Türkische Leben und Kultur

Aberglaube in der Türkischen Gesellschaft

 

Aus Furcht, Hoffnungslosigkeit oder anderen Gründen entsteht in menschlichen Gesellschaften ein irrationaler Glaube, den man “Aberglauben” nennt. Diese Art von Glauben gibt es seit Menschengedenken und behauptet ihren Platz auch heute noch in der modernen Gesellschaft. Zum größten Teil entbehrt sie jeder logischen, vernünftigen, fortschrittlichen oder religiösen Grundlage. Trotz alledem hat der Aberglaube leider seinen festen Platz im Bewusstsein, Gehirn und Gewissen der Menschen. Manche Menschen sind, bedingt durch ihre Persönlichkeit, abergläubisch, aber viele werden auch durch ihre Vorfahren oder manche religiösen Vorbilder zu solch einem Irrglauben verleitet. Natürlich ist der Aberglaube und seine Auslegung von Mensch zu Mensch verschieden, hat jedoch auch viele Gemeinsamkeiten aufzuweisen.

Aberglauben bezüglich Geister, Gräber, Mausoleen und Wallfahrtsstätten

– Wer an einem Wallfahrtsort einen Baum abschlägt wird besessen.
– Wer aus einem Mausoleum etwas mit nach draußen nimmt, wird ebenfalls besessen.
– Es ist nicht gut, mit dem Zeigefinger auf ein Grab zu deuten, denn daraufhin werden die Finger austrocknen.
– Wenn bei der Schlachtung eines Opfertieres die Zunge des Tieres aus dem Maul hängt, wird der Tierbesitzer noch im gleichen Jahr sterben.
– Wenn ein Kind ständig weint, wird demnächst ein Familienmitglied sterben.
– Während die islamischen Totengebete gesprochen werden, kommt der Tote im Grab noch einmal zu Bewusstsein, will sich erheben, stößt seinen Kopf und sagt:
„Mein Gott, ich bin gestorben.“

– 40 – 52 Tage nach dem Versterben eines Menschen löst sich das Fleisch von den Knochen des Toten. Um diesen Prozess zu erleichtern, wird in dieser Nacht im Hause des Toten gebetet.
– Nachdem ein Toter beerdigt worden ist, sucht seine Seele 7 Tage sein Haus auf.
– Wenn beim Schuhausziehen ein Schuh mit der Sohle nach oben liegt, ist es ein Zeichen dafür, dass der Schuhbesitzer bald sterben wird.
– Wenn man im Traum einen Toten sieht, ist es ein Zeichen dafür, dass derjenige zu Besuch kommen möchte.
– Wenn man vorm Schlafengehen seine Strümpfe ans Kopfende legt, wird man früh sterben.
– Es ist nicht gut, wenn ein Toter ins Haus gebracht wird, denn dieser Tote wird drei Sterbefälle in dem betreffenden Haus nach sich ziehen.
– Es ist ein großes Vergehen Bilder zu malen, denn im Jenseits wird der Maler diesem Bild Leben geben können.
– Dort wo Bilder hängen verflüchtigen sich die Engel.
– Die Kleidung eines Verstorbenen wird demjenigen geschenkt, der den Toten gewaschen hat.
– Man soll nie einen Baum von einem Grab abschlagen, denn er beherbergt Geister.
– Auf einem Friedhof legt man sich nicht hin.
– Verstirbt jemand in der Nacht, wird ihm bis zum Morgen ein Messer auf den Leib gelegt.
– Wenn man Erde ins Grab wirft, gibt man die Schaufel nicht von Hand zu Hand weiter.
– Um einen guten Yoghurt herzustellen, sollte man von einem Grab Zweige nehmen und in das Feuer werfen, auf dem die Milch abgekocht wird.
– Ein zerbrochener Spiegel bedeutet Unglück.
– In dem Raum, wo der Verstorbene gewaschen worden ist, sollte drei Tage ein Licht brennen.
– Die ausgezogenen Schuhe der Beileidsbesucher sollten nicht herumgedreht werden.
– Hat der Totengräber kein Geld bekommen, wird der Verstorbene keine Ruhe finden.
– Wenn der Ruf zum Gebet ertönt schlägt man seine Beine nicht übereinander.
– Man nimmt keinen Stein oder keine Erde vom Grab mit.
– Hundegeheul bedeutet Tod.
– Solange der Verstorbenen noch nicht unter der Erde ist, darf das Haus nicht gefegt und keine Wäsche gewaschen werden. Ebenso darf kein Wasser ins Haus gebracht werden.
– Ein Friedhof sollte nicht erweitert werden, weil sich dann die Sterbefälle häufen werden.
– Wer Kleidung eines Verstorbenen trägt, verlängert sein Leben.
– Wird der Verstorbene zum Waschen gebracht, legt man in sein Bett eine Zwiebel.
– Das Leichentuch darf nicht mit einem Messer oder einer Schere geschnitten werden.
– Springt eine Katze über die Leiche, bevor sie aus dem Haus getragen wird, so wird der Tote keine Ruhe finden und als Geist zurückkehren.
– Geht ein Tier vor dem Gebetsteppich vorbei, während jemand sein rituelles Gebet dort verrichtet, ist das Gebet ungültig geworden.
– Verrichtet man sein rituelles Gebet im Freien, richtet man zuerst einen Stein oder einen Stecken an dem Gebetsplatz auf. (damit kein Tier vorübergehen kann)
– Auf dem Friedhof darf man nicht rauchen.
– Hat jemand Läuse, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass er bald sterben wird.
– Die Nachbarn des Verstorbenen gießen das in ihren Häusern stehende Wasser aus, um sich vor einer Reihe von Todesfällen zu schützen.
– Beim Bettenmachen, darf das Kopfende nicht eingeschlagen werden, sondern nur das Fußende. Da das Kopfende nur bei einem Verstorbenen eingeschlagen wird, glaubt man, dass derjenige, der in einem falsch zurechtgemachten Bett schläft, bald sterben wird.

