Fragen und Antworten

Barbarossa-Wer war Kaiser Rotbart

Er stritt mit dem Papst und kämpfte um Italien. Der Zwist mit seinem Vasallen Heinrich dem Löwen forderte ihn heraus. Und auf einem Kreuzzug wollte er Jerusalem zurückerobern: Friedrich Barbarossa.

Er stritt mit dem Papst und kämpfte um Italien. Der Zwist mit seinem Vasallen Heinrich dem Löwen forderte ihn heraus. Und auf einem Kreuzzug wollte er Jerusalem zurückerobern. Friedrich Barbarossa – sein Leben voller Höhen und Tiefen machte ihn zur Legende.

Am Anfang stand »eine schändliche Untat von viehischer Wildheit«. So drastisch umschrieb Papst Hadrian IV. in einem Brief an Kaiser Friedrich Barbarossa den Vorfall, dass der schwedische Erzbischof Eskil von Lund auf der Heimreise von Rom von »einigen gottlosen Verbrechern« in Deutschland überfallen und gefangengesetzt wurde. Wer der Auftraggeber dieser »Verbrecher« war, ist nicht überliefert. Es könnte sich aber um den Erzbischof von Hamburg-Bremen handeln, der es Eskil verübelte, dass dieser Skandinavien endgültig aus dem Machtbereich des hamburgisch-bremischen Erzbistums gelöst hatte. Was den Papst besonders empörte, war die Tatsache, dass Friedrich nichts für Eskil unternahm. Der Brief erreichte den jungen Kaiser in Besançon, wo sich 1156 die deutschen Fürsten zum Reichstag versammelt hatten.

»Du musst Dir, ruhmreicher Sohn«, hieß es in dem Brief, »vor Augen halten, wie freudig Dich Deine Mutter, die heilige römische Kirche, aufgenommen, mit welch herzlicher Liebe sie Dich behandelt, welche Fülle der Würden und Ehren sie Dir zuteil werden ließ und alles vermied, was dem königlichen Willen zuwiderlief. Doch gereut es Uns nicht, Deine Wünsche erfüllt zu haben, selbst wenn Du noch größere Lehen aus Unserer Hand empfangen hättest.« Da stand es nun, das entscheidende Wort: »beneficia«. Der kaiserliche Kanzler Rainald von Dassel übersetzte den Brief und las ihn vor. Der Begriff »beneficia« ließ zwei unterschiedliche Übersetzungen zu: »Lehen« oder »Wohltat«. Rainald wusste sehr wohl, was er tat. Und so heizte er die schon lange schwelende Spannung zwischen Kaiser und Papst an, indem er von »Lehen« sprach. Der Skandal war da.

Die Reichsfürsten empörten sich, ihr Kaiser sei doch kein Lehensmann des Papstes. Und die Aufregung nahm noch zu, als einer der beiden päpstlichen Legaten ausrief: »Von wem hat denn der Kaiser sein Kaisertum, wenn nicht vom Herrn Papst!« Blindwütig reagierte Otto von Wittelsbach, der Pfalzgraf von Bayern: Mit gezogenem Schwert stürzte er sich auf den Kardinal und schwang es über seinem Nacken. »Friedrich«, so heißt es in einem zeitgenössischen Bericht, »trat zwar mit dem Gewicht seiner ganzen Persönlichkeit dazwischen, schaffte Ruhe und sorgte für die Sicherheit der Legaten. Er ließ sie aber sofort in ihre Herberge zurückführen und befahl ihnen, am nächsten Morgen abzureisen.«

Affront: Barbarossa will nicht der Steigbügelhalter des Papstes sein

Das war eine der Episoden im Streit zwischen Kaiser und Papst um ihre Stellung zueinander, zwischen »Imperium« (weltliche Macht) und »Sacerdotium« (geistliche Macht). Weil der Papst den deutschen König zum Kaiser krönte, konnte der Heilige Vater eine gewisse formale Dominanz behaupten – wenn der Gekrönte es zuließ. Kaiser Friedrich war jedoch vom Beginn seiner Regierung an entschlossen, dies nicht zuzulassen. Schon nach seiner Königswahl 1152 in Aachen berichtete er zwar dem Papst von seiner Krönung, bat aber nicht um deren Bestätigung. Noch im Winter 1152 eröffnete Friedrich die Verhandlungen mit der Kurie. Sie führten 1153 zum Vertrag von Konstanz, in dem Friedrich Papst Eugen III. Unterstützung gegen die Normannen in Süditalien, der Heilige Vater dem König die Kaiserkrönung und Unterstützung gegen innere Feinde versprach. Gleichzeitig war die Kurie bereit, Friedrichs kinderlose Ehe mit Adele von Vohburg zu lösen.

