisse Vorangstellung in der Gesamtorthodoxie, besonders auch im Rahmen der Glaubensverbreitung dieser Kirche. Konstantinopel, das heutige Istanbul, ist zwar immer noch Sitz des Ökumenischen Patriarchates, allerdings längst keine „Hochburg“ mehr, wie der Name Pergamon und der entsprechende Zeitabschnitt der Gemeinde andeuten. Trotzdem nennt diese Kirche sich auch weiterhin stolz die orthodoxe, d. h. die „rechtgläubige“ Kirche, ist indessen vollends versteinert in toten Formen und hat keine Reformation erlebt, sondern eher das Gegenteil.

Als Engel oder Stern der Gemeinde Pergamon, also des Zeitabschnittes, käme der Bischof Martin von Tours und Apostel Galliens in Frage, weil er die bedeutendste Persönlichkeit in diesem Zeitraum gewesen ist. Martin, dessen lateinischer Name „Martinus“ mit „Kämpfer“ oder „Krieger“ übersetzt werden kann („dem Kriegsgott Mars gehörend“), wurde zwischen 316/317 n. Chr. in Sabaria, als Sohn eines römischen Offiziers des dortigen Besatzungsheeres geboren. – Damals war Sabaria oder Savaria die Hauptstadt von Pannonia, einer Provinz südwestlich von Wien und Budapest, zwischen der Donau und etwa der Save. Die Stadt heißt heute: Szombathely, hat etwa 87 000 Einwohner, ist am westlichen Rande des Kleinen Ungarischen Tieflandes gelegen. Sie hat auch einen deutschen Namen: Steinamanger, liegt an der Güns, einem kleinen Fluß, der in der Nähe in Österreich entspringt und dann in die Raab und Donau einmündet.

Im Alter von 15 Jahren wurde Martin eingezogen und diente in einer Eliteeinheit, der berittenen kaiserlichen Leibgarde. Damals war es das römische Heer unter den Kaisern Konstantin I. (27.2.280? -22.5.337), der seit 306 Kaiser und ab 324 Alleinherrscher war, dann Konstantius II. (Flavius Iulius Constantius), geboren 317 n. Chr., Kaiser seit 337 n. Chr., gefallen 361 n. Chr., und zuletzt Julian Apostata, das heißt: der Abtrünnige (Flavius Claudius Iulianus), geboren 331 n. Chr., Kaiser seit 361 n. Chr., mit 30 Jahren. Dieser ist alsdann gestorben nach einer tödlichen Verwundung am 26.6.363 n. Chr., im Alter von nur 32 Jahren, davon gerade zwei Jahre als Kaiser.

Schon während seiner Dienstzeit bereitete sich Martin drei Jahre lang auf die christliche Taufe vor. Er hielt sich frei von den Lastern, in die sich die Soldatenwelt gewöhnlich verstricken läßt. Seine Güte gegen seine Kameraden war groß, seine Liebe zu seinen Mitmenschen erstaunenswert, seine Geduld und Demut überstiegen jedes menschliche Maß. Um 334 n. Chr. war der achtzehnjährige Gardeoffizier in Amiens stationiert. In dieses Jahr fällt das Ereignis, das bis heute das Andenken an Martin wachhält: In einem strengen Winter begegnete Martin am dortigen Stadttor einem armen, notdürftig bekleidetem Mann. Als der Bedauernswerte die Vorübergehenden vergeblich um Hilfe bat, verstand Martin, daß der Bettler ihm zugewiesen sei. Da er nichts anderes Hilfreiches besaß, zog er sein Schwert und teile seinen Offiziersmantel in der Mitte entzwei. Davon gab er eine Hälfte dem Armen, die andere legte er sich selbst wieder um.

In der folgenden Nacht hatte Martin eine Vision, also ein Gesicht, bei dem sich die unsichtbare Welt bildhaft zeigte. Jesus Christus erschien ihm im Traum, gekleidet mit seinem halben Militärmantel. Zu den ihn umgebenden Engeln sprach der Herr: „Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!“. Er erinnerte sich dann an das Wort Jesu: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Matth. 25, 40).

In seinem Traum sah der junge Offizier die Aufforderung, den Militärdienst zu verlassen, um in den Dienst Gottes zu treten. Aus Martinus, dem „Krieger“ des Kaisers wurde ein „Kämpfer“ Christi, der nicht Tod und Verderben einem unterlegenen Gegner, sondern durch das Evangelium den Menschen Heil und Heilung bringt. Martin ließ sich taufen, um nach kurzer Vorbereitung und Missionstätigkeit in Ungarn als Mönch zu leben. Er kam zuerst nach Genua, dann gründete er um 360 n. Chr. das erste abendländische Mönchskloster in Ligugé, kanpp zehn Kilometer von Poitiers entfernt an den Ufern des Clain, in Gallien, dem heutigen Frankreich, wo sich bald zahlreiche Gleichgesinnte fanden. Nach etwa zehn Jahren, als ein neuer Bischof von Tours gesucht wurde, fiel die Wahl im Jahre 371 n. Chr. auf Martin, der dann am 4. Juli 372 n. Chr. zum Bischof geweiht wurde.

In seiner Eigenschaft als Bischof nahm er eine entschiedene Haltung gegen den Götzendienst ein. Er schlug die dafür errichteten Haine nieder, ihre Götzenstatuen riß er herunter und zerbrach ihre Altäre. Das alles löste den Widerstand der Heiden aus, aber auch der Klerus war neidisch auf ihn wegen seiner Erfolge auf missionarischem Gebiet. In Oberitalien trat Martin dem Arianismus entgegen und kam deswegen mit den dortigen, arianisch gesinnten Bischöfen in Konflikt, die so die Gottgleichheit Jesu bestritten, im Gegensatz zum Zeugnis der Bibel.

Der zuständige Bischof, wohl Auxentius von Mailand, der „treulose Bischof“, wie ihn Sulpicius Severus (363-425 n. Chr.), um 395 n. Chr. in seinem Buch „Vita Sancti Martini“ (= Leben des Heiligen Martin) bezeichnete, ergriff Martin und ließ ihn öffentlich von sechs Soldaten auspeitschen. Das geschah wie bei der Kreuzigung Jesu mit einer Geißel aus Lederriemen, an deren Ende Bleikugeln befestigt waren. Johannes berichtete: Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. (Joh. 19, 1). Die Soldaten schlugen so Martin nach römischem Brauch vierzig mal, bis das Blut in Strömen von ihm herabfloß. Ähnlich war es Paulus ergangen: … von den Juden habe ich fünfmal empfangen vierzig Streiche weniger einen (2. Kor. 11, 24). Um Zählfehler auszuschließen, wurde vorsichtshalber einer weniger erteilt, denn man wollte ja „gnädig“ sein und nicht zuviel strafen.

