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Benedikt XVI. erwartet die juristische Anerkennung der katholischen Kirche in der Türkei

„Die katholische Kirche in der Türkei erwartet die Anerkennung als juristische Person. Dies würde es ihr ermöglichen, in den Genuss einer vollen Religionsfreiheit zu gelangen sowie einen noch größeren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.“

Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. an den neuen Botschafter am Heiligen Stuhl der Türkei, Kenan Gürsoy, anlässlich der Überga­be der Beglaubigungsschreiben, mit denen der Diplomat am Heiligen Stuhl akkreditiert wurde.

Benedikt XVI. betonte, dass die Katholiken in der Türkei die von der Verfassung garantierte Kult­freiheit wertschätzen würden und gern ihren Beitrag zum Wohlergehen ihrer Mitbürger beson­ders im karitativen Bereich leisten wollten. Dabei erinnerte der Papst an das Bestehen der beiden katholischen Krankenhäuser La Paix und St. Georg in Istanbul.

 

Papst würdigt die Bedeutung des St. Georgs-Spitals

Er sagte wörtlich: „Sie (=Katholiken der Türkei) sind zu Recht stolz über die Hilfe, die für die Armen durch die Spitäler La Paix und St. Georg in Istanbul geleistet wird. Damit diese geschätzten Einrichtungen auch in Zukunft gedeihen, bin ich sicher, dass Ihre Regierung weiterhin fortfährt, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit sie alle nötige Unterstützung erhalten.“

Der Papst brachte seine Wertschätzung für die zahlreichen Initiativen zum Frieden und zur Stabilität im Nahen Osten seitens der Türkei zum Ausdruck,

„Brückenland“ zwischen dem Islam und dem Abendland.

„Wie die Geschichte oft gezeigt hat“, so Bene­dikt XVI., „können die territorialen und ethnischen Auseinandersetzungen gelöst werden, wenn die berechtigten Ansprüche einer jeden Seite in Betracht gezogen, die Ungerechtigkeiten der Ver­gangenheit anerkannt und, wenn möglich, wieder gut gemacht werden.“

Der Papst erinnerte auch an seine Apostolische Reise in die Türkei im Jahr 2006 und dankte erneut für die warmherzige Aufnahme sowie die Bekundungen der Hochachtung, die ihm seitens der Muslime zuteil geworden seien.

„Die katholische Kirche bekräftigt das Engage­ment, den interreligiösen Dialog in einem Geist des gegenseitigen Respekts und der Freundschaft fortzusetzen“. 2010 werde der 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Türkei und dem Heiligen Stuhl begangen, die „ein Ergebnis des Pontifikats Johannes XXIII.“ seien. Angelo Roncalli hatte in der Türkei die Auf­gabe des Apostolischen Delegaten in Istanbul wahrgenommen.

Benedikt XVI. brachte die Überzeugung zum Ausdruck, dass diese Beziehungen in der Folge einer ständigen Zusammenarbeit bei vielen wichtigen Fragestellungen immer stärker werden würden.

Ebenso versäumte es der Papst nicht, seine Begegnung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. im Fanar (2006) zu erwähnen. Die christlichen Gemeinden, so der Papst, seien stolz darauf, ihren Teil zu tun, dies in dem Bewusstsein ihres antiken Erbes und des wesentli­chen Beitrages, den sie zur Zivilisierung nicht nur der Türkei, sondern ganz Europas geleistet hätten.

Abschließend dankte Benedikt XVI. den türki­schen Obrigkeiten dafür, dass sie während des Paulusjahres die Pilgerreisen und die liturgischen Feiern an den Orten erleichtert hätten, die mit dem Völkerapostel verbunden sind.

Botschafter Gürsoy erinnerte bei der Überreichung seines Akkreditierungsschreibens an die seit 50 Jahren bestehenden „exzellenten“ diplomatischen Beziehungen zwischen der Türkei und dem Heiligen Stuhl. Beide Seiten könnten auf wissen­schaftlichem und kulturellem Gebiet kooperieren. Erwartungen setze die Türkei auch auf vatikani­sche Unterstützung bei ihren Bestrebungen, der Europäischen Union beizutreten. „Wir glauben, dass der Heilige Stuhl die wichtige Rolle schätzt, die die Türkei für die Zukunft des Kontinents spie­len kann“, so der Botschafter.

Gürsoy war bis 2009 Philosophieprofessor an der Galatasaray-Universität in Istanbul. Unter ande­rem arbeitete der heute 59-Jährige, der im franzö­sischen Rennes und an der Pariser Sorbonne stu­dierte, auf dem Gebiet des interreligiösen und interkulturellen Dialogs.

07.01.2010

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