Die Einigkeit war jedoch nicht von Dauer. Gleichsam in jeder Geste machte sich bei diesem Herrscher aus der Dynastie der Staufer das gespannte Verhältnis bemerkbar. So traf Friedrich auf dem Weg nach Rom zur Kaiserkrönung bei Sutri auf Hadrian IV., der nun auf dem Stuhl Petri saß. Der Papst verlangte von Friedrich den »Marschallsdienst«: Er solle ihm beim Absteigen vom Pferd den Steigbügel halten. Friedrich weigerte sich jedoch. Erst am Tag darauf ließ er sich überzeugen, dass es sich um einen »reinen Ehrendienst« handle, bei dem er nichts von seiner Macht preisgebe.

Friedrich, als Sohn des Herzogs Friedrich II. von Schwaben um 1122 geboren, übernahm 1147 die schwäbische Herzogsgewalt für den erkrankten Vater. Durch seine Mutter Judith, die aus dem Hause der bayerischen Welfenherzöge stammte, war er eng mit deren Geschlecht verwandt, die seit Jahrzehnten mit den Staufern verfeindet waren. Das war auch das erste innenpolitische Problem, das Friedrich nach seiner Krönung lösen musste. 1150 noch hatten sich Staufer und Welfen in Süddeutschland bekämpft. Nun gelang es Friedrich, sich mit seinem welfischen Vetter Heinrich (später »der Löwe« genannt) zu versöh-nen, der mittlerweile in der Dynastie das Sagen hatte. Friedrich war zudem bereit, Heinrich das Herzogtum Bayern zurückzugeben, das die Welfen unter König Konrad III. verloren hatten.

Heinrich der Löwe war es auch, der Barbarossa, wie ihn die Italiener wegen seines roten Bartes nun nannten, 1154 als machtvoller Vasall über den Brenner begleitete. Und sogleich geriet die deutsche Streitmacht mitten in die Rivalität der oberitalienischen Stadtstaaten: Dort hatten sich die kaiserfeindlichen Städte entfaltet, die Stadtherrschaft war größtenteils in Bürgerhand. Mailand stand an ihrer Spitze.

Doch zunächst musste Barbarossa den Papst in seinem Kampf mit den Römern und zugleich mit den Normannen unterstützen. Eine Gesandtschaft römischer Bürger bot dem König aus eigener Machtvollkommenheit die Kaiserkrone an, was Friedrich jedoch ablehnte. Am Tag der Krönung in der Peterskirche 1155 brach ein Aufstand aus, den vor allem Heinrich der Löwe mit seinen Rittern niederschlug. Friedrich entschloss sich zum Rückzug nach Deutschland. Noch ein Adliger zeichnete sich besonders aus: Otto von Wittelsbach. Bei Verona hatte die rebellische Stadt die enge Etschklause gesperrt. Otto aber gelang es, mit seinen bergerfahrenen Männern die Feinde von oben anzugreifen und den Weg freizukämpfen.

Noch 1155 belehnte der Kaiser dann Heinrich den Löwen mit dem Herzogtum Bayern, das bis dahin dem Babenberger Heinrich Jasomirgott gehört hatte. Dieser wurde folgendermaßen entschädigt: Die Mark Österreich wurde von Bayern abgetrennt und Heinrich als Herzogtum und Reichslehen überlassen. Im Jahr darauf heiratete Friedrich die minderjährige Beatrix von Burgund; aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor. Politisch bedeutsam war, dass nun Hochburgund und die Provence mit ihren wichtigen Alpenstraßen wieder unter die unmittelbare Herrschaft Friedrichs kamen.

Strategie: Friedrich möchte die italienischen Städte auf seine Seite ziehen – gegen den Papst

In dieser Zeit wandte der Kaiser aber zum ersten Mal auch seinen Blick nach Osten. Der polnische Herzog Boleslaw IV. hatte sich geweigert, die Lehenshoheit des Reiches anzuerkennen und Tribut zu zahlen. Daher zogen Friedrich und Heinrich der Löwe 1157 mit einem Heer über die Oder bis nach Posen, und Boleslaw leistete den Huldigungseid. Damals bahnte sich der Anschluss Schlesiens an das Reich und zugleich die so genannte Ostkolonisation an. Wesentlich daran beteiligt war Heinrich der Löwe, der den slawischen Siedlungsraum bis zur Peene eroberte und 1159 auch die Stadt Lübeck neu gründete.