Mit dieser grausamen Strafausführung war eine öffentliche Schande verbunden: vor den Augen aller Menschen nackt dazustehen und die schmerzhaften Schläge auszuhalten. Sogar der Bischof von Rom, Damasus I., erster Papst nach der neuen Ordnung „Pontifex Maximus“ von 366-384 n. Chr., lehnte Martins dringende Bitte ab, für ihn beim Kaiser einzutreten. Da dieser Papst durch die sogenannte Konstantinische Schenkung ja alle Macht an sich gerissen hatte, war das eigentlich auch gar nicht nötig. Dieser stand jedoch den arianisch gesinnten Bischöfen näher, als dem rechtgläubigen Martin, der für ihn wohl eher unbedeutend war.

Die Arianer waren Anhänger des Arius, Presbyter von Alexandria, gestorben 335 n. Chr., der die Gottgleichheit Christi bestritt, dies im Gegensatz zu Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer, Bischof von Alexandria (295-373 n. Chr.). Arius lehrte, daß Jesus Christus nicht der Gottheit des Vaters wesensgleich, sondern nur Geschöpf Gottes sei. Er sagte, Jesus Christus war Mensch und ist erst durch seine Erlösungstat zur Gottheit erhoben worden. Diese Lehre löste dann den arianischen Kirchenstreit aus, in dem sich Theologie und Politik untrennbar verquickten. Die Arianer wurden zwar mehrfach verurteilt, allerdings auch wiederum durch einige Kaiser gefördert. Nach der Weihe des Wulfila oder Ulfilas (311-383 n. Chr.) im Jahre 341 n. Chr. zum „Bischof der Goten“ durch den Arianer Eusebios von Nikomedien, seit 338 n. Chr. Patriarch von Konstantinopel, gestorben 342 n. Chr., nahmen auch die Ostgermanen den Arianismus an. Erst durch die Entscheidung des Frankenkönigs Chlodwig (466-511 n. Chr.) für das (römisch-katholische) Christentum (497 n. Chr.) wurde der Kirchenstreit endgültig beigelegt.

Durch Martin ließ Gott Zeichen und Wunder geschehen. Historiker erkennen an, daß er durch den Glauben an den Namen Jesu zumindest in drei Fällen Tote auferweckt hat. Leider hat Martin jedoch selbst kein literarisches Erbe hinterlassen. Popularität im gesamten christlichen Abendland gewann er in der Zwischenzeit durch die über ihn verfaßten Schriften. Das älteste und wichtigste Schriftstück, die „Vita Sancti Martini“ (= Leben des Heiligen Martin), verdanken wir seinem Zeitgenossen, dem Anwalt Sulpicius Severus (363-425 n. Chr.), einem aquitanischen Adligen und Freund des Heiligen. Dieses Buch wurde mittlerweile zum Muster christlicher Hagiographie, der Beschreibung des Lebens von Heiligen.

Der Tod erreichte Martin auf einer seiner Seelsorgereisen. Am 8. November 397 n. Chr., im Alter von etwa 81 Jahren, starb Martin in Candes. Auf seinem Sterbelager betete er und schaute unverwandt zum Himmel empor. In dieser Lage gab er seine Seele dem Schöpfer zurück; sein Antlitz soll dabei geleuchtet haben wie helles Licht. Seine letzten Worte, wie sie uns überliefert sind, klingen genau wie ein soldatischer Rapport an seinen Kriegsherrn: „Mein Herr, es ist ein harter Kampf, den wir in Deinem Dienste in diesem Dasein führen. Nun aber habe ich genug gestritten. Wenn Du aber gebietest, weiterhin für Deine Sache im Felde zu stehen, so soll die nachlassende Kraft des Alters doch kein Hindernis sein. Ich werde die Mission, die Du mir anvertraust, getreu erfüllen. Solange Du befiehlst, werde ich streiten. Und so willkommen dem Veteranen nach erfüllter Dienstzeit die Entlassung ist, so bleibt mein Geist doch Sieger über die Jahre, unnachgiebig gegenüber dem Alter.“.

Martin wurde dann am 11. November in Tours unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Nachdem der Frankenkönig Chlodwig (466-511 n. Chr.) sich im Jahre 497 n. Chr. für das (römisch-katholische) Christentum entschieden hatte, erhob er ihn zum Nationalheiligen und Schutzherrn der fränkischen Könige. Später erhielt Martin Luther den Namen des Heiligen, da er am 10. November 1483 n. Chr. geboren und am 11. November, dem Martinstag, getauft wurde. (Aus: „Martin von Tours“ von Walter Nigg, Herder-Verlag, und einem Artikel erschienen im „Luxemburger Wort“).

  1. Wir wollen nun den Inhalt des Sendschreibens betrachten, was der erhöhte Herr der Gemeinde zu sagen hat. Der Brief ist an den Engel oder Boten der Gemeinde zu Pergamon gerichtet. Es ist ein Diener Gottes und Nachfolger Jesu Christi, der über die Versammlung der Gläubigen zu wachen hat. Hinter dem von Gott bevollmächtigten Gemeindeleiter steht der Herr mit seiner ganzen Autorität, so wie er seit eh und je für seine Jünger eintritt: Wer euch hört, der hört mich, und wer euch verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat. (Lukas 10, 16).
     

 

Der Herr Jesus gibt dem Apostel Johannes wieder einen ausdrücklichen Schreibbefehl, wie am Anfang eines jeden Sendschreibens. Wir wissen alle, daß eine mündlich überlieferte Botschaft in Gefahr steht, entstellt zu werden oder gar in Vergessenheit zu geraten. Darum bekommt Johannes den deutlichen Auftrag, diese Nachricht für die Gemeinde niederzuschreiben.

Jesus Christus beginnt mit den Worten: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert. Damit stellt sich der erhöhte Herr der Gemeinde zu Pergamon in seiner höchsten richterlichen Autorität vor. Im Altertum gab es zwei Kategorien von Statthaltern: die einen, die das Recht des Schwertes besaßen, und die anderen, die nicht entsprechend bevollmächtigt waren.

Wer das Recht des Schwertes besaß, konnte über Leben und Tod der Menschen entscheiden, indem ein von ihm ausgesprochenes Todesurteil unverzüglich vollstreckt wurde. Dazu schrieb der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer: Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit ohne von Gott; wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott verordnet. Wer sich nun der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung; die aber widerstreben, werden über sich ein Urteil empfangen. Denn die Gewalt haben, sind nicht bei den guten Werken, sondern bei den bösen zu fürchten. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut. (Röm. 13, 1-4).