Aberglauben, der Tiere betrifft

– Schlangen sind die Wächter eines Hauses.
– Wirft man eine getötete Schlange ins Wasser und sie geht unter, bedeutet das einen Dauerregen, der eine Überschwemmung nach sich zieht.
– Heulen die Wölfe bedeutet das eine strenge Kälte oder Schnee.
– Schreit eine Eule in der Nähe eines Hauses, so wird in diesem Haus jemand sterben, oder das Haus wird zusammenstürzen.
– Wenn die Wölfe heulen, fällt vom Himmel Fressen in ihre Mäuler, damit sie die Herdentiere nicht angreifen.
– Wenn eine Kuh gekalbt hat, soll man nichts Schweres für den Haushalt kaufen oder etwas Schwergewichtiges hochheben, da in diesem Fall der Kuh die Milch versiegt.
– Bei der ersten Geburt einer Kuh darf die erste Muttermilch nicht aus dem Hause gegeben werden, da sonst die Milch versiegen kann. Man fügt der Milch etwas Kohle hinzu und kann sie dann aus dem Haus geben.
– Die gemolkene Milch einer Kuh darf nicht auf den Boden fließen, da sonst das Tier erkranken kann.
– Wenn beim ersten Almauftrieb ein Fremder durch die Viehherde geht, werden die Kühe unfruchtbar.
– Eine schwarze Katze, die den Weg kreuzt, bringt Unglück.
– Eulenrufe bringen Unglück. Man kann es nur verhindern, indem man einen brennenden Holzscheit nach dem Vogel wirft.
– Taucht vor jemandem ein Hase auf, sollte derjenige sofort umkehren, denn der Hase bringt Unglück.
– Hört man Schakale heulen, sollte man sofort auf die Erde spucken, oder es passiert ein Unglück.
– Wenn Schakale heulen, klärt sich das Wetter auf, es wird sonnig und warm. Einem anderem Aberglauben zufolge bedeutet Schakalgeheule Regenwetter.
– Wer auf dem Weg in seine Hochzeitsnacht versehentlich auf eine Katze tritt, wird in der Nacht nicht sehr erfolgreich sein.
– Wenn man eine Schlange lebendig ins Feuer wirft, wird es regnen.
– Rabengeschrei vor dem Haus ist die Ankündigung einer Nachricht.
– Es bedeutet etwas Gutes, im Traum einen Skorpion zu sehen.
– Mit einer Katze das Lager zu teilen ist nicht gut, denn Katzen stehlen Menschen die Seele und verkürzen deren Leben.
– Rabengekrächze kündigt Schnee an.
– Sinnloses Hundegebell in der Nacht, unzeitgemäßes Hahnengekrähe oder Brüllen des Viehs während der Nacht kündigen eine Katastrophe an. (Angriff, Erdbeben oder eine andere Naturkatastrophe)
– Ein in den Himmel bellender Hund ist der Vorbote für Blutvergießen.
– Es ist ein schweres Vergehen, eine Taube, Schwalbe oder einen Storch zu töten.
– Lämmer dürfen keinem Fremden gezeigt werden, nicht eher bis dass sie verkauft werden.
– Ein erlegtes Tier darf niemand anderem geschenkt werden. Gibt man es ab, muss dafür mit Münzen bezahlt werden.
– Eine Schlange zu sehen bedeutet Glück.
– Ein Rebhuhn zu sehen bringt Unglück.
– Wenn der Hahn kräht wird es Regen geben.
– Die Eule bringt dem Haus auf dem sie sich niederlässt Unglück.
– Wenn ein Huhn wie ein Hahn zu krähen beginnt, muss es geschlachtet werden, sonst kann es Unglück bringen.
– Die Katze fällt nie auf den Rücken, weil der Heilige Ali ihr seinerzeit den Rücken gestreichelt hat.
– Die Knochen eines Opfertieres dürfen nicht zerschlagen werden.
– Das Blut und die Knochen eines Opfertieres müssen vergraben werden.