Anders sah es im Süden des Reiches aus: Die meisten Städte opponierten mehr oder minder radikal gegen eine kaiserliche Vorherrschaft und waren jederzeit bereit, ihre Selbstständigkeit mit Waffengewalt durchzusetzen. So zog der Kaiser mit seinem Heer im Sommer 1158 erneut nach Italien. Angesichts der militärischen Stärke leisteten die Städte nun doch den Treueid, nur Mailand und Crema widersetzten sich. Freilich war das noch keine endgültige Befriedung. Immerhin konnte Barbarossa auf den Ronkalischen Feldern in der Poebene einen Reichstag abhalten und die alte Königsgewalt wiederherstellen. Aber weiterhin leisteten Mailand und Crema Widerstand. Crema wurde dem Erdboden gleichgemacht, Mailand kapitulierte erst 1162.

Herrscher der Welt: Der Kaiser sieht sich als Erbe der römischen Imperatoren

Im Jahr 1159 starb Papst Hadrian IV. Als Nachfolger wählte die Mehrheit des Kardinalskollegiums wenige Tage später Alexander III. Die Minderheit wählte den Favoriten des Kaisers, Victor IV., zum Gegenpapst. Friedrich versuchte zwar, auf einer Kirchenversammlung in Pavia den Streit beizulegen, aber das gelang ihm schon deshalb nicht, weil die Mehrzahl der Kardinäle nicht erschien. Das Schisma, in dem noch drei weitere Gegenpäpste erhoben wurden, sollte 18 Jahre dauern. Für die römische Kirche war indes stets Alexander III. der rechtmäßige Papst – der 1160 den Kaiser exkommunizierte, weil dieser hartnäckig Victor unterstützte.

Ab 1157 benutzte die kaiserliche Kanzlei den Begriff »Sacrum Imperium« (Heiliges Reich) für den Gesamtverband der Länder, über die der Kaiser herrschte. Die »Heiligkeit« sah man darin begründet, dass der deutsche König vom Papst zum Kaiser gekrönt und damit zum Herrscher über die Christenheit erhoben wurde – als rechtmäßiger Erbe der römischen Imperatoren. Das schloss auch ein, dass der Kaiser das »Dominium mundi« beanspruchen durfte, die Weltherrschaft also. Der Archipoeta genannte Dichter pries ihn zum Beispiel direkt als »Herrn der Welt«. Um seine »christliche Herrschaft« zu unterstreichen, ließ Friedrich 1164 die Reliquien der Heiligen drei Könige von Mailand nach Köln überführen und ein Jahr später in Aachen Karl den Großen heiligsprechen. Der Kaiser selbst allerdings stellte nicht so hohe Ansprüche. Ihm genügten feste Bündnisse und die Wiedererrichtung der Reichsgewalt in Italien.

Diesem Ziel sollte nun ein weiterer Italienzug dienen. Im Sommer 1167 eroberte das deutsche Heer Rom. Papst Alexander III., der sich lange Zeit in Südfrankreich aufgehalten hatte, musste die Tiberstadt fluchtartig verlassen. Friedrich stand als Sieger da, auf dem Höhepunkt seiner Macht, da brach das Unheil herein. Das deutsche Heer lagerte vor den Toren Roms, als unter den Männern eine Seuche ausbrach, der mehr als 2000 Ritter zum Opfer fielen. Friedrich hatte ursprünglich geplant, die Normannen im Süden Italiens zu bekämpfen. Ihm blieb nun nur der Rückzug nach Deutschland.

Das Debakel von Rom hatte eine weitere schwerwiegende Folge: Die oberitalienischen Städte fielen erneut ab und schlossen sich zum Lombardischen Städtebund zusammen, dem auch der kleinere Veroneser Bund beitrat. Ziel war die Beseitigung der deutschen Herrschaft und die Herstellung der alten Städtefreiheit. Durch Bur-gund machte sich Friedrich auf den Heimweg. Die nächsten sechseinhalb Jahre – bis Herbst 1174 – blieb er in Deutschland. Er nützte dort die Zeit, um vor allem seine königliche Machtstellung zu festigen. Dazu baute er die so genannten Reichs-territorien aus, Gebiete, die allein dem König gehörten. So erweiterte er vor allem den staufischen Herrschaftsbereich im südlichen Schwaben, förderte die Stadtgründungen im Elsass und in Schwaben, festigte in gleicher Weise das königliche Haus am Mittelrhein und in der Oberpfalz. Auch im mitteldeutschen Osten entstand ein großes Reichsterritorium.

