Christentum

Das 2.Sendschreiben an Smyrna

Das zweite Sendschreiben betrifft die Gemeinde zu Smyrna:

Und dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden: Ich weiß deine Trübsal und deine Armut – du bist aber reich – und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden und sind’s nicht, sondern sind des Satans Synagoge. Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. (Offb. 2, 8-11).

  1. Das griechische Wort „Smyrna (= Smurna)“ entspricht dem deutschen Wort „Myrrhe“ und bedeutet die „Bittere„, auch übersetzt „Myrtenbaum“ oder „Bitterkeit“. Myrrhe ist das im Heiligen Land und in Arabien bekannte wohlriechende Harz, aus dem das Salböl der Priester bereitet wurde, und auch der Balsam, mit dem man die Toten vor Verwesung schützte; ferner wurde es als duftendes Rauchwerk verbrannt.
     

 

Smyrna, das heutige türkische Izmir, wurde ungefähr um das Jahr 1000 v. Chr. als griechische Kolonie von dem Thessalier Theseus gegründet (angeblich) und lag 55 km nordwestlich von Ephesus. Thessalien ist eine Landschaft im Nord-Osten Griechenlands, eine fruchtbare Ebene, allseitig von Gebirgen umschlossen. In vorgeschichtlicher Zeit war es das Durchzugsgebiet der einwandernden Griechenstämme, deshalb Ursprungsort vieler Mythen. Theseus, Sohn des Königs Aigeus, zog als Jüngling nach Athen. Im Alter aus Athen vertrieben, soll er in Skyros, einer Insel nordöstlich von Euböa, vom Felsen gestürzt worden sein. Kimon holte 475 v. Chr. die Gebeine des Theseus aus Skyros nach Athen. Dramen von William Shakespeare (Sommernachtstraum) u. a. handeln von ihm.

Die Stadt war zur der Zeit für ihre außergewöhnliche Schönheit und ihre großartigen Gebäude bekannt; ihr Hinterland war sehr fruchtbar. Dank ihres ausgezeichneten Klimas, ihrer strategischen Lage und der guten Wasserversorgung entwickelte sich Smyrna zu einer der wohlhabendsten Städte Kleinasiens. Als Hafen- und Handelsstadt in der römischen Provinz Asia am Ägäischen Meer war Smyrna natürlicher Endpunkt der alten Handelsroute durch das Tal des Hermos oder Hermus, der heute Gediz oder Sarabat heißt. Dieser Fluß ist etwa 300 km lang und entspringt im Gebirge südlich von Kütahya und fließt westlich bis er in den Golf von Izmir, dem damaligen Smyrna, mündet. Der Golf von Izmir ist allerdings heute stark verschmutzt durch die vielen Industriebetriebe, die sich in dieser Gegend befinden.

Die Bezeichnung „Krone von Smyrna“ scheint sich auf den Ring öffentlicher Gebäude auf der Spitze des Hügels Pagos bezogen zu haben, an dessen Hängen sich die übrige Stadt hinzog. Smyrna war damals eine freie Stadt und im Altertum berühmt für seine unerschütterliche Treue zu Rom. Lange bevor Rom zur Weltmacht geworden war, hatte es sich bereits auf seine Seite gestellt und von allen Städten des Ostens in ganz besonderem Maße Rom gegenüber Loyalität bewiesen. Als im Jahre 26 n. Chr. unter den Städten Kleinasiens ein Wettstreit darüber ausbrach, in welcher Stadt dem göttlichen Tiberius ein Tempel errichtet werden sollte, wurde diese Ehre schließlich Smyrna zuerkannt, das damit sogar noch Ephesus ausstach.