Aberglauben bezüglich des Herdes und des Feuers

– Das Feuer verfluchen, Fingernägel hineinzuwerfen oder Wasser hineinzugießen bringt Unglück.
– Wer morgens jemand anderem Glut von seinem Feuer gibt, dessen eigener Herd wird verlöschen.
– Wo ein Feuer brennt, halten sich keine Geister auf.
– Sobald ein Feuer verlöscht versammeln sich Geister und Elfen an der Feuerstelle.
– Wer nichts auf dem Herd stehen lässt, beschwört ein Unglück herauf.
– Wenn der Rost im Feuer plötzlich umfällt, bricht eine Katastrophe über das Haus herein.
– Wenn man keinen Topf auf dem Rost stehen lässt, kochen die Teufel ihr Essen dort.
– Lässt man den Rost in der Feuerstelle leer, bedeutet das, dass in dem Haus Wasser von Toten kocht.
– Brodelt in einem Topf unsinnigerweise lange Zeit das Wasser, vermehren sich die Feinde.
– Abends gibt man keine Glut mehr aus dem Haus.
– Der Herd eines Haushaltes in dem keine Lampe brennt, wird mit der Zeit immer dunkler werden, genauso wie das Grab des Hausbesitzers nach seinem Tode stets dunkel sein wird.
– Es ist gut für kranke Tiere, dass man sie einmal durchs Feuer springen lässt.
– Um ein Feuer zu löschen sollte man kein Wasser, sondern Erde benutzen.
– Auch wenn das Feuer schon lange ausgeglüht ist, sollte man nicht neben der Asche schlafen, denn es spielen nun Teufel und Geister darin.
– Auch auf die Asche darf auf keinen Fall Wasser gegossen werden, genauso wenig, wie man auch darauf urinieren darf.
– Asche darf niemals nachts weggeschüttet werden, denn das schadet dem Wohlstand des Hauses.
– Auf tierische und menschliche Fäkalien darf niemals Asche gestreut werden.
– Um Regenwetter zu beenden, stellt man den Rost aus dem Herd in den Innenhof des Hauses und steckt in die Mitte des Rostes ein Messer.
– Es ist ein Vergehen neben einer erloschenen Feuerstelle zu liegen.
– Nachts sollte man nicht an einem Aschehaufen vorbeigehen oder darüber springen, denn dann kommt der Teufel.
– Die Geräusche, die beim Feuermachen entstehen sind ein Zeichen dafür, dass über denjenigen, der das Feuer entfacht schlecht gesprochen wird.