Gegenspieler: Heinrich heiratet eine Königstochter und fühlt sich Friedrich ebenbürtig

Um im ganzen Reich präsent sein zu können, ließ der Kaiser eine ganze Reihe neuer Pfalzen bauen und die alten nach seinem Geschmack restaurieren, so zum Beispiel Gelnhausen, Kaiserslautern, Nürnberg, Eger, Ulm, Hagenau. Trotz seiner Misserfolge in Italien genoss er hohes Ansehen, weshalb die Fürsten 1169 seinen dreijährigen Sohn Heinrich einstimmig zum König wählten.

Auch Heinrich der Löwe, der weitaus mächtigste Herrscher in Friedrichs Reich, bemühte sich um diese Zeit, seine herzogliche Stellung weiter auszubauen. Er machte Braunschweig zum Mittelpunkt seiner Herrschaft, während das Herzogtum Bayern, dessen Herzog er ja war, eher eine Art Nebenrolle für ihn spielte. 1168 heiratete er Mathilde, eine Tochter des englischen Königs und konnte sich nun in einer königsgleichen Stellung sehen. Dementsprechend wandelte sich auch sein Verhalten gegenüber dem Kaiser in den folgenden Jahren. So kam es schließlich zum Bruch.

Es war schon das fünfte Mal, dass im September 1174 Kaiser Barbarossa mit einem Heer nach Italien aufbrach. Weder Heinrich der Löwe noch andere Reichsfürsten nahmen diesmal daran teil. Ziel waren wieder die lombardischen Städte. Die Kräfte waren in etwa gleich verteilt, und so strebten beide Seiten einen friedlichen Ausgleich an. Im Vorfrieden von Montebello (1175) unterwarfen sich die Lombarden erneut – aber es kam dann doch wieder zu keiner Einigung, und die Kämpfe brachen abermals aus. Der Kaiser hatte allerdings inzwischen schon einen großen Teil seines Heeres entlassen und war nun dem lombardischen Widerstand nicht mehr gewachsen. In seiner Not wandte er sich an Heinrich, der sich gerade in Bayern aufhielt. Die beiden trafen sich in Chiavenna (Lombardei), und Friedrich bat um Unterstützung. Vermutlich warf er sich sogar vor Heinrich auf die Knie. Doch dieser verlangte für seine Hilfe die wegen ihrer Silbervorkommen reiche Stadt Goslar am Nordrand des Harzes – worauf Barbarossa nicht eingehen wollte. So trennten sich die beiden ehemaligen Bundes-genossen ohne Ergebnis.

Dem Kaiser blieb nur der Verhandlungsweg. Es gelang ihm, seine beiden Hauptgegner, die Kurie und die Lombarden, zu trennen und ein Sonderabkommen mit Papst Alexander zu schließen. Darin akzeptierte er Alexander als den rechtmäßigen Papst, erklärte sich zum Frieden mit den Lombarden bereit, und auch das normannische Sizilien sollte in den Vertrag miteingeschlossen werden. Dafür erkannte Alexander ihn als Kaiser und seinen Sohn Heinrich als römischen König an. Die endgültigen Friedensverhandlungen wurden dann in Venedig weitergeführt und im Juli abgeschlossen. Der Papst nahm Friedrich wieder in die Kirche auf, Friedrich küsste ihm den Fuß. Alexander richtete ihn auf und gab ihm den Friedenskuss.

Erneut musste Friedrich nun darangehen, die Verhältnisse in Deutschland zu ordnen. Ausgerechnet sein langjähriger Waffengenosse, sein Vetter Heinrich der Löwe, entpuppte sich als hartnäckiger Störenfried. Heinrich hatte seine Machtfülle ständig auf Kosten sächsischer Fürsten und Bischöfe erweitert. Jetzt, nach dem Frieden von Venedig und der Hilfsverweigerung von Chiavenna, war Friedrich entschlossen, Heinrich zu entmachten. Anlass boten neuerliche Kämpfe zwischen Heinrich und seinen sächsischen Nachbarn. Beide Seiten traten mit Klagen vor den Kaiser. Daraufhin lud Friedrich seinen Vetter auf einen Hoftag zu Worms. Heinrich erschien nicht, und als er auch weiteren Ladungen nicht Folge leistete, wurde im Sommer 1179 die Reichsacht über ihn ausgesprochen.