Smyrna erhob insbesondere auch Anspruch darauf, der Geburtsort Homers zu sein, dessen Bildnis die Münzen der Stadt zierte. Zu seinen Ehren war damals ebenfalls das sogenannte Homereion errichtet worden, das zu den großartigen Bauwerken dieser Stadt zählte. Auf einer ihrer Münzen nahm Smyrna sogar den Ruhm für sich in Anspruch, die erste unter den Städten Asiens an Schönheit und Größe zu sein, was sie auch heute noch zum Teil zu sein scheint. Beim Zerfall des (ost-römischen) Byzantinischen Reiches kam Smyrna 300 Jahre lang unter die Herrschaft der Genuesen. Im Jahre 1402 n. Chr. ließ Timur Lenk (= Timur der Lahme) (8.4.1336-18.2.1405 n. Chr.) hier einen Turm aus Menschenköpfen errichten. Die Stadt wurde mehrmals durch Feuer fast zerstört, so zuletzt am 14.-15. September 1922. Trotz vieler Erdbeben, z. B. 1856 n. Chr. und noch im Jahre 1928, ist Izmir dennoch heute mit etwa 1,8 Millionen Einwohnern das zweitwichtigste Wirtschaftszentrum der Türkei. Die Industriebetriebe der Umgebung tragen mit dazu bei, daß der Golf von Izmir jetzt stark verschmutzt ist, da diese sehr große Mengen chemischer Substanzen in das Ägäische Meer einleiten.

  1. Wann die christliche Gemeinde in Smyrna entstanden ist, kann geschichtlich nicht nachgewiesen werden. Man kann aber mit großer Sicherheit annehmen, daß sie von Paulus während seines Aufenthaltes in Ephesus gegründet wurde (siehe Apg. 19, 10). Zur Geschichte dieser Gemeinde gehört auch die Erwähnung des berühmten Märtyrers dieser Stadt. Polykarp, der Bischof von Smyrna, erlitt am 23. Februar 155 n. Chr. den Märtyrertod.
     

….

Zu dieser Zeit fanden die öffentlichen Spiele in Smyrna statt, wobei die Stadt außerordentlich belebt und die Menge erregt war. Plötzlich wurde der Ruf laut: „Weg mit den Gottlosen; laßt uns Polykarp suchen!“ Sicher hätte Polykarp entkommen können, doch, nach einer Traumvision von einem brennenden Kopfkissen, hatte er zu seinen Schülern gesagt: „Man wird mich lebendig verbrennen.“ Von einem jungen Sklaven, den man folterte, erfuhr man den Aufenthaltsort Polykarps, worauf er gefangengenommen wurde. Er befahl, daß denen, die ihn abholten, ein Festmahl bereitet würde und erbat sich selbst, als letzte Gunst, eine Stunde des Gebets. Nicht einmal der Polizeihauptmann (= Oberhauptmann, Apg. 23, 15 ff., Anm.) wollte, daß Polykarp sterben sollte. Auf dem kurzen Weg in die Stadt flehte er den alten Mann an: „Was ist schon dabei, ‚Herr ist der Kaiser‘ zu sagen und ein Opfer darzubringen, wenn man dadurch vor dem Tode bewahrt bleibt?“

Doch Polykarp blieb unerbittlich. Für ihn war nur Jesus Christus der Herr. Als er die Arena betrat, hörte er eine himmlische Stimme sagen: „Bleibe standhaft, Polykarp!“ Der Proconsul (= ein gewesener Konsul der senatorischen Verwaltung = Landpfleger oder Landvogt, Apg. 13, 12, Anm.) stellte ihn vor die Wahl, den Namen Jesus Christus zu verfluchen und dem Kaiser zu opfern oder aber zu sterben. Darauf antwortete Polykarp: „Sechsundachtzig Jahre habe ich ihm gedient, in denen er mir nie etwas Böses zugefügt hat. – Wie kann ich den König, der mich errettet hat, verfluchen?“ Als der Proconsul ihm mit dem Verbrennen drohte, erwiderte Polykarp: „Du drohst mir mit einem zeitlichen Feuer, das rasch erlischt, da du das Feuer nicht kennst, das die Gottlosen beim Jüngsten Gericht erwartet und sie auf ewig bestraft. Warum zögerst du noch? …“ (nach William Barclay, Offenbarung des Johannes, I., Seite 84, übersetzt aus dem Bericht von Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, IV, 15, 11-24).

Als Engel oder Stern der Gemeinde zu Smyrna käme vermutlich auf Grund seiner Frömmigkeit und seines Märtyrertodes der greise Bischof Polykarp in Frage. Da aber Polykarp, ein Jünger des Johannes, auf Grund kirchengeschichtlicher Berichte mehr zu einer Organisation neigte und nicht grundsätzlich gegen die Lehre der Nikolaiten war, scheidet er als Repräsentant des Gemeindezeitalters von Smyrna aus. An seine Stelle tritt, laut Überlieferung, Irenäus, Bischof von Lyon, Kirchenvater (140-202 n. Chr.), der 177 n. Chr. erwählt, seit 178 n. Chr. dieses Amt dort ausübte.