 

Im Vergleich zu dieser weltlichen Macht spricht Jesus Christus von sich selbst: Das sagt, der da hat das scharfe, zweischneidige Schwert. Dieses scharfe, zweischneidige Schwert ging aus dem Munde des erhöhten Herrn, wie wir schon in Kapitel 1 (Offb. 1, 16), gesehen haben. Wir erkennen daran, daß dieses scharfe, zweischneidige Schwert das Wort Gottes ist, wie uns im Hebräer-Brief bestätigt wird: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer denn ein zweischneidig Schwert und dringt durch, bis daß es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. (Hebr. 4, 12).

Das Wort Gottes, dieses scharfe, zweischneidige Schwert ist in seiner Eigenschaft mit keinem irdischen Schwert zu vergleichen. Der Prophet Jesaja spricht von sich selbst, was der Herr an ihm getan hat: Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht … (Jes. 49, 2). Und Gott spricht durch den Propheten Jeremia: Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der Herr, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (Jer. 23, 29). Weiter rät uns der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser, die Gläubigen von Ephesus: … und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. (Eph. 6, 17).

Dieses scharfe, zweischneidige Schwert seines Wortes gebraucht der Herr auch heute noch. Überall dort, wo das Wort Gottes rein und lauter, vollständig und in Vollmacht verkündigt wird, da bewirkt es Scheidungen und Entscheidungen. Die rechte Verkündigung des Wortes Gottes bewirkt, daß Menschen sich scheiden von der Welt und Sünde, sowie von allem, was dem Herrn nicht gefällt. Wer sich so für Jesus Christus entscheidet, erfährt dann aber auch die reinigende Wirkung, die das Wort Gottes ausübt, wenn man ihm nur nicht widersteht. Deshalb bezeugt Jesus seinen Jüngern damals und heute: Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. (Joh. 15, 3).

Wenn wir von dem „Schwert seines Mundes“ sprechen, dann müssen wir auch an die Gerichte des Herrn denken, die wir später genauer betrachten werden. Ziemlich am Ende der Offenbarung heißt es: Und aus seinem Munde ging ein scharfes Schwert, daß er damit die Völker schlüge … (Offb. 19, 15). Derselbe Herr, der Gericht hält über die Feinde Gottes, ist gleichzeitig Zuflucht für die, die seinen Schutz suchen. Er gebraucht das Schwert, um die Gläubigen zu richten und zu schützen, in dem Sinne, wie es der Dichter ausdrückt:

Der allwissende Herr sagt weiter: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist. Der Luthertext von 1914 lautet: Ich weiß, was du tust und wo du wohnst: da des Satans Stuhl ist. In manchem griechischen Text fehlen hier in diesem Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon die Worte: was du tust. Der ursprüngliche Übersetzer hat sie jedoch sicherlich aus dem Textus receptus, der allerdings zuverlässigsten Handschrift, genommen. Dieser Textus receptus, der griechische Text des Neuen Testamentes, der vom 16. bis 19. Jahrhundert als Übersetzungsvorlage herangezogen wurde, stellte die Arbeitsgrundlage der Reformatoren dar. Das Wort bestätigt daher, Gott weiß um alles, was wir tun, sei es gut oder böse.

Man muß mit Schaudern daran denken, daß jemand wohnt, wo des Satans Thron ist. Daß der Teufel gerade zu Pergamon seinen „Heiligen Stuhl“ aufgerichtet hatte, ist sicherlich nicht von ungefähr geschehen. Warum wohnte Satan zu dieser Zeit nicht in Rom, sondern gerade in Pergamon? Wie wir in unserer Betrachtung schon gesehen haben, wurde damals in Pergamon der Gott der Heilkunst, Asklepios Soter, auf Deutsch: Äskulap, der Heiland, in Form einer Schlange angebetet, die in der unwissenden Welt noch heute als Heilszeichen verwendet wird. An anderer Stelle der Offenbarung heißt es: Und es ward gestürzt der große Drache, die alte Schlange, die da heißt Teufel und Satan, der die ganze Welt verführt. Er ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden mit ihm dahin geworfen. (Offb. 12, 9). Gerade diese Anbetung von seiten der Menschen, wie in Pergamon, will der Teufel, die alte Schlange, auch heute noch.

In der Lutherbibel erklärt heißt es dazu: Asklepiostempel, „Lourdes des Altertums“, Heimat des Arztes Galenus. Noch eine ganze Reihe andere Götter hatten in Pergamon ihre Tempel, so z. B.: Zeus (lat. Jupiter), Athene (= Tochter des Zeus), Apollo (= Sohn des Zeus), Dionysos (lat. Bacchus), der Gott des Weines, und Aphrodite, die Göttin der Liebe. Pergamon war dadurch im wahrsten Sinne des Wortes eine heidnische Tempelstadt, wo sich der Satan niedergelassen hatte. Jemand hat es einmal so ausgedrückt: Der Teufel ist nicht allgegenwärtig, deshalb sucht er sich einen Wallfahrtsort, wo dann die Menschen zu ihm kommen.

In dieser schrecklichen Umgebung befand sich dann die christliche Gemeinde. Pergamon war damals, zur Zeit der Niederschrift der Offenbarung, die Hauptstadt der römischen Provinz Asia, und gerade dort in Kleinasien, sowie auch in Syrien und Griechenland, war die Gemeinde Jesu sehr stark vertreten. Der wütende Gegenspieler Gottes, der Satan, versuchte deshalb nach Möglichkeit von Pergamon aus den Leib Christi, die Gemeinde, zu beeinflussen und womöglich zu zerstören und auszurotten.

Das vom Herrn der Gemeinde nun zuteil werdende Lob lautet: … und hältst an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Pergamon war die erste Stadt in der römischen Provinz Asia, in der dem Kaiser zu Ehren ein Tempel errichtet wurde, und zwar im Jahre 29. v. Chr., zur Zeit des Augustus, des ersten römischen Kaisers. Im Zusammenhang damit wurde gesetzlich bestimmt, daß alle römischen Bürger jährlich einmal zum Kaisertempel gehen, dort zu Ehren der kaiserlichen Gottheit eine Prise Weihrauch verbrennen und sagen mußten: „Der Kaiser ist der Herr“. Daraufhin erhielten die Bürger eine schriftliche Bestätigung darüber, daß sie dem Kaiserkult Genüge getan hatten.