Heinrich bekam aber noch eine Chance in einer persönlichen Unterredung mit dem Kaiser. Friedrich forderte eine Buße von 5000 Mark Silber, eine riesige Summe, die aber Heinrich nicht überfordert hätte. Doch er weigerte sich zu zahlen. In Ostsachsen und Westfalen brachen neue Kämpfe aus. Und Heinrich stachelte die slawischen Wenden zu einem Einfall in die Lausitz an. Zur gleichen Zeit erhob der Kaiser noch eine zweite Klage gegen Heinrich: Weil er die Ladungen missachtet habe, habe er auch die kaiserliche Majestät verletzt. Aber auch diesmal ignorierte Heinrich die dreimalige Ladung. Daraufhin verfiel er der »Oberacht«, und das bedeutete die völlige Ehr- und Rechtlosigkeit. Nach einer Heerfahrt Friedrichs gegen ihn unterwarf er sich 1181 auf dem Reichstag in Erfurt. Im Folgejahr sprach der Kaiser das Urteil über den Aufmüpfigen: unbefristete Verbannung. Heinrich ging ins Exil nach England, kehrte mehrfach in seine Länder zurück und versöhnte sich schließlich nach Friedrichs Tod mit dessen Sohn Heinrich VI. Dem »Löwen« verblieb jedoch nur ein kleiner Teil seiner Besitztümer, unter anderem Braunschweig. Dort starb er 1195.

Fatale Entscheidung: Ein Bad bei brütender Hitze wird dem Kreuzfahrer zum Verhängnis

Trotz seiner Niederlagen in Italien war Fried-rich nach dem Sturz Heinrichs auf dem Höhepunkt seiner Macht. Das symbolisierte ein prachtvolles Hoffest, das man 1184 in Mainz feierte. Anlass war die Schwertleite (Ritterschlag) für seine beiden Söhne Friedrich und Heinrich. Zeitgenössische Schätzungen nennen 40000 bis 70000 Teilnehmer, die der Kaiser bewirtete. Auch 70 Fürsten waren unter den Gästen. Von den farbenfrohen Turnieren schwärmte hinterher ganz Europa.

Der Streit mit dem Papst flammte bald darauf wieder auf, und Friedrich sah sich gezwungen, erneut nach Italien zu ziehen. Dieser letzte Zug brachte freilich nichts ein. Barbarossa vollzog nun eine Wende in seiner Italienpolitik: Seinen Sohn Heinrich verlobte er mit Konstanze von Sizilien, einer Tochter des Normannenkönigs Roger II. Die Hochzeit der beiden fand 1186 ausgerechnet in Mailand statt. Denn inzwischen war es Friedrich gelungen, ein Bündnis mit der Stadt zu schließen.

Die Ausgleichsverhandlungen mit der römischen Kurie gingen weiterhin nur zögerlich voran. Da überbrachten Boten die Nachricht, dass türkische Seldschuken die Kreuzfahrerstaaten angegriffen und 1187 Jerusalem erobert hatten. Das verpflichtete Friedrich zu einem Kreuzzug: In seiner Pfalz Hagenau nahm Barbarossa Ostern 1189 ohne zu zögern »Ranzen und Pilgerstab« und brach nach Regensburg auf, wo sich das Kreuzheer sammelte, etwa 12000 bis 15000 Mann.

Zunächst reisten Friedrich und die Fürsten per Schiff auf der Donau bis über Belgrad hinaus. Dann begannen auch für sie die Mühen des Landweges. Die Strapazen wurden immer größer, je weiter man im Hochland von Anatolien vorrückte. Schließlich gelangte das Heer über das Gebirge ins Tal des Saleph (heute Göksu), einem Gebiet, das von armenischen Christen bewohnt wurde. Eine Verschnaufpause war dringend nötig.

Es war der 10. Juni 1190, ein brütend heißer Sonntag. Friedrich hielt an, um einen Imbiss einzunehmen. Danach wollte er sich erfrischen. Der Saleph führt als Gebirgsfluss kühles Wasser, was den Kaiser umso mehr zu einem Bad verlockte. Und dann die Katastrophe: Vor den Augen seiner Truppen ertrank der Kaiser, ohne dass ihm jemand zu Hilfe kommen konnte. War es ein Kälteschock? In einer zeitgenössischen Chronik brachte der Verfasser die gedrückte Stimmung zum Ausdruck: »Bei diesem Bericht versagt unser Griffel und verstummt unsere Rede.«

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