Aberglaube bezüglich Pflanzen und Pflanzenanbau

– Wer von einer Ulme fällt, überlebt den Sturz nicht.
– Aus Ulmenholz macht man keine Wiegen und Truhen.
– Wer unter einem Feigenbaum schläft, wird vom Teufel weggetragen.
– Wer unter einem Walnussbaum lebt, kann vom Teufel geholt werden.
– Wer auf einem Feld Unzucht treibt, macht den Boden unfruchtbar.
– Wer Weintraubenkerne oder das Melonenfleisch rings um den Stiel herum isst, wird verwaisen.
– Oliven sind heilig.
– Es ist nicht gut, alleine unter einem großen Baum zu schlafen.
– Auf einem bestellten Feld sollte man nicht urinieren oder eine sexuelle Verbindung eingehen.
– Wenn das Getreide gedroschen wird, sollte man nicht durchlaufen, da sonst Gottes Segen verloren geht.
– Wer, bevor er zur Aussaat oder zur Ernte geht die rituellen Waschungen vornimmt und die entsprechenden Gebete verrichtet, bringt Glück.
– Wer im Schatten eines Walnussbaumes liegt, wird ungeschickt und erfolglos. Ein Walnussbaum verinnerlicht alles, was in seiner Umgebung geschieht. Wird er gefällt, gibt er durch Zeichen an seinen Auswüchsen all seine Geheimnisse preis.
– Hängt man Kinderwindeln an einem wilden Baum auf, so wird das Kind genauso wild.
– Es ist ein Vergehen, die Kerne eines Granatapfels zu Boden fallen zu lassen, denn der Granatapfel ist eine Paradiesfrucht.
– Wenn man Yoghurt oder Milch aus dem Haus gibt, sollte man darüber ein Tuch, Kohle oder grüne Blätter legen, um die Milchgebende Kuh vor dem bösen Blick zu schützen.
– Unter einem Maulbeerbaum zu liegen oder zu sitzen ist nicht gut, denn dann wird man von Geistern besessen.
– Lösen sich beim Teigkneten kleine Stücke ab und fallen runter, so ist Besuch zu erwarten.
– Wo es viele Kalabassenbäume (Kürbisbäume) gibt, gibt es auch viele Sterbefälle.
– In dem Haus, wo es viel Weizen gibt, gibt es wenig Todesfälle.
– Wer in der Nähe der Feldgrenze schläft wird schwerfällig und von Geistern heimgesucht.
– Wer unter einem Olivenbaum schläft wird schwerfällig.
– Wer unter einem Feigenbaum schläft, wird schwerfällig.

Aberglaube, der mit dem menschlichen Körper zusammenhängt

– Ausgefallene Zähne müssen an einem geheimen Ort versteckt oder vergraben werden.
– Die Hände über den Knien zu falten verhindert Glück und Wohlstand.
– Es ist gut mit den Fingergelenken zu knacken, denn es zeigt wie gesund der Mensch ist.
– Wer seine Hände wäscht, sollte immer mit der rechten Hand beginnen, denn mit der linken Hand zu beginnen bringt Unglück.
– Beim Händedruck oder Überreichen eines Gegenstandes an eine zweite Person ist immer die rechte Hand zu benutzen, denn die linke bringt Unglück.
– Es ist nicht gut beim Strümpfe anziehen seine Füße in Richtung Mekka auszustrecken.
– Beim Strumpfanziehen ist der rechte Fuß vorzuziehen.
– Wem die Nase juckt, über den wird schlecht gesprochen.
– Wenn die rechte Handinnenfläche juckt, gibt es Geld, juckt die linke, gibt man Geld aus.
– Abends sollte man sich nicht die Nägel schneiden.
– Man sollte abends kein Kaugummi kauen, denn das bedeutet, dass man Fleisch von Verstorbenen kaut.
– Beim Kämmen ausgegangene Haare sollten nicht fortgeworfen werden, sondern gesammelt und beim Versterben der Person mit ins Grab gelegt werden.

 Am Tag des Jüngsten Gerichts werden sie nämlich wieder anwachsen.

– Eine schwangere Frau, die ein übersteigertes Verlangen nach bestimmten Speisen hat sollte vorsichtig sein, wohin sie schaut. Denn ihr Kind wird allem, was sie anschaut ähneln.
– Ein Achat stillt Blutungen und bewahrt den Träger vor Armut.
– Ein Kind, das noch nicht ein Jahr alt ist, bekommt Ausschlag am Körper wenn es zwischen zwei Personen durchgeht, die nicht ihre rituellen Waschungen vorgenommen haben.
– Wenn das linke Ohr klingelt ist das ein Zeichen für Reichtum.
– Das Klingeln des rechten Ohres ist ein Zeichen für Gesundheit.
– Ein Zucken des Augenlides bedeutet etwas Negatives, es kann Todesfälle in der nächsten Umgebung geben.
– Wem die Ohren Klingeln, über den wird gerade gesprochen.
– Es ist ein Vergehen, seine Beine übereinander zu schlagen.
– Wenn von den oberen Vorderzähnen einer raus fällt, stirbt entweder der Vater oder die Mutter.
– Fällt der rechte obere Eckzahn heraus, stirbt der eigene ältere Bruder oder der Bruder vom Vater.
– Verliert man seinen oberen linken Eckzahn, so stirbt das eigene Kind oder einer der Geschwister.
– (Damit die mit den Zähnen zusammenhängenden schlechten Erwartungen nicht in Erfüllung gehen, gibt man Almosen oder füttert vor dem Frühstück die Vögel.)
– Jucken die Handflächen, kann man mit Geld rechnen.
– Auf abgeschnittene Haare sollte man nicht treten, da sonst der Person, der die Haare gehören der Kopf schmerzt.
– Wenn ein Vogel abgeschnittene Haare davonträgt, um sie in sein Nest zu bringen, bekommt der Besitzer der Haare Kopfschmerzen.