Dabei müssen wir zweierlei beachten: Erstens, war das Ganze gewiß mehr ein politischer Loyalitätsakt, als eine ernsthafte religiöse Zeremonie. Zweitens, verfolgte Rom damit bestimmt zu keiner Zeit die Absicht, den Kaiserkult zum einzig zulässigen Kult zu machen. Jeder römische Bürger, der damit bekannte, daß der Kaiser der Herr sei, konnte im übrigen jeder beliebigen Religion anhangen. Allerdings durfte diese keineswegs im Widerspruch zur öffentlichen Ordnung und den geltenden Anstandsregeln stehen. Nach seinem Tode wurde Augustus dann „Divus“ (= der Göttliche) genannt und Nero später als Heiland der Welt bezeichnet. Zur Zeit des Apostels Johannes beanspruchte jedoch erstmalig der Kaiser Domitian für sich die Anrede: „Dominus et Deus noster“ (= unser Herr und Gott). Für jeden Gläubigen war es aber geradezu teuflisch, jemand anderen „Herr und Gott“ zu nennen, als allein Jesus Christus, den Sohn Gottes. Dieser Jesus sprach zu den Juden: Wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat. (Joh. 5, 23). Das aber bedeutete, ohne jede Ungewißheit, daß allen Christen in diesem Zeitraum des Kaiserkultes ständig der Tod drohte.

Als nun im Jahre 313 n. Chr. das Edikt von Mailand, das Toleranzedikt, durch Kaiser Konstantin I. verkündet wurde, änderte sich die Lage für die Christen. Das Ansehen der Bischöfe und besonders der Metropoliten in der christlichen Kirche machte die Verbindung zwischen Kirche und Staat leicht, und deshalb dauerte es nicht lange, bis die Machtmittel des Staates den Kirchenführern zur Verfügung standen. So wurden die Verfolgten alsbald zu Verfolgern, um ihre eigenen Bestimmungen durchzusetzen. Die schriftgemäßen Gemeinden wurden wieder oder weiterhin verfolgt, doch jetzt jedoch nicht mehr vom (weltlichen) Römischen Reich, sondern neuerdings von der Einrichtung, die sich anmaßte, die christliche Kirche zu sein. Das war demnach die Situation im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon, dessen Dauer bis etwa 606 n. Chr. anzusetzen ist.

Im Jahre 325 n. Chr. wurde durch Kaiser Konstantin I. das erste Ökumenische Konzil einberufen und trat in Nicäa in Bithynien zusammen. Unter dem Vorsitz des Kaisers und im Beisein von Papst Silvester I., regierte vom 31.1.314-31.12. 335 n. Chr., waren dort 318 Bischöfe mit zahlreichem Gefolge aus allen Teilen des Reiches versammelt, und das Konzil wurde von Konstantin mit großem Gepränge eröffnet. Eine Anzahl der erschienenen Bischöfe trug an ihren Leibern Male der Folterungen, die sie während der Verfolgungszeit erlitten hatten. Das Hauptthema dort war ein Kirchenstreit um die Lehre des Arius, Presbyter von Alexandria, gestorben 335 n. Chr., der seit dem Jahre 318 n. Chr. öffentlich die sogenannte „Homoiusios“ (= hwmwiusioV) oder Gottähnlichkeit Christi vertrat, im Gegensatz zu Athanasius oder Athanasios, griechischer Kirchenlehrer (295-373 n. Chr.), der unbeirrt an der Lehre der „Homousios“ (= hwmwusioV) oder Gottgleichheit Christi festhielt. Mit Ausnahme von nur zwei Bischöfen erklärte damals das gesamte Konzil die Lehre des Arius für grundsätzlich falsch; denn sie entspreche ganz und gar nicht der ursprünglichen Lehre der Kirche. Er wurde daraufhin verurteilt, abgesetzt und so aus der Christengemeinschaft verstoßen.

Obwohl diese Entscheidung an sich richtig war, bestätigte doch sodann die Art, wie man sie durchsetzte, nämlich durch die staatliche Gewalt, das Abweichen der Kirche von der Heiligen Schrift. Nur etwa zwei Jahre nach dem Konzil von Nicäa rief Konstantin I., der seine Ansichten wohl inzwischen geändert hatte, auf Betreiben des Eusebios von Nikomedien, alsdann den Arius aus dem Exil zurück, und unter der Regierung seines Sohnes Konstantius II. (317-361 n. Chr.), seit 337 n Chr. Kaiser, wurden nun alle Bischofssitze mit arianischen Bischöfen besetzt. Die Entscheidung des Konzils von Nicäa war damit gänzlich hinfällig geworden. Die Kirchenleitung, nun arianisch geworden, verfolgte hinfort die wahren Gläubigen, die Athanasianer, allerdings noch erheblich schlimmer als vorher die Arianer geächtet worden waren.

Das Schicksal des Athanasius oder Athanasios, dieses griechischen Kirchenlehrers (295-373 n. Chr.), ist gewiß beispielhaft für die Verfolgung der wahren Gläubigen im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon. Als junger Mann, 30 Jahre alt, hatte er am Konzil von Nicäa teilgenommen, mit 33 Jahren wurde er dann Bischof von Alexandria. Nahezu fünfzig Jahre lang hielt er, obwohl häufig verbannt, tapfer das Zeugnis von der wahren göttlichen Natur des Heilandes aufrecht. Er wurde verleumdet, vor Gericht geschleppt, suchte Zuflucht in der Wüste, kehrte in die Stadt zurück – aber nichts brachte ihn von der Verteidigung der Wahrheit ab, an die er glaubte. Er ließ sich dabei durch nichts, weder durch Volksmeinung, noch durch Drohungen oder gar Schmeicheleien der Regierenden umstimmen, sondern war bis zu seinem Tode standhaft, ein wahrer Vater der Kirche, wie ihn Historiker später bezeichneten. Übrigens ging er bei seiner ersten Verbannung nach dem Tode Kaiser Konstantins nach Trier.

Glücklich der Gläubige, zu dem Jesus sagen kann: und hast den Glauben an mich nicht verleugnet. Im Luthertext von 1914 heißt es etwas undeutlicher: … und hast meinen Glauben nicht verleugnet, was jedoch eher dem Urtext entspricht. Dabei geht es nicht um einen Religions-, Konfessions- oder Allerweltsglauben, sondern um den wahren, lebendigen Glauben, von dem Judas, der Bruder Jesu, schreibt: … der ein für allemal den Heiligen übergeben ist. (Judas 3). Dieser Glaube wird heute mehr und mehr verleugnet, etwa indem man der Koexistenz, Solidarität und der Toleranz mit dieser Welt huldigt oder das Geschäft, die Ehre und die Karriere vor Jesus stellt. Oh, diese armen Gläubigen wissen leider nicht, was die Erlösung durch Jesus Christus und der Glaube an ihn wirklich bedeutet, sonst würden sie nicht diese unheiligen Kompromisse eingehen.

und hast den Glauben an mich nicht verleugnet auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt. Von Antipas, dem treuen Blutzeugen in der Gemeinde zu Pergamon, wissen wir sehr wenig. Antipas heißt „Gegner“ bzw. „gegen alle oder alles“. Sein Name ist auch sonst nirgendwo in der Bibel erwähnt. Trotz seiner also kaum beschriebenen Persönlichkeit ist er bei Gott jedoch bestens bekannt, denn der erhöhte Herr nennt ihn ehrenvoll:mein treuer Zeuge. Im Urtext steht hier das griechische Wort: martoV (= martos), das eher „Märtyrer“ bedeutet, zudem insgesamt achtzehn Mal in verschiedenen Formen im Buch der Offenbarung vorkommt. Es bedeutete ursprünglich „Zeuge“, aber später erhielt es die Bedeutung von „einem, der um seiner Treue willen als Zeuge starb“ – diese Bedeutung liegt hier vor.