Irenäus, auf Griechisch: eirhnaioV (= Eirenaios), stammte aus Kleinasien und war ein Schüler des Papias. Dieser Papias nun, Bischof von Hierapolis in Kleinasien (um 130 n. Chr.), war wiederum ein Schüler des Johannes, wie Polykarp. Irenäus gilt jedoch als der bedeutendste Theologe des 2. Jahrhunderts. Von seinen Schriften sei hier nur das Hauptwerk mit dem Titel: „Adversus haereses“ = lat. „Gegen die Häresien“ (Entlarvung und Widerlegung der Gnosis) erwähnt, eine sehr wichtige Quelle für die Kirchengeschichte seiner Zeit. Sein Grundgedanke, die beste Garantie der Rechtgläubigkeit sei die in der Gesamtkirche gebotene Tradition, war dann für die spätere Entwicklung des klerikalen Verständnisses wichtig. Die Wirkung seiner gegen die Gnostiker gerichteten, eher polemischen Argumentation war allerdings in späterer Zeit ziemlich gering, da die Philosophie in der Auseinandersetzung eine immer größere Rolle spielte.

Schon im 2. Jahrhundert n. Chr. wurden die Bischöfe (diese Bezeichnung entstand von dem griechischen Wort: episkwpoV = episkopos = „Aufseher“) über die Priester (vom griechischen Wort: presbuteroV = presbyteros = „Älteste“) gestellt. Nach Ignatius oder Ignatios von Antiochia (in Syrien), dem Bischof und Kirchenvater, Schüler des Apostels Johannes, der im Jahre 110 n. Chr. in Rom hingerichtet wurde, mußten die Bischöfe wie Gott selbst verehrt werden, und in den Gemeinden durfte ohne ihre Zustimmung nichts getan werden.

Die geistliche Beurteilung durch den erhöhten Herrn enthält keinen Tadel. Das zeigt uns doch, daß durch Trübsale und Nöte die Kinder Gottes geläutert und bewährt werden. Der Apostel Paulus bezeugte schon: Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen die nach dem Vorsatz berufen sind. (Röm. 8, 28).

  1. Der Engel der Gemeinde muß das Vertrauen seines Herrn genießen, Botschafter an seiner Statt zu sein. Er trägt aber auch gleichzeitig die Verantwortung, das ihm anvertraute Wort Gottes unverkürzt und ohne Abstriche gewissenhaft an die Gemeinde weiterzugeben. Dabei ist allerdings auch besonders seine Treue und Ausdauer erfordert. Versagt hierin der Botschafter, indem er Einschränkungen macht, so wirkt sich das sehr bald im Gemeindeleben aus. Die Gottesfurcht schwindet und das Interesse am Worte Gottes und an der Gemeinde sinkt dahin. Lauheit, Trägheit, Weltoffenheit, sowie Kritikgeist und Zersetzung sind die unausbleiblichen Folgen davon.
     

 

Es braucht dann niemanden zu wundern, wenn Gottesdienste und Bibelstunden wenig besucht sind, aber „fromme“ Kaffeekränzchen jeder Art noch regen Zulauf finden. Üble Nachrede und mangelnde Offenheit aller Beteiligten üben alsdann ihr zerstörerisches Werk gerade an den echten Glaubensgeschwistern aus. Dadurch ins Abseits gedrängt, werden diese auch noch als engstirnig und kleinkariert betrachtet. Deren gutgemeinten Äußerungen, soweit sie in dieser Situation überhaupt möglich sind, stoßen oft sogar gerade beim Gemeindeleiter auf Ablehnung, besonders, wenn er es mit keinem verderben will. Wer jedoch ein ernstes Wort in aller Liebe nicht verträgt, sollte die entsprechenden Konsequenzen ziehen. Der Apostel Petrus ermahnt uns deshalb: Haltet rein eure Seelen im Gehorsam der Wahrheit zu ungefärbter Bruderliebe und habt euch untereinander beständig lieb von Herzen, als die da wiedergeboren sind nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da bleibt. (1. Petr. 1, 22-23).