Aberglaube, der die Himmelskörper betrifft

– Wer heimlich des Nachts im Mondschatten badet, wird so glänzend wie der Mond selbst.
– Wasser in dem sich der Mond spiegelt darf nicht getrunken werden. Wer es trotzdem tut, wird von etwas Bösen heimgesucht.
– Bei jeder Sternschnuppe stirbt ein Mensch.
– Bei Vollmond geborene Kinder haben eine glänzende Zukunft und viel Glück im Leben.
– Bei Vollmond geborene Mädchen werden glänzend und schön wie der Mond.
– Wer nachts in Richtung Mond spuckt oder flucht führt Unglück herbei.
– Wer bei Sonnenuntergang aufwacht verkürzt sein Leben.
– Während der Tageswende bestellt man weder sein Feld, noch feiert man eine Hochzeit.
– Vor einer Sonnenfinsternis schreien die Tiere vor Furcht, denn sie können die kommende Sonnenfinsternis instinktiv spüren.
– Die Sonne trifft nur die Schönen.
– Gemüse und Obst, das bei abnehmendem Mond angebaut wird, ist besonders ertragreich.
– Zeigen die Spitzen des Neumondes nach unten, so gibt es im kommenden Monat viel Regen, zeigen sie nach oben, wird ein trockener Monat erwartet.
– Wem ein Kind gestorben ist, trinkt bei Sonnenuntergang kein Wasser mehr.
– Vor dem Neumond sollte nichts gesät oder geerntet werden.
– An mondlosen Tagen sollte man keine Bäume fällen, denn das Holz wird nicht sehr widerstandsfähig sein.
– An mondlosen Tagen zieht man keine Zähne.
– An mondlosen Tagen zieht man nicht auf die Almen, steigt nicht ins Tal hinab und geht nicht in den Wald.
– Wer in der Abenddämmerung isst, beeinflusst sein Schicksal ungünstig.
– Wer gegen Abend isst, dem stirbt die Mutter oder der Vater.
– Bei einer Sternschnuppe treffen sich die Heiligen.

Aberglauben um Geburt und Wochenbett

– Die Wöchnerin sollte sich nicht weit von ihrem Haus entfernen.
– Die Wöchnerin geht nachts nicht aus dem Haus.
– Dem Neugeborenen wird während des Wochenbetts ein Koran, ein Zauberspruch, ein Messer oder Schwarzkümmel unter den Kopf gelegt.
– In das Zimmer der Wöchnerin werden Streichhölzer und ein Besen gelegt.
– Eine Wöchnerin darf nachts nicht alleine gelassen werden.
– Eine Wöchnerin darf am vierzigsten Tag drei nahe Nachbarn besuchen und erst danach sich weiter vom Haus entfernen.
– Wöchnerinnen und ihr Neugeborenes dürfen nicht miteinander verglichen werden.
– Wer ein Neugeborenes im Wochenbett sehen möchte, muss ein Geldgeschenk machen, um das Kind zu schützen.
– Ein Hund oder eine Katze darf nicht in Kontakt mit einem Neugeborenen im Wochenbett kommen, sonst wird das Kind vom Kindbettfieber heimgesucht.
– Eine Wöchnerin und eine Hirschkuh, die gerade frisch geworfen hat, sollten sich nicht begegnen, da sich dann beider Situationen vertauschen könnten. Da Hirsche nur alle sieben Jahre trächtig werden, kann es sein, dass die Frau auch erst nach sieben Jahren wieder schwanger wird.
– Lässt man ein noch nicht 40 Tage altes Kind allein, legt man an sein Kopfende ein Messer, eine Zwiebel und Knoblauch.
– Personen, die Geld oder Gold bei sich tragen, sollten sich dem Neugeborenen nicht nähern. Passiert es doch einmal, muss das Geld oder Gold für eine Weile am Kopfende des Kindes abgelegt werden.
– Betritt eine Wöchnerin ein fremdes Haus, so schüttet sie erst Wasser, in das Myrthen Zweige eingetaucht sind, in das Haus. Erst dann kann sie es betreten.
– Zieht ein Hochzeitszug vor dem Haus einer Wöchnerin vorbei, wird die Braut keine Kinder bekommen.
– In das Haus einer Wöchnerin sollte man kein gemahlenes Mehl von der Mühle bringen.
– Kleine Lämmer dürfen nicht eher jemandem gezeigt werden, bis sie mindestens 40 Tage alt sind.
– Das Licht am Bett einer Wöchnerin muss die ganze Nacht brennen.
– Zwei Wöchnerinnen tauschen nach 40 Tagen ihre Nadeln untereinander, erst dann kann man sagen, dass das Wochenbett beendet ist.