Einer Überlieferung zufolge, die sich bei Tertullian (Quintus Septimius Florens Tertullianus), ältester lat. Kirchenvater aus Karthago (160-220 n. Chr.), findet, soll Antipas als Bischof von Pergamon zur Zeit des römischen Kaisers Domitian, der von 81-96 n. Chr. regierte, in einem glühenden Stierleib zu Tode geröstet worden sein (nach Simon Metaphrastes). Der Überlieferung nach sollte Antipas schwören, der Kaiser sei Gott. Da ergab sich folgender Dialog:
Antipas: „Jesus allein ist Gott! – Außer Ihm gibt es keinen Gott!“
Ankläger: „Weißt du nicht, daß du die ganze Welt gegen dich hast?“
Antipas: „Dann bin ich eben gegen die ganze Welt!“
(Anmerkung: Sein Name bedeutet: gegen alle oder alles, siehe oben.).
Daraufhin steckten sie den Antipas in einen Stier aus Messing und machten Feuer darunter! Nun, Gott sagte: „Mein treuer Zeuge!“ – Antipas war ein Mann, der sein Leben ganz dem Herrn ausgeliefert hatte, ja, der seine Liebe ihm gegenüber sogar mit dem Tod besiegelte.

Kein Zweifel also, daß wir es bei Antipas außerdem mit einem Symbol-Namen zu tun haben. Dieser bezieht sich folgerichtig auf alle die einzelnen, besonders hervortretenden „Widersprecher“, so ebenfalls nach einer anderen Übersetzung einer bedeutsamen Handschrift des biblischen Textes, und zudem ausnahmslos alle Nein-Sager um des Glaubens und des Zeugnisses Jesu willen im andauernden Verlauf der gesamten Welt- und Kirchengeschichte, wie dann gerade auch im Zeitabschnitt der Gemeinde zu Pergamon, den wir gegenwärtig betrachten.

Am Anfang dieses Sendschreibens heißt es schon unheimlich bedeutungsvoll: Ich weiß, wo du wohnst: da des Satans Thron ist, hier immerhin noch einmal: … wo der Satan wohnt. Was hat Pergamon eigentlich für eine Bewandtnis mit dem Thron Satans? Nun, Pergamon war das religiöse und kulturelle Zentrum nicht nur Kleinasiens, sondern erwiesenermaßen des Römischen Reiches überhaupt. An einem Hügel gebaut, reihte sich Tempel an Tempel, die dann allen möglichen babylonischen, ägyptischen, griechischen und römischen Gottheiten geweiht waren. Als Attalos oder Attalus III. Philometor (= Mutterliebe), König von 138-133 v. Chr., der letzte König und Priester von Pergamon, im Jahre 133 v. Chr. starb, vermachte er die Führung besonders der babylonischen Priesterschaft an Rom.

Als die Etrusker von Kleinasien, der Gegend um Pergamon, etwa 1000 v. Chr. nach Italien einwanderten, brachten sie zugleich die babylonische Religion mit allen ihren Riten mit. Sie ernannten einen „Pontifex“, einen Brückenbauer zu Gott, der fortan das Haupt der Priesterschaft war. Die Römer versuchten schon 509 v. Chr. sich von der Fremdherrschaft der Etrusker zu befreien, trotz allem dauerte es noch einige Jahrhunderte, bis die Widerstandskraft der Etrusker endgültig geschwächt war. Ein letzter Aufstand der Etrusker gegen die Römer fand dann im sogenannten Bundesgenossenschaftskrieg 91-88 v. Chr. statt, bei dem sie den Rest ihrer nationalen Eigenständigkeit verloren und romanisiert wurden. Viele Familien zogen damals nach Rom, dessen Bewohner nun die etruskische Kultur annahmen, die stark religiös bestimmt war und besonders den Glauben an Dämonen und Geister, die Wahrsagerei und einen ausgeprägten Totendienst beinhaltete. Einige Jahrhunderte später übernahmen dann die zivilen Herrscher der Römer das Amt und die Würde dieses „Pontifex“ der etruskischen Priester.

Julius Cäsar (13.7.100-15.3.44 v. Chr.), der bedeutende römische Staatsmann und Feldherr, wurde im Jahre 63 v. Chr. zum ersten „Pontifex Maximus nach der zuvor übernommenen „Babylonischen Ordnung“ ernannt. Damit wurde er gleichfalls Erbe der Rechte und Titel des Attalos oder Attalus III. Philometor, der „Pontifex“ von Pergamon gewesen war und bei seinem Tode im Jahre 133 v. Chr. dann Rom zum Erben eingesetzt hatte. So wurde der römische Diktator und bald unumschränkte Alleinherrscher das Haupt der babylonischen Priesterschaft und Rom somit die Nachfolgerin Babylons. Der Name Cäsar wurde zum Begriff (Kaiser, Zar), später zum Beinamen aller Kaiser und zum Titel der Nebenkaiser und Thronfolger. Übrigens wurde damals der fünfte Monat im römischen Kalender, der Geburtsmonat Cäsars, wegen ihm in „Julius“ umbenannt.

Die Kaiser von Rom setzten die Ausübung des Amtes des „Pontifex Maximus“ fort bis zum Jahre 376 n. Chr., als Gratian (Flavius Gratianus Augustus), römischer Kaiser (359-25.8.383 n. Chr.), Kaiser seit 367 n. Chr., aus christlichen (!) Gründen diesen Titel ablehnte.

Pastor Arnold Baum ergänzte: Daraufhin wurde durch den Einfluß der Mönche des Berges Karmel, ein Kollegium babylonischer Religion, das ursprünglich, zur Zeit des Propheten Elia, von den Priestern der Isebel gegründet worden war, im Jahre 378 n. Chr. der Titel „Pontifex Maximus“ mit allen Rechten und Pflichten dem Bischof von Rom übertragen. (Albert Lüscher: Babylon).