Diesmal stellte sich der Herr vor mit den zeugnishaften Worten: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden.Das sagte Jesus von sich indessen auch schon in Kapitel 1 (Offb. 1, 17-18). Ehe denn der allererste Lichtstrahl in das „tohu wabohu“, d. h. in die Wüstenei, des Urzustandes dieser von Gott durch ihn geschaffenen Welt hineindrang, war Er. Das sagte ebenfalls bereits Mose in seinem Gebet: Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Psalm 90, 2). Der Apostel Paulus beschrieb seinen und unseren Herrn noch genauer: Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborne vor allen Kreaturen. Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. (1. Kol. 1, 15-16). Demnach steht er ebenso auch über allen

Der Bezug Jesu auf seine Auferstehung von den Toten ist ein Trostwort für die Gemeinde zu Smyrna, die Märtyrergemeinde. Vor seiner Kreuzigung sprach er zu seinen Jüngern über die Zukunft: Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr werdet gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern. Dann werden viele der Anfechtung erliegen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. Und weil der Unglaube wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig. (Matth. 24, 9-13). Dies ist ein Hinweis auf die Leiden der Märtyrer aller Zeiten, die durch viel Drangsal, Hunger, Not und Tod gegangen sind und noch gehen werden.

Der allwissende Herr kennt genau das Los seiner Gemeinde und kümmert sich liebevoll um das Leben eines jeden Menschen, für dessen Sünden er gestorben ist. Jesus weiß daher auch um deine und meine Trübsal, die doch sicherlich leichter als die des Apostels Paulus ist, der da schrieb: Denn unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2. Kor. 4, 17-18).

Die Armut der Christen in Smyrna hatte zwei Ursachen: Zunächst waren viele von ihnen Sklaven und gehörten gesellschaftlich zu den sozial unterprivilegierten Schichten des Volkes. Zum anderen drang der heidnische Pöbel in die Häuser der Christen ein und zerschlug und raubte alles, was sie besaßen, so daß sie arm und besitzlos ihr Dasein fristen mußten. Jesus tröstet sie aber mit den Worten: du bist aber reich. Trotz aller irdischen Armut war die Gemeinde reich an himmlischen Gütern, die unvergänglich sind. In der sogenannten Bergpredigt sagte er: Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht nachgraben noch stehen. Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. (Matth. 6, 19-21).

Paulus schreibt etwas weiter in dem oben erwähnten Brief: Und wir geben niemand irgendein Ärgernis, auf daß unser Amt nicht verlästert werde; sondern in allen Dingen erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhren, in Mühen, in Wachen, in Fasten, in Keuschheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, in dem heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Schande, durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als die Verführer, und doch wahrhaftig, als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht ertötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben, und doch alles haben. (2. Kor. 6, 3-10).

Jakobus, einer von den leiblichen Brüdern des Herrn Jesus, ermahnt uns: Höret zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen auf dieser Welt, daß sie am Glauben reich seien und Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? (Jak. 2, 5).

Der erhöhte Herr Jesus setzt nun den angefangenen Satz fort mit den Worten: und die Lästerung von denen, die da sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern sind des Satans Synagoge. In der Provinz Asien lebte eine überaus einflußreiche, alteingesessene Judenschaft. Als diese Provinz in auffallender Weise Erfolgsgebiet der christlichen Mission wurde, flammte die Feindschaft der Juden gegen die Christen auf, so daß sie die Anstifter der Christenverfolgung in Kleinasien wurden. Diese Juden suchten alsdann die Christen bei den Behörden in der übelsten Weise zu verleumden und dieselben gegen sie aufzustacheln. Immer wieder lesen wir in der Apostelgeschichte, wie die Juden die Obrigkeit gegen die Christen aufzuhetzen versuchten, die das Evangelium verkündigten, und zwar:
a) in Antiochien (Apg. 13, 50),
b) in Ikonien (Apg. 14, 2 + 5),
c) in Lystra (Apg. 14, 19),
d) in Thessalonich (Apg. 17, 5).

Auf Grund ihres haßerfüllten Verhaltens den Christen gegenüber bezeichnet der erhöhte Herr diese Juden als … des Satans Synagoge, d. h. Versammlung. Daran sehen wir, daß man bei aller Werkgerechtigkeit, Gläubigkeit und Frömmigkeit, trotz eines aktiven religiösen Lebens voller Hilfsbereitschaft, doch dem Teufel dienen und sogar schlußendlich verlorengehen kann.