Aberglauben an bestimmten Tagen

– Am 6. Mai, nach dem türkischen Bauernkalender der Sommeranfang, feiert man das „Hıdrellez Fest“, an dem nicht genäht werden darf, keine Pflanzen und Bäume abgeschnitten werden dürfen und nicht geschlachtet wird. Hält man sich nicht an diese Regeln, werden sich alle Lebewesen, die noch nicht geboren sind, schon im Mutterleib zu einer Hıdrellez Verunstaltung entwickeln.
– Am „Arife“ Tag, dem letzten Tag vor dem Opferfest, dürfen diejenigen, die erst kürzlich einen Todesfall in der Familie hatten, keine Näharbeiten ausführen.
– Am „Arife“ Tag wird nicht gearbeitet.
– Sowohl am Arife Tag als auch während der Feiertage des Opferfestes dürfen keine Bäume gefällt werden.
– Am „Hıdrellez“ Tag (6. Mai) werden bisher verschlossene Mehlsäcke geöffnet.
– Am „Arife“ Tag bringt man kein Brennholz ins Haus, weil man damit unweigerlich auch eine Schlange ins Haus bringt.
– Am „Arife“ Tag wird keine Seife benutzt.
– Mit dem Wasser, das man am „Hıdrellez“ Tag noch vor Tagesanbruch nach Hause bringt, kann man Yoghurt ansetzen; es bedarf keiner weiteren Treibmittel.
– Wer am „Hıdrellez“ Tag noch vor Tagesanbruch in einem fließenden Gewässer badet, schützt seine Gesundheit.
– Man sollte am „Hıdrellez“ Tag noch vor Tagesanbruch unbedingt einen Krug Wasser ins Haus bringen, denn dieses Wasser ist gesundheitsförderlich.
– Während der Fastenzeit im „Aşure“ Monat, (Monat nach dem Opferfest) des Monats „Muharrem“, an dessen zehntem Tag Noah angeblich die Arche verlassen hat, dürfen keine frischen Bäume gefällt werden.
– Am Feiertag rasiert man sich nicht.
– Die neugeborenen Lämmer sollten bis zum „Hıdrellez“ nicht gezählt werden.

Aberglauben um Steine und Wasser

– Es ist nicht gut, nachts in einem See zu baden, weil dann auch Elfen und Feen sich dort aufhalten. Wer mit ihnen zusammen im See badet, wird seiner Seele beraubt.
– Nachts springt man nicht übers Wasser, denn Wasseransammlungen sind nachts Aufenthaltsort für Geister und Elfen.
– Wer nachts Wasser nach draußen schüttet, wird von Elfen besessen.
– In kochendes Wasser steckt man kein Messer.
– Ins Wasser spucken bringt Unglück.
– Wer an einer Quelle schläft, ruft den Teufel herbei.
– Wer auf einem Felsen, der tief in der Erde steckt, schläft fordert den Teufel heraus.
– Man schreitet nicht über Wasser, in dem vorher Wäsche gewaschen wurde, denn damit ruft man den Teufel herbei.

Aberglauben um Licht und Dunkelheit

– Wo abends Zwiebeln gegessen wurden, lassen sich keine Engel blicken.
– Wer nachts in den Spiegel schaut, lebt nicht lange.
– Scharfe Lebensmittel wie Paprika, Zwiebeln oder Knoblauch werden nachts nicht aus dem Haus gegeben.
– Yoghurt, Käse oder Milch wird nachts nicht aus dem Haus gegeben.
– Sollte es trotzdem einmal nötig sein, wird die Speise abgedeckt oder man legt Kohle oder einen grünen Zweig darauf.
– Es ist ein Vergehen, nachts zu pfeifen.
– Nachts gibt man kein Salz aus dem Haus.
– Abends wird nicht vor der Haustür gefegt.
– Brot wird nicht von Haus zu Haus gegeben.
– Wenn Kinder abends das Fünf- Steine- Spiel spielen, kommt ein Feind.