Damasus I., Papst von 366-384 n. Chr., war damals der Bischof von Rom, der sich außerdem noch bei der Übernahme dieses Amtes des „Pontifex Maximus“ auf die Konstantinische Schenkung berief, die es als Urkunde noch nicht gab!

So wurde im Jahre 378 n. Chr. der Herrscher der römisch-katholischen Kirche zum Haupt dieser Kirche ernannt, jedoch nach der „Babylonischen Ordnung“! Damasus I. war demzufolge der erste Papst gemäß dieser neuen Ordnung. Auf diese Weise wurde der Thron Satans von Pergamon jetzt endgültig nach Rom verlegt, der „Heilige Stuhl„, der Rom und Babylon von nun an zunehmend vereinigte zu einem ökumenischen System. Von diesem Zeitpunkt an war diese Kirche gleich den Ungläubigen allemal dem Gott dieser Welt unterstellt, etwa wie der Apostel Paulus es ausdrückte: Ist nun unser Evangelium verdeckt, so ist’s denen verdeckt, die verloren werden, den Ungläubigen, denen der Gott dieser Welt den Sinn verblendet hat, daß sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit Christi, welcher ist das Ebenbild Gottes. (2. Kor. 4, 4).

Nachdem Jesus das so schöne Zeugnis hatte geben können, mußte er leider noch einen berechtigten Tadel aussprechen: Aber ich habe ein Kleines wider dich, daß du daselbst hast, die an der Lehre Bileams halten, welcher den Balak lehrte, zu verführen die Kinder Israel, daß sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben.Kleine Ursachen, große Wirkungen, das war auch die Situation in der Gemeinde zu Pergamon, in der sich Anhänger der Lehre Bileams befanden.

Worin bestand die Lehre Bileams? Bileam (= „Verschlinger oder Verderber des Volkes“) war ein heidnischer Seher aus Mesopotamien, den der Moabiterkönig Balak (= „Er verwüstet“) zweimal nacheinander berief, um Israel zu verfluchen.

Statt aber zu fluchen, mußte er in vier Sprüchen voll dichterischer Schönheit prophetisch die herrliche Zukunft Israels verkünden. Balak wurde dann zornig und sprach zu Bileam: Geh nun weg in dein Land! Ich dachte, ich wollte dich ehren, aber der Herr hat dir die Ehre verwehrt. Nachzulesen in 4. Mose, Kap. 22-24.

Da Gott es dem Bileam dennoch verwehrte, Israel zu verfluchen, so hat Bileam dann nach 4. Mose 31, 16 den Moabitern und Midianitern den teuflischen Rat gegeben, die Israeliten durch ihre Frauen zum Götzendienst und zur Hurerei zu verführen. So kam es in Israel zum geistlichen Ehebruch und zur fleischlichen Unzucht. Diese Sünde hat vierundzwanzigtausend Israeliten das Leben gekostet (4. Mose 25, 9). Auch Bileam selbst hat so hernach den Tod durch das Schwert erleiden müssen (4. Mose 31, 8). Somit erkennen wir in Bileam einen falschen Propheten, der nach Gottes ausdrücklichem Gebot gerichtet wurde: Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, daß er redet in meinem Namen, was ich ihm nicht geboten habe, und wenn einer redet in dem Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben. (5. Mose 18, 20). Wieviele Propheten müßten heute sterben?

Aus dem Sendschreiben an die Gemeinde zu Pergamon kann man ohne weiteres schließen, daß da, wo des Satans Thron ist, auch die Lehre Bileams ist. So wie der „Heilige Stuhl“ des Teufels heute nicht mehr in Pergamon ist, so ist auch jetzt der Mittelpunkt der Ökumene nicht mehr dort. Bileam verführte Israel zum Götzendienst, also geistlichem Ehebruch, und zur Hurerei, der fleischlichen Unzucht. Genau dasselbe ist die moderne „christliche“ Ökumene, nämlich ein Festhalten an der Lehre Bileams, die eine Vermischung der christlichen Lehre mit heidnisch-babylonischen Bräuchen ist.

Bei Bileam war das dann so: Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter; die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an. Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des Herrn Zorn über Israel … (4. Mose 25, 1-3). So wurde das Volk Gottes verführt, anderen Göttern zu dienen. In Pergamon war es dann so, daß man den Götzen der Heiden huldigte und den Lüsten dieser Welt frönte. Heute ist man einerseits offen für alle Religionen und andererseits offen für alle Vergnügungen, für die „Sex-Göttin“ und für das „süße Leben“.

Nach den Besuchen von „Beobachtern“ am ökumenischen Konzil unter dem damaligen „Pontifex Maximus“, Papst Johannes XXIII., vor etlichen Jahren, geht es jetzt in unserer Zeit nach „babylonischer Ordnung“ weiter – so beispielsweise mit Kanzeltausch und dem gegenseitigen Besuch von Gottesdiensten. Das aber ist gerade die feine, teuflische Methode, um die Gläubigen landauf und landab mit dem äußerst gefährlichen Gift der Koexistenz, Solidarität, Toleranz und anderer Kompromisse zu vernebeln und dann einzuschläfern. Denn wenn nun die geistlichen Führer irren und mit wehenden Fahnen Verrat an Jesus Christus und seiner Gemeinde begehen, dann ist ebenfalls der „frommen“ Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit mit all ihren Folgen Tür und Tor geöffnet. So ist es wahrlich auch kein Wunder, wenn das geistliche Niveau der Gotteskinder auf einen so bedenklichen Tiefstand herabsinkt, wie das nun in unseren Tagen der Fall ist. Heute gehen einst blühende Gemeinden wegen ihrer Toleranz einfach zugrunde. Es ist wirklich erschütternd, feststellen zu müssen, daß es jetzt nur noch sehr wenige christliche Missionswerke gibt, die nicht Bileam zum Propheten haben, also durch allerlei weltliche Einflüsse die Gotteskinder verwirren und betören.

Die Absicht, die nun die Ökumene entschieden verfolgt, wird sich nicht länger auf die Zusammenführung der „christlichen“ Kirchen beschränken, sondern ihr endgültiges Ziel besteht in der unwiderruflichen Vereinigung aller Religionen, und somit der ganzen Menschheit, unter einem geistlichen Oberhirten. Deshalb gibt es für die Gemeinde Jesu nur eine Wahl: Darum „gehet aus von ihnen und sondert euch ab“, spricht der Herr; „und rühret kein Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein, und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein“, spricht der allmächtige Herr (Jes. 52,11; Jer. 31,9). (2. Kor. 6, 17-18).