Fürchte dich vor keinem, was du leiden wirst! Mit diesen Worten tröstet der Herr Jesus die leidgeprüfte Gemeinde und ermutigt sie, nicht zu verzagen angesichts der kommenden Not. So wird sie daran erinnert, wenn die angekündigte Trübsal dann eintritt, daß der Herr es ihr vorausgesagt hat.

Siehe, der Teufel wird etliche von euch ins Gefängnis werfen, auf daß ihr versucht werdet, und werdet Trübsal haben zehn Tage. Mit dem Wort „siehe“ wird in der Bibel immer unsere besondere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß die nachfolgende Aussage keinen Zweifel zuläßt. Auch hier wird die bedrängte Gemeinde zu Smyrna zur vermehrten Wachsamkeit aufgerufen, da für sie die Gefahr besteht, daß der Teufel etliche ins Gefängnis werfen wird. Unter Zulassung Gottes werden sich gottlose Menschen bereitfinden, diesen schmählichen Judasdienst zu übernehmen. Über diese von Gott gewährte Anzahl darf jedoch der Teufel nicht hinausgehen, da es hier auf „etliche“ beschränkt ist. Der Herr wacht sorgfältig über alle Gotteskinder und läßt nicht zu, daß sie mehr erleiden müssen, als sie zu ertragen vermögen.

Weiter heißt es nun in unserem Text: … auf daß ihr versucht werdet. Das entsprechende griechische Wort: peirasJhte = pe·irasthéte (= aor. conj. pass. von peirasmoV = pe·irasmos) für Versuchung läßt sich durch das lateinische Wort: Experiment wiedergeben und würde im Zusammenhang so heißen: Ihr werdet Experimenten ausgesetzt sein. Warum Gott seine Getreuen oftmals solchen Experimenten oder Versuchungen im Leben aussetzt, erfahren wir durch den Apostel Petrus: Darüber freuet euch, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, auf daß euer Glaube rechtschaffen und viel köstlicher erfunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer bewährt wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. (1. Petr. 1, 6-7).

Das Maß der Leiden ist genau bemessen, wie der Apostel Paulus bemerkte: Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betroffen. Aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr’s könnet ertragen. (1. Kor. 10, 13).

… und werdet Trübsal haben zehn Tage. Diese im Sendschreiben an die Gemeinde zu Smyrna angekündigte Trübsalszeit war begrenzt, wie es hier heißt, auf „zehn Tage“. Diese kurzzeitige Verfolgung könnte etwas mit der besonderen Situation am Ort zu tun haben, und wahrscheinlich hat es in Smyrna tatsächlich eine solche zehntägige Verfolgung gegeben, in deren Verlauf viele leiden und sterben mußten. Diese Bibelstelle hat aber auch noch eine weitreichendere Bedeutung, denn es ist interessant, daß gerade im Zeitraum der Gemeinde von Smyrna genau zehn Christenverfolgungen stattgefunden haben. Zwischen den Jahren 81 n. Chr., dem Jahr des Amtsantritts Kaiser Domitians, und 313 n. Chr., dem Jahr der Verkündigung des Toleranzedikts durch Kaiser Konstantin, haben zehn römische Kaiser die Christen im Römischen Reich verfolgt, manchmal mehr örtlich begrenzt, ein andermal in ihrem ganzen Herrschaftsgebiet. In dieser Zeit gab es über fünfzig römische Kaiser, die oft weniger als ein Jahr dieses Amt ausübten.

Dächsel berichtete in seinem Bibelwerk, daß gerade zehn Christenverfolgungen stattgefunden hätten und „somit Smyrna der Typus der Märtyrerkirche der ersten Jahrhunderte“ sei. Diese Verfolgungen fanden unter diesen zehn römischen Kaisern statt:

1) Domitian (Titus Flavius Domitianus), geb. 24.10.51, Kaiser von 81-18.9.96 n. Chr. (nach der Überlieferung als grausamer Charakter geschildert, durch ihn viele Prozesse und etliche Hinrichtungen von Christen, wurde selbst ermordet),
2) Traian (Marcus Ulpius Traianus), geb. 18.9.53, Kaiser von 98-8.8.117 n. Chr.,
3) Mark Aurel (Marcus Aurelius Antonius), geb. 26.4.121, Kaiser von 161-17.3.180 n. Chr.,
4) Septimius Severus (Lucius Septimius Severus), geb. 11.4.146, Kaiser von 193-4.2.211 n. Chr.,
5) Maximinus Thrax (G. Julius Maximinus Thrax), geb. um 173 n. Chr., Kaiser von 235-Sommer 238 n. Chr. (von seinen eigenen Truppen wegen seiner Härte ermordet),
6) Decius (Quintus Traianus Decius), geb. um 200 n. Chr., Kaiser von 249-Juni 251 n. Chr., in einer Schlacht gefallen (glaubte durch Ausrottung der Christen die römische Götterwelt zu versöhnen),
7) Trebonianus Gallus (C. Vibius Treborianus Gallus), Kaiser von 251-253 n. Chr. (wurde bei einem Angriff der Goten von seinen eigenen Truppen erschlagen),
8) Valerian (Publius Licinius Valerianus), geb. um 190 n. Chr., Kaiser von 253-260 n. Chr., starb in Gefangenschaft bei den Persern unter Schapur I.,
9) Aurelian (Lucius Domitius Aurelianus), geb. 9.9.214, Kaiser von 270-275 n. Chr. (wurde ermordet),
10) Diokletian (C. Aurelius Valerius Diocletianus), geb. um 240 n. Chr., Kaiser von 284-1.5.305 n. Chr., dankte ab (Christenverfolgung im gesamten Römischen Reich, Verhaftung der Gläubigen, Folterung bei Verweigerung des Kaiserkultes, Durchführung des Opferzwanges bei Strafen der Blendung, Zwangsarbeit und Tod).
(Daten zur antiken Chronologie und Geschichte, Philipp Reclam jun., Stuttgart)

Dann die Verheißung Jesu: Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben. Jakobus sagte dazu: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben. (Jak. 1, 12). Darin ist sicherlich auch eine Anspielung auf die „Krone von Smyrna“ zu sehen, die sich auf den Ring öffentlicher Gebäude auf der Spitze des Hügels Pagos bezogen zu haben scheint. Zahlreiche Tempel befanden sich dort zu Ehren der Götter Kybele, Zeus, Apollos, Nemesis, Aphrodite und Asklepios. Der Reichtum und Luxus dieser „Krone von Smyrna“ ist nicht zu vergleichen mit Wertschätzung der „Krone des Lebens“, die Jesus seinen Getreuen dermaleinst verleihen wird.

Um es noch etwas schöner mit den Worten eines Dichters auszudrücken:

Überschwenglich ist der Lohn,
Der bis in den Tod Getreuen.
Die der Lust der Welt entfloh’n,
Ihrem Heiland ganz sich weihen.

Nun folgt wieder die dringende Aufforderung zum Hören auf den Heiligen Geist. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt! Jakobus ermahnt noch eindringlicher: Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch selbst betrüget. (Jak. 1, 22).

Zum Abschluß des Sendschreibens wieder eine herrliche Verheißung, besonders für die, die den Tod in der Verfolgung erlitten haben oder noch erleiden müssen: Wer überwindet, dem soll kein Leid geschehen von dem zweiten Tode. Der zweite oder andere Tod ist die ewige Trennung der Seele von Gott, wie der erste Tod die Trennung der Seele vom Leib ist. Diese Gottesferne in der Ewigkeit steigert sich bis zur äußersten Finsternis, ja zum Heulen und Zähneklappern. Es ist der Sündenlohn eines verfehlten Lebens, vor dem die Bibel ausdrücklich und eindringlich warnt.

Bei der Auferstehung der Gläubigen heißt es in der Offenbarung: Die andern Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis daß die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung. Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. (Offb. 20, 5-6). Weiter steht dort über das Weltgericht: Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl. (Offb. 20, 14). Dann noch eine Warnung: Der feigen Verleugner aber und Ungläubigen und Frevler und Totschläger und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und aller Lügner, deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod. (Offb. 21, 8). Im Luthertext von 1914 heißt es in den oben zitierten Bibelstellen jedesmal „der andere Tod“, anstatt der wörtlichen Übersetzung „der zweite Tod“.

Das Schlüsselwort: Sei bis in den Tod getreu!

Die Dauer der Gemeinde zu Smyrna (Zeitraum): etwa von 170-313 n. Chr., also 143 Jahre.

Comments (2)

  1. Hallo,

    vielen Dank für diese Auslegung! Darf man einen Textteil in einer biblischen Arbeit nutzen und wiedergeben, mit Quellenangabe natürlich?

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    Bernd

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