Volksglauben, der die Fruchtbarkeit betrifft

– Demjenigen, der das erste gebackene Brot aus dem ersten Mehl der Mühle isst, stirbt die Frau.
– Wer Treibmittel aus dem Hause gibt, führt Armut herbei.
– Brotkrümel auf den Boden zu werfen und mit den Füßen darauf zu treten, vertreibt den Segen und Wohlstand eines Hauses.
– Aus dem Mund desjenigen, der in die Fremde zieht, sollte man einen Bissen Brot stehlen.
– Führt man Näharbeiten an einem Kleidungsstück aus, welches eine Person am Körper trägt, so beeinflusst man sein Schicksal.
– Wer Brot mit dem Messer schneidet, vertreibt Wohlstand und Segen aus dem Haus.
– Wer vor dem Essen nicht „Bismillah“ (im Namen Gottes) sagt, wird nicht satt, denn der Teufel isst mit ihm.
– Beim Strümpfe stricken sollte man nicht mit dem Bündchen anfangen, da die Strümpfe sonst schnell kaputt gehen.
– Ein gebrochenes Schulterblatt wendet das Schicksal zum Guten. (Dieser Knochen bricht meistens, wenn man bezwungen worden ist)

Aberglauben, der das Haus betrifft

– Im Fundament eines Hauses sollten keine schwarzen Steine verwendet werden.
– Wer vor seiner Tür sitzt, ist Opfer für Verleumdungen.
– Neben einer Wand zu schlafen ist nicht gut, denn man kann besessen werden.
– Ist das Haus nicht sauber, kommen anstatt Engel Teufel hinein und nicht das Glück sondern Zwietracht zieht in den Haushalt ein.
– Geht ein Familienmitglied in die Fremde, wird an dem Tag das Haus nicht gefegt und auch kein Besuch empfangen.
– Mit dem Strick, den man zum Tragen von Gegenständen benutzt hat, geht man nicht in Nachbars Haus, weil es dem Unglück bringen könnte.
– Wer auf der Türschwelle sitzt, lässt die Armut in sein Haus.
– Wer auf der Türschwelle sitzt, wird sein Leben lang ledig bleiben.
– Mit einem Strick geht man nicht zu den Nachbarn, denn es würde sie verarmen lassen.
– Auf der Türschwelle sitzt der Teufel, deshalb sollte man sich selbst dort nicht hinsetzen.
– Es ist ein Vergehen, bei Regen auf der Türschwelle zu sitzen.

Die Atmosphäre betreffender Aberglaube

– Um einen Hagelschauer zu beenden, wirft man ein Messer in den Innenhof.
– Wirft man einen Toten Schädel, den man aus einem Grab herausgeholt hat ins Wasser, wird es Regen geben.
– Wenn es im April regnet, sagt man, dass der Teufel Hochzeit feiert.
– Wer bei diesem Regen draußen ist, wird von den Geistern geholt.
– Aprilregen ist wie Weihwasser und bringt Glück. Wer sich vom Aprilregen Nassregnen lässt, tut etwas für seine Gesundheit.
– Es bringt Glück, bei Gewitter auf Eisen zu beißen.
– Ein Mädchen, das unter einem Regenbogen schreitet, verwandelt sich in einen Jungen, ein Junge in ein Mädchen.
– Es ist gesund, bei Beginn eines Hagelschauers Hagelkörner zu essen.
– Bei Beginn eines Hagelschauers sollten alle diejenigen, die Mehmet heißen, oder der jeweils erstgeborene Sohn ein Hagelkorn nehmen und es mit dem Messer in der Mitte durchteilen.
– Bei Gewitter sollte man ein Messer nehmen und es auf das Dach werfen.
– Das Fünf- Steine- Spiel führt eine Trockenheit herbei.
– Um einen Hagelschauer zu beenden, wirft man den Rost des Herdes nach draußen.
– Wenn es blitzt, steckt man ein Messer in den Boden.