So hast auch du solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten halten. Schon zuvor in der Gemeinde zu Ephesus begegneten wir den Nikolaiten. Das war eine Sekte, die sich nach dem in der Apostelgeschichte (Apg. 6, 5) erwähnten Diakon Nikolaos bzw. Nikolaus, den Judengenossen von Antiochien, nannte. Nikolaos heißt übersetzt: Volksbesieger; nikaw = besiegen oder auch überreden und laoV = Volk oder Laienstand. Während in Ephesus (Offb. 2, 6) besonders ihre Werke bloßgestellt werden: Götzenopfer und Unzucht im Volke Gottes einzuführen, so geht es in Pergamon doch grundsätzlich um ihre falsche Lehre. Die falsche Stellung der Gemeinde brachte auch eine falsche Lehre. Je mehr sie sich zur Weltförmigkeit neigte, desto mehr öffnete sie ihr Ohr gleichfalls der Weltweisheit gerade der Menschen, die anstelle des Kreuzes so eine falsche Religion setzen, die dem Fleische angenehmer und bekömmlicher ist. – Aber ganz genau das ist die Ursache, woran Menschen ins Fleisch zurückfallen, ja sogar Seelen verlorengehen und alle „fromme“ Betriebsamkeit letztlich doch zu nichts führt, außer ihrer Gemeinde einen christlichen Schein zu verleihen.

Ephesus haßte die Werke der Nikolaiten, Pergamon hingegen duldete ihre Lehrer und Lehre. Die Nikolaiten waren jene Leute, die den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien predigten und dann den „Geistlichen Stand“ einführten, den Gott so enorm haßt. Hohe geistliche Würdenämter, ja das Papsttum selbst, waren ja schließlich das Resultat des Aufgebens des allgemeinen Priestertums. Wissenschaftlich gebildete Theologen, die den Heiligen Geist zum größten Teil nicht haben und die so von keiner Berufungsstunde nach Jesaja 6, 1 ff. wissen, gelten nach der Heiligen Schrift allgemein nicht als Diener am Worte Gottes.

Die Reden der Nikolaiten klangen zu allen Zeiten äußerst lieblich, menschenfreundlich, entgegenkommend und überzeugend; aber ihr Rat ist nicht göttlich, sondern teuflisch. Der Herr haßt die Lehre und Werke der Nikolaiten. Welches ist unsere Stellungnahme? Nur wer durch rechtes Hören, treues Bewahren und stilles Tun im Worte Gottes eingewurzelt wird, der wird auch vor den Lehren der unzähligen Arten von Nikolaiten der Letzt- und Endzeit bewahrt bleiben.

Der erhöhte Herr ruft deshalb eindringlich: Tue Buße! Für begangene Schuld und Sünde gibt es nur ein Mittel, wodurch Gott dann wieder gnädig gestimmt werden kann – und dieses heißt ganz einfach: Buße und Glauben an die Vergebung durch Jesus Christus. Das griechische Wort für Buße heißt: metanoia = metanoia und bedeutet eigentlich genau: „Sinnesänderung“ oder „Umdenken“. Der Herr will nämlich überhaupt keine Entschuldigungen und keine frommen Gelübde hören. Was Jesus sehen will, das ist Buße sowie aufrichtiges Bereuen des Abweichens und heiliges Leidtragen über den Treuebruch ihm gegenüber.

wo aber nicht, so werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes. Aus diesen Worten geht hervor, daß der Herr nicht mit der Gemeinde kämpfen will, sondern nur mit denen, die sich der falschen Lehre ergeben haben. Wenn nun Jesus mit den Bileams- und Nikolaos-Dienern Krieg führen muß, weil die Gemeinde sie duldet, so stellt sie sich dadurch das traurige Zeugnis der Erkenntnis- und Disziplinlosigkeit aus. Obwohl dann die Gemeinde den Glauben an Jesus nicht verleugnet hat und an seinem Namen festhält, zeigt sie sich unfähig oder unwillig, dem Bösen in jeder Gestalt zu wehren. Denn jede wahre Gemeinde, die durch den Heiligen Geist geleitet wird, schreitet umgehend gegen jede fleischliche Handlung und gegen jeden Irrtum eindeutig und geschlossen ein. Auf diese Fragen der Gemeindedisziplin gibt uns der Apostel Paulus in 1. Korinther 5, 9-13 eine richtungsweisende Antwort.

In Pergamon waren es wohl nur einzelne, die ihre Vermischung mit der Welt bis zur Tradition oder Lehrmäßigkeit bringen konnten. Aber eben, sie wurden dort in dieser Gemeinde geduldet, sie konnten ihr Wesen, ihre Praxis und ihre Lehre entfalten. – Der Vorsteher nahm überhaupt keine Stellung dagegen. Er schwieg! Auch bei uns wird die Weltlichkeit nicht durch die Welt selbst, sondern durch die „Frommen“ in die Gemeinde hineingetragen. Es fällt auf, daß kein einziger Gemeindeleiter von Gott den Vorwurf bekam: „Du hast zu wenig Leute in der Versammlung, du hast zu wenig Rücksicht auf sie genommen!“ Oder: „Du hast den Gottesdienst nicht nach ihren Vorstellungen gestaltet, damit es ihnen dort besser gefiel!“ Oder: „Du bist zu wenig auf sie eingegangen, darum sind sie nun weggeblieben!“ Nein, nein, der erhöhte Herr sagt mit anderen Worten: „Du hast zu wenig scharf gesprochen, sonst wären diese unhaltbaren Zustände sicherlich nicht in Deiner Gemeinde!“

Das Schwert seines Mundes ist das Wort Gottes, das von diesem erhöhten Herrn ausgeht, wie wir schon bei der Betrachtung von Kapitel 1 (Offb. 1, 16) und oben bei Vers 12 gesehen haben. Das Wort Gottes überführt uns von unseren Sünden, es konfrontiert uns mit der Wahrheit. Dadurch wird die Tatsache offenbar, daß wir versagt haben, sie nicht erkannt und ihr darum nicht gehorsam gewesen sind. Welche Tragik, wenn das Wort, das uns aus dem Munde dessen, der sich für uns dahingegeben hat, zum Leben gesandt ist, in vielen Fällen dereinst zum Schwert werden muß. Jesus weinte damals über Jerusalem, dessen „fromme“ Bewohner nicht auf ihn hören wollten. Muß er wohl heute über unsere Gemeinde, über uns oder über einzelne unter uns, auch weinen?