Aberglauben um Jahreszeiten, Monate und bestimmte Tage

– Am ersten März darf kein Fremder das Haus betreten, da sonst die Lämmer und Kälber sterben würden.
– Ist einem die erste Person, die man am ersten Januar sieht, gut gesonnen, so wird man das Jahr gut verleben, ist sie es nicht, wird man krank werden.
– Am Dienstag wäscht man keine Wäsche. Wer am Dienstag gewaschene Wäsche anzieht wird sterben.
– Am Dienstag geborene Kinder haben die Bluter-Krankheit.
– Am Dienstag wird keine Hochzeit gefeiert.
– Am Freitag schüttelt man keinen Staub draußen aus und geht auch nicht zur Arbeit.
– Ein Kind, das am Freitag empfangen wurde, ist intelligent.
– Am Samstag sollte man keine Wäsche waschen.
– In der Nacht von Freitag auf Samstag geborene Kinder haben ein gesegnetes Leben vor sich.
– Freitags sollte man nicht stricken, da man sonst sein Schicksal herausfordert.
– Wer am Freitagabend seine Nägel schneidet, verliert an Ansehen.
– Wer am 7. August aufs Feld geht wird besessen.
– Am Samstag sollte man keine Betten beziehen, denn das frisch bezogene Bett fordert einen Toten.
– Den Dienstag sollte man nicht beachten.
– Das erste Saatgut sollte nicht am Dienstag oder Mittwoch aufs Feld gebracht werden.
– Am Freitag werden bis zum Mittagsgebet keine Bäume gefällt.
– Am Dienstag oder Freitag beginnt man nicht mit einer neuen Arbeit.
– Am Freitag wird nichts ausgesät.
– Am Freitag begonnene Arbeiten gehen einem schwer von der Hand.

Aberglauben um das Geschlecht

– Wenn der Hausherr die Zimmerlampe einschaltet, wird es diesem Haus nicht an Glanz und Wohlstand fehlen.
– Eine Frau, die den Weg eines Mannes kreuzt, bringt Unglück.
– Eine Frau, die zwischen zwei Männern hindurchgeht, wird unfruchtbar.
– Ein Mann, der zwischen zwei Frauen hindurchgeht, wird sich nie durchsetzen können.
– Ein Mann, der zwischen zwei Mädchen hindurch geht, verliert seine männliche Behaarung.
– Eine Frau, die die Hälfte ihres Tees stehen lässt, wird Witwe.
– Ein Jäger, dessen Weg von einer Frau gekreuzt wird kehrt um und geht diesen Tag nicht zur Jagd.
– Wenn einem Mädchen das erste Mal die Haare geschnitten werden, sollte das der Bruder der Mutter tun, dann werden die nachwachsenden Haare sehr kräftig sein.
– Einem Jungen sollte der erste Haarschnitt vom Bruder des Vaters oder der Mutter verpasst werden.
– Ein Mädchen verlässt ihr Elternhaus an einem Donnerstag oder einem Sonntag.
– Setzt man dem Schafsbock vor der Begattung der weiblichen Tiere einen Jungen auf den Rücken, werden die Lämmer männlich sein, setzt man ihm ein Mädchen auf seinen Rücken, werden sie weiblich sein.

Aberglauben in Bezug auf Menschen, die das Haus verlassen oder betreten

– Wer auf der Straße ausspuckt führt eine Katastrophe herbei.
– Es ist nicht gut, sich auf der Straße umzudrehen.
– Es bringt Unglück, an der Kreuzung von drei Straßen zu rasten.
– Bleibt ein Messer auf dem Rücken liegen, wenn man es auf die Erde geworfen hat, kann man Besuch erwarten.
– Fällt einem ein Löffel aus der Hand wird Besuch eintreffen.
– Fällt einem ein Bissen aus dem Mund ist mit Besuch zu rechnen.
– Hinter dem Jäger, der sich auf die Jagd begibt, wirft die Ehefrau einen Besen her.
– Einen Jäger fragt man nicht “Wohin gehst du?” Fragt man ihn, kann er nicht mehr zur Jagd gehen.
– Stehen Schuhe übereinander, ist eine Reise in Aussicht.
– Am Straßenrand sollte man sich nicht hinlegen, da man vom Teufel besessen werden kann.
– Einen zur Jagd gehenden Jäger sollte man nicht ansprechen, denn damit beeinträchtigt man sein Jagdglück.
– Bevor man zur Jagd geht, legt man sein Gewehr auf den Boden und lässt ein höchstens drei oder vier Jahre altes Mädchen oder einen ebenso alten Jungen dreimal darüber springen.

Aberglauben um bestimmte Gegenstände

– Ein verkehrt herum zu Boden gefallener Schuh bringt Krankheit.
– Man reicht Seife nicht von Hand zu Hand, da das Streit geben kann. Gibt man Seife weiter, legt man sie dem anderen auf den Handrücken.
– Nach dem Essen legt man den Löffel mit der Innenwölbung nach oben auf den Tisch, damit man sein Schicksal nicht herausfordert.
– Wer aus einem Deckel Wasser trinkt, wird Pech haben.

Comments (1)

  1. We have formerly blogged about Twins gloves and how people
    today use them for traditional boxing too. Still, he often has rare insight into the fights he watches and has a clear passion for the game.
    Yuriorkis Gamboa, 22-0 (KO 16) – Super featherweight –
    is a highly talented fighter in the featherweight division.

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