Nun folgt wiederum die dringende Aufforderung zum Hören: Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Durch die Ohren nehmen wir die akustischen Signale unserer Umgebung in uns auf. Doch anders ist es mit den Eindrücken aus der geistlichen Welt, denn diese können nur mit den Ohren des Herzens wahrgenommen werden. Die Aufforderung gilt deshalb ausschließlich denen, die solche Ohren haben; demgemäß, die zur Gemeinde Gottes gehören. Die Sprache des Geistes kann nur in der Stille gehört und verstanden werden; das ist dann die einzige Wellenlänge für den Empfang dieser geistlichen Signale.

Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna. … Dieses Überwinden bleibt keiner Gemeinde und keinem Gotteskind erspart. Der Kampf der Gemeinde zu Pergamon richtete sich ja nicht gegen äußere Feinde, wie ihn Smyrna erduldet hatte, sondern nur gegen innere Feinde, die sich bereits in den Raum der Gemeinde eingeschlichen hatten, ebenso auch später in den gesamten Zeitabschnitt von Pergamon.

Das verborgene Manna, dieses Himmelsbrot, geht auf eine jüdische Vorstellung beim Kommen des Messias zurück. Als die Kinder Israel in der Wüste nichts zu essen hatten, speiste Gott sie mit Manna (2. Mose 16, 11-15). Zur Erinnerung an die damalige Not und die Gabe Gottes füllten die Juden einen Krug mit Manna und stellten ihn in die Lade des Bundes und bewahrten beides im Allerheiligsten des Tempels auf (2. Mose 16, 33-34; Hebräer 9, 4). Dann über 500 Jahre v. Chr. wurde der von Salomo gebaute erste Tempel zerstört. Nach 2. Makkabäer 2, 1-8 soll Jeremia damals, auf göttliche Weisung hin, die Stiftshütte, sowie die Lade, den Krug mit dem Manna und den Rauchopferaltar in einer Spalte des Berges Nebo versteckt haben, mit der Absicht, wenn einmal der Messias kommt, dann wird er die Stätte offenbaren und den Krug mit dem Manna wieder entdecken.

Im Talmud heißt es dazu (Taanit 9 a): Drei gute Fürsorger standen Israel bei. – Diese sind’s: Mose, Aaron und Mirjam. Und drei gute Gaben wurden ihretwegen gegeben. Und diese sind’s: Der Brunnen, die Wolke und das Manna; der Brunnen Mirjam zuliebe (2. Mose 17, 1-7), die Wolkensäule Aaron zuliebe (2. Mose 13, 21) und das Manna Mose zuliebe (2. Mose 16, 4). … Als Mose starb, entfernten sie sich alle, denn es heißt: Die drei Hirten schaffte Ich aber in einem Monat weg. (Sacharja 11, 8, jüdische Übersetzung). Bezeichnenderweise ist Mose auf dem Berge Nebo gestorben (5. Mose 34, 1-8).

Vom verborgenen Manna zu essen, bedeutet für die Juden, daß sie teilhaben werden an den Segnungen des messianischen Zeitalters, des Tausendjährigen Friedensreiches Jesu Christi. Als die Juden damals Jesus am See Genezareth fanden: Da sprachen sie zu ihm: Was tust du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und glauben dir? Was wirkest du? Unsre Väter haben das Manna gegessen in der Wüste, wie geschrieben steht (Ps. 78, 24): „Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.“. – Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das rechte Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allewege solch Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (Joh. 6, 30-35).

Dann bezeugte Jesus ihnen noch ein weiteres Mal: Ich bin das lebendige Brot, vom Himmel gekommen. Wer von diesem Brot essen wird, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, das ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. (Joh. 6, 51). Demnach darf der Gläubige schon im diesseitigen Leben teilhaftig werden an dem verborgenen Manna, dem Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist. Die Gesamtfülle dieses verborgenen Mannas wird er jedoch erst in der Herrlichkeit erkennen, denn er ist dort zum Hochzeitsmal des Lammes berufen.

und will ihm geben einen weißen Stein; auf dem Stein aber steht ein neuer Name geschrieben, welchen niemand kennt, als der ihn empfängt. Der weiße Stein ist eine Erinnerung an die antiken Spiele. Es war üblich, daß der Kampfrichter den Siegern neben dem verwelkenden Siegeskranz noch als beständigere Siegesurkunde weiße Marmortäfelchen mit eingraviertem Namen aushändigte, auf Grund derer sie bei ihrer Heimkehr als Sieger geehrt wurden. Dieser weiße Stein sicherte ihnen sodann in ihrer Stadt außerdem das lebenslängliche Wohnrecht samt Verpflegung zu.

Der Apostel Paulus erzählte aus seinem Leben, als er an die Korinther schrieb: Wisset ihr nicht, daß die, so in der Kampfbahn laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Laufet so, daß ihr ihn erlanget! Ein jeglicher aber, der da kämpft, enthält sich alles Dinges; jene nun, daß sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen. (1. Kor. 9, 24-25).

Diese himmlische Siegerehrung sagt der Herr so den Überwindern zu. Ihr neuer Name wird auf dem Stein verzeichnet sein, sie werden dann im neuen Jerusalem ewiges Wohnrecht haben. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten … (Offb. 7, 16). Dermaleinst werden die Sieger in weißen Kleidern in der Herrlichkeit nach ihrem neuen Namen aufgerufen und gekrönt werden. In der Bibel wurde einem Menschen oft ein neuer Name gegeben, nachdem er sich im Glauben bewährt hatte, wie z. B. Abram, den Gott dann Abraham nannte (1. Mose 17, 1-8), oder auch Jakob, der fortan den Namen Israel tragen durfte (1. Mose 32, 22-32). Im Neuen Testament haben wir also desgleichen, z. B. Levi, den Zöllner, aus dem dann Matthäus, der Apostel und Evangelist wurde (Matth. 9, 9 bzw. Mark. 2, 14 und Luk. 5, 27), wie dann auch Simon, der nun Petrus (lat.) bzw. Kephas (hebr.) heißen sollte (Joh. 1, 42).

Außerdem wurden zu der Zeit bei Gerichtsverhandlungen weiße und schwarze Steine verwendet. Wer schuldig gesprochen wurde, bekam einen schwarzen, dem Unschuldigen oder dem Sieger bei der Gerichtsverhandlung wurde jedoch ein weißer Stein ausgehändigt. In den erwähnten Verfolgungen haben die Jünger Jesu wohl oft genug von ihren Richtern unberechtigterweise schwarze Steine entgegennehmen müssen. Der gerechte himmlische Richter jedoch gibt ihnen den wohlverdienten weißen Stein. Weiß ist immer die Farbe des Siegers und der Unschuld.

Das Schlüsselwort: Folge nicht der eitlen Welt!

Die Dauer der Gemeinde zu Pergamon (Zeitraum): etwa von 313-604 n. Chr., also 291 Jahre.

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